Mittwoch, 13. Mai 2020

Bauplan für einen kleinen Kontermarschwebstuhl


Ich wollte einen kleinen, handlichen Webstuhl haben, ausgerüstet mit Tritten, weil mir die Handhabung von Hebeln einfach zu langsam geht und mit Kontermarsch für eine gute Fachbildung.


Ich wusste, dass mir 6 Schäfte und Tritte reichen würden, da ich die einfacheren Bindungen bevorzuge. 
Ich mag sehr, sehr gerne die Klarheit der Leinenbindung, einfachen Köper und seine Abwandlungen und habe festgestellt, dass ich tatsächlich öfter 6-schäftige Muster webe als 8-schäftige.
Erfreulicherweise stehen mir einige andere Webstühle zur Verfügung, wenn ich eine höhere Schaftanzahl benötige.
Wer möchte, kann aber diesen Webstuhl auch als 8-Schäfter bauen. Die Tiefe des Webstuhls sollte dafür ausreichen. Es müssten die Seitenteile entsprechend verbreitert  und weitere Maße angepasst werden, um die zusätzlichen Wippen, Schäfte und Querschemel unterzubringen. Um die beiden fehlenden Tritte aufzunehmen reicht eine Verlängerung der Achse.



80 cm Webbreite reichten mir, erfahrungsgemäß ist das ein gutes Maß, wenn man gern Stoffe für Kleidung webt.
Desweiteren sollte mein neuer Webstuhl eine Hängelade haben, weil man einen besseren Blick auf den jeweils letzten Anschlag hat als mit einer Standlade und ich finde es einfacher, ein lockeres Gewebe mit einer leichten und schwingenden Lade zu erzielen. 

Die Kammlade sollte so gebaut sein, dass sie auch längere Kämme aufnehmen kann, so dass es möglich ist, Kämme von größeren Webstühlen mitbenutzen zu können.


Außerdem wollte ich gern einen eingebauten Reedekamm haben, ähnlich wie ich es von meinem kleinen Louet Webstuhl kenne. Es hat mir immer eingeleuchtet, dass es durch die Positionierung des Reedekamms unnötig ist, beim Bäumen die Schäfte zu entfernen.

Also haben mein Mann und ich uns ein paar Gedanken gemacht, wie das Ganze aussehen könnte und aus ein paar vorhandenen Materialien und zugekauftem Holz einen eigenen Webstuhl entworfen und gebaut, dem ich, nach meiner Großnichte, den Namen  Lotta gegeben habe.





Auf der Zeichnung und dem folgenden Foto kann man gut den Grundaufbau des Webstuhls erkennen, der aus drei Hauptteilen besteht.
Das Herzstück bildet ein Webrahmen mit seinen drehbaren Bäumen, den Streichbäumen und einem Verstärkunggsholz im hinteren Bereich.
Dieser Rahmen steht auf einem Unterteil mit Tritten, das auch die Querschemel aufnimmt und darauf aufgesetzt ist der Überbau mit dem Kontermarsch und den Aufnahmen für die Hängelade.




Der Rahmen

 

Im vorausgegangenen Blogbeitrag habe ich geschrieben, dass wir noch Holzteile für den Nachbau eines Kothe Nordia Tischwebstuhls im Keller hatten, und dass wir diese für den Bau des neuen Webstuhls genutzt haben.
Wer einen solchen Webstuhl hat und ihn umbauen möchte, kann sich einen Teil der Arbeit also sparen.


Nachbau des Kothe Nordia Tischwebstuhsl von Varpapuu

Der Rahmen setzt sich zusammen aus den zwei Seitenstücken, die man aber nicht unbedingt, wie hier geschehen, aus jeweils 3 Teilen zusammensetzen muss, sondern auch aus einem Brett sägen kann.


In die runden Löcher werden Kettbaum und Warenbaum gesteckt, oben werden die Streichbäume angeschraubt. Unter den Kettbaum wird noch eine Verstärkung in den gleichen Abmessungen wie die Streichbäume geschraubt. Diese Verstärkung befand sich ursprünglich auch unter dem Warenbaum, wir haben sie dort aber weggelassen, weil ich mit den Knien dort angestoßen wäre und wir den Webstuhl lieber niedrig halten wollten.


