Freitag, 12. Juli 2024

Fächerkamm : Schwarz-weißer Streifenschal

 

 

Baumwolle 8/2 habe ich bisher selten benutzt. In der Fadenstärke ist sie vergleichbar mit Cottolin, durch den fehlenden Leinenanteil aber etwas weicher im Griff, das ist hier von Vorteil, da ich einen Schal weben möchte.

 

 

Der Schal soll nur ca 30 cm breit werden, damit die einzelnen Elemente des 3D gedruckten Fächerkamms in ihrem Wechselrahmen nicht verrutschen, habe ich trotzdem die ganzen 60 cm mit Elementen ausgefüllt.

 

 

In die Mitte habe ich zwei Fächerkammelemente gesetzt, die zusammen einen ganzen und zwei halbe Fächer ergeben, rechts und links schließen sich gerade Rietelemente an.

In meinem Blogbeitrag, Neues vom Fächerkamm, gibt es genauere Informationen zum Aussehen des Wechselrahmens und der einzelnen 3D gedruckten Kammelemente.

 

 

Die Gestaltungsidee war, zwischen zwei gerade verlaufende Längsstreifenblöcke einen   undulierenden Streifenblock zu setzen.



 Alle drei Streifenbereiche sind gleich breit, 5 x 4 helle Fäden und 4 x 4 dunkle = 36 Fäden.

 

 

Ich arbeite hier mit einem 30/10 Kamm, also einem Fächerkamm, der 3 Fäden pro Zentimeter in der Mittellage hat. Die Fächerelemente sind 6 cm breit, das bedeutet, dass mir 18 Schlitze für den Fächer zur Verfügung stehen, die ich also jeweils mit zwei Kettfäden bestückt habe.

 


Das bedeutet, mein Schal hat die Einstellung 60/10. Mit Baumwolle 8/2 in der Kette ergibt das natürlich ein recht lockeres Gewebe, aber hoffentlich einen gut fallenden Schal. Um diesen Effekt noch zu verstärken habe ich als Schuss Bamboo 2/8 von Maurice Brassard eingesetzt.

 

 

Ich hatte je eine Rolle mit schwarzem und sehr hellgrauem Garn zur Verfügung und habe einen Farbwechsel in der Hälfte des Schals vorgenommen.



Dieses Viskosegarn, das es jetzt erfreulicherweise wieder in Deutschland bei Wallmonte zu kaufen gibt, hat einen seidenartigen Glanz und ist sehr glatt. Daher sollte das Weben dieses Schals gleichzeitig ein Test für die Stabilität des Fächerkamm - Effekts sein.


 

Auf dem Webstuhl hatte ich diesbezüglich schnell meine Bedenken, denn sobald die Kette fest gespannt wurde, verschoben sich, speziell in den sehr locker gewebten Bereichen, die  Schussfäden.



Nach Abschneiden des Gewebes vom Webstuhl, ging es erst einmal wieder ans Fransendrehen.



Und schon kurz nach Fertigstellung der Fransen, hatte sich das Gewebe so weit entspannt, dass die schlimmsten Verschiebungen gar nicht mehr so stark hervortraten. Vor der Handwäsche habe ich den Schal noch ein paar Mal längs und quer gedehnt und später im noch feuchten Zustand gebügelt.



 

Ich denke, die kleinen Unregelmäßigkeiten, die man nun noch sieht sind halt typisch für Gewebe mit einem handgeführten Fächerkamm. Dennoch stören mich etwas die sichtbar schlechten Webkanten der grauen Schalhälfte. Hier hätte ich beim Weben aufmerksamer sein müssen.






 

Samstag, 22. Juni 2024

Turned Taqueté mit 8 Schäften

 

2016 habe ich zum ersten Mal Handtücher in Turned Taqueté gewebt. 4-schäftig, mit einem Karomuster. Das Gewebe und die Möglichkeiten der Farbvariationen auf einer Kette gefielen mir so gut, dass ich später noch mehrmals dieses 4 schäftige Muster gewebt habe, erst mit kleinen Rechtecken, wie auf dem Bild, später mit größeren Rechtecken in Rottönen.

 


Letztes Jahr habe ich dann ein Muster von Susan Poague nachgearbeitet, das sie in der Zeitschrift Handwoven, May-June 2019,  veröffentlicht hat.

Mit 8 Schäften und 7 Tritten ist es nach dieser Anleitung möglich, ein Muster mit großen Punkten zu weben.

