Sonntag, 30. Juni 2019

Tritte für den Louet W 70

Meinen Louet Webstuhl W70 habe ich vor Jahren von meiner Schwester übernommen, als sie feststellte, dass Weben nicht so ihr Ding war. Es ist ein frühes Modell, das Anfang der 1980er noch mit Plastiklitzen und zwei zusammensetzbaren Plastikkämmen geliefert wurde. 


Ich habe ihn auf Texsolvlitzen umgerüstet, normale Kämme benutzt und wir haben ihm auch direkt ein passendes Untergestell gebaut.


Richtig glücklich geworden bin ich mit dem Webstuhl aber nie, mir dauert es einfach zu lange, mit Handhebeln zu weben und so habe ich mich nach vielen Jahren, in denen ich ihn nicht allzu oft benutzt habe, entschlossen, ihn mit Tritten zu versehen.


Das alte Untergestell, auf dem der Webstuhl mit Hutmuttern befestigt ist, war mit 68 cm ausreichend hoch und ließ sich daher einfach weiterverwenden. Das vordere Stabilisierungsbrett musste nur ein wenig nach vorn versetzt werden. Wenn man genau hinsieht, erkennt man noch die alte Befestigungsstelle am Bohrloch und dem helleren Holz.


Mein Mann hat das Brett abgeschraubt und von der Unterseite her vier Tritte aus 19 mm starkem Buchenleimholz angebracht, sie sind jeweils 450 mm lang und "bequeme" 60 mm breit.


Rechts, in der Mitte und links wurden durchbohrte Klötzchen angeleimt, die beiden anderen Zwischenräume haben freie Abstandshalter. Duch Klötzchen, Tritte und diese Abstandhalter wird dann eine Metallstange geschoben.


Nach dem Aufziehen der Kette habe ich die Handhebel entfernt und die Schäfte nun mit neuer 2 mm Polyesterschnur über die vorhandenen Metallstangen im Überbau gehängt. Ich hatte dazu eine Anleitung von Louets Homepage, die aber anscheinend im Netz nicht mehr verfügbar ist, darum füge ich die entsprechende Zeichnung daraus hier ein.



Auch die Maße für die Schnüre gehen aus der Zeichnung hervor. Da mein Untergestell etwas niedriger ist als das Original, habe ich etwas weniger Material gebraucht.


Für die Verbindung zu den Tritten habe ich Texsolvschnur genommen, die ließ sich ohne komplizierten Knoten sicher mit den Schaftschnüren  und auch auf die übliche Art mit den Tritten verbinden.

Da die Tritte unter dem Querbrett angebracht sind, kann man sie nicht beliebig hoch ziehen, um die Stecker leicht anbringen zu können. Ich würde statt der Bohrungen heute eher eine Ringschraube benutzen, um die Schnur auf den Tritten anbinden zu können.

Die Schnüre für die Tritte müssen gleich zweimal durch die Kette laufen. Das hatte mich lange davon abgehalten, den Umbau in Angriff zu nehmen.


Tatsächlich macht das aber kein Problem, die Schnüre ließen sich sehr gut an der jeweils richtigen Stelle "runterloten" und verursachen bisher keine schädliche Reibung.


Ein zweiter Punkt, der mir nicht so gefiel, war die Direktanbindung, die ja bedeutet, dass man gegebenenfalls mehrere Tritte auf einmal treten muss. 


Mein erstes Gewebe auf dem neu aufgerüsteten W 70 sind wieder einmal Spültücher, die ich gern in Köperbindung webe.  An die Trittfolge, die dafür nötig ist gewöhnt man sich sehr schnell und es macht viel mehr Spaß als ich dachte, gewissermaßen mit beiden Füßen zu weben. :-)



Kette und Schuss: Leinen, natur.









