Montag, 2. Oktober 2017

Vävmässan Växjö


Letzte Woche, vom 21. bis 23. September, fand in Växjö die große Webmesse statt. Alle drei Jahre treffen Händler, Weber, Webinteressierte, jeweils an einem anderen Ort in Schweden zusammen. In diesem Jahr fand die Messe erfreulicherweise  ganz in unsererer Nähe statt, Växjö liegt nur 75 km von Virserum entfernt. Freitagmorgen haben wir uns zu viert auf den Weg gemacht, mitgefahren sind Ulrike Helferich vom Eiderstädter Garnkontor, die bei uns zu Gast war sowie Anne-Charlotte und Sabine aus der Virserumer Vävstuga. 



Ganz Växjö stand im Zeichen des Webens, in der Kunsthalle, Smålands Museum, dem Auswanderermuseum, der Domkirche und der Bibliothek gab es Ausstellungen und die Haupteinkaufsstraße schmückte ein 328 m langer Flickenteppich, hier gibt es einen kurzen Film, in dem eine Kamera in hohem Tempo die ganze Strecke abfährt.

Unser Ziel aber war erst einmal die Messehalle und ich kann jetzt schon sagen, dass wir an diesem Tag auch nicht mehr geschafft haben. Wir waren schon kurz nach der Öffnung vor Ort, mussten uns aber, obwohl wir alle schon Karten hatten, erst einmal in eine lange Schlange einreihen. Die Messe war wirklich sehr gut besucht, an allen Ständen drängelten sich die Menschen. Die meisten der hier gezeigten Bilder sind erst zum Schluss bei einem letzten, kurzen Schnelldurchgang entstanden. und ich habe nur dort fotografiert, wo sich gerade in dem Moment nicht allzuviele Besucher aufhielten.



Die letzte Ausgabe von Solvögat, der Mitgliederzeitschrift von Riksväv , hatte handgewebte Mode zum Thema, am Stand der schwedischen Webervereinigung waren u.a. einige Modelle aus der Zeitschrift im Original zu sehen, und die Webpatronen für die Stoffe lagen dort zur Mitnahme aus.


Am Stand von GAV-Glimåkra konnte man zu meiner Freude Madelyn van der Hoogt treffen, die in der amerikanischen Webszene seit Jahren eine große Rolle spielt.
Bis 2011 war sie Herausgeberin der Zeitschrift Handwoven, vorher hatte sie 13 Jahre lang Weaver´s Journal geleitet,  eine leider schon vor Jahren eingestellte Webzeitschrift. Auszüge aus dieser Zeitschrift sind später - thematisch geordnet - in einer Buchserie veröffentlicht worden, The Best of Weaver´s. Seit 2,5 Jahren hatte ich versucht, den letzten, mir noch fehlenden Band, zu kaufen - leider vergeblich. Und nun stand Madelyn van der Hoogt plötzlich in Schweden auf der Webmesse und hatte verschiedene Bücher mitgebracht, unter anderem das von mir gewünschte  Fabrics That Go Bump




Nun steht es endlich in meinem Regal und wurde sogar von der Autorin signiert :-)



Eines ihrer bekanntesten Bücher ist das 1993 erschienene The Complete Book of Drafting for Handweavers, auch das stand schon lange auf meiner Wunschliste und nun konnte ich die Neuauflage von 2017 - natürlich auch signiert - in Schweden kaufen.



Das dritte Buch, das ich mitgenommen habe ist von Joanne Hall, Tying Up the Countermarch Loom. Joanne Hall hatte jahrelang die Glimåkra-Vertretung für die USA und ist ein wandelndes Lexikon, die Funktionsweise und Altersbestimmung der verschiedenen Webstühle betreffend. Fragen dazu beantwortet sie immer noch bei Ravelry.



Die neuseeländische Firma Ashford hatte einen großen Stand, mit Wolle, Web- und Spinngeräten.


Hier konnte ich nicht an einer einfachen, kleinen Spindel vorbeigehen.


