Mittwoch, 29. Juli 2020

Tea Towel Time mit Jane Stafford


Anläßlich der Corona Pandemie hat Jane Stafford vom 8. April bis 6. Mai  dieses Jahres einen kostenlosen Online Webkurs auf ihrer Facebook-Seite angeboten, der dort immer noch zu sehen ist.
Insgesamt hat sie live, beginnend mit dem Schären der Kette, dann dem Einrichten des Webstuhls,  zwölf Geschirrtücher gewebt.
Das Interessante daran ist, dass alle Handtücher zwar auf der gleichen Kette gewebt sind, sich aber in der Bindung, Musteraufteilung und Farbe voneinander unterscheiden, und damit nicht nur die Technik des Webens sondern auch die Gestaltungsmöglichkeiten von Webprojekten vermittelt wird.

Foto: Jane Stafford (Ausschnitt)

Jane hat die Kette auf 8 Schäfte verteilt, zehn der Handtücher sind aber auch mit nur 4 Schäften zu realisieren.
Die ersten vier Tücher sind in Leinwandbindung gehalten und unterscheiden sich hauptsächlich in der grafischen Aufteilung der Farben. Die nächsten sechs sind in Köperbindung mit unterschiedlichen Trittfolgen gewebt, wiederum anderen Musteraufteilungen und zusätzlich wurden weitere Schussfarben eingesetzt. Für die letzten beiden Geschirrtücher müssen die Tritte neu aufgebunden werden, da nun Schuss- und Kettköper auf 8 Schäften mit 8 Tritten gewebt wird.
Der Online-Kurs endete am 6. Mai mit einer Abschlussbesprechung der fertigen tea towels.
Kurz darauf konnte man die Webanleitung als Download zu einem selbst gesetzten Preis bei Jane Stafford Textiles kaufen. Jane stiftete dann den Erlös der Maiwa Foundation.

Die Filme auf Facebook sind nicht von bester Qualität, anders als die Profi-Filme ihres Online-Kurses sind sie mit einer Handykamera von einer Assistenten aufgenommen worden. Alle Informationen kommen aber trotzdem gut an und es macht Spaß diese, in lockerer Atmosphäre gedrehten Szenen anzugucken.
Hier der Link zum 2. Film, der das Einrichten des Webstuhls zeigt:
https://www.facebook.com/janestaffordtextiles/videos/3266759160009024/

Ich habe mir die Anleitung besorgt und jetzt im Juli, hier in Schweden, eine Kette für meinen Rita-Webstuhl abgelängt, um einige der Handtücher nachzuweben. Jane Stafford hat mit 8/2 Baumwolle gearbeitet, ich habe stattdessen Cottolin 22/2 benutzt, das ich in  passenden Farben noch in meinem Vorrat hatte.



Die Kette habe ich wieder ganz einfach, nach Art von Jane Stafford, nachdem ich sie in den Reedekamm eingelegt hatte, nur mit etwas Gewicht beschwert über den Boden gezogen und auf den Kettbaum gewickelt.

 

Meinen Reedekamm habe ich nun auch bei diesem Webstuhl ganz oben befestigt, damit ich die Schäfte mit den Litzen einfach hängen lassen kann.


Ich habe so etwa 9 m Kette aufgebracht, aber nicht Papier sondern Geleseleisten am Kettbaum benutzt, um die Kette am seitlichen Abrutschen zu hindern.


Nun folgt der Litzeneinzug. 



Die Fäden werden gleich auf 8 Schäfte verteilt, die schwarzen Randfäden und die hellgrünen Mittelfäden liegen in den Litzen der 4 hinteren Schäfte. Die lila und türkisfarbenen werden dagegen auf den ersten 4 Schäften eingezogen.



