Donnerstag, 31. Dezember 2020

Shadow Weave

Köperbindungen waren 2020 das Hauptthema  in  Jane Staffords Online Guild, und dazu gehörte auch Shadow Weave in der, von der berühmten amerikanischen Weberin Mary Meigs Atwater, erfundenen Variante.

 


 

Nach Atwaters Schema kann man sich entsprechende Bindungen leicht selbst entwickeln. Eine sehr gute Anleitung dazu, findet ihr im Internet unter dem folgenden Titel:

Designing Shadow Weave - the Atwater System - Pioneerweavers valley.org 

Mit einfachem 4-schäftigem Köper, kann man sich die Bindung folgendermaßen entwickeln: Jede Einheit eines "Schattengewebes" ist durch 2 Fäden mit gegensätzlichen Charakteristiken geformt, z.B. hell und dunkel. Es gibt unterschiedliche Arten, diese beiden Partner zusammenzustellen. eine sehr einfache Möglichkeit ist es, sich die vier beteiligten Schäfte in zwei Reihen vorzustellen:  

 
 Schaft 1 wird nun Schaft 3 zugeordnet, Schaft 2  dem Schaft 4,

Schaft 3 dem Schaft 1 und Schaft 4 dem Schaft 2.

Will man die Patrone entwickeln, geht das am einfachsten, wenn man z.B. beim Einzug geradedurch, jeweils ein Kästchen freilässt

 
und dann die Lücken mit dem entsprechenden Partner ausfüllt.



An der Patrone für den geraden Einzug ( schwarz und pink)  und den Spitzköper (schwarz und orange), der Köperanbindung und der Trittfolge, hier Tromp as writ, kann man den Effekt dann sehen.



 

Jane Stafford hat einen Entwurf für mehrere Sampler erarbeitet, durch die eine große Anzahl der möglichen Muster-, Struktur- und Farbkombinationen beim Weben erfahrbar gemacht wird und die nach Fertigstellung wirklich eine hervorragende Musterbibliothek bilden.


 


Meine Kette entspricht in etwa den von Jane vorgeschlagenen Farben, statt Baumwolle 8/2 habe ich wieder mit Cottolin gearbeitet, weil ich davon noch größere Mengen in meinem Vorrat habe. 

Gewebt habe ich mit 7 Fäden pro cm. Zu jedem farbigen Faden wird alternierend ein schwarzer eingezogen und jeder Farbblock bekommt seinen eigenen Einzug. Die Trennlinien bestehen aus 4 schwarzen Kettfäden.

 

Sample # 1

 

Am unteren Rand des ersten Mustertuches kann man ganz gut die verschiedenen Einzüge erkennen.

Rechts, der pink-schwarze Streifen ist geradedurch eingezogen, dann folgen ein einfacher, ein unregelmäßig gemusterter und ein verlängerter Spitzeinzug. 

Das erste Probestück ist Tromp As Writ (TAW) gewebt, d.h. die Trittfolge entspicht dem Einzug. Auch die Schussfarbe entspricht jeweils der Kettfarbe des betreffenden Einzugs.

Bemerkenswert ist hier nun der große Unterschied, der durch die Farbreihenfolge entsteht. Webt man schwarz-pink im Wechsel und tritt dabei 1 -2 -3 -4, sieht man die entsprechende Musterbildung in allen vier nebeneinanderliegenden Feldern.

Kehrt man den Farbwechsel um, webt also in der Reihenfolge pink - schwarz, ergibt sich ein völlig anderes Muster in allen vier Feldern. 

Entsprechendes gilt natürlich für die weiteren Trittfolgen, die sich aus den Einzügen ergeben und jeweils mit ihrer Kettfarbe im Schuss gewebt wurden. 

 

Sample # 2


 

Beim Mustertuch 2 wurde jeweills das Schwarz im Schuss mit einer dunkleren Farbe aus der gleichen Farbfamilie ersetzt, die Schussfolge war hier jeweils dunkel - hell.


Sample # 3

 

Im Mustertuch 3 ist einer der Fäden wieder schwarz, es wurde hier immer mit der Kombination  Farbe - Schwarz begonnen und das gleiche Muster dann noch einmal mit der umgekehrten Farbfolge gewebt. Dieses Probestück beginnt unten mit einem Bogenköper, dann wurde die Steigungszahl von Spitzköper und Rosengang geändert und zum Schluss normal Rosengang gewebt.