Auch die amerikanische Firma Schacht Spindle war mit einem Stand vertreten.


Nun wird es wieder schwedisch, hier der Stand an dem Marianne Eriksson, im Hintergrund zu sehen, ihre Bücher anbot.


 Östergötlands Hemslöjd zeigte regionaltypische Webereien und Stickereien.


Bei Venne Colcoton fand ich Erica de Ruiters Buch Weven op 3 schachten. Praktischerweise gleich zweisprachig verfasst.


Kurz nach diesem Kauf schrillten plötzlich laut Sirenen und eine Stimme gab bekannt, wir möchten uns alle sofort zu den Ausgängen begeben, es sei ein Feuer ausgebrochen. ausgesprochen ruhig und panikfrei setzten sich alle in Bewegung und versammelten sich draußen, um abzuwarten, was weiter geschehen würde.


Ich weiß nicht genau, wie lange wir draußen gewartet haben, man traf Bekannte, unterhielt sich und schließlich ging es zurück in die Halle. Glücklicherweise hatte es sich nur um einen Fehlalarm gehandelt.


Ich hatte noch Zeit, beim Stand der Väv vorbeizugucken, wo ich mich wiederum mit Büchern eindeckte.


Das gerade neu herausgekommene Buch Tuskaft - Leinenbindung - von Tina Ignell wollte ich gern haben


Und Sonja Berlins Buch über Brettchenweben, Vridna trådar och tanker om brickvävning.


Danach wurde es langsam Zeit für mich, meinen Dienst bei den Dragsnörena anzutreten, der schwedischen Vereinigung für Damastweber.
Etliche Mitglieder hatten phantastische traditionelle und moderne Arbeiten eingereicht, um unseren großen Stand zu schmücken.


Ich bin seit ein paar Jahren Mitglied bei Dragsnörena und hatte mich verpflichtet, dabei zu helfen, den Stand zu betreuen. Das war eine wunderbare Gelegenheit für Gespräche mit damastinteressierten Besuchern, Blogfreunden und Weberinnen, die ich aus der Facebookgruppe Vävspolen kenne. 
Besonders interressant war die Begegnung mit Sara von Treskow aus Wisconsin, USA,  die zusammen mit ihrem Mann, The Woolgatherers betreibt und die Autorin des Buches: When A Single Harness Simply Isn´t Enough ist.


Das sehr empfehlenswerte Buch ist 2014 erschienen und somit das aktuellste der ohnehin wenigen Bücher, die sich mit der Damastweberei beschäftigen.


Auf einem großen Tisch vor unserem Stand lag eine reich gemusterte Damast-Tischdecke aus Leinen und darauf ein schönes, langes, altes Damastschiffchen.


Hans von Treskow wies mich darauf hin, dass am Stand von Öxabäck die moderne Version dieser speziellen, 43 cm langen Damastschiffchen verkauft wurde und schnell habe ich mir dort eines der letzten gesichert.


Ein kleines Schiffchen in der griffigen Bootform habe ich dann noch bei Toika gekauft.


Beim Webmarathon in der Mitte der Halle konnte ich genauer den Aufbau eines einfachen Harneskwebstuhls studieren. Im kommenden Winter möchte ich gern einen derartigen Harneskaufsatz bauen, um frei gemusterte Damastgewebe zu erstellen.


Auch Andreas Möller aus Hamburg war mit seinem Flying 8 Webstuhl an der Vävmässa beteiligt.


Margareta Ovelius war Anfang des Jahres fertig geworden mit einem großen dreiteiligen Damastgewebe, das die nordischen Länder darstellt. Auf diesem Wandbehang, der Vävstugekarta sollten alle vorhandenen vävstugor mit einem roten, eingestickten Punkt markiert werden. Zum Zeitpunkt der Webmesse waren zwar noch nicht alle "Webstuben" eingestickt, wir konnten aber sehen, dass Virserums Vävstuga schon dokumentiert war.


Am Stand von Vävkompaniet kaufte ich wieder ein Buch.