Jane ändert nach den Tüchern in Leinwandbindung die Einstellung von 18 EPI auf 20 EPI für die Köperbindung. Darauf habe ich verzichtet und einfach von vorn herein für alles einen 40er Kamm gewählt und mit 8 Fäden pro Zentimeter (1 Litze/2 Riet) gearbeitet, was den 20 EPI entspricht.
(EPI - ends per inch)


Der Kammeinzug ist abgeschlossen und ich habe noch vorm Anknoten der Fäden die Latten und Tritte angebunden, weil ich so einen besseren Überblick habe.


 
Der Rita-Webstuhl hat, genau wie unser selbstgebauter Lotta-Webstuhl, alle Latten auf gleicher Höhe. Um die Latten für die Senkung und die Hebung besser unterscheiden zu können, habe ich auch diesen Webstuhl mit verschiedenfarbenen Texsolvschnüren ausgerüstet.

 

Die ersten Geschirrtücher in Leinwandbindung sind schnell gewebt.


 Dann folgt eines in 2/2 Köper mit gleicher Farbgebung im Schuss.


 

Das nächste hat 2/2 Köper und Panamabindung im Wechsel und im Schuss habe ich verschiedene Farben ausprobiert.


Das Orange soll nur am Rand und als Zwischenschuss eingewebt werden.


Bei manchen Farbkombinationen zeigt die Panamabindung in dem gestreiften Kettanteil ein recht hübsches Farbverflechtungsmuster.


Gerade habe ich ein Handtuch in Pinwheel Musterung angefangen, das im Schuss wieder die Farben der Kette haben wird.


Nach diesem Webstück werde ich den Webstuhl von jetzt 8 Schäften und 6 Tritten neu verknoten und um 2 Tritte erweitern.



 Fortsetzung folgt  :-)




Dienstag, 30. Juni 2020

Electric Eel Wheel

Nach meinem letzten Zwirn-Marathon war ich wild entschlossen, mir einen Elektrospinner zu kaufen.
Nach kurzer Marktforschung habe ich die Idee dann allerdings wieder verworfen.
Ich habe insgesamt 6 Spinnräder, ein Louet S10, das ich mir 1980 gekauft habe, einen louetähnlichen Selbstbau, der etwa 5 Jahre später entstanden ist, das Victoria Reisespinnrad von Louet sowie drei wunderbare, alte schwedische Spinnräder und alle funktionieren einwandfrei. Unter diesen Umständen kam es mir unsinnig vor, gut 600 Euro für einen Elektrospinner auszugeben, nur weil ich keine Lust auf das Dauertreten beim Zwirnen hatte.
Aber während meiner Recherchen war ich irgendwann auf der Seite von Maurice Ribble gelandet und war dort auf eine preiswertere Alternative gestoßen, das Electric Eel Wheel 6. Das Problem dabei, diesen E-Spinner gibt es leider noch gar nicht. Maurice Ribble finanziert den Bau seiner Spinnräder über Crowdfunding bei Kickstarter und die voraussichtliche Lieferung soll erst ab Februar 2021 erfolgen.


Es gibt  allerdings ein Vorgängermodell, das Electric Eel Wheel Nano. Wie schon aus dem Namen hervorgeht, handelt es sich dabei um einen sehr kleines Gerät und zu meiner ursprünglichen Idee, mir einen E-Spinner zum Zwirnen meiner Garne zu kaufen, passte es eigentlich nicht und es passte schon mal gar nicht zu der Tatsache, dass ich ohnehin schon sechs Spinnräder habe.

Aber irgendwie faszinierte mich dieser Zwerg und je mehr ich darüber bei Ravelry und Facebook las und bei You Tube sah, desto stärker wurde mein Wunsch auch so ein Nano zu besitzen.



Leider versendet Maurice Ribble seine Spinnräder nicht mehr nach Deutschland, da es hier immer wieder zu Problemen mit dem Zoll gekommen ist. Dafür gab es offenbar unterschiedliche Gründe, u.a. soll es das Fehlen einer gedruckten Bedienungsanleitung gewesen sein, es liegt aus Kostengründen nur ein Kärtchen bei mit der Webadresse für die anleitung bei, sowie die Tatsache, dass ein amerikanischer Stecker montiert ist, den man in Europa nur mit Reiseadapter zu benutzen kann.


