Dienstag, 10. März 2026

Aufrüstung eines einfachen Tischwebstuhls zum mechanischen Dobby-Webstuhl

 

Das Jahr 2025 stand für mich im Zeichen des Dobbywebens. Meinen ersten Dobby-Webstuhl habe ich im Januar 2025 einweihen können. 

Mein Mann hatte mir den kleinen 3D Webstuhl nach Plänen von Fraens Engineering gedruckt, das habe ich hier dokumentiert und in meinem Februarbeitrag kann man mein erstes Gewebe sehen.

 

Schon der erste Webversuch auf diesem kleinen Teil, hat mir gezeigt, dass mich diese Technik fasziniert und ich habe sofort Erkundungen über käufliche Dobby-Webstühle angestellt.

Nur zwei Monate später hatte ich die Gelegenheit, einen gebrauchten Louet Magic Dobby mit  70 cm Webbreite und 24 Schäften zu kaufen.

 

 

 

Da wir das Sommerhalbjahr in Schweden verbringen und ich mir mittlerweile nicht mehr gut vorstellen konnte, ohne einen Dobbywebstuhl zu sein, beschlossen wir, für mein schwedisches Webstudio einen etwas kleineren, 16-schäftigen Dobby selber zu bauen. 

 


 

Den Bau dieses Webstuhls möchte ich in diesem und den nächsten Blogbeiträgen beschreiben.

 


Der 3D gedruckte Webstuhl war wie eine Einführung in die Technik des Webens mit Schaftmaschine gewesen und offenbar bautechnisch an die Funktion des Louet-Webstuhls angelehnt.

Die Bauweise des Louet Magic Dobby, an den auch wir uns bei unserem Modell anlehnen, ist eigentlich sehr einfach gestaltet.

Ich werde die Baubeschreibung in 3 Kapitel teilen, die nacheinander in diesem und den  nächsten Blogbeiträgen, das Grundgestell, den Aufbau für die Schäfte und den Dobbyturm behandeln werden.

1. Das Grundgestell umfasst den eigentlichen Webrahmen mit Kett- und Warenbaum,            Spannvorrichtung, Anschlaglade und Standfuß.

2. Der Schaftaufbau wird die Schäfte und ihre Aufhängung behandeln.

3. Der Dobbyturm sitzt in etwa mittig auf dem Schaftaufbau, enthält den mechanischen Schaftaushebemechanismus sowie die Halterung für die Kette der Programmierleisten.



Das Grundgestell  

Der Rahmen des Louet Magic Dobby Webstuhls sah für mich so aus, als wäre der alte Louet W70 Tischwebstuhl aus den 80er Jahren in der Mitte einfach geteilt worden, um Platz zu schaffen für die größere Anzahl Schäfte.


 

W70 Tischwebstuhl mit Trittzusatz

 

Tatsächlich stammt der Magic Dobby auch aus den 80er Jahren, ich habe in alten Heften der amerikanischen Zeitschrift Handwoven ab 1985, Annoncen der Firma Louet gefunden, in der dieser Webstuhl als Neuheit angekündigt wurde.

 

Louet Magic Dobby

Das hat mich auf die Idee gebracht, auch bei diesem Webstuhlbau  wieder für den Grundrahmen einen vorhandenen Webstuhl zu nutzen. Genau das hatten wir ja schon beim Bau den Lotta-Kontermarschwebstühlen in 60 und 100 cm Webbreite gemacht.

 

Bohus Webstuhl, 35 cm Webbreite

 

In diesem Fall haben wir einen Bohus Therapiewebstuhl benutzt. Dabei handelt es sich um schwedische 2-schäftige Tischwebstühle, die in Krankenhäusern und Altenheimen zur Rehabilitation eingesetzt wurden. Das obere Bild zeigt einen älteres Modell mit 35 cm Webbreite. 

Ich hatte aber auch noch einen 60 cm breiten, etwas moderneren Bohus-Webstuhl, bei dem wir den einfachen Schafthebemechanismus ausgebaut haben, um den Rahmen dann in der Mitte auseinander zu sägen.

Wie auf den Bildern zu sehen ist, liegt der hintere Streichbaum bei den Bohus Webstühlen höher als der vordere. Da mir das nicht gefiel, haben wir später noch das hintere Endstück mit den Querstangen abgeschraubt und niedriger wieder angesetzt.


