Beth Ross Johnson schreibt in ihrer im Januar/Februar 2023 in der Zeitschrift Handwoven erschienen Webbeschreibung, dass Sashiko der Oberbegriff einer japanischen Stickmethode ist, die nicht nur als Dekoration gedacht war, sondern auch zur Verstärkung und Reparatur von Textilien genutzt wurde.
Der Begriff Sahiko-ori (sashiko weaving) bezeichnet gewebte Textilien, die diesen Stil nachempfinden.
In der Handweberei werden oft die Muster der sog. Hitomezashi Sticktechnik (one stitch sashiko) benutzt, die sich dadurch auszeichnen, dass geometrische Motive aus einfachen, senkrecht und horizontal verlaufenden Laufstichen gebildet werden. Das lässt sich beim Weben gut durch flottierende Musterfäden in Kette und Schuss abbilden.
Da das Design durch binäre Regeln bestimmt wird, wie Stich oder Lücke, also Nullen und Einsen, lassen sich offenbar recht unkompliziert Computerprogramme zur Mustererzeugung erstellen. Eines davon ist der sehr einfach zu bedienende Hitomezashi Sashiko Pattern Generator
https://www.forresto.com/sashiko
Mary McConnell hat in einem Artikel in der Zeitschrift Handwoven, Spring 2025, diesen Pattern Generator vorgestellt und in einem weiteren Artikel auch gleich Webmuster für Platzdeckchen und einen Tischläufer geliefert.
Ich habe daraufhin ein bisschen mit dem Pattern Generator gespielt, indem ich mir verschiedene Zufallsmuster angesehen, und mir schließlich eines davon ausgesucht habe, um einen Schal zu weben.
1 0 0 1 0 1
Auf dem Screenshot des Pattern Generator kann man sehen, dass die Zahlen 0 oder 1 für den Verlauf der vertikalen (über dem Muster) und der horizontalen Musterfäden (neben dem Muster) ausgegeben werden. Zuerst muss man sich klar machen, dass beim Weben von Sashiko Vertikales Muster für die Kettfäden steht und Horizontales Muster für die Schussfäden.
Dann muss man wissen, dass 0 für Schaft 5 und 1 für Schaft 6 beim Einzug steht und entsprechendes auch für die Tritte gilt, also 0 für Tritt 5 und 1 für Tritt 6
Für das Sashiko Weben habe ich hier mit 6 Schäften und 6 Tritten gearbeitet. Die Schäfte 1 bis 4 sind für Leinwandbindung eingezogen, wobei die Leinwandtritte 1 und 2 zusätzlich mit dem flottierenden Musterschaft 5 verbunden sind und die Leinwandtritte 3 und 4 mit dem flottierenden Musterschaft 6.
Die Leinwandschüsse werden mit der Grundfarbe (hier blau) gewebt, die Musterschüsse auf Tritt 5 und 6 mit der Musterfarbe (hier weiß).
Um das Muster vom Pattern Generator in eine Webpatrone umzuwandeln, beginne ich mit dem Einzug.
Die Zahlenfolge für das vertikale Muster, also die Kettfäden, lautet in diesem Fall 100101, übersetzt bedeutet das, dass pro Rapport meine hellen Musterfäden in die Litzen der Schäfte 5 und 6 eingezogen werden sollen und zwar in der Reihenfolge 6,5,5,6,5,6.
Dazwischen kommen jeweils Kettfäden der Leinwand-Grundbindung abwechselnd auf die Schäfte 1,2,1,2 und 3,4,3,4. Der Einzug und die Trittfolge sehen dann folgendermaßen aus: 1,2,1,2, Mustertritt und 3,4,3,4, Mustertritt. Diese Abfolge wiederholt sich.
Ich beginne also (hier von links) mit den Schäften 1,2,1,2, darauf folgt Schaft 6, dann 3,4,3,4 und Schaft 5, weiter geht es mit 1,2,1,2,5 - 3,4,3,4,6, - 1,2,1,2,5 - 3,4,3,4,6 und der erste Einzugs-Rapport ist geschafft.
Für die Trittfolge habe ich die Anweisung 001, übersetzt in 5,5,6. Das bedeutet, ich trete in der Reihenfolge 1,2,1,2,5, dann 3,4,3,4,5 und mit 1,2,1,2,6 ist der Tritt-Rapport beendet.