Material für den Rahmen
2 Seitenteile 
   im vorliegenden Fall sind die Endstücke 28 mm, das Mittelstück 20 mm stark
2 Streichbäume und
1 Verstärkungsholz je 40 x 30 x 860 mm
2 Bäume, Durchmesser 32 mm, Länge 940 mm, 
   mit 5 Bohrungen für die Anlängerschnüre 
   bei 100 - 285 - 470 - 655 - 840 mm 



2 Sperrklinkenräder mit  Handgriffen und Sperrhaken



Die Zahnräder hat seinerzeit ein Schreiner für uns angefertigt. Ich habe sie - wie den ganzen Rahmen - benutzt, weil ich sie noch hatte und weil sie sich bei unserem Kothe Nordia Nachbau bewährt hatten.
Man kann sich aber aus einem passenden Material wie Sperrholz, Hartholz, Metall oder auch Kunststoff durchaus selber, anders gestaltete Sperrklinkenräder und dazu passende Sperrhaken aussägen. Für den Post über den Bau eines Webrahmens  hat mein Mann die folgende Anleitung verfasst, die man natürlich auch nutzen kann, wenn das Rad ein wenig größer sein soll.

Wie erhalte ich die Kontur für ein Sperrklinkenrad?



Der Kreis könnte z.B. 100 mm groß sein und als Material würde sich 10 mm starkes Sperrholz eignen.


Wir haben die Zahnräder auf der rechten Seite montiert, links ist nur eine Platte angeschraubt, die den Baum am Herausfallen hindert. Der Griff ist ans Zahnrad geschraubt und dieses ist auf eine Verjüngung am Ende des Baum aufgesteckt und festgeleimt worden.



Die Zahnräder und ihre Sperrhaken sind so angebracht, dass Kette und Gewebe so aufgerollt werden,
dass man die Kettleisten beim Bäumen und beim Abdecken des Anlängerstabs und der Anlängerschnüre einfach von vorne einlegen kann, was ich wesentlich praktischer finde.


Das Bild veranschaulicht die Situation am Viktoria Webstuhl von Glimåkra, bei dem ich mir das abgeguckt habe.
Hier sieht man zudem eine preiswerte Alternative für Kettleisten. Ich kaufe alte Innenjalousien aus Holz, deren Lamellen ich auf die jeweils passende Länge für meine Webstühle schneide.



Das Unterteil des Webstuhls



Um eine gute Standfestigkeit zu gewähren, haben wir eine geschlossene Rahmenkonstruktion für den Unterbau gewählt, die im vorderen Bereich die Aufnahmen für die Tritte hat. Bei kleineren Webstühlen ist es wesentlich praktischer die Tritte vorne anzulenken, da das ganze Unterteil dann nicht so hoch gebaut werden muss.


Das linke Seitenteil ist hier bereits einfach von außen angeschraubt worden. Dieses Seitenteil hat im mittleren Bereich schon die Aufnahmen für die Achse der Querschemel, die dem rechten Seitenteil fehlen. Beide Seitenteile haben die aufgesetzte obere Leiste, sie dient als Träger für den eigentlichen Webrahmen.
In die oberen Ausschnitte der Seitenteile wird später der Kontermarschaufbau gesetzt.


Hier sind bereits die Tritte eingesetzt. Um die Achse dafür in den geschlossenen Rahmen zu setzen, hat das rechte Rahmenteil ein kleines Bohrloch, natürlich könnt ihr das Loch auch links oder an beiden Seiten anbringen. 
Die Achsen der Tritte und Seitenschemel haben am Ende je eine kleine Durchbohrung, in die ein Splint gesteckt wird, so dass sie nicht aus ihren Halterungen rutschen können.


Es hat sich gezeigt, dass sich die Tritte besser  treten lassen, wenn sie einen etwas größeren Abstand voneinander haben. Das ist in den Planzeichnungen bereits berücksichtigt. Dadurch sind die Einkerbungen der beiden mittleren Tritte, die auf den Fotos zu sehen sind, dann nicht mehr nötig.


Nun sind auch alle Querschemel auf die dafür vorgesehene Achse aufgefädelt.

Wenn man einen Webstuhl klein halten will, also auch niedrig, ist es sinnvoll, die Querschemel für Senkung und Hebung auf einer Ebene anzubringen, statt wie üblich übereinander.  Der Rita Webstuhl ist so gebaut und hat ein Fach, das sich sehr gut öffnen lässt. Auch der Kaorin kangaspuut und der Aktiv Webstuhl von Glimåkra haben diese Art der Anbringung der Querschemel.


Diese beiden Zeichnungen zeigen die Maße für die Querschemel und Tritte.
Wenn ihr andere Grundmaße für den Webstuhl nehmt, andere Holzstärken benutzt oder einen 8-Schäfter baut, ist es natürlich nötig alle Maße anzupassen, das gilt besonders für die Platzierung der Löcher für die Schnüre zwischen Querschemeln und Tritten und des mittleren Lochs in den Querschemeln.