Bohus Webstuhl,  60 cm Webbreite

Streichbäume, Kett- und Warenbäume sowie Sperrklinken und sogar eine Standlade waren damit also schon vorhanden. 

 


 

Es musste nun noch eine Aufnahme für die 16 Schäfte zwischen dem vorderen und dem hinteren Teil des alten Webstuhls montiert werden. An diese neuen Seitenteile haben wir das Fußgestell geschraubt, so dass man es für einen einfacheren Transport schnell entfernen kann.

 


 

Weil ich den Webstuhl gern so niedrig halten wollte, dass ich mit einem normal hohen Stuhl daran arbeiten kann, haben wir später am vorderen Endstück noch die untere Querstange entfernt. 

Die neuen Teile aus stabverleimter Buche habe ich mit Hartwachs versiegelt. 



Der nächste Blogbeitrag wird sich mit den Schäften und ihrer Aufhängung beschäftigen. 

 




 

 





 



 



Donnerstag, 26. Februar 2026

Einzugshilfe beim Dobbywebstuhl

 

Unter der Nummer  37815 ist das Muster, das ich für einen warmen Wollschal ausgewählt  habe, bei Handweaving.net zu finden. Es stammt aus dem Atlas de 4000 Armures, Louis Serrure, France, 1920.

In Kette und Schuss habe ich Drops Flora verwendet, eine Mischung aus 65 % Wolle und 35 % Alpaca, mit einer Lauflänge von 420 m.  Das Garn ist nicht superwash ausgerüstet und das Gewebe kann bei der Wäsche filzen. Das war mir wichtig, weil die Webpatrone beiderseitig Flottierungen über 4 Fäden aufweist und ich den locker gewebten Schal gern durch leichtes Anfilzen stabilisieren wollte.

 

 

Die Patrone zeigt, dass 20 Schäfte und 40 Musterleisten für einen Rapport benötigt werden. Beim Schafteinzug handelt es sich im Wesentlichen um gerade Einzüge, die aber immer wieder unterbrochen werden, um mit einem zurückliegenden Schaft neu zu beginnen. 

 
 


 

Das bei insgesamt 20 Schäften fehlerfrei zu bewältigen, erfordert ein recht hohes Maß an Konzentration.


 

Um mir den Schafteinzug zu erleichtern, habe ich mir eine spezielle "Einzugskette" gesteckt.

 

 

Ich habe in die 40 Musterleisten, die dem Musterrapport entsprechen jeweils nur einen Stecker gesteckt, und zwar an die Stelle, die die den Schaft hebt, der mit einem Kettfaden versehen werden soll. Das obere Bild zeigt, dass hier nacheinander, im ersten geraden Einzug, die Schäfte 6-7-8-9-10-11-12-13-14 gehoben werden sollen. 

Wenn ich den Tritt des Webstuhls bediene, kann ich genau bestimmen, wie hoch der Schaft zu heben ist, damit ich bequem den Kettfaden in die Litze einfädeln kann. 


 

Hier ist auf dem oberen Bild zu erkennen, dass der Schaft 6 ausgewählt wurde, die Musterleiste mit dem Stecker für Schaft Nr. 7 berührt den Heber noch nicht. 

Auf dem unteren Bild sieht man, dass ich den Schaft Nr. 6 mit Hilfe des Tritts soweit ausgehoben habe, dass ich das Litzenauge unter den oberen Schaftlatten bequem errreichen kann, um den Kettfaden einzuziehen.



 

Mit dem Handhebel funktioniert diese Methode leider nicht so gut, weil man den in seiner Tiefstellung arretieren muss und in der daraus resultierenden Schafthöhe ist das Litzenauge nicht frei zugänglich.

 


 Tatsächlich habe ich auf diese Art Einzugsfehler vermeiden können.


 

 

Der Schuss wird durchgehend mit dem hellen Garn eingetragen.
 

 


Am Anfang und Ende des Schals habe ich aber je einen blauen Schussfaden eingelegt, über den ich dann den überwendlichen Befestigungsstich gemacht habe. 

 


 Dadurch ist eine feine blaue Begrenzungslinie entstanden.

 

 

Meine Kette hatte insgesamt 104 Fäden und die Einstellung 40/10. 

 



Das ergibt eine rechnerische Webbreite von 26 cm.

 
 


Die Länge des Gewebes, auf dem Webstuhl gemessen, betrug 175 cm.



