Der Dobbyturm
Dobbyturm nenne ich die Baugruppe, die den Handhebel, die Schaftheber, das Messer und verschiedene Umlenkrollen für die Schnurverbindungen enthält. Der Turm sitzt in etwa mittig (die genaue Stellung muss vor dem Anschrauben ausprobiert werden) auf dem Schaftgehäuse.
So sieht das vordere Brett des Turms von innen aus, der große Ausschnitt dient als Führung für den Handhebel, im unteren Teil ist der Ausschnitt erweitert, hier kann der Hebel arretiert werden. Die gefräste Nut ist die vordere Führung für das Messer. Die Bleistiftmarkierung bezeichnet die Stelle, an der eine Tasche für die Schraubenköpfe der Musterleisten ausgefräst werden muss.
Hier ist die Vorderseite im zusammengebauten Zustand zu sehen.
Die Rückseite des Dobbyturms, hat wieder die Nut für die Messerführung und einen rechteckigen Ausschnitt, in den das 3D-gedruckte Gelenk für den Handhebel eingepasst wird. Auch hier sieht man die Vorzeichnung für die für die einzufräsende Tasche, die Platz schafft, für den ungehinderten Durchlauf der Musterkette.
Die oberen und unteren Verbindungshölzer werden mit Rollen bestückt, bei denen nach dem Zusammenkleben ein kleiner Ring stehen bleibt. Beim Anschrauben soll dieser Ring dem Holz zugewandt sein und durch seine kleinere Auflagefläche die Reibung zwischen Holz und Rolle verringern.
![]() |
| #6 Dobby16-RolleTurm.stl |
Am unteren Teil sieht man rechts die zweite zusammengesetzte Schnurdurchführung, die für das Absenken des Messers benötigt wird.
Das Messer selbst ist aus dem gleichen Material wie die oberen Schaftleisten, Flachstahl 12 x 5 mm. Im mittleren Bereich, in dem das Messer auf die Schaftheber trifft, hat mein Mann auf 16 cm dem Messer eine Fase gefeilt. Die genauen Angaben dazu sind der Zeichnung zu entnehmen.
Über die beiden oberen Rollen werden die Schnüre geführt, die den Handhebel und das Messer verbinden. Sie besetzen die äußeren Bohrungen des Messers und sind in der folgenden Zeichnung rot dargestellt.
Bei einigen Fotos die den Handhebel zeigen, fällt auf, dass mein Mann die Bohrungen für die Anbindungen der Schnur mittlerweile dahingehend geändert, dass die Befestigungen nicht mehr "innen", zur Heberseite hin, mit Schrauben befestigt werden.
Die beiden rot gezeichneten Schnüre werden nun, wie auf der Zeichnung zu sehen, durch Bohrungen auf die Unterseite des Handhebels geleitet und dort jeweils mit einem Doppelpfeilstecker befestigt. So ist es einfacher, evtl. notwendige Justierungen vorzunehmen.
Durch das Runterdrücken des Handhebels wird das Messer gehoben, kommt dabei unter die Haken der ausgewählten Schaftheber und hebt die entsprechenden Schäfte.
Die inneren Bohrungen des Messers sind durch eine Zugschnur verbunden. Um diese ist eine weitere Texsolvösenschnur geschlungen.
Diese Schnur läuft unter der mitttleren Rolle durch, zur 2. Durchführungsrolle. Die beiden Schnüre sind in der Zeichnung blau dargestellt.
Die abgehende Schnur, das Bild zeigt, dass ich die Zugschnur nachspannen muss, läuft also unter der mittleren Rolle zur Durchführungsrolle im unteren Verbindungsstück und kommt auf der anderen Seite raus. Hier sollte sie mit einem starken Gummiband oder einer Feder verbunden werden.
Wenn der Hebel und/oder der Fußtritt freigegeben werden, soll dadurch das Messser in seine untere Ausgangsposition zurückgeholt werden.
Auf diesem Bild ist auch die Umleitung für die Trittanbindung zu sehen. Die dafür benötigte Schnur ist auf der Zeichnung, die ich hier noch einmal einsetzte, grün eingefärbt.
Das eine Ende der Texsolvschnur wird mit einem Doppelpfeilstecker als Stopper versehen und durch die seitliche Bohrung des Handhebels gesteckt, dann zur unteren Rolle weitergeleitet danach zur Durchführungsrolle, um unter dem Gelenk des Handhebels auszutreten.
Auf dem Foto oben ist der weitere Weg zu sehen.:
Die Schnur läuft zur Rolle rechts am Schaftaufbau, biegt dann nach unten ab, zur rechts am Querbrett des Untergestells angebrachten Rolle und läuft von dort nach links zur nächsten Rolle, um dann unten am Querholz des Tritts mit einem Doppelpfeilstecker befestigt zu werden.
