Sonntag, 29. März 2026

Aufrüstung eines einfachen Tischwebstuhls zum mechanischen Dobby-Webstuhl - Teil 2

 

 


 

  

2. Der Schaftaufbau

In diesem Beitrag geht es um die Schäfte und ihre Aufhängung in dem Gehäuse (engl. castle), das mittig in den geteilten Webrahmen eingebaut wurde, Ich nenne es den Schaftaufbau.

Zuerst zu den Schäften selbst. Es war interessant zu sehen, dass die Schaftleisten des Magic Louet Dobby- Webstuhls aus unterschiedlichen Materialien bestehen. Als obere Schaftleisten dienen Flacheisen, die genug Gewicht mitbringen um nach den Heben wieder in ihre Ausgangslage zurück zu fallen.

Die unteren Schaftleisten sind aber leichte Holzleisten, wohl damit das Gewicht insgesamt nicht zu hoch wird, wenn bei einem 24 schäftigen Muster ein Großteil der Schäfte gehoben werden soll.

 

 

 

Hier lagern die 16 Schäfte noch außerhalb des Webstuhls. Für die oberen Schaftleisten aus Metall, haben wir Flachstahl 12 x 5 mm als Stangenware gekauft und auf die passende Webbreite zugesägt. und danach mit Rostschutzfarbe versiegelt. Auch die Holzleisten unten, haben die Abmessung 12 x 5 mm.

(Das kleine Stück Metall, das auf den Schäften liegt, werden wir später beim Dobby als sog. Messer einsetzen.)



Wie üblich bei Tischwebstühlen handelt es sich um geschlossene Schaftrahmen, die Seitenstücke können gut gedruckt werden. Für die Schafthöhe muss natürlich die Litzengröße bekannt sein, wir haben, wie beim Magic Dobby, Texsolvlitzen 20,5 cm verwendet.

 

  

Schaftrahmen mit Seitenteilen


 

So sieht das Seitenteil im Slicer aus, in die rechteckigen Löcher werden die Schaftleisten gesteckt, rechts die Holzleiste und unter dem runden Loch links, das Flacheisen. In das Loch wird eine Schraube gedreht über deren Kopf Texsolvschnur geknöpft werden kann. 

Wir haben Innensechskantschrauben DIN 912 , M4 x 10 benutzt.

 


Auf der Zeichnung sieht man unten einen Schaftrahmen. Rechts und links ist der Rahmen mit  je einer Texsolvschnur, die über die Schrauben geknöpft wird, aufgehängt. Die beiden Schnüre werden von da aus jeweils über 1 seitliche Rolle zu 1 mittleren, kleineren Rolle weitergeleitet, passieren diese von unten kommend  und werden dann über den rechten bzw. linken Knopf am unteren Teil des Dobbyhebers geknöpft. 


 

Für die Aufhängung der 16 Schäfte und die Verbindung zum Dobby, dem programmierbaren Schaftwähler, werden an den Seitenteilen  also auf jeder Seite 16 Schnurrollen, das bedeutet insgesamt 32 Schnurrollen in der größeren Ausführung gebraucht, sie sind auf einer Achse aus 6 mm Rundstahl, oder eloxierten Aluminium aufgereiht. 

 

 

Hier sind 16 der größeren Schnurrollen für eine Seite des Schaftausbaus zu sehen. 

 

Alle unsere Rollen bestehen aus 2 Teilen, die mit einem Epoxykleber zusammengeklebt werden müssen, z.B. UHU Plus.

 


16 kleinere Rollen für eine der Mittelachsen 

 

In der Mitte des Aufbaus für die Schäfte sind 2 nebeneinanderliegende 6 mm Achsen mit je 16 etwas kleineren Rollen angebracht.


 


Auf den beiden Bildern ist die hintere, obere Abdeckung abgenommen, um die Anordnung der Röllchen gut sehen zu können.

Vor die 4 Längskanten des Schaftaufbaus sind, leicht nach innen überstehend, schmale Holzleisten anggeleimt, damit die Schäfte nicht nach vorne oder hinten herausfallen können.

Die Schaftseitenteile sind 9,5 mm breit, als Platzbedarf pro Schaft sind 10 mm vorgesehen, so dass bei 16 Schäften das Innenmaß des Gehäuses 160 mm beträgt.



 

Die Schäfte sind noch nicht aufgehängt, sondern stehen auf jeder Seite auf einer kleinen Leiste, die herausnehmbar ist, damit man die Schäfte zum Bestücken mit Litzen bequem nach unten aus dem Schaftkasten rausholen kann. 