 

Nach dem leichten Anfilzen während der Wäsche und dem Dämpfen des Schals, verblieben  eine Breite von 21 cm und eine Länge von 152 cm, mit Fransen sind es 170 cm.

 


Warm, weich, leicht, ein paar kleine Webfehler und nicht die schönste Webkante aber ich bin trotzdem zufrieden mit dem Ergebnis.






Freitag, 30. Januar 2026

Lovisas Kette

Im Juni letzten Jahres habe ich in Schweden meinen zweiten gebrauchten Louet Magic Dobby Webstuhl gekauft. Der Webstuhl hatte jahrelang unbenutzt auf einem Speicher gestanden, war aber noch mit einer angewebten Kette bestückt, 

In meinem Blogbeitrag,  Noch ein Louet Magic Dobby Webstuhl habe ich darüber berichtet, wie ich diese Kette, an der Lovisa, die Vorbesitzerin des Webstuhls, zuletzt gewebt hatte, abgewebt habe. 

Die Kette war "gerade durch" auf 24 Schäfte verteilt. Nachdem ich zuerst ein kleines Stück des vorhandenen Musters weitergewebt hatte, habe ich die sehr dichte Kette breiter eingestellt, indem ich sie mit doppeltem Faden durch einen 60er Kamm gezogen habe. Die Einstellung 120/10 passte sehr gut zu Lovisas Kette aus 16/2 Baumwolle.

Danach habe ich bei Handweaving.net nach Mustern gesucht, die sich für die 2 farbige Kette aus alternierend einem Faden rosa und einem Faden grüntürkis, eignen könnten.

 


 

Das erste Muster, das ich dann gewebt habe, hat mir so gut gefallen, daß ich es kürzlich in der gleichen Farb- und Materialkombination für einen Schal genutzt habe.


 

Hier ist meine neu geschärte Kette zu sehen, darunter liegend, etwas unscharf getroffen, eine Rolle des ausgewählten blauen Schussgarns, alles ist Baumwolle 16/2.

 

 

Einlesen der Kette in den angebauten Reedekamm, für den mein Mann mir sehr praktische Abdeckleisten mit dem 3D Drucker erstellt hat. 

Die Druckdateien dafür sind auf Makerworld zu finden und wurden von Eats, Shoots & Leaves eingestellt.

 


 

Der Litzeneinzug war ja sehr einfach gehalten und war bei nur 206 Fäden schnell erledigt.

 


Handweaving.net  # 78873

Für dieses Muster von Ingrid Boesel werden 24 Wahlleisten gebraucht, gezeigt sind hier je zwei Rapporte in Kette und Schuss..

 


Nachdem die Dobbykette gesteckt und im Webstuhl angebracht worden war, konnte ich losweben.

 


 Die Ober- und Unterseite dieses Gewebes unterscheiden sich deutlich.

 


Auf der Oberseite sind die kleinen, aus Dreiecken zusammengesetzten Quadrate schussdominant und erscheinen also blau.

 


Auf der Unterseite des Stoffes dominiert bei den Quadraten die zweifarbige Kette

 

 

Nach der Wäsche wird ein weiterer Effekt deutlicher, die kleinen blattförmigen Elemente wirken optisch geschwungener als die uniblauen Blättchen der Unterseite. Wahrscheinlich entsteht dieser Eindruck durch die Zweifarbigkeit der Kettfäden.

 


Ich habe sowohl in Kette als auch im Schuss einfache, unmercerisierte 16/2 Baumwolle verwebt, aber die Farbkombination der Kettfäden erzeugt eine durchaus auffallende Glanzwirkung, die vermuten lässt, dass ein entsprechendes Garn verwendet wurde.

 

 

Weil mir dieser Effekt schon bei dem Probegewebe aufgefallen war, fand ich das Muster so geeignet für einen Schal und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

 

 

 

Samstag, 27. Dezember 2025

Probegewebe auf dem umgebauten 3D gedruckten Dobby-Webstuhl Teil 2

 

 

Für das erste Probegewebe auf dem umgebauten Dobby Webstuhl habe ich wieder die Shadow-Weave-Technik genutzt.

 

 

Das Muster, in der Mitte der Webpatrone, ist von Kris Bruland und bei Handweaving.net unter # 50007 zu finden. 

Abgebildet habe ich in der Patrone 3 Rapporte dieses Musters. 

