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Mittwoch, 19. August 2026

Sashiko-ori Schal

Nachdem mein erster Versuch, ein Halstuch in der Sashiko-ori Technik zu weben, wegen eines zu spät erkannten Webfehlers zum Mustertuch mutierte, habe ich nun tatsächlich einen Schal fertigstellen können.

 


Das Muster habe ich mit Hilfe des  Hitomezashi Sashiko Pattern Generators erstellt, den ich im vorangegangenen Post vorgestellt habe.

Für meinen Schal habe ich mir ein etwas komplexeres Design ausgesucht als bei den vorausgegangenen Musterproben. Es ist zwar genauso einfach zu weben wie diese, hat aber einen größeren Rapport. 

Der Pattern Generator hat für die Vertikale, also die Kettfäden, die Zahlen 10100 = Schaft 65655 ausgegeben und für die Horizontale, den Schuss, die Zahlenfolge  010000111 = Tritt 565555666. 

Die ungerade Ziffernfolge bedingt, dass sie sowohl im Einzugs- als auch im Schussrapport zwei mal hintereinander gewebt werden muss, weil die Leinwandschäfte alternieren

Man kann das hier am Beispiel eines Einzugsrapports sehen: 

1212-6-3434-5-1212-6-3434-5-1212-5

3434-6-1212-6-3434-6-1212-5-1212-

Dadurch umfasst der Einzugsrapport  50 Fäden und der Schussrapport sogar 90 Fäden. 

 


Gewebt habe ich dieses Mal mit Baumwolle 8/2, das Grundgewebe in einem gedämpften Orangeton, das Muster in schwarz.

 

 

 

Auf dem Bild oben sieht man, dass ich Grundkette und Musterkette getrennt geschärt habe, um nicht alle 4 Fäden einen Musterfaden anknoten zu müssen.

 

 

Beim Einzug ist klar zu erkennen, dass jede Kette ihr eigenes Fadenkreuz hat und die Fäden hier entsprechend der Patrone eingezogen werden: 4 x rote Kettfäden auf Schaft 1 und 2 oder 3 und 4, dann 1 schwarzer Musterfaden auf Schaft 5 oder 6.

 

 

Der Blattstich ist fast fertig.

 


 

Und beim Anweben musste ich links wieder einen Einzugsfehler finden... In diesem Fall konnte ich den falsch gelitzten Faden aber schnell aus dem Gewebe ziehen, mit Hilfe einer Reparaturlitze auf dem richtigen Schaft unterbringen und ihn wieder einstopfen.



 
So erscheint das Muster auf dem Webstuhl, die Rückseite ist in diesem Fall fast identisch. 
Wo auf der Oberseite das Muster im Ornament zwei Quadrate zeigt, ist auf der Unterseite das Doppelkreuz zu sehen und vice versa.
 


 
Gewebt habe ich diesen Schal auf meinem Mini Glimåkra Webstuhl.


 
Der Schal ließ sich wunderbar abweben bis dann gegen Ende die schwarze Kette zu locker wurde. Ich hatte für sie keine extra Spannmöglichkeit vorgesehen, obwohl mir klar war, dass durch die Flottierungen der Musterkette Längenunterschiede entstehen mussten, meine Hoffnung war, dass sich die Unterschiede bei der 2,30 m kurzen Kette nur wenig bemerkbar machen würden.
 
 

 

Das hätte wohl auch geklappt aber ich hatte beide Anlängerstäbe einfach zusammengeknotet und diese Verbindung hatte sich im Laufe der Zeit gelockert. Die abenteuerliche Gewichtung der Kette, die oben im Bild zu sehen ist, half aber dann ganz gut, den letzten Rapport noch vernünftig abzuweben.


 

 

Jetzt werden noch per Hand die Fransen gedreht und nach der Wäsche wird der Schal dann mit einem wesentlich moderneren Bügeleisen geglättet.

 

 

 So sieht der fertige Schal aus. 

Ich habe ihn mit 8 Fäden/cm gewebt und würde beim nächsten Mal eine weniger dichte Einteilung ausprobieren, um einen besseren Fall zu erreichen. Allerdings wird es spannend zu sehen, wie sich dann die flottierenden Musterfäden verhalten. Vielleicht muss man für diese in einem solchen Fall dann doch ein stärkeres Garn als für das Grundgewebe wählen.

 





Donnerstag, 26. Februar 2026

Einzugshilfe beim Dobbywebstuhl

 

Unter der Nummer  37815 ist das Muster, das ich für einen warmen Wollschal ausgewählt  habe, bei Handweaving.net zu finden. Es stammt aus dem Atlas de 4000 Armures, Louis Serrure, France, 1920.

In Kette und Schuss habe ich Drops Flora verwendet, eine Mischung aus 65 % Wolle und 35 % Alpaca, mit einer Lauflänge von 420 m.  Das Garn ist nicht superwash ausgerüstet und das Gewebe kann bei der Wäsche filzen. Das war mir wichtig, weil die Webpatrone beiderseitig Flottierungen über 4 Fäden aufweist und ich den locker gewebten Schal gern durch leichtes Anfilzen stabilisieren wollte.