Ich stecke die Gewindestangen der Leisten einfach von innen in Löcher des Schaftgehäuses. Man könnte bei Bedarf von außen eine Flügelmutter aufschrauben, um ein Herausfallen der Auflageleisten zu verhindern. Die aufgehängten Schäfte sollen später knapp über diesen Auflagen schweben. 

 

 Der nächste Blogbeitrag wird den Bau des Dobbyturms behandeln.

Vorhergegangener Beitrag:

Aufrüstung eines einfachen Tischwebstuhls zum mechanischen Dobby-Webstuhl - Teil 1

 





Dienstag, 10. März 2026

Aufrüstung eines einfachen Tischwebstuhls zum mechanischen Dobby-Webstuhl - Teil 1

 

Das Jahr 2025 stand für mich im Zeichen des Dobbywebens. Meinen ersten Dobby-Webstuhl habe ich im Januar 2025 einweihen können. 

Mein Mann hatte mir den kleinen 3D Webstuhl nach Plänen von Fraens Engineering gedruckt, das habe ich hier dokumentiert und in meinem Februarbeitrag kann man mein erstes Gewebe sehen.

 

Schon der erste Webversuch auf diesem kleinen Teil, hat mir gezeigt, dass mich diese Technik fasziniert und ich habe sofort Erkundungen über käufliche Dobby-Webstühle angestellt.

Nur zwei Monate später hatte ich die Gelegenheit, einen gebrauchten Louet Magic Dobby mit  70 cm Webbreite und 24 Schäften zu kaufen.

 

 

 

Da wir das Sommerhalbjahr in Schweden verbringen und ich mir mittlerweile nicht mehr gut vorstellen konnte, ohne einen Dobbywebstuhl zu sein, beschlossen wir, für mein schwedisches Webstudio einen etwas kleineren, 16-schäftigen Dobby selber zu bauen. 

 


 

Den Bau dieses Webstuhls möchte ich in diesem und den nächsten Blogbeiträgen beschreiben.

 


Der 3D gedruckte Webstuhl war wie eine Einführung in die Technik des Webens mit Schaftmaschine gewesen und offenbar bautechnisch an die Funktion des Louet-Webstuhls angelehnt.

Die Bauweise des Louet Magic Dobby, an den auch wir uns bei unserem Modell anlehnen, ist eigentlich sehr einfach gestaltet.

Ich werde die Baubeschreibung in 3 Kapitel teilen, die nacheinander in diesem und den  nächsten Blogbeiträgen, das Grundgestell, den Aufbau für die Schäfte und den Dobbyturm behandeln werden.

1. Das Grundgestell umfasst den eigentlichen Webrahmen mit Kett- und Warenbaum,            Spannvorrichtung, Anschlaglade und Standfuß.

2. Der Schaftaufbau wird die Schäfte und ihre Aufhängung behandeln.

3. Der Dobbyturm sitzt in etwa mittig auf dem Schaftaufbau, enthält den mechanischen Schaftaushebemechanismus sowie die Halterung für die Kette der Programmierleisten.



Das Grundgestell  

Der Rahmen des Louet Magic Dobby Webstuhls sah für mich so aus, als wäre der alte Louet W70 Tischwebstuhl aus den 80er Jahren in der Mitte einfach geteilt worden, um Platz zu schaffen für die größere Anzahl Schäfte.


 

W70 Tischwebstuhl mit Trittzusatz

 

Tatsächlich stammt der Magic Dobby auch aus den 80er Jahren, ich habe in alten Heften der amerikanischen Zeitschrift Handwoven ab 1985, Annoncen der Firma Louet gefunden, in der dieser Webstuhl als Neuheit angekündigt wurde.

 

Louet Magic Dobby

Das hat mich auf die Idee gebracht, auch bei diesem Webstuhlbau  wieder für den Grundrahmen einen vorhandenen Webstuhl zu nutzen. Genau das hatten wir ja schon beim Bau der Lotta-Kontermarschwebstühle in 60 und 100 cm Webbreite gemacht.

 

Bohus Webstuhl, 35 cm Webbreite

 

In diesem Fall haben wir einen Bohus Therapiewebstuhl benutzt. Dabei handelt es sich um schwedische 2-schäftige Tischwebstühle, die in Krankenhäusern und Altenheimen zur Rehabilitation eingesetzt wurden. Das obere Bild zeigt einen älteres Modell mit 35 cm Webbreite. 