 

Sample # 4

 

 Sample 4 wurde ohne Hell-Dunkel-Farbwechsel mit unterschiedlichen Mustern gewebt.

 

Sample # 5

 

Das Sample 5 ist noch einmal TAW gewebt, hier wurde das schwarze Cottolin aber durch einen dickeren Faden, Baumwolle 8/4, ersetzt. Ich habe einfach Farben genommen, die ich in diesem Material in meinem Vorrat hatte: grün, lila, hellblau und dunkelblau.

Dieses letzte Mustertuch weist dadurch eine völlig andere Struktur auf und unterscheidet sich schon dadurch erheblich vom Sample 1, das ja mit der gleichen Trittfolge gewebt wurde.

Sehr viel Spaß macht es, jetzt mit Hilfe von kleinen Papprähmchen Muster zu isolieren oder zusammenzustellen, und sich die verschiedensten Projekte dafür auszudenken.

 

Dazu folgen jetzt einige Beispiele

 















 

Ich wünsche Euch allen ein Gutes Neues Jahr!


 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Montag, 30. November 2020

Myrehed Damast-Film mit Textheft in deutscher Übersetzung

 

In den frühen 80ern entwickelte die Firma Glimåkra unterschiedliche Damastaufsätze, mit denen man ihre Webstühle erweitern konnte und bot Kurse für die Damastweberei an.

Einen dieser Kurse besuchte Karin Myrehed aus Sunne in Schweden. Karins Vater baute seit Mitte der 70er Jahre Webstühle und als Karin von ihrem Damastkurs in Glimåkra zurückkam, hatte sie einige Verbesserungsideen, die sie mit ihrem Vater besprach. 

Die Glimåkra-Damastaufsätze hatten anfangs als Gewicht für jeden Musterschaft statt der unteren Schaftleiste eine Metallstange und jeder Schaft war mit einen Kordeldreieck aufgehängt. Diese Vorrichtung ist eine etwas wackelige Angelegenheit, speziell bei schmalen Geweben. Die Musterschäfte kankeln leicht trotz der seitlichen Gitter und lassen sich nicht immer sauber ausheben.


Ich weiß, wovon ich rede, denn in unserer vävstuga in Virserum arbeiten wir noch mit einem solchen, frühen Damastaufsatz.

Eine wesentliche Verbesserung war die Myrehed-Erfindung der gebogenen Einzelgewichte, die man einfach unten in die Litzen jedes sog. Stichs einhängen kann. Die Litzen hängen jetzt nur noch auf den oberen Schaftleisten und jeder Stich hat sein eigenes Metallgewicht. Dazu kommt, dass die Schnüre zur Aufhängung der Schäfte anders geleitet werden und so die Kankelei verhindert wird.

 

Das Beste aber ist, dass man die Musterschäfte umsortieren kann, ohne eine neue Kette aufziehen zu müssen.

1988 veröffentlichte Robert Myrehed einen Instruktionsfilm auf VHS-Kasette, der zeigt, wie seine Tochter Karin den Myrehed Damastaufsatz am Webstuhl anbringt und wie sie den Webstuhl für das Weben mit dem Zampelwebstuhl vorbereitet.

 


 

2010 wurde der 28-minütige Film auf DVD überspielt und weiterhin als Instruktionsfilm verkauft, dazu gab es ein mehrseitiges Textheft, das die einzelnen gefilmten Arbeitsschritte genau beschrieb.

Vor einiger Zeit hat Karin Myrehed, die die Firma ihres Vaters weiterführt, den Film bei YouTube eingestellt und er ist auch auf der Website Myrehed Väv & Textil abrufbar.

 


 

Mit Hilfe dieses Films habe ich das Damastweben verstanden und gelernt  und er hat uns dabei geholfen eine eigene Damasteinrichtung zu bauen. 

Ganz besonders haben mir die genauen maßlichen Tipps beim Einrichten des Webstuhl gefallen.

Die Sprache in Film und Begleitheft ist natürlich schwedisch und daher nicht für jeden verständlich.