Mittwoch, 29. Mai 2019

Bau eines Bildwebrahmens

Es ist Jahre her, dass ich mich mit der Bildweberei beschäftigt habe und es sind damals auch nur wenige Bildgewebe entstanden. Das "Malen mit Garn" hat mir einfach viel zu lange gedauert und ich hatte nicht genug Geduld.
Nun bin ich vor einiger Zeit rein zufällig auf Sarah C. Swetts großartigen und hochinformativen Blog, a field guide to needlework, gestoßen und konnte nicht mehr aufhören, darin herumzustöbern. 
Sarah Swett hat phantastische Bildgewebe geschaffen, aber besonders angetan war ich sofort von ihren ganz kleinen Bildgeweben, von denen viele einfach ein kleines Haus darstellten.
Sofort habe ich mir einen kleinen alten Holzrahmen geschnappt, bespannt und mit ein paar Wollresten losgelegt.



Das Ergebnis ist krumm und schief geworden, irgendwie zu bunt und sieht eher aus wie eine Kinderzeichnung, das kleine Bild war aber sehr schnell fertig und das Weben selbst hat ganz viel Spaß gemacht.


Ich habe mich also nicht entmutigen lassen und mich daran erinnert, dass ich vor einiger Zeit in Schweden auf dem Loppis einen Panduro - Bildwebrahmen aus Kunststoff  erstanden hatte. Mitgenommen hatte ich ihn eigentlich nur, weil ich das Teil irgendwie bizarr fand. 


Jetzt musste es herhalten für meine nächsten Versuche. Als erstes Motiv auf diesem Rahmen hatte ich mir eine Felszeichnung ausgesucht. 


Auch dieses Bild kam nicht so heraus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Einer der Gründe war sicher, dass ich mit doppeltem Faden arbeitete und das Schussgarn dadurch zu dick für die Einteilung der Kette wurde.


Als nächstes habe ich dann ein Häuschen im Stil von Sahra Swett ausprobiert und dabei nur mit einfachem Faden gearbeitet


Das Ergebnis gefiel mir schon viel besser, leider war es nicht mein eigenes Motiv, aber webtechnisch hatte ich wohl etwas dazugelernt. 
Es war nicht besonders bequem, mit dem Panduro Webrahmen zu arbeiten. Er hatte zwar einen Fachbildungsmechanismus (Gatterkamm) und eine Spannungsregulierung, letztere ließ sich aber nicht stufenlos einstellen.
Inzwischen hatte ich etliche Informationen über das Bildweben eingeholt und war dabei, vor allem im englischsprachigen Raum, immer wieder auf selbstgebaute Rahmen aus PVC- und Metallrohr gestoßen.
Besonders eingeleuchtet  haben mir, speziell für die kleinen Bildformate, die Kupferrohr - Rahmen, die in den verschiedensten Ausführungen im Internet zu finden sind. Die meisten sind wohl zurückzuführen auf Baupläne von Archie BrennanAuch wir haben unseren kleinen Rahmen von der Form her an einen großen Webrahmen aus Eisenrohr angelehnt, den Archie Brennan entworfen hat.



Das Tolle ist, dass alle Teile in jedem Baumarkt zu bekommen sind, hier sind die einzelnen Fittings zu sehen.


Zusammengesetzt mit dem abgelängten Kupferrohr sieht man auf dem nächsten Bild, die Füße und die oberen Bögen, an denen bei Bedarf Litzen befestigt werden können.


Hier ist das Oberteil schon zusammengesetzt


und das nächste Bild zeigt das Unterteil. 



Wir haben die Teile nicht miteinander verlötet sondern der Einfachheit halber mit Epoxy-Kleber (Zweikomponenten-Kleber) verklebt.


Die beiden Teile müssen nun nur noch mit den Spannmechanismus verbunden werden. 
Da wir keine im Durchmesser passende Gewindestange hatten, hat mein Mann Hülsen aus Holz gedreht und auf die Stangen geschraubt.


Der untere Teil der Gewindestange ist eingeklebt, der obere nur ins Rohr eingeschoben, so kann man den Rahmen noch zerlegen.


So sieht mein fertiger Kupferrohr - Rahmen nun aus.



