Donnerstag, 30. April 2020

Kleine Trittwebstühle


Ich bekomme immer wieder Anfragen von Bloglesern zu Webstühlen, die gebraucht angeboten werden.  In dem Zusammenhang habe ich oft mit den Fragestellern die Vor- und Nachteile verschiedener Webstuhltypen erörtert. Tatsächlich interessieren sich die meisten für die kleineren Modelle, teils aus Platzmangel, einige aber auch, weil sie als Anfänger vor einem großen Webgerät eher zurückschrecken.
Ich habe mittlerweile auf vielen verschiedenen Webstühlen gewebt und dabei meine Vorlieben ganz gut kennengelernt und entsprechend subjektiv fällt natürlich meine Beratung aus.

Mein erster Webstuhl war der Glimåkra Ideal mit 1 m Webbreite. Ich habe ihn etwa 1980 nach einem einwöchigen Webkurs zusammen mit einem waagerechten  Kontermarsch  gekauft. Das alte Foto zeigt ihn ein Jahr später in meinem ersten Webzimmer, das so klein war, dass man gerade mal um ihn herumgehen konnte.


Der Ideal  hat eine Hängelade, die ich vor allem deswegen einer Standlade vorziehe, weil ich einen besseren Blick auf die fell line, also den jeweils zuletzt eingelegten Schuss habe. Eine Standlade verdeckt oder verschattet diese Stelle 
Dieser Webstuhl wurde üblicherweise mit 4 Schäften und 6 Tritten verkauft, ich habe meinen aber sehr bald mit zusätzlichen Querschemeln und Tritten auf 8 Schäfte aufgerüstet. Mein Kontermarsch war seinerzeit sogar mit je 10 Wippen geliefert worden, die zusätzlichen Querschemel passen ohne Umbau auf die vorgesehenen Achsen. Die Achse für die Tritte muss nur etwas verlängert werden, um je einen der neuen Tritte außen rechts und links aufzuschieben..
Mit Texsolv Litzen 280/12 funktioniert das  8-schäftige Weben einwandfrei.

Ein Nachteil dieses Webstuhs ist es, dass man nicht - wie bei den größeren Glimåkra Standard Modellen - für die Trittverschnürung von hinten in ihn einsteigen kann. Ich mache die Verschnürung mittlerweile von vorne, nachdem ich Brustbaum und Kniebaum vorübergehend entfernt habe.

Der Webstuhl ist recht kompakt gebaut und immerhin so stabil, dass ich auch Flickenteppiche darauf weben konnte. Er benötigt nicht viel Standfläche mit 128 x 117 cm. Durch seine Höhe von 1,55 m wirkt er aber dennoch raumgreifender als ein wirklich "kleiner" Webstuhl.




Ein später entwickelter Webstuhl, die Julia, heute noch bei GAV-Glimåkra erhältlich, ist da mit einer Standfläche von 80 x 78 cm und einer Höhe von 130 cm schon wesentlich kleiner, allerdings hat er auch nur eine Webbreite von 67 cm. 
Das Bild zeigt eine ältere Ausführung dieses Webstuhls außerdem mit Rollenzug, die Julia ist aber auch als  8-schäftiger Kontermarschwebstuhl zu bekommen.

Ich bevorzuge absolut das Weben mit Kontermarschwebstühlen. Die Tatsache, dass das Einrichten des Webstuhls etwas länger dauert, da Querschemel sowohl für die Hebung als auch für die Senkung vorhanden sind und so die doppelte Anzahl an Verschnürungen gemacht werden muss, zahlt sich beim Weben aus, durch ein nicht schief ziehendes, gutes und großes Fach. Dazu kommt, dass es Bindungen gibt, die für Rollenzugwebstühle nicht geeignet sind.

Tatsächlich habe ich erst in Schweden, in der vävstuga an unserem schwedischen Wohnsitz in Virserum,  das Weben mit Rollenzugwebstühlen kennengelernt.



