Samstag, 8. März 2014

Bauplan für einen Webrahmen mit Gatterkamm

In der 9. oder 10. Klasse, so genau weiß ich das nicht mehr, haben wir im Handarbeitsunterricht an Kircher Webrahmen gewebt. Damals war ich an einer Mädchenrealschule in Wuppertal, es sollte ein Wollstoff gewebt werden, aus dem wir uns nach Fertigstellung einen engen Rock nähen sollten. 
Wir webten mit einfachem Strickgarn, Nadelstärke etwa 3, ich vermute daher, dass wir einen 40/10 Gatterkamm hatten, die Rahmen waren wahrscheinlich 80 cm breit.
Ich schwärmte damals für Juliette Gréco und wollte keinen Rock sondern ein schmales, schwarzes, ärmelloses Etuikleid.
Die Lehrerin war einverstanden, ich durfte eine entsprechend längere Kette aufziehen, aber meine Mutter legte ihr Veto ein bei der Farbe schwarz. Ihrer Meinung nach war das nichts für ein junges Mädchen, der Kompromiss war dann dunkelgrün.
Ich habe den Stoff gewebt, das Kleid genäht und es nie getragen - dunkelgrün - du meine Güte...

Als ich Jahre später, während ich an der Kölner Uni an meiner Diplomarbeit schrieb, an der dortigen PH ein paar Semester Textilgestaltung studierte, interessierten mich besonders die Webkurse. Während wir in der Schule immerhin mit Webrahmen ausgestattet gewesen waren, gab es an der PH aber keinerlei Webgerätschaften, die Kurse waren rein theoretisch, Bindungsproben wurden auf Bierdeckeln gewebt gestopft.

Kaum verdiente ich mein erstes Geld, habe ich Holz gekauft, dazu einen 60 cm Gatterkamm von Kircher und mir einen Webrahmen gebaut. Ein fertiger Webrahmen war mir einfach zu teuer und es erschien mir nicht so schwierig sowas selber zu machen. Mein Eigenbau funktionierte wunderbar, dennoch habe ich damals nur eine einzige Stola darauf gewebt, danach stand der Rahmen jahrelang in der Ecke, denn das Weben hatte mich gepackt und ich kaufte mir nach einem einwöchigen Webkurs meinen ersten Webstuhl, einen Glimåkra Ideal mit Kontermarsch, 8 Schäften und 10 Tritten, Webbrete 100 cm.

Viel später habe ich meinen Rahmen eine Zeitlang für Bildweberei genutzt und im Laufe der Zeit noch einen 80er Webrahmen von Kircher und einen 100er Eitorfer-Webrahmen geschenkt bekommen, der überwiegende Teil meiner Webereien ist aber auf meinen Schaft-Webstühlen entstanden.

Doch plötzlich hatte ich Lust darauf, wieder mit einem Webrahmen zu arbeiten. 
Die Vorstellung, so ein Teil ohne Probleme draußen nutzen zu können oder im Urlaub dabei zu haben, hat mich irgendwie gereizt. Dafür sollte der Rahmen aber wirklich klein und handlich sein, für größere Arbeiten würde ich sowieso die Webstühle nutzen, aber ab und an ein Schal oder mal eine Gewebeprobe, das stellte ich mir reizvoll vor. 
40 cm Webbreite sollte es sein und dieses Mal musste ich noch nicht einmal selber bauen, die ganze Arbeit hat mein Mann übernommen.

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Alles begann mit einem einfachen Regalbrett, 80 x 20 cm.


Die feinen Bleistiftlinien auf dem Brett sind kaum zu erkennen, aber aus der Zeichnung kann man die platzsparende Anordnung der Bauteile gut sehen.


 

Die beiden Seitenteile sind nun durch die Streichriegel verbunden. Die Leiste am Boden haben wir erst ganz zum Schluss festgeschraubt, sie soll später dazu dienen, den Rahmen mit einer Schraubzwinge am Tisch zu befestigen.



Der ganze Webrahmen ist aus Holz gebaut, das von anderen Projekten übriggeblieben war. Für die Streichbäume, sowie Kett-und Warenbaum fanden wir Buchenrundholz mit einem Durchmesser von 22 mm in unserem Vorrat.




 

Auf der rechten Seite des Rahmens ist für den Drehgriff ein kleines Rundholz durch die Achse der Bäume gesteckt und mit einer kleinen Schraube befestigt worden.




Auf der linken Seite sind die Klinkenräder angebracht, sie sind aus 10 mm starkem Sperrholz gesägt.



Um die Konstruktion der Klinkenräder zu erklären, hat mein Mann in eine Zeichnung gemacht.




