Samstag, 9. März 2019

Farbverflechtung - Mustertuch und Schal

Im vorausgegangenen Blogbeitrag zeigt Jane Stafford ihren Colour & Weave Gamp, hier ist nun meiner auf dem Webstuhl zu sehen. Ich hatte beschlossen ihn nachzuweben, um mir daraus Anregungen für die Musterung zukünftiger Gewebe zu holen.


Das Mustertuch hat 7 Abschnitte mit unterschiedlichen Hell-Dunkel-Abfolgen der Kettfäden. In gleicher Farbreihenfolge werden dann beim Weben die Schüsse eingetragen. 
Schließlich entstehen so 49 unterschiedliche Musterquadrate.
Kette und Schuss sind aus Baumwolle 8/2, gewebt wurde mit 7 Fäden pro Zentimeter. 
Das erste Mustertuch habe ich in Leinwandbindung gewebt, wie es im Online-Kurs vorgesehen war.


Ein weiteres Probestück habe ich dann in vierschäftigem Köper gewebt. Ich habe bisher eher selten mit 8/2 Baumwolle gearbeitet und wenn, dann immer in viel dichterer Einstellung. Daher war ich überrascht von der Qualität des Gewebes. Der angenehm weiche, füllige Stoff wäre gut geeignet für Bekleidung oder eine leichte Decke.


Als nächstes habe ich einfache Rähmchen gebastelt, um die einzelnen Musterabschnitte besser beurteilen zu können.


Diese beiden Ausschnitte sind - unschwer erkennbar - aus dem köperbindigen Mustertuch.


Das leinwandbindige Mustertuch wurde noch ergänzt durch ein Probestück, bei dem je ein Quadrat nur mit dunklem bzw. nur hellem Schuss gewebt wurde. Die gestreiften Bereiche im rechten Teil sind ebenfalls so entstanden und nicht in der Farbfolge der Kette gewebt.


Auch in Leinwandbindung entstehen viele schöne Einzelmuster.
Gestalterisch besonders interessant wird die Sache, wenn man mit Hilfe einer weiteren Schablone Kombinationen zusammenfassen kann.


Es lassen sich so verschiedene Bereiche des Mustertuchs zusammenstellen.


Genauso kann man das kleine Probestück anlegen und ein Muster des Samplers mit dem passenden Bereich kombinieren, der nur mit einfarbigem Schuss gewebt wurde.


Für meine erste Anwendung bin ich genauso vorgegangen. Im oberen Foto ist die Musterkombination zu sehen, die ich mir für einen Schal auf einem meiner kleinen Webrahmen ausgesucht habe.


Mein Material für Kette und Schuss ist wieder einmal 4-fädige Sockenwolle, eingezogen mit 4 Fäden pro Zentimeter.


Die eine Schalseite ist einfarbig dunkel, die andere entsprechend dem Farbverflechtungsmuster eingezogen: hell-dunkel-hell-dunkel-dunkel.


Die erste Hälfte des Schals habe ich mit 2 Schiffchen im Farbverflechtungsmuster gearbeitet, den Rest dann nur noch einfarbig abgewebt.


Dann wurden die Fransen gedreht, der Schal gewaschen und gebügelt...

...und so sieht er nun aus.


Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und werde sicher noch weiter Musterkombinationen ausprobieren.





Freitag, 8. Februar 2019

Weben lernen mit Jane Stafford


Für mich fing es damit an, dass ich irgendwo im Netz einen gewebten Schal gesehen hatte, der mir ausnehmend gut gefiel.


Ich folgte dem angegebenen Link und kam auf die Homepage von JST, 


Jane Stafford betreibt ihr Webstudio auf der kanadischen Insel Salt Spring Island.  
Neben ihrer Weberei und dem Verkauf von Webgeräten und Garnen, bietet sie Kurse für Webinteressierte an und sie gründete 2017 die  JST Online Guild.
 