Mittlerweile habe ich mehrere kleine Rollenzugwebstühle vom Typ Göta-Webstuhl und webe auch ganz gerne darauf, da die Probleme, die bei dieser Art der Schaftaushebung entstehen können, bei kleineren Webbreiten besser beherrschbar sind.

Typisch für den Göta-Webstuhl von Inga Askling und den baugleichen Anne-Webstuhl von Glimåkra ist die Hinterseite, dort fehlen sowohl die Beine als auch ein Streichbaum. 
Letzteres hat mich bisher nicht so gestört, da ich nie lange Ketten auf diesem Webstuhl verwebe und die fehlenden Beine haben wir einfach nachgerüstet. 
Ursprünglich sollte der Webstuhl einfach an einem Tisch oder einer Fensterbank befestigt werden, das verleiht ihm auch eine bessere Stabilität. Man konnte aber auch einen kompletten Unterbau inklusive Bank zukaufen. Hier gibt es mehr Informationen zu diesen Webstühlen.
Beide Webstühle sind in den Webbreiten 60 und 90 cm gebaut worden. Allerdings haben die kleineren Webstühle keine Querschemel, was ich als Nachteil sehe, sie lassen sich aber recht einfach nachrüsten.  Hier kann man sehen, wie wir es gemacht haben.



Es gibt oder gab eine Reihe kleiner Kontermarschwebstühle auf dem Markt. Ein tolles Modell war die Rita, ein kleiner, klappbarer Webstuhl, den die finnische Firma Varpapuu seinerzeit unter verschiedenen Namen  auch  in Lizenz für diverse schwedische Firmen gebaut hat, u.a. für Bergå Garn. 
Typisch ist die Anordung der Querschemel, die Senker und Heber sind nicht untereinander angeordnet sondern liegen alternierend auf einer Ebene.  

Heute stellt Rudi Künzl den Webstuhl noch her, der bei ihm Mora heißt.
Der kleine Webstuhl hat 4 Schäfte und 6 Tritte und ist mit aufgezogener Kette zusammenklappbar. Die Webbreite beträgt 80 cm, die benötigte Stellfläche 110 x 115 cm, bei einer Höhe von 130 cm
.



In den neunziger Jahren habe ich zusammen mit ein paar Freundinnen den Rita-Webstuhl in etwas abgewandelter Form nachgebaut. Unser Modell hat 8 Schäfte und Tritte, auf dem Bild oben werden gerade jeweils 6 davon genutzt. Ich habe meinen Rita-Nachbau in Schweden stehen und er funktioniert immer noch einwandfrei und ist laufend in Betrieb.

Für viele scheint es interessant zu sein, dass ein Webstuhl klappbar ist. Ich habe diese Möglichkeit eigentlich nie genutzt. Einerseits finde ich, dass ein kleiner Webstuhl kaum Raum einnimmt und dazu noch hübsch anzusehen ist. Ein zusammengeklappter braucht auch seinen Platz, muss ev. irgendwo hingelehnt werden, da nicht alle von selber stehen können und ist in dieser Form kaum ein Schmuckstück. Dazu kommt, dass es gar nicht so einfach ist und nicht mal eben so schnell geht, einen Webstuhl zusammenzuklappen und schon mal gar nicht mit aufgezogener Kette. Man sollte auch daran denken, dass die Klappbarkeit mit einer gewissen Instabilität einhergehen kann. 
Aus meiner Sicht ist die Möglichkeit, einen Webstuhl zusmmenklappen zu können vor allem für jene interessant, die Webvorführungen bei Ausstellungen oder auf Märkten machen, also das Webgerät mit dem PKW transportieren müssen.