 

 

Die Patrone zeigt, dass 20 Schäfte und 40 Musterleisten für einen Rapport benötigt werden. Beim Schafteinzug handelt es sich im Wesentlichen um gerade Einzüge, die aber immer wieder unterbrochen werden, um mit einem zurückliegenden Schaft neu zu beginnen. 

 
 


 

Das bei insgesamt 20 Schäften fehlerfrei zu bewältigen, erfordert ein recht hohes Maß an Konzentration.


 

Um mir den Schafteinzug zu erleichtern, habe ich mir eine spezielle "Einzugskette" gesteckt.

 

 

Ich habe in die 40 Musterleisten, die dem Musterrapport entsprechen jeweils nur einen Stecker gesteckt, und zwar an die Stelle, die die den Schaft hebt, der mit einem Kettfaden versehen werden soll. Das obere Bild zeigt, dass hier nacheinander, im ersten geraden Einzug, die Schäfte 6-7-8-9-10-11-12-13-14 gehoben werden sollen. 

Wenn ich den Tritt des Webstuhls bediene, kann ich genau bestimmen, wie hoch der Schaft zu heben ist, damit ich bequem den Kettfaden in die Litze einfädeln kann. 


 

Hier ist auf dem oberen Bild zu erkennen, dass der Schaft 6 ausgewählt wurde, die Musterleiste mit dem Stecker für Schaft Nr. 7 berührt den Heber noch nicht. 

Auf dem unteren Bild sieht man, dass ich den Schaft Nr. 6 mit Hilfe des Tritts soweit ausgehoben habe, dass ich das Litzenauge unter den oberen Schaftlatten bequem errreichen kann, um den Kettfaden einzuziehen.



 

Mit dem Handhebel funktioniert diese Methode leider nicht so gut, weil man den in seiner Tiefstellung arretieren muss und in der daraus resultierenden Schafthöhe ist das Litzenauge nicht frei zugänglich.

 


 Tatsächlich habe ich auf diese Art Einzugsfehler vermeiden können.


 

 

Der Schuss wird durchgehend mit dem hellen Garn eingetragen.
 

 


Am Anfang und Ende des Schals habe ich aber je einen blauen Schussfaden eingelegt, über den ich dann den überwendlichen Befestigungsstich gemacht habe. 

 


 Dadurch ist eine feine blaue Begrenzungslinie entstanden.

 

 

Meine Kette hatte insgesamt 104 Fäden und die Einstellung 40/10. 

 



Das ergibt eine rechnerische Webbreite von 26 cm.

 
 


Die Länge des Gewebes, auf dem Webstuhl gemessen, betrug 175 cm.



 

Nach dem leichten Anfilzen während der Wäsche und dem Dämpfen des Schals, verblieben  eine Breite von 21 cm und eine Länge von 152 cm, mit Fransen sind es 170 cm.

 


Warm, weich, leicht, ein paar kleine Webfehler und nicht die schönste Webkante aber ich bin trotzdem zufrieden mit dem Ergebnis.






Freitag, 30. Januar 2026

Lovisas Kette

Im Juni letzten Jahres habe ich in Schweden meinen zweiten gebrauchten Louet Magic Dobby Webstuhl gekauft. Der Webstuhl hatte jahrelang unbenutzt auf einem Speicher gestanden, war aber noch mit einer angewebten Kette bestückt, 

In meinem Blogbeitrag,  Noch ein Louet Magic Dobby Webstuhl habe ich darüber berichtet, wie ich diese Kette, an der Lovisa, die Vorbesitzerin des Webstuhls, zuletzt gewebt hatte, abgewebt habe. 

Die Kette war "gerade durch" auf 24 Schäfte verteilt. Nachdem ich zuerst ein kleines Stück des vorhandenen Musters weitergewebt hatte, habe ich die sehr dichte Kette breiter eingestellt, indem ich sie mit doppeltem Faden durch einen 60er Kamm gezogen habe. Die Einstellung 120/10 passte sehr gut zu Lovisas Kette aus 16/2 Baumwolle.

Danach habe ich bei Handweaving.net nach Mustern gesucht, die sich für die 2 farbige Kette aus alternierend einem Faden rosa und einem Faden grüntürkis, eignen könnten.

 


 

Das erste Muster, das ich dann gewebt habe, hat mir so gut gefallen, daß ich es kürzlich in der gleichen Farb- und Materialkombination für einen Schal genutzt habe.


 

Hier ist meine neu geschärte Kette zu sehen, darunter liegend, etwas unscharf getroffen, eine Rolle des ausgewählten blauen Schussgarns, alles ist Baumwolle 16/2.

 

 

Einlesen der Kette in den angebauten Reedekamm, für den mein Mann mir sehr praktische Abdeckleisten mit dem 3D Drucker erstellt hat. 

