Mittwoch, 14. März 2012

Knittax automatic

Heute habe ich meine alte Knittax automatic reaktiviert!


Die Maschine habe ich vor Jahren von einer Nachbarin bekommen, sie steckt in einem überaus praktischen Schrank, in den man sie versenken kann, übrig bleibt dann ein schreibtischähnliches Möbel, dem man seinen Inhalt nicht mehr ansieht, wohl aber seine Entstehungszeit. Gekauft wurde der "Handstrickapparat" im August 1961 - ich besitze noch den Garantieschein - damals wohnte man noch wesentlich beengter als heute, technische Geräte wie Nähmaschinen und sogar Plattenspieler wurden in Truhen versteckt, da sie häufig ihren Platz im Wohnzimmer hatten und dort sollte es schließlich heimelig aussehen.


Aber praktisch ist der Schrank auch heute noch, Kleinteile passen hervorragend  in Aufbewahrungsfächer an der Innenseite der Türen und für größere Teile bleibt selbst bei versenkter Maschine genug Platz über.



Glücklicherweise habe ich auch noch die mit Klebeband geflickte Bedienungsanleitung.



Erst einmal lernt man alle wesentlichen Teile kennen, dann folgen die Grundlagen des Strickens und hinten im Buch gibt es etliche Seiten mit Mustervorschlägen.


Dieser einfachen Maschine sind gezähnte  Rädchen beigefügt, die man in den Schlitten einbauen kann und die bei Druck auf den mittleren Knopf Nadelselektionen bewirken, sodass verschiedene Muster gewissermaßen "halbautomatisch"  möglich werden.


Natürlich beinhaltet die Anleitung auch ein paar ausgewählte Strickvorlagen für die Dame


 und für den Herrn.



Das ist mir aber noch zu kompliziert, ich habe erst einmal versucht das gute Stück überhaupt wieder zum Stricken zu bewegen und nach ein paar Fehlstarts hat das erfreulicherweise auch geklappt.


Ein erster Probelappen wurde fehlerlos abgestrickt.


Und das hat mich ermutigt, einen Karius zu beginnen, die Zunahmen sind gemacht, jetzt muss ich mit den Abnahmen beginnen.

 


Samstag, 10. März 2012

Die provisorische Küche

Einige Bilder der ursprünglichen Küche habe ich schon gezeigt, ein Traum in rosa und türkis, ohne direktes Licht. 
Die Fensterwand mit Tür trennt die Küche von einem Gang ab, der über zwei Fenster mit direktem Licht, hier sieht man eins davon, das noch verbrettert ist, und eine Tür nach außen verfügt.


Das hier waren Spüle - das eingelassene Blechbecken - und Bad - das Porzellanbecken. Unter der Treppe lag ein winziger Raum mit Toilette, aber ohne weitere Wasserzapfstelle.


Auf der gegenüberliegenden Seite gab es einen hohen Wandschrank, sowie einen Ober- und Unterschrank.


Auf dem Unterschrank eine kleine Arbeitsfläche.


Eine weitere Arbeitsmöglichkeit befand sich neben dem Herd über der Kipptür mit dem Holzvorrat.


Hier habe ich anfangs gewirtschaftet. 

Als aber im Zuge der Badrenovierung alle Möbel abgebaut und der halbe Fußboden aufgerissen wurden, da quer durch die Küche die Abwasserleitung verläuft, mußte eine andere Lösung gefunden werden.



Wir kamen auf die Idee, schon einmal die später benötigten Küchenmöbel zu kaufen und provisorisch in der einen Hälfte des zukünftigen Wohnzimmers aufzustellen,



Da der Raum rechteckig ist, bot sich diese Lösung regelrecht an. Wir haben die Küchenmöbel zweizeilig aufgebaut und die häßliche Rückwand der beiden Schränke, die als Raumteiler fungierten einfach mit einem alten, im Haus gefundenen, passenden Tapetenrest beklebt.




Gekocht wurde immerhin dreiflammig, mit einem chinesischen Gaskocher und einem kleinen Zweiplattenherd samt Backofen.