Die Grundbindung wird immer abwechselnd getreten, es geht also weiter mit 3,4,3,4,5 dann 1,2,1,2,5 und 3,4,3,4,6 für den 2. Rapport.
Aus Designgründen habe ich bei der Trittreihenfolge mit einem anderen Musterdetail angefangen und beginne daher tatsächlich mit 3,4,3,4,6, um dann aber im beschriebenen Rhythmus weiter zu machen.
Nach so viel Theorie die Praxis. Wie schon gesagt, es sollte ein Schal entstehen und weil ich so viel Cottolin in meinem Garnvorrat habe und dazu ein dunkles Blau in einer recht weichen Qualität, habe ich mich für die klassische Farbkombination in Verbindung mit ungefärbtem Cottolin als Musterschuss entschieden. Geschärt habe ich mit 4 Fäden blau und 1 hellen Faden, die Dichte beim Kammeinzug war 8 Fäden/cm.
Häufig wird für Sashiko-ori Muster ein dickerer Musterfaden genommen. Da ich nichts Passendes hatte und sowieso keine Vorstellung davon hatte, wie die Wirkung sein würde, habe ich einfach mit zwei gleichen Garnstärken gewebt und ich war sehr überrascht, wie stark der Effekt war.
Erst nach mehreren gewebten Zentimetern habe ich gemerkt, dass ich zwei Einzugsfehler im Gewebe hatte. An einer Stelle waren 4 Fäden statt 2 im Riet und einmal hatte ich 2 Kettfäden nebeneinander auf dem gleich Schaft eingezogen. Ich hatte keine Lust alles zurückzuweben, habe das fehlerhafte Stück abgeschnitten, die Fehler korrigiert und beschlossen, statt eines Schals nun einfach ein Mustertuch zu weben.
Weil der Fehler nicht allzu deutlich auffällt, kann ich das erste Stück schon als Musterprobe 1 benutzen.
Was mich sehr freute, ich aber nicht erwartet hatte, war, dass Vorder-und Rückseite des Musters so total unterschiedlich aussehen.
Mit dem Sashiko Pattern Programm kann man nicht nur Zufallsmuster erstellen sondern auch eigene Zahlenkombinationen sowohl für die Kette (Vertikal Pattern) als auch für den Schuss (Horizontal Pattern) eingeben.
Weil ich den Einzug nicht ändern wollte, habe ich die Reihenfolge 100101 in das Eingabefeld für das vertikale Muster eingegeben und verschiedene Zahlenfolgen im anderen Feld ausprobiert und diejenigen, die mir gefielen per Screenshot gespeichert.
Muster Nr. 3 ist etwas komplexer: 1,1,0,0,1 = 6,6,5,5,6. Hier bin ich gespannt, wie die Rückseite aussieht.
Es folgt wiederum ein ruhigeres 4. Muster.
Es gefällt mir sehr gut in seiner Schlichtheit und ist besonders einfach zu weben, die einzige horizontale Zahl ist die 1, von den beiden Mustertritten wird also nur Tritt 6 genutzt.
Auf diesem Bild sieht man auch recht gut das helle Zwischstück, das die einzelnen Muster voneinander abgrenzt. Ich habe hier einfach mit dem hellen Garn und den Tritten 1 bis 6 gewebt.
Das vorerst letzte Muster, das ich auf dem Webstuhl habe, hat einen längeren Schussrapport: 1,0,1,1,1,1,1,1.
Es ist noch etwas Kette da, so dass ich wohl noch ein, zwei weitere Proben erstellen kann, danach werde ich mir dann überlegen, wie mein Schal aussehen soll.
Schon diese ersten Versuche mit der Sashiko Weberei haben mir viel Spaß gemacht und ich freue mich sehr darüber, dass für den 17.11.2026 ein Buch zu diesem Thema erscheinen soll.
Allein das Titelbild zeigt schon, dass die Mustermöglichkeiten offenbar weit über das hinaus gehen, was ich bisher in dieser Technik gesehen habe.
Ich finde es wunderbar, dass es beim Weben immer wieder Neues zu entdecken gibt!















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