Die Druckdateien dafür sind auf Makerworld zu finden und wurden von Eats, Shoots & Leaves eingestellt.

 


 

Der Litzeneinzug war ja sehr einfach gehalten und war bei nur 206 Fäden schnell erledigt.

 


Handweaving.net  # 78873

Für dieses Muster von Ingrid Boesel werden 24 Wahlleisten gebraucht, gezeigt sind hier je zwei Rapporte in Kette und Schuss..

 


Nachdem die Dobbykette gesteckt und im Webstuhl angebracht worden war, konnte ich losweben.

 


 Die Ober- und Unterseite dieses Gewebes unterscheiden sich deutlich.

 


Auf der Oberseite sind die kleinen, aus Dreiecken zusammengesetzten Quadrate schussdominant und erscheinen also blau.

 


Auf der Unterseite des Stoffes dominiert bei den Quadraten die zweifarbige Kette

 

 

Nach der Wäsche wird ein weiterer Effekt deutlicher, die kleinen blattförmigen Elemente wirken optisch geschwungener als die uniblauen Blättchen der Unterseite. Wahrscheinlich entsteht dieser Eindruck durch die Zweifarbigkeit der Kettfäden.

 


Ich habe sowohl in Kette als auch im Schuss einfache, unmercerisierte 16/2 Baumwolle verwebt, aber die Farbkombination der Kettfäden erzeugt eine durchaus auffallende Glanzwirkung, die vermuten lässt, dass ein entsprechendes Garn verwendet wurde.

 

 

Weil mir dieser Effekt schon bei dem Probegewebe aufgefallen war, fand ich das Muster so geeignet für einen Schal und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

 

 

 

Samstag, 13. Dezember 2025

Ein Schal für Astrid Lindgren

 

Auf dem Rådhustorget in Vimmerby steht seit 2007 eine Bronzestatue, die Astrid Lindgren in ihrem Arbeitszimmer, an einer Schreibmaschine sitzend, darstellt. Wer mag, kann sich zu ihr gesellen, und dass es viele Menschen gibt, die auf dem Stuhl ihr gegenüber Platz nehmen und sich an ihrem Tisch abstützen, kann man gut an den blankgeriebenen Stellen der Bronze erkennen.

Einer Plakette ist zu entnehmen, dass die Statue von Marie Louise Ekman und Studenten der Königlichen Kunsthochschule in Stockholm geschaffen und in Hermann Bergmanns Konstgjuteri AB gegossen wurde.

 

 


Als ich im Juli eine neue Schalkette für meinen Fraens Mini Dobby Webstuhl vorbereitete, habe ich noch nicht an Astrid Lindgren gedacht.

Die Virserumer Vävstuga ist in einem Gebäude einer ehemaligen Möbelfabrik untergebracht und steht damit auf dem gleichen Gelände wie das Kunstmuseum, das alljährlich im Juli einen Handwerkstag veranstaltet.

Aus diesem Anlass  haben sich die Mitglieder der Vävstuga mit einem Tag der offenen Tür beteiligt und ich habe ein bisschen "Schauweben" mit meinem kleinen Dobby gemacht.

 

 
 
Ich habe mir für meinen Schal ein 8-schäftiges, recht bekanntes Muster ausgesucht , das ich bisher aber noch nie gewebt hatte.
 


Für die Kette habe ich dunkelgrünes Cottolin 22/2 ausgesucht, der Schuss war wieder einmal Viskose unbekannter Herkunft vom Flohmarkt, dieses Mal in einem leuchtenden Türkiston.

 


 

Mein 3D gedruckter Fraens Dobby Webstuhl hat bisher nur einen 40er Kamm und die gewählten Garne ergeben bei doppeltem Einzug, also mit 8 Fäden / cm einen Stoff, der gut für Schals geeignet ist. 

 

 

Das entstehende Gewebe ist auch dünn genug, um mit einer Länge von etwa 1,80 noch auf den Warenbaum des kleinen Webstuhls zu passen.

   
 
Der Viskosefaden ist etwas unregelmäßig gesponnen, aber mir gefällt die daraus resultierende  Oberfläche recht gut. 
 
 

 

Auch dieses Mal hatte ich wieder die bekannten Kettspannungsprobleme, die ich im vorangegangenen Post genauer beschrieben habe. Sobald es möglich wurde, habe ich daher die Kette vom Kettbaum gewickelt, sie einfach über den Streichbaum laufen lassen und den Anlängerstab mit Gewichten versehen. 

So konnte ich des Rest zwar nicht mit optimaler Spannung, aber zumindest ohne allzu große Probleme abweben.

 


 

Bei unserem nächsten Besuch in Vimmerby,  einem kühlen Herbsttag im Oktober, habe ich dann Astrid Lindgren mit meinem neuesten Schal geschmückt.



 


 


 

Ich finde, dass der Schal ihr sehr gut steht und seine Farben hervorragend mit der Bronze harmonieren.