Aber es gibt ja meist für alles eine Lösung, Bei Wollokaal in Holland sind die kleinen E-Spinner verfügbar und es hat nach der Bestellung keine Woche gedauert und mein Paket war da, liebevoll verpackt und u.a. mit etwas wunderbar weicher, türkisfarbener Wolle zum Probespinnen versehen. 

Der amerikanische Stecker ist für mich überhaupt kein Problem, weil ich es sowieso viel angenehmer finde, ortsunabhängig meine Powerbank zu benutzen, für die eine Zuleitung mit USB-Stecker zum Lieferumfang gehörte. 

Zusätzlich hatte ich mir gleich Fadenführer aus Kunststoff für etwas dickeres Garn mitbestellt und noch zwei zusätzliche Spulen, so dass ich nun immerhin 8 Stück habe. 
Wer einen 3D-Drucker hat, kann sich Spulen und weitere Zubehörteile, wie z.B. eine Lazy Kate, auch selber drucken.  Bei Thingiverse hat Maurice Ribble die Dateien dazu eingestellt.



Das Spinnen klappte von Anfang an ohne Probleme und auch das Verzwirnen machte keinerlei Schwierigkeiten.


Zuerst habe ich orangefarbene Landschafwolle gesponnen und gezwirnt.


25 g des gezwirnten Garns passten auf eine Spule.



Dann habe ich angefangen meinen Vorrat an Garn zu zwirnen, den ich im Laufe der Zeit mit meiner kleinen Kreuzspindel gesponnen hatte. Nun verspinne ich gerade das schöne Garn aus Holland.


Da ich schon im Vorfeld viel über das Nano gelesen und gesehen hatte, habe ich gleich als erstes ein paar Tipps von Vampy umgesetzt, um den kleinen E-Spinner so leise wie möglich zu machen.


Bei meinem Nano haben drei Dinge gereicht, ich habe die Achse mit feinem Sandpapier abgezogen, um ev. Grate zu entfernen, vorn und hinten, dort wo die Spule anliegt, je ein Stück Tesafilm aufgeklebt und aus Polarvlies zwei Ringe geschnitten, die dafür sorgen, dass die Spule kein Spiel auf der Achse hat und damit ist jedes Klackern verschwunden.


Jetzt fehlte nur noch eine passende Tasche, denn das Eel Wheel Nano ist, ausgestattet mit einer Powerbank, wirklich der perfekte Reisebegleiter.


Die kleine Kühltasche fasst alles, was ich zum Spinnen unterwegs brauche. In dem selbstgebastelten, gepolsterten Trennungsteil steckt die Powerbank, daneben haben meine sieben Spulen Platz,und Spinnmaterial kann ich einfach noch in den Deckel packen.


Die Tasche ist nur 24 cm breit,  17 cm hoch, 17 cm tief .








Samstag, 30. Mai 2020

Einrichten des kleinen Kontermarschwebstuhls


Der selbstgebaute Lotta - Webstuhl wird nun zum Weben eingerichtet.




Ich beginne damit, Texsolvschnüre abzulängen und rate dringend dazu, die angegebenen Längen nur als ungefähre Werte zu sehen und beim eigenen Webstuhl lieber vorher nachzumessen, ob die Maße wirklich passen. Durch kleine bauliche Veränderungen kann sich da einiges geändert haben. Wer andere Maße braucht, sollte immer ein bisschen Länge zugeben, damit Material zum Justieren übrig ist.
Zuerst werden die Kontermarschwippen festgestellt, indem man die passenden Metallstangen in die Löcher im Kontermarschkasten steckt, dann bekommen die Wippen ihre Schnüre.