Oben und unten habe ich etwas Tesakrepp auf die querliegenden Rohre geklebt und eine Zentimetereinteilung aufgemalt.


Dann habe ich den Rahmen umlaufend, möglichst gleichmäßig, mit Teppichkettgarn bespannt.


Beim Anweben werden vordere und hintere Kette zusammengenommen und ich komme auf etwa 4 Fäden pro Zentimeter.


Drei kleine Bilder lassen sich nun hintereinander abweben.


Eine einfache Landschaft macht keine besondere Schwierigkeit, aber Rundungen sind nicht so einfach, darum sehen meine dei Fische noch viel zu zackig aus.


Die liegenden Fische sind schon viel runder geworden, weil das Motiv so der Kettrichtung besser angepasst ist.


Weil das wirklich nicht das Einzige ist, das es beim Bildweben zu lernen gibt, habe ich jetzt einen Online-Kurs belegt. Die amerikanische Bildweberin  Rebecca Mezoff  bietet eine ganze Reihe von Kursen zum Thema Bildweben an, unter anderem auch einen, der sich speziell mit dem Weben auf kleinen Rahmen beschäftigt: Little Looms.


Ich bleibe also dran...






Dienstag, 30. April 2019

Hundested - Nordseeland



Auch in diesem Jahr haben wir unsere Fahrt nach Schweden unterbrochen, um eine Woche lang Urlaub in Dänemark zu machen.


Schon Ende letzten Jahres hatten wir dieses Ferienhaus in Hundested in Nordseeland angemietet. Tatsächlich waren es zwei kleine Häuser, in dem einen befanden sich Wohnzimmer und Küche, das andere, links im Hintergrund,  beherbergte das Schlafzimmer und das Bad.


Die Häuser lagen auf einem Hügel und boten einen wunderbaren Blick aufs Kattegat, sowohl von der Terasse aus als auch von der zum Grundstück gehörenden Sitzgruppe im Freien.


Bereits am ersten Abend hatten wir Besuch von Rehen, die wenig scheu durch den Garten streiften und die wir durch das Wohnzimmerfenster beobachten konnten.


Direkt vor unserem Grundstück erstreckte sich ein beliebter Spazierweg zwischen dem Leuchtturm Spodsbjerg


und dem Knud Rasmussen Museum, dem Haus, in dem der grönländisch-dänische Polarforscher (1879-1933) zwischen seinen Expeditionen gelebt und gearbeitet hat.


Zum Strand hinunter gelangt man über eine steile Treppe mit 99 Stufen.


An dieser Steilküste ist der Strand sehr steinig, einen sandigen Badestrand findet man nahe des Hafens von Hundested.








Direkt am Hafen gibt es eine Reihe kleiner Geschäfte mit verschiedenstem Kunsthandwerk, hier ein Blick in die Kajgaden, die viele davon beherbergt.


In dieser Zeile liegt auch die Galleri Nord in der Jytte Bonde und Kirsten Herse selbstgefertigten Schmuck, Bilder und Handgestricktes anbieten, hier stehen aber auch zwei große Webstühle auf denen u.a. Decken und Schals in avancierten Mustern mit exklusiven Garnen gewebt werden.


Die ganze Küste lang ziehen sich kleine Fischerorte, die meisten touristisch recht gut erschlossen, da Kopenhagen nur eine Autostunde entfernt liegt und Nordseelands Strände ein beliebtes Ausflugsziel für die Großstädter darstellen.


Nach den Ostertagen war es aber trotz des strahlenden Sonnenwetters wieder überall sehr ruhig.


Den Strand von Tisvildeleje, mit seinen vielen kleinen Badehäuschen, hatten wir am Ostersonntag wegen Überfüllung der Parkplätze nicht erreichen können.


Zwei Tage später waren wir dort dann fast alleine.


Und die ganze Woche lang konnten wir Abend für Abend vor unserer Haustür die spektakulärsten Sonnenuntergänge über dem Meer genießen.