Samstag, 31. Juli 2021

Eine kleine hilfreiche Änderung

 

Ich bin ein großer Fan der älteren, kleinen Webrahmen mit Gatterkamm, die oft unter der Bezeichnung "Schulwebrahmen" verkauft werden.

 


Bei einer Webbreite von max. 30 cm eignen sie sich hervorragend zum Weben von Schals und der mitgelieferte Kamm hat üblicherweise eine Einteilung von 4 Fäden pro cm, was das Verweben von 4-fädiger Sockenwolle und entsprechenden Garnen erlaubt. Wenn man locker genug anschlägt, kann man damit schöne, weichfallende Schals herstellen. 

Ich finde, dass die Rahmen besondes für Webanfänger sehr gut geeignet sind, denn ohne hohe Kosten kann man damit ausprobieren, ob Weben tatsächlich das neue Hobby werden soll. 

Ich habe mittlerweile sechs solcher Rahmen, alle gebraucht gekauft und zwischen 10 und 20 Euro pro Rahmen bezahlt.

 

Eitorfer Webrahmen

 

Ob Kircher-, Eitorfer- oder Ages-Rahmen, allen sog. Schulwebrahmen ist gemeinsam, dass Kettbaum und Warenbaum durch Schrauben und Muttern gehalten und festgeklemmt werden.

 

Ages Webrahmen

Das funktioniert im Prinzip ganz gut, macht aber manchmal doch Probleme. Zieht man die Muttern nicht fest genug an, können sie sich lockern und die Spannung der Kette lässt nach, zieht man zu fest an, kann es Probleme geben, die Mutter per Hand wieder zu lösen und es kann passierren, dass man nur mit einer Zange weiterkommt.

 


Irgendwann ist mir aufgefallen, dass die Schrauben in den Bäumen recht lang sind und dass ein Stück Gewinde aus der Mutter herausragt. Das hat mich auf die Idee gebracht, an Kett-und Warenbaum jeweils ein Sperrklinkenrad einzubauen.

 

 

Der Platz reichte bei diesem Eitorfer Webrahmen für Sperrklinkenräder aus Plexiglas in 4 mm Stärke. Plexiglas ist ein recht zähes Material, das wir schon einmal für diesen Zweck an einem kleinen Webstuhl genutzt hatten. Natürlich kann man andere Materialien nehmen, gut geeignet sind Sperrholz und natürlich Metall. 

 



Ich habe hier noch einmal die Zeichnung zur Konstruktion eines 8 cm großen Sperrklinkenrades eingefügt, die mein Mann für einen anderen Webstuhl gemacht hat. 

Den notwendigen Durchmesser kann man ja leicht am eigenen Webrahmen ermitteln.

 

 

Mein Mann sägte also zwei Räder samt Haken mit der Laubsäge aus, steckte sie auf die Achse und befestigte sie mit zwei Schrauben an den Bäumen.


 

Und dann konnte es losgehen, hier ziehe ich die Kette auf den umgebauten Eitorfer Webrahmen durch den roten Kamm eines Ages Rahmens. 

 


Ich möchte wieder ein Farbeffektmuster weben und ziehe mittelgraue und senfgelbe Strumpfwolle von Adlibris ein.

 


Das Weben und vor allem das Weitertransportieren der Kette klappt hervorragend. Die Muttern der Schraubgewinde sind nur locker aufgesetzt und die Spannung wird durch die Sperrklinke gehalten.



Man muss nur ab und an die Muttern kontrollieren, weil diese sich beim Drehen der Bäume auf der einen Seite automatisch lösen und auf der anderen feststellen. Das kann man dann aber ja schnell wieder ändern.



Und so sieht der neueste Schal aus!






Dienstag, 29. Juni 2021

Zwei Westen

Im Sommer 2019 habe ich in Schweden einen Stoff für eine blaue Weste gewebt, die ich jetzt erst genäht habe.

Es war das letzte Gewebe auf dem 90 cm breiten Anne Webstuhl von Glimåkra.

Mit diesem zusammenklappbaren Webstuhl war ich nie so wirklich glücklich. Die 6 Tritte liegen bei diesem Webstuhl, der vom Typ her dem Göta-Webstuhl gleicht, sehr eng nebeneinander und da die Tritte vorn angelenkt sind, habe ich mir beim Treten oft die Zehen eingeklemmt oder die Knöchel gestoßen. Sicher hätte man sie weiter auseinanderbauen können, aber weil auch das Fach nicht sehr groß war, habe ich beschlossen, diesen Webstuhl zum Kontermarschwebstuhl umzubauen. Im Februar-Blog habe ich über den Umbau berichtet.

 

 

In der Kette habe ich damals Aloe Sockwool von Hjertegarn verarbeitet, gemustert, Col. 5020, der Schuss war aus dem gleichen Material aber unifarben in taubenblau, Col 2163. Die Einstellung war 4 Fäden pro Zentimeter, gewebt habe ich den Stoff in einfacher Leinenbindung.

 


 
Beim Zuschnitt der Weste habe ich zum ersten Mal einen Tipp von  Sarah Howard  befolgt und an die Schnittkanten auf der linken Stoffseite selbstklebende Vlieselinestreifen aufgebügelt. Die Streifen habe ich selbst von Vlieseline-Meterware abgeschnitten, so kann man die passende Breite immer gut selbst bestimmen und es ist preiswerter als konfektioniertes Saumband.


Die Methode hat sich gut bewährt, die Kanten haben sich dadurch beim Zickzack-Versäubern überhaupt nicht verzogen, was speziell bei Rundungen ja leicht passiert.


 

Den Halsauschnitt und die Schulterschrägungen habe ich von Sarahs Howards Get Weaving Jacken-Schnittmuster JA 013 übernommen, ansonsten ist die Weste gerade geschnitten und die Kanten habe ich per Hand nur knapp umgenäht.

 





 Auch der Stoff für die zweite Weste war schon seit längerem fertig.
 
 
 
Im Maiblog 2020 zeige ich, wie ich den 6-schäftigen Lotta-Webstuhl eingerichtet habe.  



Damals habe ich eine längere Kette aus dünner, schwarzer Wolle aufgezogen und wiederum in Leinwandbindung zwei Stoffe gewebt. Der schwarze Schuss ist aus dem gleichen Material wie die Kette, feine Konen-Merinowolle, zusammengesetzt aus zwei Fäden. Genaueres dazu ist im Mai-Blog zu lesen.


Hier ist das ganze Webstück zu sehen, es ist schon gewaschen und soll nun gebügelt werden. Das größere Stoffteil hat schmale Streifen aus handgesponnener Sariseide, es ist für eine Jacke gedacht und wartet noch auf die Verarbeitung. Zwischen den Teilen habe ich ein Stück in uni-schwarz gewebt, das ich dann für den Kragen der kimono-inspirierten Weste genutzt habe.



Die Streifen im Westenstoff sind mit einem tweedartig gemusterten
Viskosefaden gewebt.  Vor vielen Jahren hatte ich zwei große Konen dieses Materials bei einem Resteverkauf erstanden, bisher aber noch nie verwendet.


In dieser Zusammenstellung gefällt mir das Garn nun ganz gut.

 

 

Die Weste ist ganz leicht, sie wiegt gerade mal 175 Gramm und trotzdem wärmt sie gut.



 

 

 

 


Montag, 31. Mai 2021

Electric Eel Wheel 6

Letztes Jahr war ich auf der Suche nach einem elektrischen Spinnrad, das ich zum Zwirnen meiner Einfachgarne benutzen wollte, die ich auf meinen Tretspinnrädern und ab und an auch mit der Handspindel spinne. Tatsächlich gekauft habe ich dann etwas ganz anderes, das kleine Eel Wheel Nano, einen niedlichen, supergut transportablen E-Spinner, entwickelt von Maurice Ribble in den USA. Maurice Ribble finanziert seine Projekte durch Crowdfunding und der E-Spinner, der meinem eigentlichen Zweck entsprochen hätte steckte damals noch im Entwicklungsstadium.

Den kleinen Nano Spinner aber wollte ich nun unbedingt zusätzlich haben. Im Juni 2020 habe ich ihn in einem Blogbeitrag vorgestellt.

 

 
Im April ist nun der große E-Spinner, das Eel Wheel 6, fertig geworden und weltweit zuerst an alle Unterstützer und einige Wiederverkäufer geschickt worden. Da es im letzten Sommer noch nicht ganz sicher war, wann genau das Spinnrad fertig werden würde und ich nicht daher nicht wusste, ob ich zu dem Zeitpunkt überhaupt in Deutschland sein würde, um es u.a. beim Zoll auszulösen, hatte ich mich dazu entschieden, den großen E-Spinner, wie schon das Nano, wieder im Wollokaal in Holland zu bestellen. Dort ist es natürlich teurer, da die Frachtkosten aus den USA und der Zoll schon eingerechnet sind und Simone vom Wollokaal ja auch noch noch daran verdienen muss, aber es erschien mir sicherer so, auch für den Fall, dass eine Reklamation nötig gewesen wäre.
 

 

 
Erst wenn man die beiden Spinner zusammensieht wird der Größenunterschied klar.
 
 
 
Das Eel Wheel 6 arbeitet noch leiser als das kleine Nano, auch ohne die zusätzliche Geräuschdämpfung, die ich nach Vampys You Tube Tipp meinem Nano verpasst habe.
Mitverantwortlich dafür ist sicher auch die Tatsche, dass alle sechs mitgelieferten Spulen an beiden Enden mit Kugellagern ausgerüstet sind. 



Natürlich sind die Spulen des Eel Wheel 6 auch deutlich größer als die des Eel Wheel Nano. Sie fassen 200 g Wolle sind somit hervorragend zum Verzwirnen geeignet und auch das Spinnen dickerer Singles macht sehr viel mehr Spaß, wenn nicht nach wenigen Metern die Spule schon voll ist. Um dicke Garne gut spinnen zu können, kann übrigens das Spinnloch durch Entfernen der weißen Kunststoff-Reduzierung vergrößert werden.
 

 
Nachdem ich erst etwas Wolle zu einem weichen, etwas dickeren Faden versponnen hatte, habe ich damit angefangen meine liegengebliebenen Singles zu verzwirnen.




Mein kleines Spinnrad betreibe ich immer mit einer Powerbank, so bin ich unabhängig von einer Steckdose. Für das leistungsstärkere EEW 6 reicht aber eine Powerbank nicht aus, es braucht einen 12 V Akku, wenn man es unabhängig vom Stromnetzt nutzen möchte.
 


 
Praktischerweise wird das Spinnrad mit einem Unterbaukasten für einen Akku ausgeliefert. 
Da der von Maurice Ribble empfohlene, passende Akku auch in Deutschland erhältlich ist, habe ich mir das Modell gleich dazugekauft.
 

 

Das abschraubbare Unterteil hat hinten eine Aussparung, so dass der Ein und Aus-Schalter zugänglich ist.


 

Schön finde ich auch, dass das neue Spinnrad, wie schon das kleine Nano, Magnete am Gehäuse hat, die den Haken für das Durchziehen des Fadens durch das Spinnloch festhalten.

 

 

Eine Kühltasche, deren Boden ich durch ein Sperrholzbrett stabilisiert habe, nimmt das Rad nebst Zubehör gut auf und macht es reisetauglich.


 

Wer mehr über den Elektrospinner wissen möchte, findet Informationen und auch Filme bei Dreaming Robots

 





Freitag, 30. April 2021

Weben mit dem 8-schäftigen Lotta-Webstuhl

 

In meinem Februar-Post habe ich den Umbau eines Klapp-Webstuhls mit 90 cm Webbreite in einen 8-schäftigen Kontermarschwebstuhl dokumentiert. Der Umbau lehnte sich an die Pläne an, die ich in meinem Beitrag vom Mai 2020  veröffentlicht habe. Damals ging es um einen 6-schäftigen Kontermarschwebstuhl, den ich Lotta 6 nenne, nun ist also die Lotta 8 entstanden.

 
Direkt im Anschluss an den Umbau habe ich eine erste Kette für ein 8-schäftiges Gewebe aufgezogen.
Für Kette und Schuss habe ich Cottolin 22/2 verwendet, die Einstellung betrug 8 Fäden/cm.