Für meinen 6-schäftigen Webstuhl habe ich 6 Stücke Texsolvschnur auf  31 cm Länge geschnitten und an den Enden mit Hilfe einer Feuerzeugflamme angeschmolzen. So mache ich es mit allen Texsolvschnur-Enden, damit nichts aufribbeln kann.

Texsolv: Schnur, 2 Anker, 1 Pfeilstecker

Mit diesen kurzen Schnurstücken verbinde ich nun die Wippen in der Mitte und stecke sie mit den sog Ankern oder Klammerbolzen der Firma Texsolv fest.
Dann brauche ich 6 lange Schnurstücke, à 65 cm, die ich jeweils um eine der Verbindungsschlaufen schlinge und dadurch befestige, dass ich das eine Ende durch eines der Löcher am anderen Ende ziehe. Fertig sind die Heber-Schnüre, die später durch die Mittellöcher jedes 2. Querschemels gesteckt werden.


In die äußeren Löcher der Wippen kommen die Schnüre, an denen die Schäfte hängen. 
Das richtige Maß ermittelt man dadurch, dass man einen Schaft provisorisch aufhängt, einen festen Faden, z.B. Teppichkettgarn, durch eine Litze und den Kamm zieht, den Faden über die beiden Streichbäume leitet und an beide Enden ein Gewicht hängt. Jetzt justiert man solange die Länge der Texsolvschnur bis der simulierte Kettfaden durch die Mitte des Litzenauges und durch die Mitte des Kamms geht.



Meine 12 Schnüre waren jeweils 23 cm lang, als ich sie durch das Loch in der oberen Schaftlatte gezogen hatte.




Mittlerweile habe ich Schraubhaken an die oberen Schaftleisten geschraubt und ich bräuchte nur noch 20 cm Schnur. Ich stecke einfach die Schnüre durch die Wippenlöcher rechts und links, befestige sie jeweils mit einem Anker und hänge die Schäfte in der richtigen Höhe mit ihrem Haken in die Schnur. 
Bevor ich die Schäfte aufhänge, habe ich sie natürlich mit der benötigten Anzahl Litzen bestückt. Mein Webstuhl ist mit Texsolvlitzen 280/12 ausgerüstet, Das sind die sog. Standardlitzen, auch einfach 28er genannt
.



An den oberen Schaftleisten können die Litzen nicht abrutschen, weil die kleinen Haken für die Aufhängung, die außerhalb der Webbreite angeschraubt sind, sie daran hindern. Den unteren Schaftleisten verpasse ich eine Gummischnur mit Metallsplinten, um das Abrutschen der Litzen zu verhindern. Meine Gummischnur hat einen Durchmesser von 1,5 mm.



 Nun kommen wir zu den Anlängerschnüren.



Hinten am Webstuhl ziehe ich durch jedes der 5 Löcher am Warenbaum je ein Stück Texsolvschnur, das so lang ist, dass es fast an die Litzen reicht. Ich befestige die Schnüre am Anlängerstab, indem ich sie einmal um den Stab lege und jeweils das Ende der Schnur durch eines der Löcher ziehe. Dann ziehe ich eine Polyesterkordel durch das Loch in den überstehenden Endstückchen und befestige die Kordel rechts und links mit einem Knoten am Anlängerstab.
Wenn ich die Kette aufziehe, nehme ich alle Schnüre ab, bis auf die äußere, rechts oder links, lege dann den Stab in die Schlinge meines Fadenkreuzes und mache das gegenüberliegende Ende provisorisch mit einem Pfeilstecker wieder fest.

Die Verbindung zum vorderen Anlängerstab mache ich mit einer langen Polyesterkordel. Hier werden später die offenen Kettenden angebunden, darum muss ich hier keine lösbare Verbindung haben. Damit die Kette nicht schief aufgewickelt wird, muss man beim Anbringen dieser Schnur darauf achten, dass sie immer in gleicher Richtung durch die Löcher gezogen wird und entsprechend um den Anlängerstab geführt wird. Die Enden der Schnur habe ich mit einem Knoten in den Bohrungen des Stabes befestigt.