In Finnland wird der Kaori Webstuhl hergestellt, ein kleiner Kontermarschwebstuhl, den ich vor drei Jahren in Växjö auf der Webmesse gesehen habe. Er kann auf 8 Schäfte ausgebaut werden, hat aber nur eine Webbreite von 60 cm. Er ähnelt im Aufbau der Rita, hat aber statt der von mir bevorzugten Hängelade eine Standlade.
Auf der Website der Firma ist der Link zu einem Film, der das Zusammenklappen des Webstuhls zeigt, da kann man gut sehen, wieviele Schritte nötig sind, um das zu bewerkstelligen, immerhin kann er im zusammengeklappten Zustand selber stehen und durch seine Rollen recht einfach transportiert werden.


Eine Hängelade hatte der kleine klappbare Kontermarschwebstuhl Nr. 9 der dänischen Firma Lervad, die es zwar nicht mehr gibt, die Webstühle tauchen aber bei Ebay und Co. immer mal wieder auf.

Fotos aus meinem alten Lervad Katalog

Diesem Webstuhl sieht man an, dass er eine Weiterentwicklung eines Tischwebstuhls ist. Der typische Webrahmen hat ein Untergestell bekommen und einen Überbau, der hier nicht mit Hebeln bestückt ist sondern den Kontermarsch beherbergt. Was mir an diesem Webstuhl nicht so gut gefällt ist die Tatsache, dass er keine Streichbäume hat sondern nur Kett- und Warenbaum, die im Verlauf des Webens ja ihren Umfang ändern und somit die Höhe des Fach beeinflussen. 
Ich habe nie auf diesem Webstuhl gewebt, er hat mir aber optisch immer sehr gut gefallen.



Etliche kleine Trittwebstühle waren ursprünglich Tischwebstühle mit Hebelmechanismen. Durch den Kauf eines entsprechenden Untergestells konnten sie auf einfache Art zu Webstühlen mit 4 Tritten und Direktanbindung  umgebaut werden. Oben ein Bild meines alten W70 von Louet mit selbstgebautem Untergestell. Auch dazu gibt es einen Blogbeitrag.


Für den Victoria-Webstuhl, der heute noch von GAV-Glimåkra hergestellt wird, ist ein Untergestell erhältlich, das mit 4 Tritten und Querschemeln ausgerüstet werden kann, so dass man mehrere Schäfte mit einem Tritt verbinden kann und nicht - wie bei der Direktanbindung - für die Musterbildung zwei oder mehrere Tritte gleichzeitig treten muss.

Nachtrag März 2025

Mittlerweile habe ich meinen 8-schäftigen Victoria-Webstuhl zum Trittwebstuhl mit 8 Tritten umgebaut. Die Umbauanleitung gibt es in diesem Blogbeitrag: 

https://strick17.blogspot.com/2025/03/umbau-des-victoria-tischwebstuhls-zum-8.html



Foto aus einem älteren Glimåkra Katalog
 
 
Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es auch für den Kothe Nordia Tischwebstuhl der finnischen Firma Varpapuu einen Umbausatz mit Tritten gab. Ein Untergestell konnte man auf jeden Fall kaufen.
Meinem Nachbau des Kothe Nordia aus den frühen 80er Jahren habe ich ein einfaches X-förmiges Untergestell ohne Tritte verpasst, das zwar schnell zu bauen war aber auch ein bißchen wackelig ist.



Seinerzeit hatte ich zwei Freundinnen dafür begeistern können, sich auch einen solchen Webstuhl zu bauen und zu dritt sind wir dann ans Werk gegangen. Bei der gemeinsamen Materialbeschaffung hatten wir Holz für eine weitere Interessentin mitbesorgt, die aber zu dem Zeitpunkt nicht mitbauen konnte. Tatsächlich ist sie nie dazu gekommen ihren Webstuhl zusammenzubauen und ich hatte nun über 30 Jahre lang die Bauteile in unserem Keller liegen.