Für den Weg der Trittschnur sind also 1 Umlenkrolle und 3 weitere Rollen nötig, da letztere wieder auf Holz geschraubt werden, haben wir auch hier die Turm Rollen benutzt. Es werden also insgesamt 7 Stück gebraucht.
![]() |
| #6 Dobby16-RolleTurm.stl |
Diese etwas kompliziert wirkende Führung funktioniert gut und beseitigt das Problem, der in der Mitte durch die Kette laufenden Trittschnur beim Louet Magic Dobby. Das Bild unten zeigt diese Schnur, die das Aufziehen der Kette doch sehr stört. Hier sieht man, dass die Schnur zur Schonung der Kette durch ein Plastikrohr gefädelt wird.
Außerdem kann man auf dem Foto oben links, auch noch die lange Feder erkennen, die Louet beim Magic Dobby für die Rückholung des Messer einsetzt.
Das sind die Maße für den Handhebel, die Achse besteht aus einem 50 mm langen Stück 8 mm Rundstahl:
Die Maße des Tritts hängen von der Größe des Untergestells ab. Die Öffnung unserer Trittgelenke ist für Seitenhölzer von 18 mm gedacht, die Achsen haben auch 8 mm Durchmesser.
![]() |
| #8 Dobby16-TrittGelenk.stl |
Hier folgt eine Gesamtansicht der Vorderseite, deren Maßangaben im Blog kaum erkennbar sind. Auf Wunsch kann ich Interessenten per E-Mail die Abbildung im besser lesbaren Pdf- Format zusenden.
Im zusammengebauten Zustand des Turms sind diese Rollen kaum zu sehen, da sie von den Schafthebern verdeckt werden.
Die dunkle Struktur hinter dem Handhebel wird aus diesen 16 nebeneinander hängenden Schafthebern gebildet.
Auf dem vergrößerten Ausschnitt ist die Anweisung zum Drucken leserlich:
![]() |
| #9 Dobby16-Schaftheber_8x.stl |
Pro Schaft wird ein Heber gebraucht, in unserem Fall sind das also insgesamt 16 Stück.
Die Heber hängen nebeneinander auf einer 8 mm Welle, die zwischen Vorder- und Rückteil des Turms gelagert ist, das Langloch sorgt dafür, dass die Heber auf- und abbewegt werden können.
![]() |
| Ein Teil des Reedekamms und einige Schaftheber |
Wenn ein Stecker in der Dobbykette gegen einen Heber drückt, wird dieser leicht nach vorne geschoben und hängt dadurch über dem Messer. Ich denke, das kann man auf dem Bild unten ganz gut erkennen.
Wird das Messer durch Herunterdrücken des Hebels oder Treten des Tritts hochgehoben, werden diese Heber durch ihre, auf dem Messer aufliegenden Haken, mitgenommen und heben gleichzeitig die Schäfte, mit denen sie durch die an ihren Seitenteilen angeknöpfte Texsolvschnur verbunden sind.
Die beiden folgenden Fotos zeigen die Befestigung der Walze, einmal von vorne gesehen, mit dem aufgesteckten Griff für die Dobbykette und dann von hinten nur mit der Lagerung.
Man kann auf beiden Bildern auch oberhalb der Walze die Bohrungen für die Welle der Schaftheber erkennen.
Die folgenden 3D-gedruckten Teile werden nun gebraucht:
Der Lagerbock für den Handhebel:
Die benötigte Achse ist 50 mm lang und besteht aus 8 mm Rundstahl.
![]() |
| #10 Dobby16-LagerbockHebel.stl |
Die beiden Lagerböcke für die Walze, die Achse aus Rundstahl ist 6 mm stark.
![]() |
| #11 Dobby16-LagerböckeWalze.stl |
Die Walze mit 5er Teilung für den Transport der einzelnen Musterleisten zu den Schafthebern.
![]() |
| #12 Dobby16-Walze.stl |
Auch sie hat eine Achse aus 6 mm Rundstahl.
Desweiterren werden das Griffrad
![]() |
| #14 Dobby16-Griffrad-Walze.stl |
und eine Griffradrastung gebraucht, die dafür sorgt, dass sich die Walze immer nur um 72 Grad weiterdreht.
![]() |
| #15 Dobby16-GriffradRastung.stl |
Diese Griffradrastung wird senkrecht mit 2 Schrauben an das Schaftgehäuse angeschraubt, so dass es zwischen den Lagerbock für die Walze und das Griffrad kommt.
Auf dem unteren Bild sieht man eine der beiden Unterlagen, die wir anbringen mussten, um die Lagerböcke an die Walze anzupassen. Dass das evtl. nötig werden kann wird u.a. im folgenden Montagetext, den mein Mann beigesteuert hat, genauer erklärt.