Die Tritte für meinen 6-schäftigen Webstuhl haben 12 statt 6 Löcher. Das ist so eigentlich nicht üblich und war ursprünglich ein Versehen meines Mannes, der einfach von den 12 Querschemeln zu den Tritten runtergelotet hat und alles mit Bohrungen versehen hatte, bevor ich Zeit hatte, einen Blick darauf zu werfen. Tatsächlich habe ich dann festgestellt, dass es enorm praktisch ist, für jeden der Querschemel das passende Loch zu haben, man kann so viel einfacher abzählen beim Anknoten. Die Schnüre vom Schemel Nr. 1 kommen immer ins 1. Loch, von Nr. 2 ins 2. Loch , von Nr. 3 ins 3. Loch usw. Man kommt nicht so leicht durcheinander als wenn man die beiden Querschemel von Schaft 1 mit der ersten Lochreihe verbinden müsste.



Material für das Unterteil
4 Kanthölzer für den Grundrahmen
2 Seitenteile
2 kleine Holzleisten, die den Grundrahmen tragen
2 Aufnahmen für die Achse der Querschemel
12 Querschemel aus Buchenholz
3  Aufnahmen für die Achse der Tritte
6 Tritte aus Buchenholz
je 1 Achse aus 8 mm Rundstahl für die Tritte und die Querschemel
4 passende Splinte 



Der Überbau mit Kontermarsch und Hängelade

 


Der Überbau besteht im Wesentlichen aus 2 Seitenteilen, die in den Ausschnitt der unteren Seitenteile gesetzt und wie diese am Rahmen verschraubt werden. Anders als auf dem Foto sollte auch der Unterbau mit 2 Schrauben befestigt werden, uns fehlte zum Zeitpunkt der Aufnahme noch die passende Größe.


Im oberen Bereich werden die Seitenteile hinten und vorne durch ein Brett verbunden, diese Konstruktion bildet den Kasten für den Kontermarsch. Den Bau eines Kontermarsch habe ich in einem früheren Blogpost schon einmal ausführlicher behandelt.


Auf den Seitenteilen ist hochkant je in Brett angebracht, das nach vorne herausragt, und an dem seitlich, innen, die Aufnahmen für die Hängelade angebracht sind. Der kleine Überstand vor dem Kerbenblock für die Hängelade soll noch für eine LED-Lichtleiste genutzt werden.


Diese Zeichnung zeigt u.a. die Bemaßung der 12 Kontermarschwippen und insgesamt 12 Schaftlatten.
Die Kontermarschwippen haben jeweils eine Bohrung in der Mitte für die Achse der Wippen und eine an der äußeren Seite für die Feststeller.  Die Mittelachse haben wir fest eingebaut, die Feststeller kann man einfach einstecken und rausnehmen.
Die Schaftlatten  haben Löcher an ihren Außenkanten, hier kann man während des Litzeneinzugs Schaftnadeln einsetzen und später eine Fadensicherung einziehen, damit die Litzen seitlich nicht abrutschen. 
Die oberen Schaftlatten werden bei mir noch kleine Hakenschrauben bekommen, in die ich die Texsolvschnur, die von den äußeren Wippen kommt, einhaken kann. Momentan habe ich die Schnur einfach in die Löcher gefädelt, das ist auf die Dauer aber nicht so praktisch, wenn man die Litzenmenge oder auch die Höhe der Schäfte verändern will.
Ich verwende übrigens in diesem Webstuhl Texsolv Litzen 280/12.




Die unteren Schaftlatten haben ein längsgehendes Mittelloch, das die Schnur aufnimmt, die von der Mitte der Wippen ausgeht.


Die seitlich angebrachten Aufnahmen für die Hängelade sollten aus Hartholz sein, hier ist es Buche,  sie haben mehrere Vertiefungen, so dass es möglich ist, weiter nach vorne oder hinten zu hängen. 

Für eine Höhenverstellung haben wir nichts vorgesehen, deshalb rate ich dazu, zu prüfen, ob ein gespannter Faden, der über die Streichbäume läuft, mittig durch den Kamm kommt und danach, die genaue Stelle für die seitlichen Aufhängungen der Kammlade oder alternativ den Platz für das Kerbenblöckchen zu bestimmen.


Auch die Schwingarme der Lade sind aus Buchenholz gesägt, die Aufhängungen aus Metall gefertigt.



Mein Mann hat dafür ein Stück einer 8 mm starken Gewindestange in das Holz eingesetzt und auf den überstehenden Teil einen Rohrabschnitt mit einem Durchmesser von 10 mm geschoben.



Es ist wichtig, dass die Lade wirklich senkrecht hängt, damit kein schiefes Gewebe entsteht, darum sollte hier sehr sorgfältig gearbeitet werden.