Und auch bei den Trådräknarna konnte ich nicht vorbeigehen, ohne deren neues, nunmehr drittes Buch zu kaufen.


In Färgglatt - nya vävar, hat die Gruppe wieder mit Webpatronen aus alten Büchern  moderne Gewebe geschaffen.




Sticka mönster von Ann-Mari Nilsson, hier ging es mal um das Stricken und zwar von Mustern mit Hebemaschen.


Der Stand von Magiske Garner aus Dänemark.


Beim Garnhuset i Kinna habe ich zum günstigen Messepreis mercerisiertes Baumwollgarn für die nächsten Damastprojekte zu Hause bei mir und in der Vävstuga gekauft.


Und hier noch ein in Finnland gebauter, zusammenklappbarer Kontermarsch-Kleinwebstuhl mit bis zu 8 Schäften, für alle bei denen es etwas platzknapp zugeht, Kaorin kangaspuut.
Hier gibt es ein Video, das zeigt, wie sich der Webstuhl zusammenklappen läßt.



Viele Bücher aber wenig Garn habe ich gekauft. Dafür konnte ich mich aber über ein besonders schönes Gastgeschenk von Ulrike freuen, allerfeinstes Cashmere Lace Garn von Gepard :-))


Voll von den vielen Eindrücken haben wir den nächsten Tag eher ruhig in Virserum verbracht und u.a.der Vävstuga einen Besuch abgestattet.




Samstag, 16. September 2017

Umwidmung


In unserer Vävstuga werden häufig sehr lange Ketten aufgezogen, 30 m sind eigentlich der Normalfall. Aber nicht jede Kette wird schnell abgewebt und manchmal kann es passieren, dass ein Muster im Laufe der Zeit an Beliebtheit verliert.


Das war bei diesem Läufer der Fall. Seit ich 2013 Mitglied in der Vävstuga wurde, kenne ich die Frage, ob nicht noch irgendjemand einen oder mehrere Meter abweben möchte, doch nur selten war jemand dazu bereit.

Aber Geschmäcker sind verschieden, allen, die diesen Läufer in Jämtlandsdräll gern mögen, kann ich sagen, dass das Muster Petissan heißt, aus dem Blomqvist Katalog von 2010/11 stammt und im Katalog  2016/17 wieder zu finden war.


Ich bin absolut kein Freund bordürenartiger Muster und ich mochte auch die Farbzusammenstellung nicht.
Als sich aber schließlich niemand mehr bereit fand den Läufer zu weben und wir alle endlich den Webstuhl freibekommen wollten, habe ich mir überlegt, nur die Leinwandtritte zu benutzen und so ganz einfache Handtücher auf der Kette zu weben.


Nachdem ich drei Stück fertig hatte, fand sich noch eine andere Weberin aus unserer Gruppe, die den Rest der Kette mit anderen Schussfarben zu Handtüchern verarbeitet hat. Jetzt ist der Webstuhl endlich wieder frei für eine neue Kette.


Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die einfachen Querstreifen entsprechen wesentlich mehr meinem Geschmack und die feine Längsstreifung der rot in rot melierten Kette, die mir eigentlich gar nicht gefiel, finde ich jetzt im Endergebnis ganz interessant.








Mittwoch, 30. August 2017

Seezeichen

Viele schwedische Küstenorte, wie  Västervik, Oskarshamn und Kalmar, schmücken sich im Stadtinneren mit Seezeichen, um ihren maritimen Charakter zu unterstreichen.


In den Butiken gibt es kleine Modelle der sog. prickar zu kaufen und auch uns gefielen sie so gut, dass mein Mann schon vor längerer Zeit die obigen drei Dekostücke gefertigt hat.


Jetzt habe ich versucht, diese einfachen geometrischen Formen als Damastgewebe darzustellen. Die Seezeichen sollen eine Borte an einem kleinen Gästehandtuch bilden.
Leider habe ich nicht mehr genug Kette auf meinem Damastwebstuhl, um alle Formen zu weben, das kann aber ja dann mit einer neuen Kette nachgeholt werden.


Die kleine Flickenweberei macht mir im Moment so viel Spaß, dass ich auch in Deutschland einen meiner Miniwebstühle dafür eingerichtet habe.


Mein Strickprojekt, die zweite Auflage der Geilsk-Weste, habe ich auch schon lange nicht mehr gezeigt, ich habe aber regelmäßig daran gearbeitet und gestern habe ich das rechte Vorderteil angefangen.




Mittwoch, 9. August 2017

Virserums Vävstugas Blog

Seit 2013 bin ich Mitglied in Virserums Vävstuga. Ich habe dadurch die Gelegenheit, auch im Schwedensommer an großen Webstühlen weben zu können, denn in meine private Webstube in Virserum passen nur kleinere Webstühle. Viel wichtiger aber war und ist für mich der Kontakt zu über 20 Weberinnen aus dem näheren Umkreis und die damit verbundene Möglichkeit, tiefer in die schwedische Sprache und die schwedische Gesellschaft eintauchen zu können.

Im Mai habe ich über den Umzug der Vävstuga berichtet. Damit verbunden waren auch einige Änderungen in unserer Organisation. Wir haben einen Verein gebildet und unseren Sponsor gewechselt, finanzielle Unterstützung erfahren wir jetzt vom  ABF, dem Arbetarnas Bildningsgsförbund.

Und wir haben begonnen ein Blog zu schreiben,  http://virserumsvavstuga.blogspot.se/




Hier wollen wir versuchen, einmal im Monat über unsere Aktivitäten zu berichten und haben gerade unseren zweiten Post veröffentlicht. In der Hoffnung, dass meine Leserinnen und Leser sich auch für eine schwedische Vävstuga interessieren, habe ich rechts oben hier in meinem Blog einen Dauerlink gesetzt.
Natürlich haben wir für alle, die nicht schwedisch sprechen, in das neue Blog auch den Google Translator eingebunden, es wird also sicher viel zu lachen geben :-) 




Freitag, 28. Juli 2017

Webfortschritte und Einkaufsreise


Das zweite Stoffstreifengewebe für die kleinen Utensilienbehälter ist fertig.


Es ist aber noch genug Kette und auch ausreichend Platz auf dem Warenbaum vorhanden, um ein oder zwei weitere abzuweben.


Dann geht es ans Nähen. Hier ist das Vorbild für die keinen Stoffkörbe, die ich herstellen will. Gekauft habe ich es in Växjö bei Paperian, einem Laden, in dem Dinge verkauft werden, die von geistig behinderten Menschen unter dem Label Textilgruppen hergestellt werden.


Die Weste auf dem Anne-Webstuhl macht Fortschritte, das erste Knäuel des Schussgarns ist verwebt. Die Kette ist dunkelblaues Alpacka Solo von Järbo, das Schussgarn von Lana Grossa, Magico II Degradé.


Vor einiger Zeit habe ich mit einer Freundin einen Ausflug ins sogenannte Textilreich rund um Borås gemacht.




Dort habe ich mir nochmal sehr feines Garn für ein ähnliches Projekt besorgt. Wieder einfarbiges Alpaca für die Kette und Farbverlaufsgarn für den Schuss.



Natürlich waren wir auch im Garnhust i Kinna, wo ich Teppichkettgarn in einem schönen hellen Beerenton erstanden habe, etwas Baumwollgarn und drei Rollen des neuen dünnen Bomullingarns in der Stärke 33/2. Ich bin gespannt, wie sich das verarbeiten lässt.


In der Teppichfabrik Kasthalls habe ich dieses Mal nur ein paar Musterproben gekauft, die sich gut als Untersetzer nutzen lassen.


Offenbar waren die Bildredakteure der Zeitschrift Lantliv kürzlich auch bei Kasthalls und von den Teppichmustern  angetan, wie diese Seite aus der aktuellen Ausgabe zeigt.