Im Grunde handelt es sich bei der Online Guild um einen fortlaufenden Video-Webkurs. 
Für eine Jahresgebühr von zur Zeit 99 kanadischen Dollar, das sind ca. 65 €, stehen den Mitgliedern alle bisher veröffentlichten Filme und Informationen zur Verfügung. 
Ich kann mir also alle Webtipps, Umrechnungstabellen und Webanleitungen im PDF-Format herunterladen und alle gedrehten Videos, so oft ich will, online ansehen.
Jedes Jahr werden 10 neue Filme zu einem Hauptthema veröffentlicht.

Nach einigem Zögern, weil ich mich fragte, ob die Teilnahme für mich Sinn macht, da ich mir einbildete, mittlerweile doch eine verhältnismäßig erfahrene Weberin zu sein, bin ich Anfang Januar der Online Guild beigetreten und habe es noch keinen Tag bereut.



In diesem Video gibt Jane selbst einen kleinen Überblick über einige der Inhalte des ersten Kursjahres. Auf ihrer Homepage gibt es noch weitere Videos, in denen sie über die darauf folgenden Kurse spricht. 

Ich bin chronologisch vorgegangen und habe mir zuerst die Videos des ersten Jahres angesehen. Dabei ging es zunächst einmal um Grundlegendes, wie richte ich einen Webstuhl ein, was sollte ich beim Weben beachten. Es gibt viele Tipps und Tricks zu sauberen Webkanten und gleichmäßigem Anschlag, selbst zum Weben mit schwierigen Garnen wie z.B. Mohair in Kette und Schuss.


Dass es Janes Ziel ist, ihre Teilnehmerinnen zu ermuntern, nicht nur nach fertigen Rezepten, also Webanleitungen, zu weben, sondern eigene Ideen zu entwickeln und zu verwirklichen, ist schon in diesem ersten Jahreskurs ersichtlich.
Es werden verschiedene Garnmaterialien vorgestellt, über ihre unterschiedliche Anwendbarkeit je nach Fadendichte diskutiert, sowie Techniken zur Ermittlung der passenden Einstellung (engl. sett) vermittelt.



Aber dann kommt etwas dazu, dem ich bisher noch nie in dieser Form begegnet bin, weder in Lehrbüchern noch in Lehrvideos, Jane gibt ihren Schülerinnen alle möglichen und nötigen Mittel in die Hand, um eigene Gewebe zu designen.


Systematisch werden vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten vermittelt und erprobbar gemacht, die grafische Aufteilung einer Fläche, Strukturen und Farbfindung und dies alles am Anfang mit der einfachsten Bindung, der Leinwandbindung. 


Und so ist es folgerichtig, dass das 2. Kursjahr sich dem Thema Farbe verschrieben hatte und das laufende, 3. Jahr die unglaublich vielen gestalterischen Möglichkeiten der Leinwandbindung vertiefen wird.
Daher sehe ich auch eine Menge interessante Informationen fürs das eigenschöpferische Weben mit dem Gatterkamm-Webrahmen.


Es ist wirklich erhellend dabei zuzusehen, wie Jane auf einer Kette in 8/2 Baumwolle erst Handtücher webt, um dann durch einen geänderten Kammeinzug, teils anderen Schussgarnen und -farben, ein paar locker fallende Schals zaubert, die alle ihren eigenen Stil haben. 
Wer es gern extremer haben möchte: hier war die Kette zuerst für ein Ripsgewebe eingestellt. Durch sinnreiche Änderungen konnte auf gleicher Kette dann ein Schal entstehen.

8/4 cotton warp and 7 gauge bambu weft sett at 36 EPI for Repp Weave and then resleyed and opened up to 12 EPI/ 12 PPI in Plain Weave….two dramatically different fabrics from one yarn.
https://janestaffordtextiles.com/blog/weaving-architecture-step-1-of-the-design-process/

Ich habe mittlerweile den Stoff des ersten Kursjahres durchgearbeitet und habe mit Teil 2 begonnen, An Exploration of Colour and Design Principles
Hierzu gibt es sieben exemplarische Webanleitungen, die das Thema vertiefen. 