Jetzt kann ich die Kette am Schärbaum ablängen.


Mein erstes Gewebe auf dem fertigen Webstuhl soll ein Stoff für eine leichte Jacke werden.
Ich hatte in meinem Vorrat noch Konen mit Merinowolle in zwei verschiedenen Stärken.



Einzeln wäre mir das Garn zu dünn gewesen, so habe ich beschlossen, die beiden Konen zu mischen. Es handelt sich  einmal um schwarze Wolle Nm 27/2, die verzwirnt ist und um gefachte Wolle mit 3 Fäden à Nm 40/2.


Meine neu gebildetes Garn hat je einen Faden von den beiden Konen und ich habe die Kette mit sechs dieser zusammengesetzten Fäden pro Zentimeter geschärt. Ich mache beim Schären nur ein Fadenkreuz und kein Gangkreuz, sondern gehe stattdessen mit dem Garn nur um den Wendezapfen an meinem Schärbaum herum. Außerdem lege bei jedem neuen Umgang den oder die Fäden immer wieder über die bereits geschärten. Gelernt habe ich das einmal anders, für mich hat sich dieses Vorgehen aber als praktischer erwiesen.


Die Schlinge des abgebundenen Fadenkreuzes lege ich um den Anlängerstab, dann stecke ich die Fadenkreuzlatten ins Kreuz und befestige die Latten am Webstuhl.
In Jane Staffords Online Guild habe ich eine praktische Art gelernt, die Kreuzlatten so zu befestigen dass sie bei Bedarf horizontal und vertikal verschiebbar sind.




Ein Stück Schnur wird doppelt genommen und als Schlinge z.B. um den Mittelbalken des Webstuhls gelegt. 
Die beiden Enden werden nun nacheinander so durch die Löcher der Kreuzlatten gezogen, dass dabei eine Verkreuzung entsteht.


Das passiert, wenn man das erste Schnurstück von oben durch die 1. Latte fädelt und auch von oben durch die 2. Latte. Dann nimmt man das 2. Schnurstück und fädelt es von unten durch Latte 1 und auch von unten durch Latte 2. Die beiden Enden kann man dann mit einem aufziehbaren Knoten am Streichbaum befestigen. Die Kreuzlatten haben jetzt einen guten Abstand voneinander und lassen sich durch die Reibung auf der Schnur in jede gewünschte Stellung schieben.


Nachdem ich die Knoten aufgelöst habe, die das Fadenkreuz sicherten, kann ich nun meine Kettfäden im Reedekamm verteilen. Der Reedekamm hat eine Zentimetereinteilung, es kommen also 6 Fäden in jede Abteilung.


Meine Kette ist 80 cm breit und 5 m lang. Ich habe jetzt schon zum 2. Mal erfolgreich Jane Staffords sehr einfache Methode angewandt, die Kette allein aufzuziehen, nur mit Hilfe von einn paar schweren Büchern.


Jane legt Papier ein, beim Aufwickeln des Kettbaums, ich habe meine Kettleisten benutzt.




Wenn man sich mit einem Stuhl vor den Webstuhl setzt, kann man recht bequem den Litzeneinzug machen.


Beim Blattstechen sitze ich lieber etwas höher auf meiner Webbank, so hat man einen guten Überblick.


Nun zur Trittverschnürung. 
Die Kontermarschwippen sind noch festgestellt.
Als erstes werden die Schäfte mit den Querschemeln verbunden.
Ich sitze dabei vorne vorm Webstuhl auf einer Fußbank.

Für mein Gewebe brauche ich 4 Schäfte und 6 Tritte. Ich setze also 8 Querschemel auf die entsprechende Achse. Die Querschemel sollen nach der Anschnürung waagerecht stehen.
Da die Querschemel alle in gleicher Höhe angebracht sind, ist es nicht so einfach, diejenigen für die Hebungen und jene für die Senkungen auseinanderzuhalten. Eine gute Möglichkeit wäre die farbige oder sonstige Markierung jedes zweiten Querschemels.
Ich habe mit verschiedenfarbigen Schnüren gearbeitet.
Seit einiger Zeit kann man in Schweden  Texsolvlschnur  in den Farben schwarz, rot, blau und gelb kaufen. Ich habe mir letztes Jahr eine Rolle in blau direkt bei Texsolv bestellt. Das Porto nach Deutschland dürfte aber so hoch sein, dass man vielleicht erst einmal hier bei den einschlägigen Händlern anfragt, ob sie farbige Texsolvschnur verkaufen oder mitbestellen können.
Eine andere Möglichkeit wäre es, sich die abgelängten Schnüre selbst einzufärben. Das soll ganz gut mit Jacquard iDye Poly funktionieren. Normale Stofffarbe haftet auf der Kunststoffschnur nicht gut.



Natürlich kann man die Schnüre auch alle weiß lassen, aber es erleichtert die Sache, wenn man in die unteren Schaftlatten Schnüre in einer abweichenden Farbe einzieht, sie mit jedem 2. Querschemel verbindet und dadurch, wie hier, z.B. die Senker markiert.

Auf den beiden Bildern kann man die Reihenfolge gut sehen:  Die lange Schnur, die von der Mtte der Wippen kommt, wird vor den Litzen nach unten geleitet und unter dem Mittelloch des ersten Querschemels mit einem Anker befestigt.  Der zweite Schemel wird mit der unteren Schaftlatte durch eine farbige Schnur verbunden, der 3. mit einer langen weißen usw. Die Schemel 1,3,5,7 sind also weiß verschnürt, die mit geraden Zahlen blau. Die langen Schnüre gehen jeweils vor ihrem Schaft lang und mitten durch die Kette, dabei sollen sie die Kettfäden nicht beiseite drücken.

 


Jetzt sollen die Querschemel mit den Tritten verbunden werden.

Ich habe 12 weiße und 12 blaue Schnüre auf 40 cm Länge geschnitten und in jede Schnur provisorisch schon einmal einen Anker gesteckt.
Ich sitze weiterhin vorne vorm Webstuhl und stecke, hinten beginnend, die Ankerschnüre entsprechend meiner Patrone in die Löcher der Querschemel, dabei gehe ich Schaft für Schaft vor.
 

Jedem Schaft sind 2 Querschemel zugeteilt, einer für die Senkung und einer für die Hebung.
Der hinterste Querschemel ist blau angebunden, er ist für die Senkung des Schafts zuständig und bekommt auch blaue Schnüre zu den Tritten.  
Diese Schnüre werden durch die Löcher gesteckt, die in der Webpatrone den leer gebliebenen Kästchen entsprechen und oben mit einem Anker festgeklemmt.

Die langen, weißen Schnüre sind für die Hebung zuständig. Die Querschemel, die weiß angebunden sind, bekommen also weiße Schnüre zu den Tritten. Hier werden die schwarzen Kästchen der Patrone verschnürt.



Die Zeichnung soll die Zuordnung noch einmal verdeutlichen. Hier sind Senkung und Hebung allerdings so dargestellt, wie sie erscheinen, wenn die Querschemel übereinander liegen. Am Lotta-Webstuhl haben wir es ja jeweils mit einem Senker und einem Heber nebeneinander zu tun. 
(Achtung: Das Steckschema der Anker, das auf den Fotos zu sehen ist, entspricht nicht der oben abgebildeten Patrone, u.a. weil ich die Anbindung immer so abändere, dass eine sog. schreitende Trittfolge möglich ist.)



Wenn alle Schnüre eingesetzt sind, kann ich sie mit den Tritten verbinden.
Mein Webstuhl hat ja nicht für jeden Schaft ein Loch in den Tritten sondern je ein Loch für jeden Querschemel. Daher kann ich beim Durchziehen der Schnüre in die Tritte ganz einfach abzählen, Schemel 8, Loch 8, Schemel 7, Loch 7 usw.