Ein paar Wochen später mußten wir leicht umgebauen, da wir jetzt sogar einen Kühlschrank mit Gefrierteil gekauft hatten, der reinste Luxus war ausgebrochen.




Nur fließendes Wasser fehlte natürlich immer noch, wie ganz links auf dem Bild zu sehen ist.




Das Zimmer ist zum Glück so groß, dass wir uns überhaupt nicht beengt fühlten, für die Essecke und einen provisorischen Geschirrschrank war noch reichlich Platz vorhanden.




Und  Gäste konnten wir nun auch empfangen.

Freitag, 9. März 2012

In a war someone has to die

Die dänische Künstlerin  Hanne Bang  hat ein Kunstprojekt gestartet, sie lädt Frauen aus aller Welt ein, daran teilzunehmen. Ich habe mich entschlossen, dabei mitzumachen.
Es geht darum ein Taschentuch mit dem Text:  In a war someone has to die  zu besticken, dies aber jeweils in der eigenen Muttersprache.  Alle Taschentücher sollen zu einem großen Wandbehang zusammengenäht und dieser dann ausgestellt werden.


Modellfoto © Hanne Bang

Die Textzeile stammt aus einem Fernsehinterview mit einem "arbeitslosen" afrikanischen Söldner, der gefragt wird, ob er keine Angst habe, zu sterben. Er gibt die Frage an den Interviewer zurück und dieser antwortet, ja, er habe Angst davor, woraufhin der Soldat ohne jede Sentimentalität sagt :" In a war someone has to die".
Die Textzeile ging der Künstlerin nicht mehr aus dem Kopf und 2009 hat sie schon einmal eine Installation zu diesem Thema erarbeitet.
Wer mitmachen möchte, erfährt Genaueres auf Hanne Bangs Website  http://www.hannebang.com 
Deadline ist Juni 2012





Donnerstag, 8. März 2012

Aufgeteilt!

Endlich habe ich die laaangen Reihen hinter mir, die Passe der Uppifrånochner - Jacke ist fertig und ich konnte die Teilung angehen.
Da Tant Koftas RVO nicht nach einem starren Plan gearbeitet wird und man immer wieder durch Anproben die weiteren Zunahmen ermittelt, waren meine neuen KnitPro Schraubnadeln, bei denen sich bei Bedarf  die Seillänge verändern lässt, Gold wert. 
Auch beim Maschenstillegen der Ärmelteile sind die Seile mit ihren verschließbaren Enden superpraktisch. 
Da ist es zu verschmerzen, dass mir die Nadelspitzen überhaupt nicht gefallen, zumindest die metallenen sind für meine Strickweise viel zu spitz.
Hier arbeite ich aber mit Holznadeln, die ich normalerweise gar nicht mag, aber zähneknirschend gekauft habe, weil mein LYS  keine Metallnadeln in passender Größe vorrätig hatte und ich nicht auf eine Online-Bestellung warten wollte. Jetzt wünschte ich, meine anderen Nadelspitzen wären auch aus Holz, da diese etwas stumpfer sind und deshalb angenehmer für mich beim Stricken.




Für die fertige Zuckerjacke habe ich immer noch keine Knöpfe gefunden, der unfertige RVO ist dagegen schon mit Knöpfen bestückt, die stammen jedoch nicht aus einem Kurzwarengeschäft sondern waren im Depot, einem Laden für Wohnaccessoires und Deko-Artikel zu haben, eine bunte Mischung, bei der die drei Rottöne zufällig gut passten.





Dienstag, 6. März 2012

Offekofta

Mein Offe ist fertig!


Aber ich werde wieder mal ribbeln müssen. Insgesamt ist die Jacke etwas zu groß geworden, das ist bei dem Schnitt allerdings nicht so schlimm, aber die Ärmel sind zu lang und dadurch speziell im unteren Teil zu weit. Sechs Reihen werde ich wohl wieder auftrennen und dann auch hier die grüne I-Cord mit einer kleineren Nadelstärke stricken.
Das Offe-Stricken hat viel Spaß gemacht, nicht nur weil es ein KAL ist, bei dem nach und nach immer mehr Strickerinnen fertig werden und ihre unterschiedlichen Modelle zeigen, sondern auch weil ich drei nützliche Dinge dabei gelernt habe.