Insgesamt hatte ich drei Tischwebstühle, den Louet W70 und den Kothe Nordia-Nachbau mit 4 Schäften, sowie den Victoria mit 8 Schäften, aber mit der Hebeltechnik konnte ich mich nie anfreunden. Es geht mir zu langsam vonstatten und man muss sich enorm konzentrieren, da man ja für jeden Schuss die richtigen Schäfte immer wieder einzeln auslesen muss. Mir hat das auf die Dauer keinen Spaß gemacht und ich finde diese Technik vor allem interessant, wenn man Proben und Mustersammlungen macht.

Also sind mittlerweile der Louet und die Victoria mit Tritten ausgerüstet und nur der Kothe Nordia hat noch seine Hebel behalten. Lange habe ich darüber nachgedacht, auch ihn umzubauen aber dann ist mir eingefallen, dass ich ja noch das zugeschnittenes Holz für den damals geplanten 4. Webstuhl irgendwo im Keller liegen hatte und dass es doch möglich sein müsste, aus diesen Teilen einen kleinen Kontermarschwebstuhl nach eigen Wünschen und Plänen zu bauen.



Und so sieht unser Selbstgebauter aus.


In meinem nächsten Post werde ich ihn genauer beschreiben und die Baupläne veröffentlichen.




Nach einem ersten Probegewebe und einigen kleinen Veränderungen, arbeite ich jetzt an meiner zweiten Kette und bin richtig glücklich mit meinem neuen kleinen, gemütlichen Webstuhl.



Nachtrag Februar 2024:

 https://strick17.blogspot.com/2024/02/glimakra-webstuhl-im-miniformat.html




Montag, 30. März 2020

Clasped Weft oder Meet and Separate


Schon Ende Dezember habe ich den Beginn dieses Gewebes gepostet.
Es sollte ein Schal in der Clasped-Weft-Technik entstehen, teils auch Meet and Separate genannt, nur ein deutsches Wort für diese Technik ist mir leider wieder einmal unbekannt. Die Schweden sagen Mötas och Skiljas dazu, vielleicht sollten wir die Technik auch einfach Treffen und Trennen nennen?
In Kette und Schuss hatte ich Baumwolle 16/2. In der Kette waren die Fäden doppelt in einen 60/10 Kamm eingezogen, Bedingt durch die Clasped-Weft-Technik liegt der Faden im Schuss schließlich auch doppelt.


Begonnen hatte ich mit schmalen Streifen auf der grünen Seite des Gewebes



Nach der halben Schallänge habe ich das Streifenmuster auf die türkisfarbene Seite verlegt und dabei auch die Streifenbreite verdoppelt.


Hier sieht man den Schussvorgang, während ich die breiten Streifen webe. Das aktive Schiffchen ist mit dem grünen Faden geladen und wird von der Uniseite aus, also von rechts nach links geworfen, umfängt am linken Rand den dunkel-türkisfarbenen Faden und wird im gleichen Fach zurückgeschossen. Ist der dunkle Streifen fertiggewebt, zieht man den hell-türkisfarbenen Faden ins Gewebe.


Um leichter die beiden Schussfarben der Streifenhälften aufnehmen zu können, habe ich die Garne aufgespult, auch in Schiffchen eingelegt und auf eine Ablage neben dem Webrahmen gelegt.


So kann der jeweilige Faden leicht und ohne sich zu verheddern vom aktiven Schiffchen  aufgenommen werden und leicht abrollen, während der Schuss der einfarbigen Seite ihn durchs Gewebe zieht.


Hier sieht man die Situation an der Trennlinie, während ich die schmalen Streifen gewebt habe.
Nun ist der aktive Schussfaden türkis und wird von links nach rechts geführt. Die Schiffchen mit den beiden Streifenfarben stehen auf der rechten Seite.


Nach dem Weben kommt wie immer erst das Fransenknoten.


So sieht es aus, als hätte ich zwei Schals gewebt :-) 


Aber hier wird klar, dass es sich um ein Teil handelt.


