Samstag, 15. März 2014

Erste Rahmengewebe


Früher habe ich die Ketten für meine Webrahmen ganz normal auf dem Schärbrett abgelängt, das Fadenkreuz abgebunden und dann durch den Gatterkamm gezogen.


Den ganzen Vorgang beschreibt Ursula Kircher sehr gut in ihrem 1979 erschienenen Buch, Weben auf Rahmen, das bei der Firma Holzkircher kostenlos heruntergeladen werden kann.


Meinen neuen Rahmen habe ich aber nach der schnelleren Methode aufgezogen, wie sie im Anleitungsvideo der Firma Ashford zu sehen ist.


Mein erstes Gewebe sollte ein Schal werden. 
Als Kette wollte ich das Kunstgarn von Hjertegarn verwenden, ein schönes, weiches, ungezwirntes Farbverlaufgarn.


Als Schussgarn habe ich Sivilla, ein Wolle-Seide Gemisch der finnischen Firma Wetterhoff ausgewählt.


Für die neue Aufbäum-Methode benötigt man einen Zapfen, der das Ablängen der Kettfäden ermöglicht. Er lässt sich sehr einfach selbst bauen. Mein Mann hat dafür ein Stück Besenstiel in ein Reststück Buchenholz geleimt und dieses Grundbrett mit einer Zwinge versehen.



Nun wird der Webrahmen auf einen Tisch gestellt und der Fadenanfang am Anlängerstab des Kettbaums festgeknotet, danach wird jeweils eine Doppelschlinge durch die Schlitze des Gatterkamms gezogen und um Zapfen gelegt, der in Kettlängen-Entfernung festgeschraubt ist. 
Sind alle Kettfäden durchgezogen, schneidet man die Schlinge am Kettzapfen auf und bäumt die Kette durch den Gatterkamm, der so auch als Reedekamm wirkt. Ich habe dabei einen Bogen Packpapier mit aufgerollt, damit die Kettlagen sich nicht verhakeln.


 

Es stecken jetzt jeweils zwei Fäden in jedem Schlitz, einer davon wird herausgezogen und in das daneben liegende Loch gefädelt. Bei meinem Kamm ging das sehr gut mit meinem alten Litzenstecher.


Nachdem die Fäden an den Anlängerstab am Warenbaum geknotet sind, kann losgewebt werden.


Leider gestaltete sich das Weben als sehr schwierig. Das hatte zum Glück nichts mit der Konstruktion des Rahmens zu tun, ich hatte nur ein völlig ungeeignetes Kettgarn gewählt.


Dass es nicht so einfach werden würde, mit einem ungezwirnten Garn in der Kette zu arbeiten, war mir klar gewesen, ich hatte das Garn aber doch etwas belastbarer eingeschätzt. Da ich gerne Längsstreifen haben wollte, wäre es als Schussmaterial aber nicht in Frage gekommen.


In der Nahaufnahme kann man ganz gut sehen, wie sich die Reibung im Kamm auswirkte, das Garn faserte regelrecht auf, die feinen Fasern verhedderten sich mit anderen Kettfäden, so dass kein sauberes Fach entstand und fehlerfreies Weben kaum noch möglich war und nachdem die ersten Kettrisse auftraten, habe ich die Qual für mich und das Garn beendet und aufgegeben. 


Sicher hätte ich noch die Möglichkeit gehabt, mit einer Schlichte zu arbeiten, um die Fäden zu glätten, aber irgendwie hat es mir widerstrebt, ein wunderschönes Schussgarn in eine Kette zu zwingen und der Webanfang hätte sich auch optisch dramatisch vom Restgewebe unterschieden. 



So habe ich also eine kleine Probe gewebt und dabei mal wieder gelernt, dass nicht immer alles nach Wunsch geht. Das kleine Gewebestück ist sehr leicht und hat einen sehr schönen Fall. Mit dem glatten Sivilla in der Kette und Kunstgarn im Schuss werde ich sicher noch einmal etwas weben.



Ich habe dann meinen Wollvorrat durchsucht und Material für einen weiteren Schalversuch gefunden.


Ein altes Knäuel bunter Sockenwolle, das ich irgendwann einmal sehr billig bekommen habe, schien mir als Musterfarbe geeignet.


Auch die Außenränder und der Schuss sind aus Sockengarn, Meilenweit Merino von Lana Grossa, in rötlichem Lila. Mit einem Blau-Lila habe ich die gemusterten Streifen voneinander abgesetzt. Ich webe auch auf dem Rahmen mit einem Weberschiffchen, ein flaches Damastschiffchen funktioniert wunderbar und das Weben geht viel schneller als mit den einfachen Webnadeln.