Ich hatte aber auch noch einen 60 cm breiten, etwas moderneren Bohus-Webstuhl, bei dem wir den einfachen Schafthebemechanismus ausgebaut haben, um den Rahmen dann in der Mitte auseinander zu sägen.

Wie auf den Bildern zu sehen ist, liegt der hintere Streichbaum bei den Bohus Webstühlen höher als der vordere. Da mir das nicht gefiel, haben wir später noch das hintere Endstück mit den Querstangen abgeschraubt und niedriger wieder angesetzt.


Bohus Webstuhl,  60 cm Webbreite

Streichbäume, Kett- und Warenbäume sowie Sperrklinken und sogar eine Standlade waren damit also schon vorhanden. 

 


 

Es musste nun noch eine Aufnahme für die 16 Schäfte zwischen dem vorderen und dem hinteren Teil des alten Webstuhls montiert werden. An diese neuen Seitenteile haben wir das Fußgestell geschraubt, so dass man es für einen einfacheren Transport schnell entfernen kann.

 


 

Wir haben später am vorderen Endstück des Rahmens noch die untere Querstange entfernt. So  konnte der Webstuhl trotz des recht hohen Rahmens möglichst niedrig bleiben, aber ich kann dennoch bequem den Tritt bedienen.

Die neuen Teile aus stabverleimter Buche habe ich mit Hartwachs versiegelt. 



Der nächste Blogbeitrag beschäftigt sich mit den Schäften und ihrer Aufhängung: 

Aufrüstung eines einfachen Tischwebstuhls zum mechanischen Dobby-Webstuhl - Teil 2

 




 

 





 



 



Donnerstag, 26. Februar 2026

Einzugshilfe beim Dobbywebstuhl

 

Unter der Nummer  37815 ist das Muster, das ich für einen warmen Wollschal ausgewählt  habe, bei Handweaving.net zu finden. Es stammt aus dem Atlas de 4000 Armures, Louis Serrure, France, 1920.

In Kette und Schuss habe ich Drops Flora verwendet, eine Mischung aus 65 % Wolle und 35 % Alpaca, mit einer Lauflänge von 420 m.  Das Garn ist nicht superwash ausgerüstet und das Gewebe kann bei der Wäsche filzen. Das war mir wichtig, weil die Webpatrone beiderseitig Flottierungen über 4 Fäden aufweist und ich den locker gewebten Schal gern durch leichtes Anfilzen stabilisieren wollte.

 

 

Die Patrone zeigt, dass 20 Schäfte und 40 Musterleisten für einen Rapport benötigt werden. Beim Schafteinzug handelt es sich im Wesentlichen um gerade Einzüge, die aber immer wieder unterbrochen werden, um mit einem zurückliegenden Schaft neu zu beginnen. 

 
 


 

Das bei insgesamt 20 Schäften fehlerfrei zu bewältigen, erfordert ein recht hohes Maß an Konzentration.


 

Um mir den Schafteinzug zu erleichtern, habe ich mir eine spezielle "Einzugskette" gesteckt.

 

 

Ich habe in die 40 Musterleisten, die dem Musterrapport entsprechen jeweils nur einen Stecker gesteckt, und zwar an die Stelle, die die den Schaft hebt, der mit einem Kettfaden versehen werden soll. Das obere Bild zeigt, dass hier nacheinander, im ersten geraden Einzug, die Schäfte 6-7-8-9-10-11-12-13-14 gehoben werden sollen. 

Wenn ich den Tritt des Webstuhls bediene, kann ich genau bestimmen, wie hoch der Schaft zu heben ist, damit ich bequem den Kettfaden in die Litze einfädeln kann. 


 

Hier ist auf dem oberen Bild zu erkennen, dass der Schaft 6 ausgewählt wurde, die Musterleiste mit dem Stecker für Schaft Nr. 7 berührt den Heber noch nicht. 

Auf dem unteren Bild sieht man, dass ich den Schaft Nr. 6 mit Hilfe des Tritts soweit ausgehoben habe, dass ich das Litzenauge unter den oberen Schaftlatten bequem errreichen kann, um den Kettfaden einzuziehen.



 

Mit dem Handhebel funktioniert diese Methode leider nicht so gut, weil man den in seiner Tiefstellung arretieren muss und in der daraus resultierenden Schafthöhe ist das Litzenauge nicht frei zugänglich.

 


 Tatsächlich habe ich auf diese Art Einzugsfehler vermeiden können.


