Donnerstag, 26. Dezember 2013

Kontermarsch-Bauplan


Mein 135 cm breiter Glimåkra Standard Webstuhl, den ich mir im Sommer aus Schweden mitgebracht habe, war mit einem Rollenzug ausgestattet, wie es dort üblich ist. 
Mein erstes Gewebe, die Baumtücher habe ich auch mit diesem Schafthebemechnismus gewebt und auch in der Vävstuga in Virserum sind die meisten Webstühle mit Rollenzug ausgestattet, dadurch habe ich mittlerweile etwas Praxis in dieser Technik des Webens entwickelt, dennoch gefällt mir das Arbeiten mit der Kontermarsch besser.

Mein alter Webstuhl, ein Glimåkra Ideal hat eine waagerechte 8-schäftige Kontermarschausrüstung, dadurch bin ich wohl einfach etwas verwöhnt. Ich finde, dass sich ein Kontermarschwebstuhl  leichter treten lässt, das Fach wird größer und das ganze Geschirr steht einfach besser. Als Nachteil wird oft angeführt, dass man die doppelte Anzahl Verknüpfungen erstellen muss, da ein Kontermarschwebstuhl die doppelte Anzahl Querschemel hat. Sind diese übereinander angeordnet, bewirken die oberen Querschemel die Senkung, die unteren dagegen die Hebung. Die Knoterei läßt sich aber in einem großen Webstuhl wie dem Standard sehr bequem machen und daher stört mich diese kleine Mehrarbeit am Anfang nicht, sie wird durch die Vorteile beim späteren Weben völlig aufgewogen.
Es war also klar, dass der Rollenzug durch einen Kontermarsch ersetzt weren würde. 
Weil ich gute Erfahrungen damit gemacht hatte, sollte es wieder die waagerechte Variante werden.



Für 135 cm breite Webstühle wird momentan keine Kontermarscheinrichtung mehr angeboten. Die Firma GAV,  Nachfolgerin von Glimåkra, stellt zur Zeit nur noch Webstühle mit den Webbreiten 120, 150 und 160 cm her. Vom nächsten Jahr an, wird sogar der kleinere Webstuhl Ideal aus dem Programm genommen und durch einen Standard mit 
100 cm Webbreite ersetzt.
Ein Kontermarschzusatz für den Webstuhl mit 135 cm Webbreite ist also nicht lieferbar und es bleibt nur der Selbstbau. Das bot mir zusätzlich die Möglichkeit den Kontermarsch mit 12 statt 10 Wippen auszurüsten, so dass 12-schäftiges Weben möglich wird.


Für den Kontermarschkasten werden 2 Querhölzer benötigt, die über die gesamte Webstuhlbreite gehen, beim 135er Standard müssen sie eine Länge von 144 cm haben. 
Die Wippen, in meinem Fall insgesamt 24 Stück, sind je 50 cm lang, alle Maße sind in der Zeichnung dargestellt.



Die Wippen hat mein Mann aus zwei stabverleimten Buchenbrettern gesägt, die jeweils 100 x 30 cm groß waren.  
Als Mittelachse dient ein Edelstahlrohr, die Bohrungen für die Schaftaufhängung sind schon gemacht, es fehlen hier noch die seitlichen Bohrungen für die Arretierungsstangen.


Zwischen die einzelnen Wippen haben wir jeweils eine U-Scheibe aus Polyamid gelegt, um die Reibung bei der Bewegung zu verringern.


Nachdem die Wippen mit den Querhölzern durch die beiden Rohre verbunden waren, wurden diese auf Länge gesägt und mein Mann hat in die Enden Gewinde für Schrauben mit Senkköpfen eingeschnitten.


Hier sind die Arretierungsstangen eingesetzt. Im Lieferumfang meines Ideal-Webstuhls war eine Lehre, die bei der Höheneinstellung der Querlatten helfen sollte. Sie besteht aus zwei Hölzern mit Löchern, durch die Eisenstäbe gesteckt werden können. Die Hölzer werden jeweils vor und hinter die Latten gestellt und beigelegte Eisenstäbe werden durch das erste Holz, entsprechende Bohrungen in den Latten und dann das zweite Holz gesteckt. 


Diese Lehre habe ich nur anfangs benutzt, die Eisenstäbe kann ich jetzt aber gut zum Arretieren der Wippen gebrauchen. Material und Ausführung entsprechen den Feststellern für meinen Ideal-Kontermarschwebstuhl, nur sind diese Stäbe um einiges länger und daher gut passend.