1. Den provisorischen Anschlag, den hatte ich bis dahin noch nie gemacht, er war hier nötig, um einen schönen unsichtbaren Übergang für das Einstricken der Ärmel zu erreichen. Geholfen hat mir dabei dieses Video.

2. Das Ringelstricken ohne Farbversatz.  Um den Versatz beim Rundstricken von Streifen abzumildern, strickt man eine Reihe mit der neuen Farbe und bevor die erste Masche der zweiten Reihe gestrickt wird, holt man die darunter liegende Masche auf die linke Nadel und strickt nun die beiden gemeinsam ab.

3. Das Abketten mit der I-Cord. Die vorderen Kanten hatten einen provisorischen Anschlag, hier konnte man einfach eine Reihe mit der Kontrastfarbe stricken und aus den anderen Rändern wurden Maschen aufgenommen, an den Eckpunkten  jeweils zwei Maschen zusätzlich aus einer herausgestrickt. 
Dann beginnt das Abketten,  3  Maschen werden zusäztlich durch die Aufstrickmethode aufgenommen, dann
* 2  Maschen rechts gestrickt,  2 Maschen rechts verschränkt zusammengestrickt, diese 3 entstandenen Maschen zurück auf die linke Nadel gegeben * 
und das wiederholt man bis zum Schluss noch 3 Maschen übrig sind, die mit dem Anfang der I-Cord vernäht werden. Das Garn für die I-Cord sollte etwas fester und dicker sein, ich habe das gleiche Material benutzt, 4-fädige Sockenwolle und mit doppeltem Faden gestrickt.



Das ergibt dann einen Kantenabschluss, den ich sicher noch häufiger stricken werde, nach dem Blocken liegt das Rechtsgestrick, das sich ja sonst gern einrollt schön plan.


Sonntag, 4. März 2012

Ich spinne wieder!

Seit Jahren habe ich mein Spinnrad nur noch zum Spulen von Schussgarn genutzt und ich hatte nicht vor, wieder mit dem Spinnen anzufangen, aber je öfter ich bei anderen Bloggern Kammzüge, Spinnräder und Zwirnvorrichtungen sah, umso rückfälliger wurde ich und als heute mittag draußen die Sonne schien und schon richtig wärmte, war es dann um mich geschehen.



Ich habe noch große Mengen dreifädige Plötulopi, unversponnene Islandwolle, die ich so wie sie ist, nicht mehr verstricken möchte, da ich keinen Bedarf an dicken Pullover habe. Das Garn werde ich jetzt relativ dünn verspinnen und dann zwirnen.


Für den Neuanfang ist das Material gut geeignet, später kann ich dann ja mal sehen, ob ich mich an die anderen Spinnfasern traue, die ich hier noch horte, Leinen, Seide, Baumwolle und Ramie.....

Vor vielen Jahren, ich glaube es war 1985, habe ich schon einmal Lopiplattenwolle versponnen und  in Kette und Schuss verwebt, um dann eine Jacke daraus zu nähen.


Die Wolle für die roten Streifen habe ich damals  mit Cochenille gefärbt.








Donnerstag, 1. März 2012

Förstukvist, die Eingangsveranda

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verbreitete sich in Schweden der sog. Schweizerstil, fein ausgesägte Dekorationen schmückten Teile des Hauses, besonders an den Veranden und den überdachten Hauseingängen,  förstukvist genannt, erkennt man die snickarglädjevilla, wobei der Begriff snickarglädje soviel wie Freude am Schnitzen bedeutet.



 Wir hatten das Glück, gleich zu Beginn unserer Renovierungsarbeiten Liselotte Jarnerup Nilsson  zu treffen, die damals an ihrem Buch Snickarglädje och blomdoft arbeitete und dafür auch Bilder in Virserum, u.a. von unserem Haus machen wollte. Sie gab uns eine Unmenge Anregungen zur behutsamen Renovierung, und überzeugte uns davon, die alten Bauteile möglichst zu bewahren.



Als 2007  ihr Buch im Ica Bokförlag erschien, konnten wir unser Haus tatsächlich darin wiederfinden.