Da wir im deutschsprachigen Bereich aber kaum Literatur zum Damastweben habe, habe ich mit Erlaubnis von Karin Myrehed das Begleitheft ins Deutsche übersetzt.

Zusätzlich habe ich im Text zu den einzelnen Abschnitten die ungefähre Zeit in Minuten angegeben, damit es einfacher wird, bestimmte Stellen, die man noch einmal genauer sehen möchte, schnell aufzufinden. 

Ich hoffe, dass dadurch der Film für interessierte Weberinnen und Webern verständlicher  wird und die gleiche Hilfe bietet, wie seinerzeit mir.

Im Textheft wird auf ein sog. Anfängergewebe Bezug genommen, dessen Webpatrone auch zur Verfügung gestellt wurde, und das ich auch - wo nötig - übersetzt habe.

 


 
 
Die Übersetzung im PDF-format und die Webpatronen könnt ihr gern kostenlos bei mir per E-Mail anfordern, meine Adresse steht im Impressum.


Hilfreich sind vielleicht auch meine älteren Blogbeiträge zum Thema Damast:

Damastweben 1 - Bauplan für eine Zugeinrichtung

Damastweben 2 - Einrichten des Webstuhls

Die beiden Beiträge befassen sich, wie auch der Film, mit Zampelwebstühlen, also Webstühlen bei denen unterschiedlich mit Litzen bestückte Musterschäfte ausgehoben werden.

Beim Damastweben mit dem Harnischwebstuhl werden dagegen einzelne Litzengruppen gewichtet, die dann einzeln ausgehoben werden können. Diese Methode erlaubt ein freieres. Mustern. Auch dazu findet sich hier ein Blogbeitrag:

Damastweben - Bau eines einfachen Harnischaufsatzes


Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass es auch ein neues Buch zur Damastweberei gibt.

 



Anne E. Nygård, Damaskvev, Museumsforlaget, Trondheim 2018

Seit Januar  2020 gibt es das Buch auch auf englisch unter dem Titel: Weaving Damask

 

 

 

 




Samstag, 24. Oktober 2020

Waffelbindung

Schon wieder Handtücher -

aber ich hatte noch nie Waffelbindung gewebt, wollte sie schon lange mal ausprobieren, hatte dann wie üblich keine Lust, nur einen Probelappen zu erstellen.

 
 
Also habe ich eine 5 m lange Cottolinkette aufgezogen, 502 Fäden ungebleicht und beidseitig je 19 Fäden in blau. 

 
Bei 90 Fäden pro 10 cm (2 Fäden pro Riet in meinem 45er Kamm), ergab das rein rechnerisch eine Breite von 60 cm.

 
Nach dem Weben und dem Waschen zeigte sich, dass die Schrumpfung sowohl in Länge als auch in Breite ca. 10 % betrug.
 

 

Als Bindung habe ich mir ein Waffelmuster auf 4 Schäften und 5 Tritten ausgesucht, aber einen 6. Tritt zusätzlich aufgebunden, um die Säume in Leinwandbindung weben zu können.


Als Schussmaterial habe ich bei zwei Handtüchern auch Cottolin verwendet, bei den anderen Leinen.  

 

 

Da es sich um Reste vom Flohmarkt handelte, kannte ich nicht in allen Fällen, die Garnnummer, u.a. handelte es sich um Lintow 8 und Lintow 10.


 

Da speziell das dickere Leinen in den leinwandbindigen Saumbereichen in der Breite mehr Platz einnahm als die Waffelbindung, man sieht das auf den Bildern am Faltenwurf des türkisgrünen Handtuchs, habe ich bei den anderen Leinenhandtüchern den Saum mit Cottolin geschossen. Ein besseres Ergebnis hätte sicher Baumwolle 16/2 gegeben, die hatte ich aber nicht in passenden Farbe zur Verfügung.

 

Hier sind alle Handtücher zu sehen, das lilafarbene oben links ist etwas kürzer ausgefallen, weil die Kette nicht mehr hergab. Das pinkfarbene darunter ist größer, weil es als einziges noch nicht gewaschen ist.

 

Diese beiden Handtücher haben Cottolin in Kette und Schuss.