Auf dem oberen Bild kann man sehen, dass es bei der Konstruktion der Lade möglich ist, auch längere Kämme zu nutzen. Das ist sehr praktisch und leider ist das nicht bei allen kleinen Webstühlen der Fall.


Hier sieht man die Kammlade von hinten. Oben haben die senkrechten Teile ein Langloch, damit man die Kämme gut einsetzen kann. An dieser Stelle wäre es sinnvoll, eine Flügelmutter anzubringen, damit man dafür kein Werkzeug braucht, wir hatten leider keine passende zur Hand und werden auch das natürlich nachrüsten.


So sieht das Ganze von der Seite aus.


Weil Kämme durchaus unterschiedlich dicke Bünde haben, ist es sinnvoll, die Nuten, in die der Kamm geklemmt wird, anzuschrägen, so passen alle Größen hinein. 



Nun fehlt noch der Reedekamm, der auf der hinteren Querleiste des Kontermarschkastens sitzt.



Weil ich den relativ kurzen Reedekamm auch bei meinen anderen kleinen Webstühlen einsetzen wollte, haben wir ihn abnehmbar gemacht. Er wird einfach auf einen, in den Kontermarschkasten eingesetzten Stift gesetzt, der auch den Deckel hält.
Der Kamm selbst besteht aus einer Leiste, die im Abstand von 1 cm mit kleinen Metallstiften bestückt ist, die 30 mm hoch herausragen. Auch wenn man kleine Nägel nimmt, sollten die Löcher für die Stifte vorgebohrt werden, da das Holz sonst zu leicht reißt. Wir haben die Stifte zusammen  mit einem Tropfen Holzleim eingetzt.
Die Leisten, die wir benutzt haben sind nut 10 mm stark, ich würde mittlerweile die untere etwas höher machen, um so den Reedekamm höher zu setzen, damit sich die Kettfäden nicht mit den Steckern in den Wippen verheddern können. Der Deckel, den man vorne sieht, hat einfach einen Längsschnitt bekommen. 


Material für den Überbau und die Lade
2 Seitenteile
2 Querhölzer für den Kontermarschrahmen, Buchenholz
12 Kontermarschwippen
2 Achsen für die Kontermarschwippen aus 8 mm Rundstahl
2 Feststeller, z.B. aus 6 mm Rundstahl 
12 Schaftlatten aus leichtem Holz (Fichte, Kiefer)
2  Aufnahmen für die Hängelade, Buchenholz
2 Seitenteile für die Hängelade, Buchenholz
2 Hölzer für die Kammaufnahme der Hängelade
2  Gewindestangen, 8 mm Durchmesser, 49 lang
2  Metallhülsen, 10 mm, 20 mm lang



Zum Webstuhl braucht man nun natürlich noch eine passende Bank.




Ich bin 1,70 m groß und komme mit der gezeigten Höheneinstellung gut klar. Für größere und kleinere Menschen ist die Bankhöhe leicht verstellbar.


Dazu müssen nur die beiden Schlossschrauben entfernt werden, dann werden die Rundhölzer in der gewünschte Höhe eingeschoben und wieder befestigt.



Die meisten Teile des Webstuhls sind aus Nadelholz gebaut.
Damit der Kontermarsch gut funktioniert, ist es wichtig, dass die Schäfte nicht zu schwer sind. Die Wippen, Querschemel und Tritte sind aus dem schwereren Buchenholz, die Schaftlatten aus leichtem Nadelholz.
Bei unserem Prototyp waren die Schaftleisten auch aus Buche und dadurch so schwer, dass die Kontermarschwippen nicht in Waage blieben sondern absackten, nachdem ich die Feststeller der Wippen gezogen hatte. Nach der Materialänderung für die Schaftlatten steht der Kontermarsch auch, ohne dass überhaupt eine Kette aufgezogen ist.  Ich weiß, dass in manchen Fällen nur die Kette dafür sorgt, dass die Wippen nicht zu tief fallen, was für die Kette selbst aber eine unnötige Belastung darstellt.
Für die Seitenteile der Kammlade haben wir auch Buchenholz genommen, weil wir hoffen, dass es sich nicht so leicht verzieht.

Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, jede einzelne Schraube anzugeben und hoffe, dass sich keine Meßfehler eingeschlichen haben. 
Die Angaben beschreiben meinen Webstuhl und kleine Änderungen an einer Stelle können weitere nach sich ziehen. Darum empfehle ich, meinen Angaben nicht blind zu folgen, sondern stets den eigenen Bau im Auge zu behalten.
Wer noch Fragen hat, kann mich gern per E-Mail kontaktieren, meine Mailadresse findet ihr im Impressum.

In meinem nächsten Blogpost zeige ich, wie ich die Verschnürung des Webstuhls mache, eine Kette aufziehe und webe.