Ich bin gerade dabei den Colour & Weave Gamp zu weben, ein Mustertuch, zur Farbverflechtung und werde demnächst Weiteres darüber berichten.


Alle Bilder, dieses Beitrags sind von Jane Staffords Homepage, https://janestaffordtextiles.com/
Jane hat mir freundlicherweise erlaubt, sie für diesen  Blogbeitrag benutzen zu dürfen. 

Der Besuch der JST- Homepage ist ausgesprochen empfehlenswert.  Es gibt dort u.a. ein Forum, eine Helpline mit vielen, vielen Tipps und einen sehr interessanten Blog, der einige Inhalte der Onlinekurse aufnimmt. Alle diese Angebote richten sich an jeden Interessierten und nicht nur an zahlende Mitglieder der Guild.


Heutzutage erscheint es mir sinnvoll, noch klarzustellen, dass ich diese "Lobeshymne" geschrieben habe, weil ich durch die Online Guild  tatsächlich viel Neues gelernt habe,  jede Menge Inspiration bekommen habe und mich schon auf die nächsten Lernvideos freue, aber in keiner Form für diesen Beitrag bezahlt worden bin.







Donnerstag, 31. Januar 2019

Stoff und Papier

Es ist nun schon anderthalb Jahre her, dass ich in Schweden damit angefangen hatte, kleine Stoffkörbe zu weben.


Das ist das Schöne, wenn man nicht nur einen Webstuhl hat: man kann ein Projekt ruhen lassen und in der Zwischenzeit andere Dinge weben :-)


Das Nähen dieser kleinen Körbe erwies sich als nicht ganz so einfach. Meine Nähmaschine in Schweden hatte Probleme mit dem steifen Gewebe.


Besonders schwierig war das Aufsteppen des Stoffstreifens, der die Nahtstelle verdecken soll, man kann hier gut sehen, dass die Nähte wirklich nicht schön geworden sind.


Beim dritten Korb, den ich mit meiner neuen Maschine genäht habe, ist die Naht etwas besser ausgefallen, zufrieden bin ich aber immer noch nicht.


Die weiteren Stoffstücke bleiben jetzt erst einmal liegen, bis mir eine bessere Technik einfällt.


Als die Kette zu Ende ging, habe ich mit dem Kettrest ein bisschen experimentiert und Papierstreifen eingeschossen.


Ich habe einen Ikea Family Katalog in schmale Streifen geschnitten und diese, einmal längs gefaltet, als Schussmaterial verwendet. Gewebt wurde dann mit jeweils zwei Zwischenschüssen aus dem Kettmaterial, in diesem Fall schwarzem Baumwollkettgarn.


So ist dieses 42 Zentimeter lange Probestück entstanden, vielleicht nähe ich daraus eine Buchhülle  oder es wird einfach ein kleiner Wandbehang.


Durch den doppelten Zwischenschuss erscheinen die Papierschüsse versetzt. Gibt man nur einen Zwischenschuss ein, ergibt sich ein anderes Bild, wie es hier im ersten Drittel links zu sehen ist, z.B. bei der bräunlichen Schussfolge.


Da habe ich wohl ab und an mal nicht aufgepasst!
Aber mit dem Ergebnis bin ich trotzdem zufrieden. Das Gewebe fühlt sich erstaunlich gut an und die entstandene Farbmusterung finde ich sehr schön.





Dienstag, 18. Dezember 2018

Reflexschal

Ich habe einen weiteren kleinen Webrahmen erstanden, einen 30 cm breiten Ages-Rahmen mit einem hübschen roten, 40/10er Kamm. 


Der Rahmen war zwar nicht gekennzeichnet und kam ohne Umverpackung, ich hatte aber vor einiger Zeit schon einmal einen Rahmen ersteigert, der genauso gebaut war, den Hobby-Webrahmen Carola von Ages in 60 cm Webbreite. Offenbar wurde dieser also auch in einer kleineren Größe hergestellt.


Optisch unterscheiden sich die Ages-Rahmen von den üblichen Kircher- und Eitorfer Rahmen u.a.durch ihre runden Bäume und eine anders gestaltete Kammhalterung, in ihrer Funktion sind sie aber absolut gleich.