 

Die 4 anderen sind mit Leinen gewebt.




Links ein bereits gewaschenes Handtuch, das rechte Handtuch kommt roh vom Webstuhl und ist nur gesäumt. 

 

 

Optisch macht es in der Nahaufnahme keinen so großen Unterschied, wohl weil es schon allein durch das Nachlassen der Spannung ein gutes Stück geschrumpft ist.

 


Die Handtücher sind sehr schön griffig geworden und das Weben hat viel Spaß gemacht, auch weil es  sehr schnell vonstatten ging. Ich werde sicher noch öfter mit Waffelbindungen spielen.




 

Dienstag, 29. September 2020

Tea Towel Time - Teil 2

Gewebt

 




Gesäumt

 

Gewaschen

 

Getrocknet

 

Gebügelt


Hier kommen meine fertigen Handtücher, nach Jane Staffords Muster, deren Werdegang ich im Juli-Blog beschrieben habe. 

Oben zu sehen, sind die ersten beiden Handtücher, gewebt in Leinwandbindung. Für den Schuss habe ich die gleichen Farben benutzt wie für die Kette. Diese zwei Handtücher unterscheiden sich voneinander nur in der Flächenaufteilung.

Das nächste Handtuch ist in  2/2 Köper gewebt. Durch die Farbfolge im Schuss, die der Farbfolge der Kettstreifen entspricht, entsteht in den Ecken ein Farbverflechtungsmuster, der sog.Hahnentritt.

Beim nächsten Handtuch wurde die Trittfolge verändert und bei gleicher Farbfolge entstand so das Pinwheel-Muster in den vier Ecken.

In der Nahaufnahme kann man noch einmal deutlicher den Unterschied der beiden Farbverflechtungsmuster sehen. Gut zu sehen ist auch die Veränderung, die der Stoff durch das Waschen erfährt. Das linke Handtuch war bereits im Waschwasser und das Gewebe ist dadurch viel dichter geworden.

 

Bei diesem Handtich wechseln sich Streifen aus gleichseitigem Köper und Panamabindung ab und jeder Streifen hat seine eigene Schussfarbe. 

Bisher hatte ich mit 8 Schäften und 6 Tritten gewebt.

Dann habe ich die Schäfte neu angeknotet und alle 8 Tritte aufgebunden, um turned twill, ungleichseitigen Köper 3/1 + 1/3, weben zu können.


Für das erste Handtuch mit dieser Aufbindung wurden die Tritte durchgehend von 1 bis 8 getreten. Vorder- und Rückseite haben bei diesem Handtuch das gleiche Erscheinungsbild.

 

Das ändert sich dramatisch, wenn man, wie bei den folgenden Handtüchern, für den breiten Querstreifen die Tritte 1-4 bedient und nur für die schmalen Abgrenzungen die Tritte 5- 8 nutzt.


 

Die Kettfäden für die türkis-blauen Längsstreifen sind durch die Litzen der Schäfte 1 bis 4 gezogen und die schwarzen Ränder und der lindgrüne Mittelteil befinden sich auf den Schäften 5 bis 8.


 

Die blau-türkisfarbenen Streifen werden auf der einen Seite jeweils in Kettköper zu sehen sein, die Ränder und die Mitte dagegen in Schussköper, wie im oben abgebildeten Handtuch.

 

Auf der anderen Seite ist die Situation umgekehrt, die Längsstreifen erscheinen im Schussköper, Mitte und Ränder im Kettköper.
 
 
Diese Handtücher zu weben hat besonders viel Spaß gemacht, weil die Spielerei mit den Farben und die daraus resultierenden, unterschiedlichen Effekte auf Vorder- und Rückseite immer wieder für Überraschungen sorgten.

 
Das war sicher auch der Grund, dass ich den ganzen Rest der Kette für diesen Typ Handtuch genutzt habe.
 
 
Bei den Fotos der "doppelseitigen" Handtücher zeige ich hier immer erst die Seite, die beim Weben sichtbar war und dann die entsprechende Rückseite.


Zuletzt das Handtuch, das mir farblich am besten gefällt.

 
Leider ist ausgerechnet das etwas kürzer ausgefallen, weil die Kette nicht mehr für die volle Länge reichte.