Die mittleren Schnüre, die die Kontermarschwippen miteinander verbinden und an die unteren Querhölzer, geknotet werden, sind schon angebracht, nun müssen die Wippen rechts und links noch mit den Schäften verbunden werden.


In die oberen Schaftlatten haben wir kleine Haken eingeschraubt, so lassen sich die Schäfte einfach in der Höhe verstellen und auch sehr leicht und schnell ganz entfernen.


Die Verschnürung für mein vierschäftiges Köpergewebe ist fertig.
Beim Kontermarschwebstuhl ist es wichtig, dass die Gewichte von Schäften, Querschemeln und Tritten aufeinander abgestimmt sind, um sich gegenseitig in Waage zu halten. Um die Gewichte besser auszugleichen, sind daher heutzutage die unteren Querschemel, die die Schäfte heben, etwas länger als die oberen. Wie man sieht, haben meine Querhölzer aber alle die gleiche Länge.

Ich hatte im letzen Herbst in Schweden einen weiteren 135er Standard mit 8 Schäften und Tritten gekauft. Mit 500 Kronen, umgerechnet etwa 55 Euro war der ganze Webstuhl so preiswert, dass ich dafür lange nicht das Holz bekommen hätte, um mir die benötigten zusätzlichen Schäfte, Tritte und Querschemel für den 12-schäftigen Kontermarschwebstuhl selbst zu bauen.
Im Preis inbegriffen war sogar die passende Webbank, die mir bei meinen großen Webstuhl, der ja ein Geschenk war, gefehlt hatte. Wir haben also diesen "neuen" Webstuhl als Ersatzteillager genutzt. 
Ein Sperrklinkenrad ging an die vävstuga, um dort ein audgeschlagenes Exemplar zu ersetzen. 
Einen Streichbaum hat mein Mann der Länge nach zersägt, um daraus die Querhölzer der Überlage zu bauen. In der Länge paßte er ja perfekt. 
Ich habe jetzt ausreichend Tritte und Schaftlatten, mit denen ich auch noch meinen 120er Standard erweitern kann und insgesamt 18 Querschemel, so dass ich momentan immerhin schon 9-schäftig weben könnte. 
Aber diese Querhölzer sind natürlich alle vom kürzeren Typ.
Da nun gleichermaßen für Hebung und Senkung die kurzen Querhölzer eingebaut sind, habe ich eigentlich erwartet, dass ich die untere Lage etwas beschweren muss, tatsächlich war das aber zumindest bei diesem ersten 4-schäftigen Gewebe überhaupt nicht nötig. 
Nach dem Lösen der Kontermarscharretierung, blieben die Schäfte gut stehen, genauso, wie ich es bei meinem Ideal gewohnt war, ich hatte sofort ein reines, großes Fach und konnte ohne Justierungen losweben.







Kommentare:

  1. Last autumn I bought a used loom Glimåkra Standard 120 cm, which is a counterbalance. Unfortunately, it was not included pulleys to eight shafts. After some thought I decided to make them into countermarche, so your post is very useful for me - an unexpected, nice Christmas gift ;-). Thank you and best regards, Maliz!

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    1. Cool, that you can make use of the construction plan.
      You should know, that the wooden jacks in the countermarch frame are the same size in the 120 cm Standard as in the 135 cm loom.
      Good luck!
      maliz

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    2. That's great news, thank you :-D

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  2. Danke für diese Anleitung. Mit dem Thema hatte ich mich bisher nur am Rande beschäftigt. Brauchte ich bisher beim Handhebelwebstuhl ja nicht.
    LG Ate

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  3. Hallo Marlies,

    gelobt sei ein Mann mit einer Werkstatt und ohne 2 "linken Hände", der dann auch noch über Lust und Zeit verfügt !!!

    Viele Grüße ( auch von Andreas - z.Z. als Holzfäller im Wald unterwegs )

    Marianne

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  4. Hallo Marlies,

    mir ist gerade ein ganzer Weihnachtsbaum aufgegangen, vielen , vielen Dank! Nach dem Aufbauen unseres Webstuhls hatten wir zwei Latten übrig und uns war nie klar, wofür! Es sind die von dir beschriebenen Teile zum Einstellen der Querhölzer. Werde ich beim Tritte anbinden auf jeden Fall mal ausprobieren...

    LG, Géraldine

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    1. Freut mich, dass euch dieser Beitrag helfen konnte.
      Da die beiden Hölzer nur anfangs den Webstühlen beigelegt wurden, wissen viele, die Second Hand ohne Anleitung gekauft haben, nicht, wozu die Dinger dienen. Bei Ravelry gibt es immer wieder Anfragen dazu an die Community.

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  5. Vielen Dank für die Tolle Anleitung !

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