Typisch für all diese Rahmen ist die Zähnchenreihe an Kett- und Warenbaum. Bei meinem ersten Eitorfer Webrahmen habe ich diese noch abgesägt und durch Anlängerschnüre ersetzt. Mittlerweile finde ich sie aber ganz praktisch beim Aufziehen, es ist nur wichtig, die Zacken gut abzudecken. Seit einiger Zeit benutze ich dafür Bambus-Platzdeckchen, die es oft in Ein-Euro-Shops gibt.


Besonders gut geeignet sind dabei diejenigen mit den etwas breiteren Stäbchen, wie das obenliegende.


Vor zwei Jahren habe ich schon einmal einen Schal mit Reflexgarn gewebt. Dieses Mal wollte ich den Effekt etwas stärker hervortreten lassen und habe nicht feines, farbiges Reflexgarn benutzt, sondern mit einem 1 mm breiten Reflexband in der Kette gearbeitet. 


Die Schalkette besteht aus Regia Extra Twist Merino in schwarz, sowie einem Rest Alpacka in hellgrau und dazwischen liegt das schmale Reflexband. Im Schuss habe ich schwarzes Sockengarn von Opal verwebt.


Als ich den Schal vom Rahmen nahm, waren die Streifen sehr wellig. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, das starre Reflexband nicht mit der Wollkette zusammen aufzuwickeln, sondern es mit Gewichten versehen hängen zu lassen, um die Spannung besser anpassen zu können.  Vorm Fransenknoten habe ich daher versucht, die Bändchen noch etwas strammer zu ziehen.


Dann ging es erst mal ab ins warme Entspannungsbad.


Als der Schal ins Spülwasser kam, fiel das Licht gerade so, dass der Reflexeffekt ganz gut zu sehen war.


Nach dem Trocknen habe ich den Schal vorsichtig mit einem feuchten Tuch gebügelt. 
Das mache ich grundsätzlich mit meinen Webstücken, in diesem Fall war ich mir aber nicht sicher, wie das reflektierende Material darauf reagieren würde.


Aber alles ging gut und ich bin mit dem Ergebnis recht zufrieden. 


Nun peppt der Schal meinen uralten Lieblingsanorak ein bisschen auf.


An der Garderobe im relativ dunklen Flur, kann man noch einmal den Effekt erahnen, der sich fotografisch aber leider nicht so gut darstellen lässt.




Freitag, 14. Dezember 2018

Transparens


Der Schal mit dem Namen Transparens, für den ich mir während der Webtage in Glimåkra das von Magiske Garner angebotenen Materialkit gekauft hatte, ist inzwischen fertiggeworden.


Aufgezogen hatte ich die Kette auf meinen 60 cm breiten Lasse Maja Webstuhl.


Der Schal ist zwar in einfacher Leinwandbindung gewebt, wegen der verhältnismäßig hohen Kettdichte der Wollstreifen, wurde aber das Einziehen in vier Schäfte in der Anleitung empfohlen.


Die Streifen aus Seidengarn sind weniger dicht eingezogen und haben dadurch die leicht transparente Wirkung, der der Schal seinen Namen verdankt.


Milano heißt die türkisfarbene, extrafeine Merinowolle, Nm 30/2  und Jasper, die Tussahseide der Stärke Nm 15. Beide Garne haben also eine Lauflänge von 15.000 m/kg.


Für den Schuss wird das Seidengarn verwendet.
 

Ich hatte mir auf der Webmesse für meinen Materialsatz eigene Farben aussuchen können und bin mit der Zusammenstellung sehr zufrieden.


Die Breite des Schals habe ich etwas verringert und ich komme nach dem Waschen auf 
28 cm bei einer Länge von 184 cm inklusive Fransen. Durch das feine Material wiegt der ganze Schal nur 72 g und hat einen wunderschönen  Fall.


Wenn man gegen das Licht schaut, erkennt man gut die Transparenz der rein seidenen Streifen.