 

 

Der Schuss wird durchgehend mit dem hellen Garn eingetragen.
 

 


Am Anfang und Ende des Schals habe ich aber je einen blauen Schussfaden eingelegt, über den ich dann den überwendlichen Befestigungsstich gemacht habe. 

 


 Dadurch ist eine feine blaue Begrenzungslinie entstanden.

 

 

Meine Kette hatte insgesamt 104 Fäden und die Einstellung 40/10. 

 



Das ergibt eine rechnerische Webbreite von 26 cm.

 
 


Die Länge des Gewebes, auf dem Webstuhl gemessen, betrug 175 cm.



 

Nach dem leichten Anfilzen während der Wäsche und dem Dämpfen des Schals, verblieben  eine Breite von 21 cm und eine Länge von 152 cm, mit Fransen sind es 170 cm.

 


Warm, weich, leicht, ein paar kleine Webfehler und nicht die schönste Webkante aber ich bin trotzdem zufrieden mit dem Ergebnis.






Freitag, 30. Januar 2026

Lovisas Kette

Im Juni letzten Jahres habe ich in Schweden meinen zweiten gebrauchten Louet Magic Dobby Webstuhl gekauft. Der Webstuhl hatte jahrelang unbenutzt auf einem Speicher gestanden, war aber noch mit einer angewebten Kette bestückt, 

In meinem Blogbeitrag,  Noch ein Louet Magic Dobby Webstuhl habe ich darüber berichtet, wie ich diese Kette, an der Lovisa, die Vorbesitzerin des Webstuhls, zuletzt gewebt hatte, abgewebt habe. 

Die Kette war "gerade durch" auf 24 Schäfte verteilt. Nachdem ich zuerst ein kleines Stück des vorhandenen Musters weitergewebt hatte, habe ich die sehr dichte Kette breiter eingestellt, indem ich sie mit doppeltem Faden durch einen 60er Kamm gezogen habe. Die Einstellung 120/10 passte sehr gut zu Lovisas Kette aus 16/2 Baumwolle.

Danach habe ich bei Handweaving.net nach Mustern gesucht, die sich für die 2 farbige Kette aus alternierend einem Faden rosa und einem Faden grüntürkis, eignen könnten.

 


 

Das erste Muster, das ich dann gewebt habe, hat mir so gut gefallen, daß ich es kürzlich in der gleichen Farb- und Materialkombination für einen Schal genutzt habe.


 

Hier ist meine neu geschärte Kette zu sehen, darunter liegend, etwas unscharf getroffen, eine Rolle des ausgewählten blauen Schussgarns, alles ist Baumwolle 16/2.

 

 

Einlesen der Kette in den angebauten Reedekamm, für den mein Mann mir sehr praktische Abdeckleisten mit dem 3D Drucker erstellt hat. 

Die Druckdateien dafür sind auf Makerworld zu finden und wurden von Eats, Shoots & Leaves eingestellt.

 


 

Der Litzeneinzug war ja sehr einfach gehalten und war bei nur 206 Fäden schnell erledigt.

 


Handweaving.net  # 78873

Für dieses Muster von Ingrid Boesel werden 24 Wahlleisten gebraucht, gezeigt sind hier je zwei Rapporte in Kette und Schuss..

 


Nachdem die Dobbykette gesteckt und im Webstuhl angebracht worden war, konnte ich losweben.

 


 Die Ober- und Unterseite dieses Gewebes unterscheiden sich deutlich.

 


Auf der Oberseite sind die kleinen, aus Dreiecken zusammengesetzten Quadrate schussdominant und erscheinen also blau.

 


Auf der Unterseite des Stoffes dominiert bei den Quadraten die zweifarbige Kette

 

 

Nach der Wäsche wird ein weiterer Effekt deutlicher, die kleinen blattförmigen Elemente wirken optisch geschwungener als die uniblauen Blättchen der Unterseite. Wahrscheinlich entsteht dieser Eindruck durch die Zweifarbigkeit der Kettfäden.

 


Ich habe sowohl in Kette als auch im Schuss einfache, unmercerisierte 16/2 Baumwolle verwebt, aber die Farbkombination der Kettfäden erzeugt eine durchaus auffallende Glanzwirkung, die vermuten lässt, dass ein entsprechendes Garn verwendet wurde.

 

 

Weil mir dieser Effekt schon bei dem Probegewebe aufgefallen war, fand ich das Muster so geeignet für einen Schal und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis.