Dienstag, 6. November 2018

Webtage in Glimåkra


Ende Oktober war es wieder so weit. Nachdem die Webtage in Glimåkra im letzten Jahr ausgefallen waren, weil Ende September die große Webmesse im nahe gelegenen Växjö stattgefunden hatte, waren die großen Fachhändler des skandinavischen Marktes in diesem Jahr wieder im Veranstaltungsgebäude des Folkets Park in Glimåkra versammelt.
Ich hatte mich für eine Busreise angemeldet, die am letzten Tag, Samstag, dem 27. Oktober stattfand. Da es in der Nacht davor angefangen hatte zu schneien, war ich froh darüber, nicht mit dem PKW unterwegs sein zu müssen. 
Eigentlich hatte ich erwartet, an einem Samstag auf besonders viele Besucher zu treffen und war daher erstaunt, dass der Andrang eher gering war, ich empfand das natürlich als angenehm. Die Aussteller erzählten, dass der Ansturm am ersten Tag immer am stärksten sei, da viele Leute wohl befürchteten, dass viele Dinge zu einem späteren Zeitpunkt schon ausverkauft sein könnten.


Ich habe aber dennoch gute Beute gemacht. Direkt am Eingang, beim Stand der dänischen Firma Magiske Garner, gefiel mir ein dort ausgestellter Schal so gut, dass ich mir das entsprechende Web-Kit mitgebracht habe, allerdings habe ich mir etwas andere Farben ausgesucht als vorgegeben.


Der Schal wird aus sehr feiner Merinowolle sowie Seide, an den transparent wirkenden Streifen, hergestellt.


Mellem trådene von Paulette Adam und Lotte Dalgaard kam auch in den Einkaufskorb. Die 32 Seiten umfassende Broschüre enthält sieben spannende Webanleitungen, viele Tipps zum Weben, und bietet dazu jede Menge Inspiration.


Am Stand der Zeitschrift Väv, habe ich mir Ann-Mari Nilssons Buch, Väv på fyra skaft - Weben mit vier Schäften - gekauft.


Von der Autorin habe ich bereits zwei ältere Bücher, aus einem stammt der Läufer Dans, den ich kürzlich fertiggewebt habe.


Von Holma Helsingland habe ich mir die Broschüre Vävtrender von Bockens Garner mitgebracht, in der zwölf - eher klassische - Webanleitungen zu finden sind.



Natürlich hatte auch Blomqvist Nordiska  auf der Messe einen Stand, ihr Firmenvertreter Inge, war aber gerade ein paar Tage vorher bei uns in Virserums Vävstuga zu Besuch gewesen, um die Gewebe aus dem aktuellen Katalog zu zeigen, so dass es für mich hier nichts Neues gab.



AK:s Snickeri war mit einem großen Angebot an Webzubehör vertreten und hatte den kleinen kompakten Webstuhl Öxabäcks lilla aufgebaut.


Langsam etabliert sich auch in Schweden, speziell bei jüngeren und neuen Weberinnen, das Rahmenweben und man konnte auch einige Webgeräte von Ashford bewundern.


Karin Öberg präsentierte ihre Leinengarne und eine neue Leinen/Woll-Mischung.


Monica Hallén zeigte Flickengewebe und verkaufte ihr Buch I trasmattans värld.


Direkt neben ihrem Stand hatte Garnhuset i Kinna seine Garne ausgestellt.


Hier habe ich mich mit Wolle eingedeckt, 1 kg in der Stärke 6/2 in naturgrauen Tönen für eine gewebte Jacke


und ein paar Stränge des neuen Ullgarn 20/2.


Bei Matt Seppo habe ich dann noch ein mittelgroßes Schiffchen von Toika erstanden.

 

Nur am Stand von Venne konnte ich dieses Mal nicht fündig werden, hier wollte ich eigentlich Velourgarn kaufen, das werde ich mir nun bestellen müssen.


Am interessantesten im Folkets Park war natürlich der Stand von Nina Floderus.


Sie hatte einen kleinen Kasettenwebstuhl dabei und zeigte darauf das Weben mit ihrem selbst entwickelten Schaftwechselmechanismus, den man dort natürlich auch kaufen konnte.


Ich bin immer wieder fasziniert, wie viele verschiedene Mechanismen es gibt, um das Schaftwechseln zu erreichen. Ich will schon lange selber einen solchen Zusatz bauen, konnte mich bisher aber noch nicht entscheiden, welcher Typ es werden soll.


Auf dem Weg ins Vävstolsmuseet, habe ich noch habe ich noch die Aussteller im Församlingshem besucht, dort gab es u.a. Garne vom Ullcentrum


Im Vävstolsmuseet zeigten dänische Weberinnen, Abschlussarbeiten ihrer Webausbildung, dabei interessanterweise sehr viel Bekleidung.


Mette Frøkjær, saß an einem Damastwebstuhl und webte an einer Decke mit grafischem Muster, die man auf ihrem Blogbeitrag über die diesjährigen Webtage in Glimåkra sehr schön sehen kann.


Im gleichen Raum webte Åsa Martinsson an Naamas Webstuhl.


Åsa Martinsson und Martin Eriksson, die einerseits in Schweden und Dänemark die Spezialisten für das hochmoderne Webprogramm WeavePoint sind, andererseits aber großes Interesse für das Leben im Mittelalter hegen, haben im letzten Jahr diesen Webstuhls gebaut, eine Rekonstruktion nach einer Darstellung aus dem 
14. Jahrhundert, zu finden in dem Buch Egerton Genesis



In Åsas Blog textilverkstad kann man eine Menge dazu sehen und lesen, der Post 
Naama 1.0  hat sogar eine englische Übersetzung des schwedischen Textes.


Eine weitere Ausstellung im Vävstolsmuseet zeigte etliche Originale der Gewebe aus Tina Ignells Buch Tuskaft.


Das Buch war im letzten Jahr erschienen und enthält auf 196 Seiten Anleitungen für leinwandbindige Gewebe aller Art.


Damit ist es auch für alle Webrahmenbegeisterten eine wahre Fundgrube.


Dreischäftig ging es hingegen zu, bei den Handwebern aus Jönköping - Handvävare i Jönköpings län.


Im ihrem Buch Smålandsdräll finden sich 38 Muster zum Nachweben, die alle nicht mehr als drei Schäfte benötigen und mittels einer sinnreichen dreieckigen Schaftaufhängung im Webstuhl befestigt sind.


In Erica de Ruiters Buch Weven op 3 schachten gibt es übrigens eine bemaßte Abbildung zum Selbstbau dieser Dreiecke.


Voll mit Eindrücken und neuen Web-Ideen ging es am späten Nachmittag per Bus durch die schwedische Winterlandschaft zurück nach Hause.









Sonntag, 21. Oktober 2018

Farbverflechtung - Kastkäppar - Log Cabin

Kastkäppar oder kuntväv sagen die Schweden, Log Cabin die Amerikaner. 
Gibt es eigentlich einen deutschen Ausdruck für dieses Muster?  Der Begriff Farbverflechtung umfasst ja eine recht große Gruppe optisch völlig verschiedener Muster.


Schon Log Cabin gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Grundsätzlich ist der regelmäßige Wechsel zwischen farblich kontrastierenden Garnen in Kette und Schuss. Arbeitet man zweischäftig, kann man zwei Blöcke dadurch erzeugen, dass dieser Rhythmus geändert wird, indem man eines der Garne doppelt einsetzt und so die Farbfolge verändert. Welche Wirkung man damit erzielt hängt u.a. davon ab, ob man das hellere oder das dunklere Garn doppelt einzieht, aber auch ob dazwischen eine gerade oder ungerade Zahl Kettfäden liegt.
Ich habe eine ungerade Zahl gewählt und den dunklen Faden in Kette und Schuss gedoppelt. Dadurch entsteht ein Muster, das einen deutlichen  Flechtcharakter hat.


Gewebt habe ich diesen Schal wieder auf dem kleinen Eitorfer mit einem 40/10 Kamm.
Das anthrazitfarbene Garn ist Comfort Sockenwolle, das helle Grau ist Marks & Kattens Recycled Yarn aus 100 % wiedergewonnener Wolle, Lauflänge 230 m pro 50 g.


Beim Aufspannen der Kette wollte ich mir etwas Arbeit sparen und so habe ich nacheinander einen Doppelfaden hell und einen dunkel eingezogen, an den Blockgrenzen sogar vier dunkle. Ich dachte, die Überkreuzungen beim Einziehen in die Löcher stellten kein Problem dar...


So war es aber dann leider nicht, der kleine Rahmen hat hinter dem Kamm nicht genug Platz, um die entstehenden Fadenüberkreuzungen auszugleichen.


So kam es immer wieder vor, dass sich einzelne Fäden verhakelten und sich im Fach falsch einordneten und offenbar habe ich es nicht jedes Mal gemerkt.


Ich hatte jedenfalls einige Fehler im Gewebe, die ich schließlich ausstopfen musste.


Schließlich konnten aber die Fransen gedreht, der Schal gewaschen und nach dem Trocknen mit einem feuchten Tuch gebügelt werden.


Wir hatten bisher wunderschönes, für Schweden ungewöhnlich warmes Wetter in diesem Oktober und ich konnte beim Weben des Schals die meiste Zeit draußen sitzen :-)


Das wird beim nächsten Schal nicht mehr möglich sein, denn jetzt ist Kälte angesagt.


Auf dem gleichen Webrahmen sitzt jetzt eine Kette aus schwarzer Sockenwolle, unterbrochen durch jeweils zwei doppelt eingezogene farbige Restgarne. Geschossen wird mit der schwarzen Sockenwolle.


Damit aber keiner denkt, dass ich nun nur noch Schals auf Webrahmen webe, schnell noch ein Bild von meinem aktuellen Projekt in der vävstuga.
Hier spiele ich ein bisschen mit Farben und Mustern auf einer Daldrällkette.





Samstag, 29. September 2018

Hammer-Hilfe

Den Tipp habe ich aus einer Facebook- Gruppe, die sich mit  Ridgid Heddle Looms beschäftigt.


Nun habe ich es schon drei Mal gemacht und bin wirklich begeistert, wie gut sich eine Schalkette, mit Hilfe eines Hammers, auf einen Webrahmen aufziehen lässt.


Ich benutze einen Fäustel, der 1,25 kg wiegt, hänge ihn einfach unten in die Schlaufe der Kette ein und binde die Kette nahe am Griff mit einem Hilfsfaden ab.


Weil ich keinen ausreichend langen Tisch habe, ziehe ich die Kette erst über den Boden und wenn der Hammer vom Boden abheben will, lege ich ihn auf meine Webbank und ziehe ihn über deren Länge weiter.


Die Eitorfer Webrahmen haben, genau wie die Webrahmen von Kircher, an Kett-und Warenbaum recht hoch herausstehende hölzerne Zahnreihen. Bei meinen größeren Webrahmen habe ich diese abgesägt und durch Anlängerstäbe- und schnüre ersetzt.
Meine kleineren Rahmen habe ich unverändert gelassen, hier decke ich die hohe Kante mit preiswerten chinesischen Bambus-Platzdeckchen ab, auch das funktioniert sehr gut.



Die Kette des Schals - 4 Fäden/cm - ist aus Aldi-Sockenwolle, die orangefarbenen Ränder sind Reste unifarbener Sockenwolle und für den Schuss hatte ich noch Reste marineblauer Sockenwolle von Regia. 





Freitag, 14. September 2018

Wiederverwendung

Vor 6 Jahren habe ich ein kleines Dreiecktuch gestrickt, das ich aber so gut wie nie getragen habe.


Also habe ich beschlossen, es einfach aufzuribbeln und das Garn als Kette für einen neuen Webschal wiederzuverwenden.


Weil ich faul bin, habe ich mit das Garn, ohne es vorher zu waschen, gleich vom Knäuel aus weiterverarbeitet und den 30 cm breiten Schulwebrahmen Karin damit bespannt.
Bei einem 40/10er Kamm, ergaben 80 Fäden eine Webbreite von 20 cm.


Beim nächsten Mal würde ich anders verfahren und das aufgeribbelte Garn vorher waschen, um es zu glätten.


So war es etwas schwierig, beim Nachlassen der Kette immer wieder die richtige Spannung einzustellen.


Als Schuss habe ich das schöne weiche Ficolana Arwetta classic ausgewählt, die eine Hälfte in rot, die andere in pink.


Als ich das Gewebe vom Webstuhl nahm zeigte der Schal eine ausgesprochen interessante Struktur, die aber nach einer leichten Handwäsche verschwand.