Dadurch dass ich den Mittelstreifen jeweils in der Farbe der Uniseite gewebt habe, ergeben sich dort unterschiedliche Farbeindrücke, das gefällt mir recht gut.



Der fertige Schal ist 30 cm breit und 176 cm lang.

Samstag, 29. Februar 2020

Das blaue Wunder


Obwohl Niedersachsens Hauptstadt nur 100 km von unserem Wohnort entfernt liegt, habe ich es erst ganz zum Schluss geschafft, mir die Wanderaustellung Das blaue Wunder in der Handwerksform Hannover anzusehen.


41 Handweberinnen, 3 Handweber und 4 soziale Webereien zeigten eine eindrucksvolle Fülle von Exponaten, gewebt in den verschiedensten Techniken, geeint durch die Farbe BLAU
Organisiert worden war die Ausstellung vom Verein Weben Plus
Leider waren die einzelnen Stücke schlecht zu fotografieren, da sie meist durch sehr helle, gerichtete Spots beleuchtet waren, die starke Schatten warfen. Ich kann dadurch nur einige wenige Fotos zeigen, die aber alle leider auch keine gute Qualität und Farbtreue aufweisen.


Dieses grafisch gestaltete Damastgewebe von Beate Stürmer zierte schon den Einladungsflyer.


Ausschnitt eines Gewebes von Anneliese Lauf.


 Die interessante Musterung des Kissens von Silke Schnau


 ist besser im Detailbild zu erkennen.


Doris Arendholz zeigte ein sehr dekoratives und spannend strukturiertes Gewebe aus Papiergarn.


Die verschiedensten Blautöne finden sich in Annette Borgwardts doppelgewebtem Kissen wieder.


Auch die subtilen Farbschattierungen der warmen, weichen Wolldecke von Kari Bottke 
sind am Besten in der Detailaufnahme zu sehen.


Von Cornelia Feyll stammen diese außerordentlich dekorativen, gewebten Mobilés.


Sehr gut gefielen mir die Ikatschals von Eva Götze und Wolfgang Weckwarth.


Besonders der rechte Schal, Fuzzy Blue, hat mich beeindruckt.
In der Arbeitsbeschreibung, die zu fast allen Geweben in einem ausgestellten Buch zusammengefasst war, das in der Ausstellung auslag, war dazu Folgendes zu lesen:

"Bordüre Kettikat.
Kette und Schuss sind in nur einem Färbegang gefärbt. 
Blauschattierungen entstehen durch Farbverflechtungen.
Mit nur einem Schussfaden gewebt, in dem das Muster für die gesamte Schallänge vor dem Fäben abgebunden wurde." 
Das Material ist 100 % Seide Grège.

In der Großaufnahme, die ich eigentlich nur gemacht hatte, um den Namen zuordnen zu können, kann man das Gewebe des Schals von Wolfgang Weckwarth etwas genauer sehen.


Der Schal war für mich das Highlight der Ausstellung aber direkt gefolgt von dem großartigen Bildgewebe von Luise Kröger, das das Thema der Ausstellung nun wirklich trifft.


Dieser kleine Einführungsfilm des Handwerforums Hannover  gibt noch mal einen Eindruck der Ausstellung, auch hier ist zu sehen, wie schwierig die Lichtverhältnisse für Fotografie und Film waren.

 











Donnerstag, 30. Januar 2020

Variationen



Ich bin ein großer Fan von Farbverflechtungsmustern und mag das einfache Log Cabin Muster besonders gerne. Über den Schal, der im oberen Bild zu sehen ist, habe ich in einem älteren Blogbeitrag geschrieben, dort findet ihr auch die Webpatrone.


Im Sommer habe ich einen Schal gewebt, bei dem das Log Cabin Muster nur aus den
zwei entgegengesetzten Blöcken gebildet wird, also einem längsgestreiften und einem quergestreiften Block.


Jetzt wollte ich eine Dreiteilung ausprobieren. 