 Das Buch enthält nicht nur eine Übersicht über die Geschichte der Snickarglädjehäuser der Jahrhundertwende, und Anleitungen zur Reparatur und Erhaltung von Fenstern und Hausverzierungen, sondern auch eine Menge Informationen zur zeittypischen Bepflanzung der zu diesen Häusern gehörenden Gärten.


 

Der Zustand unseres förstukvists war erbärmlich, wo die Farbe nicht vollständig abgewittert war, hing sie in Placken herunter, zum Teil war sie so dick aufgetragen worden, dass alle Feinheiten der Verzierungen damit zugespachtelt waren.




Liselotte riet uns, für den neuen Anstrich nach dem gründlichen Abkratzen wieder die traditionell verwandte Leinölfarbe zu verwenden, sie benannte die benutzten Pigmente und mit Hilfe der Rezepte in ihrem Buch konnten wir die Farbe dann selber herstellen und dadurch eine Menge Geld sparen.


Hier sind bereits die Verzierungen abmontiert und Teile der Ständer und des Geländers durch Abkratzen und, wo nötig, durch Erwärmen mit einer Heißluftpistole von der alten Farbe befreit.

Die Hauptverzierung unseres Hauses ist besonders kunstvoll ausgeführt, sie ist nicht nur konturgesägt sondern auf der Vorderseite durch Holzschnitzerei plastisch herausgearbeit und stellt geflügelte Löwen dar. 
Virserum war von 1880 bis 1980 ein Zentrum der schwedischen Möbelindustrie und viele Einwohner waren in den Möbelfabriken beschäftigt. Hier wurden handwerksmäßig reichverzierte Eichenmöbel in kleinen Serien hergestellt.
Die letzten Bewohner des Hauses waren Johann Westring (1878-1959), seine Frau  Hilda (1882-1972) und ihr ältester Sohn Gösta (1911-1965), beide Männer waren als Möbelschnitzer in Virserum tätig.
Da die Verschönerungen der Häuser häufig von den Bewohnern selbst vorgenommen wurden, steht zu vermuten, dass Johann Westring diese ungewöhnliche Schnitzerei angefertigt hat.


Beim vorsichtigen Abtragen der alten Leinölfarbe war zu erkennen, dass der erste Anstrich hellgrau gewesen war, erzeugt durch kimrök, ein billiges Pigment das aus Ruß besteht. Auf den Löwenkörpern konnte man aber noch Reste von Blattgold sowie rote Farbe im Maul erkennen.


Die schmalen Bänke, rechts und links der Tür waren nicht mehr tragfähig und so mußen wir uns in der Zeit, bis wir die neuen etwas breiteren und somit bequemeren Bänke gebaut hatten, mit unseren Klappstühlen begnügen.


Hier haben die Ständer schon ihren ersten deckenden Anstrich erhalten. Das freigekratzte Holz wurde einmal mit Balsamterpentin gestrichen und danach mit Leinölfarbe, pigmentiert mit Englischrot. Leinölfarbe wird recht dünnflüssig angerührt und dann mehrmals sehr dünn appliziert, die Trocknung nimmt jeweils einige Tage in Anspruch, das dürfte der Hauptgrund sein, dass diese sehr angenehm zu verarbeitende und ausgesprochen haltbare Farbe heutzutage kaum noch benutzt wird.



Liselottes Buch behandelt sehr umfangreich die verschiedenen Typen  der schmückenden Details an Geländern, Eckverbindungen, Dachabschlüssen und, und, und...
Mit ihrer Hilfe konnten wir einige Holzteile, die zerbrochen und verfault unter den Bänken im förstukvist lagen, zuordnen, wie die krönchenverzierten vindskivor  und die kronspira, deren Einzelteile Liselotte für uns zusammenpuzzelte.


Diese Teile waren allerdings so zerstört, dass wir sie komplett nachbauen mußten.


2009 war es dann endlich soweit. alle Teile waren drei mal mit Leinölfarbe gestrichen und wieder montiert worden und nach vielen, vielen Jahren hatte auch das Blechdach wieder seine ursprüngliche Verzierung.