Donnerstag, 30. April 2020

Kleine Trittwebstühle


Ich bekomme immer wieder Anfragen von Bloglesern zu Webstühlen, die gebraucht angeboten werden.  In dem Zusammenhang habe ich oft mit den Fragestellern die Vor- und Nachteile verschiedener Webstuhltypen erörtert. Tatsächlich interessieren sich die meisten für die kleineren Modelle, teils aus Platzmangel, einige aber auch, weil sie als Anfänger vor einem großen Webgerät eher zurückschrecken.
Ich habe mittlerweile auf vielen verschiedenen Webstühlen gewebt und dabei meine Vorlieben ganz gut kennengelernt und entsprechend subjektiv fällt natürlich meine Beratung aus.

Mein erster Webstuhl war der Glimåkra Ideal mit 1 m Webbreite. Ich habe ihn etwa 1980 nach einem einwöchigen Webkurs zusammen mit einem waagerechten  Kontermarsch  gekauft. Das alte Foto zeigt ihn ein Jahr später in meinem ersten Webzimmer, das so klein war, dass man gerade mal um ihn herumgehen konnte.


Der Ideal  hat eine Hängelade, die ich vor allem deswegen einer Standlade vorziehe, weil ich einen besseren Blick auf die fell line, also den jeweils zuletzt eingelegten Schuss habe. Eine Standlade verdeckt oder verschattet diese Stelle 
Dieser Webstuhl wurde üblicherweise mit 4 Schäften und 6 Tritten verkauft, ich habe meinen aber sehr bald mit zusätzlichen Querschemeln und Tritten auf 8 Schäfte aufgerüstet. Mein Kontermarsch war seinerzeit sogar mit je 10 Wippen geliefert worden, die zusätzlichen Querschemel passen ohne Umbau auf die vorgesehenen Achsen. Die Achse für die Tritte muss nur etwas verlängert werden, um je einen der neuen Tritte außen rechts und links aufzuschieben..
Mit Texsolv Litzen 280/12 funktioniert das  8-schäftige Weben einwandfrei.

Ein Nachteil dieses Webstuhs ist es, dass man nicht - wie bei den größeren Glimåkra Standard Modellen - für die Trittverschnürung von hinten in ihn einsteigen kann. Ich mache die Verschnürung mittlerweile von vorne, nachdem ich Brustbaum und Kniebaum vorübergehend entfernt habe.

Der Webstuhl ist recht kompakt gebaut und immerhin so stabil, dass ich auch Flickenteppiche darauf weben konnte. Er benötigt nicht viel Standfläche mit 128 x 117 cm. Durch seine Höhe von 1,55 m wirkt er aber dennoch raumgreifender als ein wirklich "kleiner" Webstuhl.




Ein später entwickelter Webstuhl, die Julia, heute noch bei GAV-Glimåkra erhältlich, ist da mit einer Standfläche von 80 x 78 cm und einer Höhe von 130 cm schon wesentlich kleiner, allerdings hat er auch nur eine Webbreite von 67 cm. 
Das Bild zeigt eine ältere Ausführung dieses Webstuhls außerdem mit Rollenzug, die Julia ist aber auch als  8-schäftiger Kontermarschwebstuhl zu bekommen.

Ich bevorzuge absolut das Weben mit Kontermarschwebstühlen. Die Tatsache, dass das Einrichten des Webstuhls etwas länger dauert, da Querschemel sowohl für die Hebung als auch für die Senkung vorhanden sind und so die doppelte Anzahl an Verschnürungen gemacht werden muss, zahlt sich beim Weben aus, durch ein nicht schief ziehendes, gutes und großes Fach. Dazu kommt, dass es Bindungen gibt, die für Rollenzugwebstühle nicht geeignet sind.

Tatsächlich habe ich erst in Schweden, in der vävstuga an unserem schwedischen Wohnsitz in Virserum,  das Weben mit Rollenzugwebstühlen kennengelernt.



Mittlerweile habe ich mehrere kleine Rollenzugwebstühle vom Typ Göta-Webstuhl und webe auch ganz gerne darauf, da die Probleme, die bei dieser Art der Schaftaushebung entstehen können, bei kleineren Webbreiten besser beherrschbar sind.