Hier sind jetzt die Sperrhaken angebracht, sie sind auch aus Sperrholz gesägt, und die Aufnahmen für den Gatterkamm.

 


Ich habe zwei 40 cm lange Gatterkämme mit der Einteilung 30/10 und  40/10 gekauft. Beide sind von Ashford hergestellt und recht preiswert im Handel zu bekommen.



Die Rastung für den Kamm ist auf ein dünnes Sperrholzbrettchen geklebt. Wie der Zeichnung zu entnehmen ist, werden zwei Rastungshölzer ausgesägt und zwei Sperrholzbrettchen, beim Aufkleben sollte darauf geachtet werden, die Teile spiegelbildlich zusammenzusetzen.



Wer andere Kämme benutzen möchte, kann sich anhand der Zeichnung ausrechnen, wie die Rastung für die Kämme gebaut werden muss. Zum Warenbaum hin sind die beiden Stellungen für das Oberfach und das Unterfach angebracht. Die Neutrallage ist in Richtung Kettbaum gerichtet.



Nun fehlten nur noch die Anlängerschnüre und die erste Kette konnte aufgezogen werden.



Kommentare:

  1. I am impressed! It is a really nice solution for making the whole weaving bussiness more mobile.
    And you make it look like piece of cake - building such a loom!

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    1. Well, this time my husband did all the work, but I can assure you, it´s really simple and you don´t need too many special tools.
      Have a try ;-))

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  2. Wenn ich nicht schon einen noname Rahmen hätte, würde ich glatt meinen GöGa darauf ansetzen. Danke für die ausführliche Anleitung.

    LG Ate

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    1. Aber einen mehr kann man doch immer brauchen, oder ?
      Ich wünsche dir einen schönen, sonnigen Sonntag!
      maliz

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  3. Wow, ich bin schwer beeindruckt. Deine Anleitung ist selbst für mich als Laien einfach nachvollziehbar. Ich bekomme richtig Lust auf´s weben:)
    Danke für´s teilen.
    Viele liebe Grüße
    Margot

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  4. Hallo Marlies,
    ich lese Deinen blog sehr gerne und bewundere deine Schaffenskraft in allen Bereichen!-
    Auf Deinem blog habe ich auch die wunderschönen Pulswärmer vom 1.November 2012 entdeckt. Meine Frage: gibt es das Anleitungsbuch noch, oder die Anleitung? Und wenn ja, wo? Vielleicht bei Dir? Denn ich weiß leider nicht, ob die Pulswärmer längs oder quer gestrickt sind und wie der Farbwechsel zu erfolgen hat, etc.
    Bitte sag' mir Bescheid.
    Vielen Dank und eine schöne, kreative Woche wünscht
    Claudia

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    1. Hallo Claudia, wenn du noch mal auf den Post gehst, findest du den Link (das wort "Mai") zu meinem Post vom 26.5.2012.
      Da habe ich das Buch vorgestellt und einen Link auf das Blog von "2stickare "gesetzt, die es verkaufen. Es ist dort noch erhältlich.
      Wenn es nur um die Pulswärmer geht, so kannst du sie aber vielleicht mit den angegebenen Angaben nachstricken, probiere es doch mal aus. Ich habe 52 Maschen auf 4 Nadeln angeschlagen.
      Wenns nicht klappt, schick mir gerne eine E-Mail, vielleicht kann ich dir dann weiterhelfen.
      LG
      Marlies

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  5. Its wonderful! Unfortunately i dont speal German...i will try to understand the plans. I wish it was in english

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    1. Try Google translator but I know it doesn´t help always, so if you have special questions you can send me a mail and I´ll try to help you.
      Good luck!

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  6. Hallo! Ich habe heute zufällig Deinen Blog entdeckt und bin auf diese Anleitung gestoßen. Muss ich mir gleich mal speichern, vielleicht kann ich ja meinen Mann überreden, mir auch einen Webrahmen zu "basteln". Ich möchte das Weben so gerne mal probieren und nicht gleich viel Geld ausgeben, weil ich ja nicht weiß, ob es mir liegt oder nicht.
    Neulich auf dem Wollmarkt hat mir eine Frau einen Gurtwebrahmen empfohlen. Da bin ich aber 1. noch nicht fündig geworden und 2. finde ich darüber nicht viel auf den deutschsprachigen Seiten.
    Ich geh mich jetzt mal weiter bei Dir umschauen.
    Viele Grüße
    Diana

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  7. Vielen, vielen Dank für die tolle Anleitung! Ich habe den Webrahmen in 80cm Breite gebaut und bin eben fertig geworden. Kann es kaum erwarten, anzuweben!
    Viele Grüße
    Bianca

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