Die Blöcke sollten jeweils durch einen kontrastfarbigen Streifen abgegrenzt werden, der gleichzeitig dazu diente den Blockwechsel zu ermöglichen.


Wegen des laufenden Farbwechsels in der Kette, 1 hell - 1 dunkel, fand ich es praktischer, den Webrahmen mit Hilfe eines Reedekamms aufzubäumen, um erst danach die Fäden durch den Gatterkamm zu ziehen.
 

Mit den älteren Webrahmen, die es oft preiswert über Ebay-Kleinanzeigen zu kaufen gibt, kann man sehr gut arbeiten, sie haben nur einen kleinen Nachteil. Die Löcher der Gatterkämme sind recht klein und nicht so komfartabel ausgestaltet, wie bei den modernen Rahmen z.B. von Ashford, Schacht oder Kromski. 
Durch die Schlitze kommt man gut mit einem Blattstecher, oder wie oben zu sehen einem Litzenstecher. Für die Löcher benutze ich mittlerweile eine Haarverlängerungsschlaufe, das funktioniert wirklich gut. Ich kannte so ein Gerät gar nicht und weiß auch leider nicht mehr, woher ich diesen tollen Tipp habe.


Die eine Hälfte des Schals habe ich auch hier wieder ohne Querunterteilungen gewebt.


Beide hellgrau/mittellgrau Schals sind aus dem gleichen Material gearbeitet, 4-fädiger Sockenwolle mit 25 % Bambusanteil, in Kette und Schuss. Nach dem Waschen und Bügeln mit einem feuchten Tuch sind sie sehr angenehm im Griff und haben einen tollen Fall.




Mir gefällt auch diese neue Variante gut.







Dienstag, 31. Dezember 2019

Mit doppeltem Faden

Bisher habe ich auf Webrahmen nur mit Wolle gewebt, in der Kette hatte ich meistens vier- oder sechs-fädige Sockenwolle, die ich mit vier oder drei Fäden pro Zentimeter verarbeitet habe. Für feinere Garne dagegen, habe ich bisher immer meine Webstühle genutzt.


Doch kürzlich habe ich mir für meinen selbstgebauten Webrahmen einen neuen Gatterkamm gekauft, der die Einteilung 60/10 hat. In meinem Fundus habe ich jede Menge Baumwollgarn Nm 16/2 und ich habe mir vier Farben daraus ausgesucht, um einen leichten Schal zu weben.


Die Idee war, den Schal in der Clasped-Weft-Technik zu weben. Hierbei liegen doppelte Schüsse im gleichen Fach. Schussfaden A wird von einer Seite aus eingegeben, umschlingt den Schussfaden B auf der anderen Gewebeseite und wird im gleichen Fach zurückgeführt. Hierbei zieht er den Faden B eine beliebige Strecke mit, so dass sich eine Quermusterung ergibt.


Häufig werden in dieser Technik solche Zacken gewebt, wie sie hier zu sehen sind.


Weil der Schussfaden doppelt im Fach zu liegen kommt, habe ich auch die Kettfäden gleich doppelt eingezogen, um so ein ausgeglichenes Gewebe zu bekommen und um dadurch auch eine Garnstärke zu haben, die mit 6 Fäden pro Zentimeter ein stabiles Gewebe ergibt.


Nach dem Anweben habe ich die ersten beiden Schüsse zur Randbefestigung mit einem einfachem Schussgarnfaden umstochen.


Ich möchte die eine Hälfte des Schals uni und die andere gestreift abweben. Von der Schalmitte an sollen die Streifen auf der türkisfarbenen Seite liegen und die hellgrüne einfarbig bleiben.




Der Farbstreifen in der Mitte erleichtert den Farbwechsel und soll etwas von der Ungenauigkeit ablenken, die dabei leicht entsteht.


Hätte ich mehr Geduld würde der Farbübergang sicher schöner, aber das Weben geht mir auch so schon langsam genug...