Ich gehe Tritt für Tritt vor und befestige die Schnüre unter den Tritten dann mit Kabelbindern.  
Dabei beginne ich wieder von hinten und schiebe den Kabelbinder, als Sicherheitsmaßnahme gegen das Ausreißen, jeweils durch das 2. Loch der Schnüre.  
Durch das Knübbelchen am hinteren Ende und die Schrägstellung der Tritte kann der Kabelbinder nicht rausrutschen.


Zum Schluss  muss ich dann nur noch die Anker oben auf den Querschemeln so feststecken, dass alle Tritte in die gleiche Höhe kommen. Meine Tritte schweben hinten 15 cm über dem Boden.


Jetzt wende ich mich wieder der Kette zu. Ich finde, dass die Verschnürung der Tritte einfacher geht, wenn die Kette noch nicht angeknotet ist, Man hat einfach einen besseren Überblick.


Das Anknoten der Kette an den Anlängerstab mache ich also ganz zum Schluss. Ich setze zuerst nur einen Knoten und kontrolliere noch einmal die Stelle, an der die langen Schnüre, von den Wippen kommend, durch die Mitte der Kette gehen.


Falls die Schnüre nur geringfügig außerhalb der Kettmitte liegen, reicht es, den Kamm etwas in der Kammlade zu verschieben. Werden Kettfäden aber regelrecht beiseitegedrückt von den Mittelschnüren, muss man diese einzeln von den Querschemeln lösen, an der richtigen Stelle durch die Kette führen und wieder befestigen.
Wenn das alles erledigt ist, ziehe ich die Knoten noch einmal fest und setze einen zweiten Knoten darüber.
Nun darf man nicht vergessen, die Feststeller aus dem Kontermarsch zu ziehen, sonst öffnet sich kein Fach.



Der kurze Film zeigt, wie weit sich das Fach öffnet. Ich habe einen geraden Einzug auf 4 Schäften, gleichseitigen Köper und zusätzlich zwei Leinwandtritte angeschnürt. Meine Patrone habe ich umgestellt für eine schreitende Trittfolge. Ich trete im Film Leinwandbindung rechts außen und links außen und dann abwechselnd von außen nach innen die Köpertritte.



Den Stoff für die Jacke habe ich in Leinwandbindung gewebt.


Für den Schuss habe ich das Kettmaterial verwendet und in regelmäßigen Abständen Streifen aus Sockenwolle in pink/lila Tönen eingewebt.


Die Köperbindung hatte ich nur angeschnürt, um den Webstuhl mit mehreren Schäften auszuprobieren. Oben auf dem Probestück sieht man einen Spitzköperstreifen. Meine weiteren Köperversuche waren alle schwarz auf schwarz und im Foto nicht gut zu erkennen.
Aber eins der Streifenmuster gefiel mir ganz gut und ich habe schon wieder eine neue Kette mit dem gleichen Material auf dem Webstuhl.



Zum Schluss noch ein Tipp fürs Weben, der auch wieder von Jane Stafford stammt.

Ein gleichmäßiger Anschlag, besonders bei lockeren Geweben und eine schöne Webkante gehören zu den großen Schwierigkeiten für den Webanfänger und obwohl ich schon seit 1980 webe, kann ich wirklich nicht behaupten, dass ich immer tolle Ränder und gleichmäßige Stoffe zustande bringe.
Seit ich mir aber Janes Art zu weben angewöhnt habe, sehen alle meine Gewebe wesentlich besser aus. 

Jane Stafford Textiles

Ich öffne mein Fach, schieße das Schiffchen durch, schlage mit der Kammlade an und lasse die Lade in dieser Stellung direkt am Gewebe, während ich umtrete. Dann erst geht die Lade im neuen Fach zurück und der nächste Schuss wird eingegeben.
Jane sagt dazu:

 Throw - Beat - Change - Beater back