 

 

Alle Taqueté Gewebe, die ich bisher gewebt habe waren ideal, um Restgarne zu verbrauchen. Das neue 8-schäftige Muster machte da keine Ausnahme. Wieder habe ich meine grünen und blauen Cottolinreste rausgesucht und als Grundfarbe Cottolin in Ecru benutzt.                           Auch Susan Poague hat in ihrem Artikel diese Farbskala verwendet.

 


Ich hatte in Schweden gerade einen klemmbaren Schärbaum mit 2 m Umfang geschenkt bekommen, den ich gleich ausprobieren konnte und so war die Kette schnell gemacht.

 


 

Nach dem Aufbäumen folgte der Litzeneinzug



  und danach das Blattstechen.

 

 

Mein erstes Handtuch habe ich mit Cottolin in einem kalten Hellblauton geschossen.


 

Die Tritte des Webstuhls habe ich mit ihren Nummern markiert, da mich die benötigte, ungleiche Anzahl von 7 Tritten beim Weben etwas durcheinanderbrachte.


 

 

Das Muster ist nicht auf beiden Seiten gleich. So wie ich den Webstuhl eingerichtet habe, zeigt die Oberseite des Gewebes farbige Streifen mit hellen Punkten, die Unterseite, die oben auf dem Bild zu sehen ist, hat farbige Punkte auf hellem Grund.

 

 

Als Schuss für das zweite Handtuch habe ich ein Türkisgrün ausgewählt, beim Übergang zur neuen Farbe ist der Unterschied ganz gut zu sehen.

 

 

Da ich das Gewebe im letzten Herbst angefangen habe, stand unsere Rückreise nach Deutschland kurz bevor und die Zeit reichte nicht mehr, die ganze Kette abzuweben. Weil ich aber neugierig auf das Aussehen des Gewebes nach dem Waschen war, habe ich die ersten beiden Handtücher abgeschnitten.

 

 

Den Rest der Kette werde ich bei Gelegenheit wieder anknoten und mit weiteren Schussfarben die verbliebenen Handtücher abweben. 

 

 

Weil ich gerne kurze Ketten mache, um schnell wieder etwas Neues ausprobieren zu können, werden das wohl nur noch zwei, bestenfalls drei Handtücher sein. Ich weiß es nicht genau, weil ich wieder einmal vergessen habe die Kettlänge in das Buch mit meinen Webnotizen einzutragen.



Die ersten beiden Handtücher sind gesäumt, gewaschen und gebügelt und die Bilder zeigen Vorder- und Rückseite.



 

Ich freue mich schon auf das Weben der neuen Farbkombinationen, vorher muss ich aber noch ein paar andere Projekte fertig machen.

 





Samstag, 25. Mai 2024

Fächerkamm und Resteverwertung

 

Printgarnreste vom Sockenstricken eignen sich, zusammen mit der nötigen Menge eines unifarbenen Wollgarns, wunderbar zum Schalweben.

 


Wenn man dann statt des normalen Webblatts noch einen Fächerkamm benutzt, kann man auf einfachste Weise damit ein ungewöhnliches Muster erzeugen.

 

 

Ich habe das im letzten Herbst mit meinem ersten 3D gedruckten Fächerkamm von Cara ausprobiert.

 

 

Mein Fächerkamm hat die Einstellung 40/10 und das passte mit 1 Faden pro Riet gut zu meiner 4-fädigen Sockenwolle.

 

 

In den mittleren Fächer habe ich überwiegend das Printgarn eingelegt, rechts und links davon einen Fächer mit schwarzem Garn gefüllt und dann jeweils den halben Fächer an den beiden Seiten mit Printgarn und drei schwarzen Randfäden bestückt.  Da ich hauptsächlich mit dem schwarzen Garn geschossen habe, ergab das einen ruhigen Randabschluss.

 


 

Die Ränder und die Mitte der Blöcke wurden durch einen Kettfaden im jeweils abweichenden Farbton betont und bei jedem Wechsel der Kammlade habe ich einen Schussfaden Printgarn eingewebt.


 

Es war allerdings ein Fehler, dass ich den Schal im Herbst nur begonnen und ihn erst jetzt im Frühjahr abgewebt habe, denn den ersten Teil des Schals habe ich wesentlich lockerer gewebt als den zweiten. Man kann das auf dem oberen Bild gut an den bunten Bereichen erkennen, die links viel dunkler erscheinen, weil dichter gewebt, als auf der rechten Seite.

 





Montag, 29. April 2024

Fächerkamm und Farbverflechtung

 

Auf meinem Mini Glimåkra Webstuhl ist wieder der 3D gedruckte Fächerkamm im Einsatz.

 


 

Ich möchte einen Schal in einem Farbverflechtungs-Muster weben, das ich schon einmal auf einem meiner Webrahmen ausprobiert habe.