Typisch für den Göta-Webstuhl von Inga Askling und den baugleichen Anne-Webstuhl von Glimåkra ist die Hinterseite, dort fehlen sowohl die Beine als auch ein Streichbaum. 
Letzteres hat mich bisher nicht so gestört, da ich nie lange Ketten auf diesem Webstuhl verwebe und die fehlenden Beine haben wir einfach nachgerüstet. 
Ursprünglich sollte der Webstuhl einfach an einem Tisch oder einer Fensterbank befestigt werden, das verleiht ihm auch eine bessere Stabilität. Man konnte aber auch einen kompletten Unterbau inklusive Bank zukaufen. Hier gibt es mehr Informationen zu diesen Webstühlen.
Beide Webstühle sind in den Webbreiten 60 und 90 cm gebaut worden. Allerdings haben die kleineren Webstühle keine Querschemel, was ich als Nachteil sehe, sie lassen sich aber recht einfach nachrüsten.  Hier kann man sehen, wie wir es gemacht haben.



Es gibt oder gab eine Reihe kleiner Kontermarschwebstühle auf dem Markt. Ein tolles Modell war die Rita, ein kleiner, klappbarer Webstuhl, den die finnische Firma Varpapuu seinerzeit unter verschiedenen Namen  auch  in Lizenz für diverse schwedische Firmen gebaut hat, u.a. für Bergå Garn. 
Typisch ist die Anordung der Querschemel, die Senker und Heber sind nicht untereinander angeordnet sondern liegen alternierend auf einer Ebene.  

Heute stellt Rudi Künzl den Webstuhl noch her, der bei ihm Mora heißt.
Der kleine Webstuhl hat 4 Schäfte und 6 Tritte und ist mit aufgezogener Kette zusammenklappbar. Die Webbreite beträgt 80 cm, die benötigte Stellfläche 110 x 115 cm, bei einer Höhe von 130 cm
.



In den neunziger Jahren habe ich zusammen mit ein paar Freundinnen den Rita-Webstuhl in etwas abgewandelter Form nachgebaut. Unser Modell hat 8 Schäfte und Tritte, auf dem Bild oben werden gerade jeweils 6 davon genutzt. Ich habe meinen Rita-Nachbau in Schweden stehen und er funktioniert immer noch einwandfrei und ist laufend in Betrieb.

Für viele scheint es interessant zu sein, dass ein Webstuhl klappbar ist. Ich habe diese Möglichkeit eigentlich nie genutzt. Einerseits finde ich, dass ein kleiner Webstuhl kaum Raum einnimmt und dazu noch hübsch anzusehen ist. Ein zusammengeklappter braucht auch seinen Platz, muss ev. irgendwo hingelehnt werden, da nicht alle von selber stehen können und ist in dieser Form kaum ein Schmuckstück. Dazu kommt, dass es gar nicht so einfach ist und nicht mal eben so schnell geht, einen Webstuhl zusammenzuklappen und schon mal gar nicht mit aufgezogener Kette. Man sollte auch daran denken, dass die Klappbarkeit mit einer gewissen Instabilität einhergehen kann. 
Aus meiner Sicht ist die Möglichkeit, einen Webstuhl zusmmenklappen zu können vor allem für jene interessant, die Webvorführungen bei Ausstellungen oder auf Märkten machen, also das Webgerät mit dem PKW transportieren müssen.

In Finnland wird der Kaori Webstuhl hergestellt, ein kleiner Kontermarschwebstuhl, den ich vor drei Jahren in Växjö auf der Webmesse gesehen habe. Er kann auf 8 Schäfte ausgebaut werden, hat aber nur eine Webbreite von 60 cm. Er ähnelt im Aufbau der Rita, hat aber statt der von mir bevorzugten Hängelade eine Standlade.
Auf der Website der Firma ist der Link zu einem Film, der das Zusammenklappen des Webstuhls zeigt, da kann man gut sehen, wieviele Schritte nötig sind, um das zu bewerkstelligen, immerhin kann er im zusammengeklappten Zustand selber stehen und durch seine Rollen recht einfach transportiert werden.


Eine Hängelade hatte der kleine klappbare Kontermarschwebstuhl Nr. 9 der dänischen Firma Lervad, die es zwar nicht mehr gibt, die Webstühle tauchen aber bei Ebay und Co. immer mal wieder auf.

Fotos aus meinem alten Lervad Katalog

Diesem Webstuhl sieht man an, dass er eine Weiterentwicklung eines Tischwebstuhls ist. Der typische Webrahmen hat ein Untergestell bekommen und einen Überbau, der hier nicht mit Hebeln bestückt ist sondern den Kontermarsch beherbergt. Was mir an diesem Webstuhl nicht so gut gefällt ist die Tatsache, dass er keine Streichbäume hat sondern nur Kett- und Warenbaum, die im Verlauf des Webens ja ihren Umfang ändern und somit die Höhe des Fach beeinflussen. 
Ich habe nie auf diesem Webstuhl gewebt, er hat mir aber optisch immer sehr gut gefallen.