Für mein Schaldesign habe ich den Musterrapport aber 5 Mal wiederholt und in einen Rahmen von breiteren, einfachen Längsstreifen an den Seiten, und Querstreifen zu Beginn und Ende des Gewebes eingebettet. 


 

Wiederum habe ich mit Cottolin 22/2 in Kette und Schuss gearbeitet, ein Material, das ich in großen Mengen in meinem Vorrat habe, das aber nicht unbedingt das beste Material für einen Schal ist. Nun gibt es je nach Hersteller unterschiedliche Cottolin - Qualitäten, mal ist das Garn rauer oder eben auch weicher. Je nach Anwendungszweck kann beides von Vorteil sein. 

In diesem Fall waren die ausgewählten Garne vergleichsweise glatt und sie hatten einen verhältnismäßig weichen Griff. 

 


Zuerst habe ich, entsprechend des Liftplans, die Dobby-Kette gesteckt, dafür waren 32 Musterleisten nötig. Die Kette hatte dadurch eine Länge erreicht, die ein Gewicht benötigte um gut ablaufen zu können. 

Mein Louet Magic Dobby hat für diesen Zweck ein Holzgewicht mit Metallkern, das einfach in die Kettschlinge gelegt wird.

 


Nach diesem Vorbild habe ich nach irgendetwas gesucht, was ich für die Dobbykette des Mini Webstuhls verwenden könnte und fand schließlich in unserer Werkstatt einen Schraubbolzen in passender Größe.

 


Die Kombination aus Bolzen und Mutter wiegt 132 g und lässt sich durch die Mutter genau auf die richtige Breite der Dobbykette einstellen.

 


Sie ist tatsächlich sicher am Grund der Kettschlinge liegen geblieben, hat die Kette abrollen lassen und dabei stramm gehalten und hat somit den erwünschten Zweck gut erfüllt.

 

 

Aufbäumen der Kette mit Hilfe des angeklemmten Reedekamms.

 

 

Schon dafür ist es praktisch, dass man die Kammlade einfach hochklappen kann und sie dort stehen bleibt..

 

 

Nach dem Aufbäumen folgt der Litzeneinzug.




Dabei macht sich der größere Arbeitsraum schon positiv bemerkbar.

 


 

Nun noch der Blattstich und das Schiffchen kann fliegen :-)



 

Begonnen habe ich mit dem breiten, querverlaufenden Streifen, der den Anfang und das Ende des Schals definieren soll, seitlich laufen die etwas schmalere Längsstreifen. 

 

 

 

 

Hier sind meine beiden Dobbywebstühle eimal zusammen zu sehen. vorne der kleine 3D gedruckete Fraens Dobby und hinten der Magic Dobby, dessen Fabrikation die Firma Louet, nach eigenen Angaben, jetzt auslaufen lässt.

Als Ersatz in dieser Kategorie sollen demnach für die 8 und 12 - schäftigen David Webstühle elektronische Dobbys entwickelt werden. Von einem neuen mechanischen Dobby mit immerhin 24 Schäften ist leider nicht die Rede.

 

Zurück zum 3D Mini  Dobby, ich habe ein kleines Video gemacht, das zeigt wie ich den Webstuhl bediene.



Es ist etwa 5 Minuten lang und in der Zeit webe ich ein Stück des Rapports, das Muster ist im Video allerdings nur grob zu erkennen.



Hier kann man es besser sehen, die Vorderseite entspricht der Darstellung der Patrone.

 

 

Einen Blick auf den Warenbaum verrät, wie die Rückseite aussehen wird.

 


Hier ist gut zu erkennen, dass der Warenbaum nun auch einen Schal aus dickerem Material aufnehmen würde, denn ich bin mittlerweile am Ende des Gewebes angelangt.

Erstmalig habe ich das Ende erreicht, ohne irgendwelche Gewichte zum Aufrechterhalten einer gleichmäßigen Spannung zu benötigen. 

Die vorgenommenen Änderungen haben also auf ganzer Linie gewirkt.

 

 
 
 
Und hier nun das Ergebnis: 
  
 
 

 
Mir gefallen beide Seiten des Musters gut.
 
 
 
 
 
Bei Shadow Weave mag ich aber nicht so sehr, dass das von Nahem betrachtete doch recht deutliche Muster, aus der Entfernung, aufgrund seiner feinen Zeichnung, so unauffällig wirkt.