Die Seitenansicht zeigt den Lagerblock für die Walze mit dahinterliegender Ausgleichsunterlage, beides in die Stirnseite des vorderen Turmbretts geschraubt. In den Zwischenraum von Lagerbock und Griffrad ragt die federnde Rastung für die Musterwalze hinein, die an der Frontseite des Turms befestigt ist.
Zur Montage des Dobby Turms
Beim Zusammenbau des Dobby-Turms muss man die seitliche Positionierung auf den Brettern des Schaftgehäuses justieren können:
durch Toleranzen/Maßabweichungen der einzelnen Teile kann es sonst Probleme geben (z.B. hat das Leimholz teilweise nominell 18 mm Dicke, aber real ~17 mm); das Material für das "Messer" 4 mm Dicke statt 5 mm u.s.w.
Am besten ist, den Dobby-Turm provisorisch zusammenzubauen, mit dem oberen Querholz, der Welle für die Schaftheber, den Schafthebern, dem Messer (mit Zugschur),
den Lagerböcken für die Walze (M4 Schrauben), und ihn dann auf dem Castle zu positionieren, wobei die Schaftheber mit Texsolv-Schnüren mit den entsprechenden Schäften verbunden sein sollten, also bereits belastet sind. Die seitliche Position sollte so sein, dass die unteren Enden der Schaftheber mittig über den inneren Rollen im Castle hängen. In dieser Lage prüfen, ob das "Messer" frei vor den Haken der Schaftheber passieren kann - falls nicht, den Turm seitlich verschieben.
Eine Musterleiste mit einigen Programm-Pins in die Walze einlegen und ggf. provisorisch sichern (Kabelbinder). Die Walze so drehen, dass die Programm-Pins die entsprechenden Schaftheber seitlich auslenken. Prüfen, ob das "Messer" diese Schaftheber sauber anhebt. Ggf. müssen die Lagerböcke für die Walze angepasst werden, entweder durch Unterlagen (Shims, 3D-gedruckt) oder Verringerung der Lagerbockhöhe (neu drucken). Dann erst die Lage des Dobby-Turms markieren und Befestigungslöcher und Durchführungen für Texsolv-Seilzüge bohren (siehe auch die Zeichnungen).
Zur Befestigung des Griffrads (mit Rastung) auf der 6mm-Welle der Dobby-Walze: Man muss darauf achten, dass das Fünfeck auf der Innenseite des Griffrads und die fünfeckige Walze korrekt zueinander ausgerichtet sind und sich nicht verstellen können. Wir haben an der Position des Griffrads eine Querbohrung (Durchmesser 2 mm) in der Welle angebracht, in die ein Stück Fahrradspeiche eingesetzt wird, das in den Schlitz auf der Innenseite des Griffrads passt. (Das Griffrad kann in zwei Orientierungen aufgesteckt werden - nur eine davon ist richtig). Dann steckt man die Welle durch die Halterungen und die Walze, richtet alles korrekt aus und klebt dann die Walze auf die Welle (mit Epoxi-Kleber).
![]() | ||||||||||||||
und die Bemaßung der einzelnen Muster-oder Programmleisten: Die Musterleisten haben 16 Steckmöglichkeiten, um alle 16 Schäfte ansprechen zu können.
Zum Zusammensetzen der Musterleisten werden Verbindungsteile gebraucht.
Pro Musterleiste sind 4 Innensechskantschrauben M3x8 DIN 912 nötig. Hier sind einzelne Musterleisten schon mittels Verbindern und Schrauben zur Kette zusammengestellt. Die
grauen Leisten liegen auf dem Bild mit ihrer Unterseite nach oben, man erkennt die
Seitenabschrägungen, die dafür sorgen, dass sie in die Transportwalze
passen. Die weißen Leisten zeigen die Oberseite, in die
die Stecker entsprechend der Vorgaben des Liftplans eingesetzt werden.
Der schwarze Stecker ist von Louet, bei meinen Programmleisten passen
diese in die Löcher, da aber nicht jeder Drucker gleich druckt, kann es
sein, dass das nicht immer der Fall ist.
Daher
haben wir auch eigene Stecker gedruckt. Wir haben sie, wie alle anderen
Teile auch, mit PLA gedruckt. Die Beinchen sind aber etwas empfindlich
gegen Zusammendrücken. Ich hatte beim Weben bisher keinen Bruch,
vielleicht ist es aber sinnvoll, sie mit einem anderen Material, wie
z.B. PETG zu drucken. Mein erstes Versuchsgewebe benötigte nur 8 Schäfte und hatte einen Muster-Rapport von 28 Schüssen. Zum einfacheren Aufbringen der Kette beginne ich gerne mit 2-3 Musterleisten ohne Stecker, totzdem ist die Dobbykette recht kurz geworden.
Der Webstuhl hat 2 nebeneinanderliegende Bohrungen für die Aufnahme der Schraubbefestigung der Auslegerarme, deren Lage in der Zeichnung rot markiert ist. Für meine kleine Kette habe ich hier die vorderen Bohrungen benutzt.
Die Langlöcher dienen der Anpassung an die Länge der Dobbykette.
Festgeschraubt werden die Arme mit Griffrädern, denen nach dem Druck eine Mutter eingepresst wird. M8 Schlossschrauben halten dann die Arme in der gewünschten Stellung.
Die beiden Arme der Aufnahme für die Dobbykette werden im oberen Teil durch Metallstangen, 6 mm Rundstahl, zusammengehalten, dafür sind sie außen jeweils mit einem kleinen Splint gesichert. Sie tragen außerdem die Führungsräder, auf denen die Kette liegt und auch abrollen kann.
Über die Metallstangen haben wir Kunststoffrohre geschoben, die die Abstände zwischen den Rädern festlegen, aber die Kette nicht berühren. Die hier verwendeten Kunststoffrohre sind Überreste einer Elektroinstallation und nicht selbst gedruckt.
Im oberen Bereich liegt die Dobbykette mit ihren Kunststoff-Flächen auf den Führungsrädern, den unteren Bereich aber, passiert sie mit ihrer Rückseite, dabei liegen die vorstehenden Schrauben auf den Rädern und dadurch sind die Längen der beiden Halter leicht unterschiedlich. Diese Zeichnung gibt dafür die Maße an:
Meine erste Dobbykette auf dem selbstgebauten Dobbywebstuhl war so kurz, dass sie sie unteren Räder gar nicht berührt hat.
Bei längeren Ketten sieht das aber anders aus und wie das Foto von meinen Fraens Dobby-Webstuhl zeigt, kann es in zusätzlich nötig sein, ein Gewicht in die überhängende Kettte einzulegen, hier hat mir ein Bolzen mit Mutter geholfen die Kette stramm zu halten, Gewicht 132 g.
Das Holzgewicht mit Metallkern für den 24-schäftigen Louet Magic Dobby wiegt knapp 850g.
Zum Schluss möchte ich noch auf unsere Spreizer verweisen, die ev. bei der sorgfältigen Einstellung der Schafthöhe notwendig werden könnten. Sie werden eingesetzt, wenn die Verkürzung um ein ganzes Loch in der Ösenschnur zu viel wäre. Das
Foto zeigt die Anwendung der Louet-Spreizer auf einer Seite des Magic
Dobby, selbstversändlich ist auch die gegenüberliegende Seite
entsprechend bestückt. Und hier noch der weiter oben schon abgebildedete Reedekamm. Das Teilstück hat eine Länge von 30 cm. Unser Dobbywebstuhl ist ein Prototyp, das bedeutet, dass die drei dazu erschienenen Blogbeiträge keine genaue Bauanleitung darstellen. Ich habe stellenweise schon im Text erwähnt, dass Fotos und Zeichnungen zum Teil nicht übereinstimmen, weil wir Details nachträglich geändert haben. Unter den 3D-gedruckten Bauteilen sind einige nicht neu konstruiert, sondern nur modifiziert worden, bei den Griffrädern z.B. gibt es noch Befestigungslöcher am Rand, die nicht benutzt werden, weil wir eine andere Art der Befestigung gewählt haben, als ursprünflgich vorgesehen war. Bei einem ev. Nachbau können die Fotos und Zeichnungen aber hoffentlich dennoch hilfreich sein. Ich habe das Dobbyweben durch das Arbeiten mit dem 3D-gedruckten Dobbywebstuhl von Fraens Engineering kennengelernt und ohne den Bau dieses kleinen Webstuhls wären wir sicher nicht auf die Idee gekommen einen eigenen 16-schäftigen Dobbywebstuhl zu bauen. Einige der 3D gedruckten Bauteile sind Modifikationen von Fraens Webstuhl und ich möchte mich hier dafür bedanken, dass er auf meine Anfrage hin, der Weitergabe der entsprechenden Files zugestimmt hat. Auf Anfragen per E-Mail (siehe Impressum), schicke ich Interessenten gerne die STL-Files zu, wenn sie einwilligen, diese nicht kommerziell zu nutzen. Aufrüstung eines einfachen Tischwebstuhls zum mechanischen Dobby-Webstuhl - Teil 1Aufrüstung eines einfachen Tischwebstuhls zum mechanischen Dobby-Webstuhl - Teil 2 |





























