 
Die Idee zum Muster der Handtücher entstammt wieder einmal Jane Stafford´s Online Guild. 
Es handelt sich um kett- und schussbindigen Köper, engl. turned twill. Ich habe sechs Handtücher gewebt und dabei einmal die Trittverschnürung geändert. Die Blockeinteilung des Gewebes habe ich von Jane Stafford übernommen, Farb- und Musterabfolge aber selbst gestaltet.
 
 
 
Auf diesem Bild, das den Webstuhl vom Kettbaum aus zeigt, kann man ganz gut die Verteilung der Kettfäden auf die 8 Schäfte erkennen. Der große braune Bereich und die hellen Streifen liegen auf den hinteren 4 Schäften, die breiteren Streifen in blau und lila auf den vorderen 
4 Schäften.

Trittanbindung 1


Ausgehend von dieser bekannten  Anbindung für solche Art Muster, kann man nun Schusseffekt und Ketteffekt unterschiedlich im Gewebe verteilen.
 
 

Ich habe für meine ersten drei Handtücher die hier abgebildete Trittanbindung 2 gewählt, die für mich neu war und mich daher neugierig machte.

Trittanbindung 2

 

Vorder- und Rückseite der Handtücher unterscheiden sich mal mehr, mal weniger voneinander, daher zeige ich jeweils beide Seiten.  

 

 Handtuch 1, Trittanbindung 2


Schussfarbe: Hellblau wie die Kette, oben und unten je 1 lilafarbener Streifen

 

Handtuch 2, Trittanbindung 2

 

Schussfarben: Grüntürkis mit Streifen in Lila und 3 gelbgrünen Farbtönen

 

Handtuch 3, Trittanbindung 2

Dieses Handtuch weist keinen Köpergrad auf, weil es mit gebrochener Trittfolge gewebt ist, nämlich 1 - 3 - 2 - 4 und 5 - 7  -6 - 8. Es hat dadurch eine etwas körnige Struktur.

 Schussfarben: Türkis und Grasgrün


Die folgenden drei Handtücher sind mit der Trittanbindung vom Typ 1 gewebt.

 
Handtuch 4, Trittanbindung 1

 Schussfarben: Ecru und Lila

 
 
 
Handtuch 5, Trittanbindung 1 
 
 

Das nächste Handtuch sollte farblich in Richtung Rot gehen.

Schussfarben: Verschiedene Rot- und Rosatöne, Goldgelb


 

Nach diesem Handtuch blieb nur noch wenig Kette übrig, der Rest reichte aber noch für eine letzte Farbspielerei mit den unterschiedlichsten Grüntönen aus meinem Vorrat.

 


 

 

Handtuch 6, Trittanbindung 1









Und mit 52 x 43 cm ist es ausreichend groß für ein Gästehandtuch.

 


Das erste Gewebe auf der neuen Lotta 8 ließ sich ohne Schwierigkeiten fertigstellen, aber durch die 6-schäftige Lotta bin ich nun verwöhnt, auf ihr webt es sich aber komfortabler, weil das Fach sich weiter öffnet. 



Bei dem neuen 8-Schäfter steht der Kontermarsch nicht so gut, die Kontermarschwippen sinken nach dem Lösen der Feststeller etwas ab und daraufhin verändert sich die Stellung der Querlatten. Man kann auf dem Bild gut erkennen, dass Heber und Senker nicht mehr in einer Ebene liegen. 

Als wir den Webstuhl bauten, waren wegen der Corona Pandemie die Baumärkte geschlossen und wir haben einfach vorhandenes Material benutzt. Die Querlatten sind daher aus leichterem Holz (Tanne/Fichte) als es bei der Lotta 6 der Fall ist. Daher werden wir bei nächster Gelegenheit die zu leichten Querlatten durch schwerere ersetzen und dann werde ich den nächsten Webversuch starten.

Nachtrag:  

Das Problem mit den Querlatten ist inzwischen gelöst. Wir haben nur die 8 Querlatten, die die Schäfte heben, also die Latten, die mit den oberen Wippen durch die langen Schnüre verbunden sind, ausgetauscht gegen Latten aus Buchenholz. Nun steht der Kontermarsch und das Weben macht richtig Spaß :-)