Die ganze letzte Woche hatte ich Glück mit dem Wetter, so dass der kleine Rahmen seinen Hauptzweck erfüllen konnte, nämlich das Draußenweben zu ermöglichen.


Mit der neuen Kette lief das Weben wunderbar. Der Webrahmen ist lang genug, dass man hinten Leseleisten einlegen kann, das unterstützt noch einmal eine saubere Fachbildung, weil verdrehte Fäden so keinen Ärger machen können.


Den ganzen Schal konnte ich draußen im Sonnenschein sitzend, abweben.


Um die Kette so weit wie möglich nutzen zu können, habe ich kurz vorm Webende die Geleseleisten herausgenommen und durch einen Baumwollfaden ersetzt. Dieses Fadenkreuz (im wahrsten Sinne des Wortes), nimmt wesentlich weniger Platz weg.


Die Fransen sind gedreht, jetzt muss der Schal nur noch gewaschen werden.


Sockenwolle ist ja meist so ausgerüstet, dass sie nicht verfilzt und problemlos in der Waschmaschine gewaschen werden kann. Daher hat sich nach der Wäsche am Erscheinungsbild auch nicht viel geändert.




Kommentare:

  1. Nach der Ashfordmethode ziehe ich immer die Kette auf meinen 80er Rahmen, das geht richtig schnell.
    Schön Dein Webrahmen und Deine Webstücke.

    LG Bärbel

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    1. Ich werde sicher auch bei der Methode bleiben.
      LG
      maliz

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  2. Bei dem schönen Wetter und die dazu passenden schönen leuchtenden Farben sitzt man gern draußen :-)

    Ein schönes Wochenende wünsch ich Dir

    LG Nicole

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    1. Nur schade, dass die Schönwetterperiode erst mal wieder vorbei ist.
      Dir einen schönen Sonntag!
      maliz

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  3. I like the scarf. Its vibrant colors match to those beautiful sunny views. Weaving in garden - it must be wonderful.

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    1. Yes, the colours came out nicely but as I wove with variegated yarn, it wasn´t my merit, as it was yours in your latest colouful fabric :-)
      Have a nice Sunday!
      maliz

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  4. Toller Schal. Und du hast es sicher voll genossen, draußen zu weben. Viele Grüße, Petra

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    1. Das werde ich auf jeden Fall noch öfter machen aber heute regnet es leider.
      Ganz viele Grüße,
      maliz

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  5. DANKE für Deine ausführliche Schilderung des Werdegangs, Deine Garn-Erfahrungen sind mal wieder Gold (Geld) wert! Das Hjaertegarn hatte ich schon mal auf den Stricknadeln und habe mich schwarz geärgert, dass sich der ungezwirnte Faden schon beim Stricken sehr leicht auflöste. Mühsam aufgeribbelt, nun endet das Garn als Schußgarn!
    Mit "Billigwolle" als Kette habe ich auch schlechte Erfahrungen gemacht, die Sockenwolle von Al... ist elastisch wie Gummiband und die Kettfäden haften aneinander wie magnetisch, also auch untauglich als Kette.
    So lernt man - gerade als Webanfänger - mit jedem Stück dazu und ist dankbar für jeden Tipp! Dein Blog ist da eine wahre Fundgrube!!
    Und Dein Schal macht Mut, am Ball zu bleiben, er ist wunderschön geworden.

    LG Cornelia

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    1. DANKE für deinen netten Kommentar!
      Ich gebe meine Erfahrungen immer gerne weiter, weil ich selber so Vieles von anderen Bloggerinnen und Forenmitgliedern gelernt habe.
      LG
      maliz

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  6. hej Marlies, das ist ein wunderschöner Schal geworden. Allerdings der obere, nicht fertige Schal gefällt mir von den Farben noch viel besser, aber es sollte wohl nicht sein.
    lg Heike

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    1. Der unfertige Schal fühlt sich leider auch viel schöner an.
      LG
      maliz

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  7. Ich kann nur sagen, großen Resprekt vor euren handwerklichen Fähigkeiten. Das Aufbäumen nach der Ashford-Anleitung hab ich beim Webrahmen auch schon gemacht, geht ganz gut, wenn die Kette nicht zu lang und breit ist. Blöd, wenn man eine Kette runterschneiden muss - ist mir mal mit einem handgesponnenen Garn passiert :(. Aber besser so als sich zu quälen...

    LG, Géraldine

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    1. Bei handgesponnenem Garn ist der Garnverlust ja noch trauriger, all die Arbeit, die schon in der Garnherstellung steckt.....
      LG
      maliz

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