Sonntag, 29. September 2019

Auf die Reihenfolge kommt es an




Endlich habe ich zwei Schals abgewebt, die seit Frühjahr 2017 meinen kleinen 
Rita-Webstuhl blockierten.


Dass es so lange dauerte, hatte natürlich seinen Grund.


Ich hatte angewebt und festgestellt, dass irgendetwas nicht stimmte. 
1999 hatte ich einen Seidenschal in diesem Muster gewebt, der eine völlig normale Köperstruktur hatte und sich schön glatt anfühlte, während der Stoff, der nun entstand optisch unruhiger wirkte und eher körnig im Griff war.


Also verglich ich die Aufbindung noch einmal mit den Aufzeichnungen aus meinem alten Webbuch, konnte aber keinen Fehler finden.

Schließlich erstellte ich nach den alten Aufzeichnungen eine Webpatrone mit meinem Webprogramm, nur um zu sehen, dass eigentlich alles hätte richtig sein müssen - und dann verließ mich die Lust und ich ließ das Gewebe einfach liegen.



In diesem Sommer habe ich mich dann noch mal mit dem Problemgewebe beschäftigt, ich wollte endlich wieder eine neue Kette auf den Rita-Webstuhl bringen.
Nachdem ich ein bißchen mit der Trittreihenfolge gespielt hatte, war mir plötzlich klar, was passiert war.

 

Ich bin es gewöhnt, mir die Trittfolge so umzuändern, dass ich "schreitend" treten kann. 
Die obige Zeichnung aus meinem Webbuch zeigt links die sog. theoretische Trittfolge und rechts die Änderung, die ich vorgenommen habe, um abwechselnd mit beiden Füßen von außen nach innen treten zu können. Nun habe ich 1999 noch nach deutscher Manier gewebt und links mit Tritt 1 begonnen. Seit ich hier in Schweden in der Virserumer vävstuga bin, habe ich mich auf die schwedische Art der Numerierung umgestellt, das heißt hier ist Tritt 1 der äußerste rechte.
Daran bin ich mittlerweile so gewöhnt, dass ich völlig automatisch und gedankenlos beim Weben die Trittreihenfolge umgekehrt habe  in  2 -1 - 4 - 3 - 6- 5. 
Klar, dass sich dadurch ein anderes Muster ergab.


Aber entsprechend unkompliziert war es nun, einfach von links aus zu treten und das Gewebe wie erwünscht beenden zu können.


Für die Kette habe ich Baumwolle 16/2 verwendet, für den Schuss mercerisiertes Baumwollgarn.


Mein letzter Blogpost endete mit zwei Bildern, die einen meiner kleinen Gatterwebrahmen mit neu aufgezogener und gerade begonnener Kette zeigten.


Der ist inzwischen auch fertig geworden.






Mittwoch, 28. August 2019

Wolle weben im August


Aus dem Mustertuch zur Farbverflechtung in Leinwandbindung, das ich im Frühjahr gewebt habe, habe ich eine weitere Musterkombination ausgewählt, um einen dritten Schal in dieser Technik zu weben.


Wie in den beiden anderen Fällen habe ich wieder vierfädige Sockenwolle benutzt, und nur in der einen Hälfte des Schals die zweifarbige Kette eingezogen, die andere Hälfte blieb einfarbig.


Dieses Mal ist die dunkle Grundfarbe anthrazit und die helle Musterfarbe ein Senfton. 
Wird nur grau eingeschossen, ergeben sich bei diesem Einzug: dunkel - dunkel - hell,  
Längsstreifen.


Wird auch im Schuss mit beiden Farben und in gleicher d-d-h-Reihenfolge wie in der Kette gearbeitet, entstehen Kreuze und Querstreifen.





Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden :-)



Obwohl man bei diesem sehr warmen Augustwetter vielleicht lieber kühle Seide verweben sollte, habe ich schon wieder den nächsten Wollschal aufgezogen.


In diesem Fall will ich eine Variation des bekannten Log Cabin Musters ausprobieren.







Mittwoch, 24. Juli 2019

Und wieder einmal Spültücher...


Die erste Kette auf dem, nun mit Tritten versehenen Louet W70, ist abgewebt.


Als Kettgarn benutze ich für Spültücher immer gezwirntes Leinen, von dem ich vor vielen Jahren einmal zwei große Konen gekauft habe. Geschätzt handelt es sich dabei um 
NeL 12/2. Ich ziehe das Garn mit 5 Fäden pro cm ein. Das ergibt ein recht dünnes und lockeres Gewebe, was mir gut gefällt, da sich die Tücher dadurch gut auswringen lassen und sehr schnell trocknen. Da sowohl Kette als auch Schuss aus reinem Leinen bestehen, sind sie trotzdem schön saugfähig.


Dieses Mal habe ich im Schuss ausschließlich Leinen Towgarn und Leinen Effektow, meist Nel 5 und 6 verwebt, das ich im Laufe der Zeit immer wieder auf Restspulen auf dem Loppis gekauft hatte.
Das ungleichmäßig gesponnene Garn gibt dem Gewebe einen recht rustikalen Charakter.