Etliche kleine Trittwebstühle waren ursprünglich Tischwebstühle mit Hebelmechanismen. Durch den Kauf eines entsprechenden Untergestells konnten sie auf einfache Art zu Webstühlen mit 4 Tritten und Direktanbindung  umgebaut werden. Oben ein Bild meines alten W70 von Louet mit selbstgebautem Untergestell. Auch dazu gibt es einen Blogbeitrag.


Für den Victoria-Webstuhl, der heute noch von GAV-Glimåkra hergestellt wird, ist ein Untergestell erhältlich, das mit 4 Tritten und Querschemeln ausgerüstet werden kann, so dass man mehrere Schäfte mit einem Tritt verbinden kann und nicht - wie bei der Direktanbindung - für die Musterbildung zwei oder mehrere Tritte gleichzeitig treten muss.

Nachtrag März 2025

Mittlerweile habe ich meinen 8-schäftigen Victoria-Webstuhl zum Trittwebstuhl mit 8 Tritten umgebaut. Die Umbauanleitung gibt es in diesem Blogbeitrag: 

https://strick17.blogspot.com/2025/03/umbau-des-victoria-tischwebstuhls-zum-8.html



Foto aus einem älteren Glimåkra Katalog
 
 
Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es auch für den Kothe Nordia Tischwebstuhl der finnischen Firma Varpapuu einen Umbausatz mit Tritten gab. Ein Untergestell konnte man auf jeden Fall kaufen.
Meinem Nachbau des Kothe Nordia aus den frühen 80er Jahren habe ich ein einfaches X-förmiges Untergestell ohne Tritte verpasst, das zwar schnell zu bauen war aber auch ein bißchen wackelig ist.



Seinerzeit hatte ich zwei Freundinnen dafür begeistern können, sich auch einen solchen Webstuhl zu bauen und zu dritt sind wir dann ans Werk gegangen. Bei der gemeinsamen Materialbeschaffung hatten wir Holz für eine weitere Interessentin mitbesorgt, die aber zu dem Zeitpunkt nicht mitbauen konnte. Tatsächlich ist sie nie dazu gekommen ihren Webstuhl zusammenzubauen und ich hatte nun über 30 Jahre lang die Bauteile in unserem Keller liegen.

Insgesamt hatte ich drei Tischwebstühle, den Louet W70 und den Kothe Nordia-Nachbau mit 4 Schäften, sowie den Victoria mit 8 Schäften, aber mit der Hebeltechnik konnte ich mich nie anfreunden. Es geht mir zu langsam vonstatten und man muss sich enorm konzentrieren, da man ja für jeden Schuss die richtigen Schäfte immer wieder einzeln auslesen muss. Mir hat das auf die Dauer keinen Spaß gemacht und ich finde diese Technik vor allem interessant, wenn man Proben und Mustersammlungen macht.

Also sind mittlerweile der Louet und die Victoria mit Tritten ausgerüstet und nur der Kothe Nordia hat noch seine Hebel behalten. Lange habe ich darüber nachgedacht, auch ihn umzubauen aber dann ist mir eingefallen, dass ich ja noch das zugeschnittenes Holz für den damals geplanten 4. Webstuhl irgendwo im Keller liegen hatte und dass es doch möglich sein müsste, aus diesen Teilen einen kleinen Kontermarschwebstuhl nach eigen Wünschen und Plänen zu bauen.



Und so sieht unser Selbstgebauter aus.


In meinem nächsten Post werde ich ihn genauer beschreiben und die Baupläne veröffentlichen.




Nach einem ersten Probegewebe und einigen kleinen Veränderungen, arbeite ich jetzt an meiner zweiten Kette und bin richtig glücklich mit meinem neuen kleinen, gemütlichen Webstuhl.



Nachtrag Februar 2024:

 https://strick17.blogspot.com/2024/02/glimakra-webstuhl-im-miniformat.html




Montag, 30. März 2020

Clasped Weft oder Meet and Separate


Schon Ende Dezember habe ich den Beginn dieses Gewebes gepostet.
Es sollte ein Schal in der Clasped-Weft-Technik entstehen, teils auch Meet and Separate genannt, nur ein deutsches Wort für diese Technik ist mir leider wieder einmal unbekannt. Die Schweden sagen Mötas och Skiljas dazu, vielleicht sollten wir die Technik auch einfach Treffen und Trennen nennen?
In Kette und Schuss hatte ich Baumwolle 16/2. In der Kette waren die Fäden doppelt in einen 60/10 Kamm eingezogen, Bedingt durch die Clasped-Weft-Technik liegt der Faden im Schuss schließlich auch doppelt.


Begonnen hatte ich mit schmalen Streifen auf der grünen Seite des Gewebes



Nach der halben Schallänge habe ich das Streifenmuster auf die türkisfarbene Seite verlegt und dabei auch die Streifenbreite verdoppelt.