 

 

In diesem Fall will ich den Fächerkamm zum Anschlagen benutzen.

 


 

Der Effekt ist schon nach den ersten paar Schüssen deutlich sichtbar.

 


 

Nachdem ich die erste Hälfte des Schals mit zwei Schiffchen in der gleichen Farbfolge wie den Einzug gewebt habe, also:  hell - dunkel - hell - dunkel - dunkel, beginne ich hier gerade die zweite Schalhälfte, bei der ich nur den dunkelblauen Schuss einsetze.

 


 

Hier ist das neue, einfacher wirkende Muster etwas deutlicher zu erkennen. 

 


 

Und am fertigen Schal sieht man die unterschiedliche Musterung der beiden  Schalhälften ganz genau.

 


 

Ich habe meinen 3D gedruckten Kamm mit 40/10 Fächerelementen in klassischer Zusammenstellung benutzt. 

Das Material für Kette und Schuss war 4-fädige Sockenwolle, eingezogen wurde 1 Faden/Riet.

 

 

  Fanreed - Faecherkamm - Solfjädersked - Viftekam by maliz 

 

 

 

Sonntag, 7. April 2024

Ungleichseitiger Köper mit dem Weberknecht

 

Weberknecht Kapitel 8

Bisher haben wir für den Weberknecht 3D Druckdateien für Musterscheiben zur Verfügung gestellt, mit denen es möglich ist, gleichseitigen Köper und einige andere Bindungsvarianten zu weben.  Diese Scheiben sind sofort erkennbar an den beiden nebeneinanderliegenden Ketthebern, nach vier Walzendrehungen, also einem Rapport aus 4 Schüssen haben sich hiermit gleich viele Kett- wie Schussfäden gehoben.

 


Jetzt hat Gerd Scheiben für das Weben von ungleichseitigem Köper entwickelt und ich habe damit gerade meinen ersten Webversuch fertiggestellt.

 


Die Weberknecht-Walze habe ich zu Beginn mit einigen Scheiben zum Auffüllen bestückt, dann folgt eine hellbraune Randscheibe für den Stehfaden, danach acht graue Scheiben mit je drei Hebern und für das Mittelstück werden die weißen Scheiben mit nur einem Heber eingesetzt.


 

Beim ungleichseitigen Köper unterscheidet man Kettköper und Schussköper, je nachdem ob auf der Gewebeoberseite hauptsächlich die Kette oder der Schuss sichtbar ist. Außerdem weisen die beiden Gewebeseiten ein unterschiedliches Erscheinungsbild auf, was besonders deutlich wird, wenn für Kette und Schuss verschiedene Garnfarben eingesetzt werden.


 
 
 
Ich habe die Musterscheiben so auf die Walze gebracht, dass der große Mittelteil auf der Oberseite meines Gewebes Schussköper zeigt. Das hat den Vorteil, dass beim Fachwechsel aus jeder Vierergruppe nur ein Kettfaden gehoben wird und die drei anderen im Unterfach liegen. Dadurch wird eine Fehlerkontrolle sehr viel übersichtlicher.


Die Unterseite des Schals zeigt im Mittelfeld Kettköper.



Meinen Schal habe ich mit lindgrünem und lilafarbenen Sisu Garn von Sandnes gewebt, es hat eine Lauflänge von 350 m /100g und ich habe mit 50/10er Scheiben gewebt. 

Im Ergebnis ist ein dichter, warmer Schal entstanden, der einen weichen Griff und noch einen guten Fall hat.

 


Auf der Oberseite sieht man an den schmalen Rändern Kettköper, der nur in der Struktur erkennbar wird, weil dort auch die Kette lilafarben ist. Das Mittelstück zeigt auf der Oberseite deutlich Schussköper.



 

Das Weben ging sehr einfach vonstatten, weil die Walze einfach immer nur in eine Richtung gedreht werden musste und nur eine Schussfarbe gebraucht wurde.

 


In dem kurzen Videoclip  sieht man, wie ich ein kleines Stück webe und dann die Webkante umklappe, so dass man die andersfarbige Unterseite sehen kann.




Nach dem Weben folgt das übliche Fransendrehen, dann das Waschen und Bügeln.

 

 

Hier noch einmal ein Detailfoto der beiden Seiten, links Kettköper, rechts Schussköper im Mittelteil und weniger deutlich erkennbar, das jeweils entgegengesetzte Musterbild an den Seitenrändern.

 



 

Die Bauanleitung für den Weberknecht steht nun für jeden, der die Lizenzbedingungen beachtet, zum Download bereit.

Das Projekt Weberknecht ist lizensiert unter einer 

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