Das rosafarbene Tuch, rechts im Vordergrund, ist nicht handgewebt. Es gehört zur Kollektion von Växbo Lin, einer bekannten schwedischen Leinenweberei, deren Produkte auch in einigen Läden in Deutschland verkauft werden.
Geschirrhandtiuch und Spültuch, erhältlich in vielen schönen Farben, gehören wohl zu den Bestsellern von der Weberei.


Wir hatten im Juni eine Reise in die nördlicheren Regionen Schwedens unternommen und ich habe die Gelegenheit genutzt, die Weberei zu besuchen, die bei Bollnäs in Hälsingland liegt.


Und natürlich habe ich dort auch einiges gekauft, u.a. drei noch zusammenhängende disktrasor zum Selbersäumen. Eines davon hängt also mit auf dem Wäscheständer.


Da meine Kaltmangel in Deutschland steht, habe ich meine handgewebten, noch feuchten Spültücher auf einer glatten Oberfläche mit einer Teigrolle bearbeitet.


Das war zwar etwas anstrengender als mit der Mangel, der Effekt ist aber recht gut, die Tücher wurden auch so schön glatt und glänzend.








Sonntag, 30. Juni 2019

Tritte für den Louet W 70

Meinen Louet Webstuhl W70 habe ich vor Jahren von meiner Schwester übernommen, als sie feststellte, dass Weben nicht so ihr Ding war. Es ist ein frühes Modell, das Anfang der 1980er noch mit Plastiklitzen und zwei zusammensetzbaren Plastikkämmen geliefert wurde. 


Ich habe ihn auf Texsolvlitzen umgerüstet, normale Kämme benutzt und wir haben ihm auch direkt ein passendes Untergestell gebaut.


Richtig glücklich geworden bin ich mit dem Webstuhl aber nie, mir dauert es einfach zu lange, mit Handhebeln zu weben und so habe ich mich nach vielen Jahren, in denen ich ihn nicht allzu oft benutzt habe, entschlossen, ihn mit Tritten zu versehen.


Das alte Untergestell, auf dem der Webstuhl mit Hutmuttern befestigt ist, war mit 68 cm ausreichend hoch und ließ sich daher einfach weiterverwenden. Das vordere Stabilisierungsbrett musste nur ein wenig nach vorn versetzt werden. Wenn man genau hinsieht, erkennt man noch die alte Befestigungsstelle am Bohrloch und dem helleren Holz.


Mein Mann hat das Brett abgeschraubt und von der Unterseite her vier Tritte aus 19 mm starkem Buchenleimholz angebracht, sie sind jeweils 450 mm lang und "bequeme" 60 mm breit.


Rechts, in der Mitte und links wurden durchbohrte Klötzchen angeleimt, die beiden anderen Zwischenräume haben freie Abstandshalter. Duch Klötzchen, Tritte und diese Abstandhalter wird dann eine Metallstange geschoben.


Nach dem Aufziehen der Kette habe ich die Handhebel entfernt und die Schäfte nun mit neuer 2 mm Polyesterschnur über die vorhandenen Metallstangen im Überbau gehängt. Ich hatte dazu eine Anleitung von Louets Homepage, die aber anscheinend im Netz nicht mehr verfügbar ist, darum füge ich die entsprechende Zeichnung daraus hier ein.



Auch die Maße für die Schnüre gehen aus der Zeichnung hervor. Da mein Untergestell etwas niedriger ist als das Original, habe ich etwas weniger Material gebraucht.


Für die Verbindung zu den Tritten habe ich Texsolvschnur genommen, die ließ sich ohne komplizierten Knoten sicher mit den Schaftschnüren  und auch auf die übliche Art mit den Tritten verbinden.

Da die Tritte unter dem Querbrett angebracht sind, kann man sie nicht beliebig hoch ziehen, um die Stecker leicht anbringen zu können. Ich würde statt der Bohrungen heute eher eine Ringschraube benutzen, um die Schnur auf den Tritten anbinden zu können.

Die Schnüre für die Tritte müssen gleich zweimal durch die Kette laufen. Das hatte mich lange davon abgehalten, den Umbau in Angriff zu nehmen.


Tatsächlich macht das aber kein Problem, die Schnüre ließen sich sehr gut an der jeweils richtigen Stelle "runterloten" und verursachen bisher keine schädliche Reibung.


Ein zweiter Punkt, der mir nicht so gefiel, war die Direktanbindung, die ja bedeutet, dass man gegebenenfalls mehrere Tritte auf einmal treten muss. 


Mein erstes Gewebe auf dem neu aufgerüsteten W 70 sind wieder einmal Spültücher, die ich gern in Köperbindung webe.  An die Trittfolge, die dafür nötig ist gewöhnt man sich sehr schnell und es macht viel mehr Spaß als ich dachte, gewissermaßen mit beiden Füßen zu weben. :-)



Kette und Schuss: Leinen, natur.