Hier sieht man den Schussvorgang, während ich die breiten Streifen webe. Das aktive Schiffchen ist mit dem grünen Faden geladen und wird von der Uniseite aus, also von rechts nach links geworfen, umfängt am linken Rand den dunkel-türkisfarbenen Faden und wird im gleichen Fach zurückgeschossen. Ist der dunkle Streifen fertiggewebt, zieht man den hell-türkisfarbenen Faden ins Gewebe.


Um leichter die beiden Schussfarben der Streifenhälften aufnehmen zu können, habe ich die Garne aufgespult, auch in Schiffchen eingelegt und auf eine Ablage neben dem Webrahmen gelegt.


So kann der jeweilige Faden leicht und ohne sich zu verheddern vom aktiven Schiffchen  aufgenommen werden und leicht abrollen, während der Schuss der einfarbigen Seite ihn durchs Gewebe zieht.


Hier sieht man die Situation an der Trennlinie, während ich die schmalen Streifen gewebt habe.
Nun ist der aktive Schussfaden türkis und wird von links nach rechts geführt. Die Schiffchen mit den beiden Streifenfarben stehen auf der rechten Seite.


Nach dem Weben kommt wie immer erst das Fransenknoten.


So sieht es aus, als hätte ich zwei Schals gewebt :-) 


Aber hier wird klar, dass es sich um ein Teil handelt.


Dadurch dass ich den Mittelstreifen jeweils in der Farbe der Uniseite gewebt habe, ergeben sich dort unterschiedliche Farbeindrücke, das gefällt mir recht gut.



Der fertige Schal ist 30 cm breit und 176 cm lang.

Samstag, 29. Februar 2020

Das blaue Wunder


Obwohl Niedersachsens Hauptstadt nur 100 km von unserem Wohnort entfernt liegt, habe ich es erst ganz zum Schluss geschafft, mir die Wanderaustellung Das blaue Wunder in der Handwerksform Hannover anzusehen.


41 Handweberinnen, 3 Handweber und 4 soziale Webereien zeigten eine eindrucksvolle Fülle von Exponaten, gewebt in den verschiedensten Techniken, geeint durch die Farbe BLAU
Organisiert worden war die Ausstellung vom Verein Weben Plus
Leider waren die einzelnen Stücke schlecht zu fotografieren, da sie meist durch sehr helle, gerichtete Spots beleuchtet waren, die starke Schatten warfen. Ich kann dadurch nur einige wenige Fotos zeigen, die aber alle leider auch keine gute Qualität und Farbtreue aufweisen.


Dieses grafisch gestaltete Damastgewebe von Beate Stürmer zierte schon den Einladungsflyer.


Ausschnitt eines Gewebes von Anneliese Lauf.


 Die interessante Musterung des Kissens von Silke Schnau


 ist besser im Detailbild zu erkennen.


Doris Arendholz zeigte ein sehr dekoratives und spannend strukturiertes Gewebe aus Papiergarn.


Die verschiedensten Blautöne finden sich in Annette Borgwardts doppelgewebtem Kissen wieder.


Auch die subtilen Farbschattierungen der warmen, weichen Wolldecke von Kari Bottke 
sind am Besten in der Detailaufnahme zu sehen.


Von Cornelia Feyll stammen diese außerordentlich dekorativen, gewebten Mobilés.


Sehr gut gefielen mir die Ikatschals von Eva Götze und Wolfgang Weckwarth.


Besonders der rechte Schal, Fuzzy Blue, hat mich beeindruckt.
In der Arbeitsbeschreibung, die zu fast allen Geweben in einem ausgestellten Buch zusammengefasst war, das in der Ausstellung auslag, war dazu Folgendes zu lesen:

"Bordüre Kettikat.
Kette und Schuss sind in nur einem Färbegang gefärbt. 
Blauschattierungen entstehen durch Farbverflechtungen.
Mit nur einem Schussfaden gewebt, in dem das Muster für die gesamte Schallänge vor dem Fäben abgebunden wurde." 
Das Material ist 100 % Seide Grège.

In der Großaufnahme, die ich eigentlich nur gemacht hatte, um den Namen zuordnen zu können, kann man das Gewebe des Schals von Wolfgang Weckwarth etwas genauer sehen.


Der Schal war für mich das Highlight der Ausstellung aber direkt gefolgt von dem großartigen Bildgewebe von Luise Kröger, das das Thema der Ausstellung nun wirklich trifft.


Dieser kleine Einführungsfilm des Handwerforums Hannover  gibt noch mal einen Eindruck der Ausstellung, auch hier ist zu sehen, wie schwierig die Lichtverhältnisse für Fotografie und Film waren.