Mittwoch, 29. Mai 2019

Bau eines Bildwebrahmens

Es ist Jahre her, dass ich mich mit der Bildweberei beschäftigt habe und es sind damals auch nur wenige Bildgewebe entstanden. Das "Malen mit Garn" hat mir einfach viel zu lange gedauert und ich hatte nicht genug Geduld.
Nun bin ich vor einiger Zeit rein zufällig auf Sarah C. Swetts großartigen und hochinformativen Blog, a field guide to needlework, gestoßen und konnte nicht mehr aufhören, darin herumzustöbern. 
Sarah Swett hat phantastische Bildgewebe geschaffen, aber besonders angetan war ich sofort von ihren ganz kleinen Bildgeweben, von denen viele einfach ein kleines Haus darstellten.
Sofort habe ich mir einen kleinen alten Holzrahmen geschnappt, bespannt und mit ein paar Wollresten losgelegt.



Das Ergebnis ist krumm und schief geworden, irgendwie zu bunt und sieht eher aus wie eine Kinderzeichnung, das kleine Bild war aber sehr schnell fertig und das Weben selbst hat ganz viel Spaß gemacht.


Ich habe mich also nicht entmutigen lassen und mich daran erinnert, dass ich vor einiger Zeit in Schweden auf dem Loppis einen Panduro - Bildwebrahmen aus Kunststoff  erstanden hatte. Mitgenommen hatte ich ihn eigentlich nur, weil ich das Teil irgendwie bizarr fand. 


Jetzt musste es herhalten für meine nächsten Versuche. Als erstes Motiv auf diesem Rahmen hatte ich mir eine Felszeichnung ausgesucht. 


Auch dieses Bild kam nicht so heraus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Einer der Gründe war sicher, dass ich mit doppeltem Faden arbeitete und das Schussgarn dadurch zu dick für die Einteilung der Kette wurde.


Als nächstes habe ich dann ein Häuschen im Stil von Sahra Swett ausprobiert und dabei nur mit einfachem Faden gearbeitet


Das Ergebnis gefiel mir schon viel besser, leider war es nicht mein eigenes Motiv, aber webtechnisch hatte ich wohl etwas dazugelernt. 
Es war nicht besonders bequem, mit dem Panduro Webrahmen zu arbeiten. Er hatte zwar einen Fachbildungsmechanismus (Gatterkamm) und eine Spannungsregulierung, letztere ließ sich aber nicht stufenlos einstellen.
Inzwischen hatte ich etliche Informationen über das Bildweben eingeholt und war dabei, vor allem im englischsprachigen Raum, immer wieder auf selbstgebaute Rahmen aus PVC- und Metallrohr gestoßen.
Besonders eingeleuchtet  haben mir, speziell für die kleinen Bildformate, die Kupferrohr - Rahmen, die in den verschiedensten Ausführungen im Internet zu finden sind. Die meisten sind wohl zurückzuführen auf Baupläne von Archie BrennanAuch wir haben unseren kleinen Rahmen von der Form her an einen großen Webrahmen aus Eisenrohr angelehnt, den Archie Brennan entworfen hat.



Das Tolle ist, dass alle Teile in jedem Baumarkt zu bekommen sind, hier sind die einzelnen Fittings zu sehen.


Zusammengesetzt mit dem abgelängten Kupferrohr sieht man auf dem nächsten Bild, die Füße und die oberen Bögen, an denen bei Bedarf Litzen befestigt werden können.


Hier ist das Oberteil schon zusammengesetzt


und das nächste Bild zeigt das Unterteil. 



Wir haben die Teile nicht miteinander verlötet sondern der Einfachheit halber mit Epoxy-Kleber (Zweikomponenten-Kleber) verklebt.


Die beiden Teile müssen nun nur noch mit den Spannmechanismus verbunden werden. 
Da wir keine im Durchmesser passende Gewindestange hatten, hat mein Mann Hülsen aus Holz gedreht und auf die Stangen geschraubt.


Der untere Teil der Gewindestange ist eingeklebt, der obere nur ins Rohr eingeschoben, so kann man den Rahmen noch zerlegen.


So sieht mein fertiger Kupferrohr - Rahmen nun aus.



Oben und unten habe ich etwas Tesakrepp auf die querliegenden Rohre geklebt und eine Zentimetereinteilung aufgemalt.


Dann habe ich den Rahmen umlaufend, möglichst gleichmäßig, mit Teppichkettgarn bespannt.


Beim Anweben werden vordere und hintere Kette zusammengenommen und ich komme auf etwa 4 Fäden pro Zentimeter.


Drei kleine Bilder lassen sich nun hintereinander abweben.


Eine einfache Landschaft macht keine besondere Schwierigkeit, aber Rundungen sind nicht so einfach, darum sehen meine dei Fische noch viel zu zackig aus.


Die liegenden Fische sind schon viel runder geworden, weil das Motiv so der Kettrichtung besser angepasst ist.


Weil das wirklich nicht das Einzige ist, das es beim Bildweben zu lernen gibt, habe ich jetzt einen Online-Kurs belegt. Die amerikanische Bildweberin  Rebecca Mezoff  bietet eine ganze Reihe von Kursen zum Thema Bildweben an, unter anderem auch einen, der sich speziell mit dem Weben auf kleinen Rahmen beschäftigt: Little Looms.


Ich bleibe also dran...