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Samstag, 26. September 2026

Weben mit Viskosegarn, ein neues Fächerkammprojekt

 
Bisher habe ich das ungleichmässig gesponnene, glänzende Viskosegarn, dass ich vor längerer Zeit auf einem schwedischen Flohmarkt gekauft hatte, im Wesentlichen als Schussgarn genutzt. 
 
 

 
Zum Beispiel in einem Blautürkiston für einen Schal den ich auf dem kleinen Fraens Dobby gewebt habe.
 

 

Da sich die wenigen Kettfäden aus dem Viskosegarn bei diesem Schal aber unproblematisch verweben ließen, habe ich für mein neues Fächerkammprojekt den Hauptteil der Kette aus den vier grünlichen Farbtönen meiner Viskosegarne zusammengestellt, jeweils unterbrochen von vier Fäden dünner Merino-Konenwolle in schwarz. 

 

 

Hier liegt die Kette im eingebauten Reedekamm des alten Louet W70 Tischwebstuhls, den ich in meiner Webwerkstatt in Virserum gerne für Fächerkammprojekte benutze.

 


 Gleich kann gebäumt werden.

 


 

Der Litzeneinzug ist fertig und ich kann nun jeweils zwei Fäden in die Schlitze des 3D gedruckten 30/10 Fächerkamms stechen, um dann mit 6 Fäden/cm meinen Schal zu weben.

 

 

In der Facebook-Gruppe Ondulé Weavers  hat Jean Halford Thompson verraten, welchen Trick sie anwendet, um den Einzug in den Fächerkamm zu erleichtern: 

Durch den Klebestreifen, der unterhalb der Mittellinie des Kamms angebracht wird, hat man gleichmäßig große Schlitze, das erleichtert den Blattstich und macht außerdem die Fehlerkontrolle einfacher.

 


Ich habe mittlerweile bei all meinen Fächerkamm - Elementen die Mitte gekennzeichnet. Das hat nicht nur das Anbringen des Klebestreifens erleichtert sondern ist auch praktisch, wenn man mit dem handgeführten Kamm hin und wieder Abschnitte in der Neutrallage weben will.

 

 

Nach dem Anbinden an die Anlängerleisten kann ich mit dem Weben beginnen. Für den Schuss habe ich das feine schwarze Wollgarn der schmalen Kettstreifen verwendet.

Auch bei diesen Schal habe ich wieder einmal nur die beiden Maximalstellungen des Kamms eingestellt:

Nachdem ich z.B. 10 cm mit tiefgehängtem Kamm, im obersten Kammbereich gearbeitet habe, hänge ich den Kamm so hoch, dass ich den unteren Bereich nutzen kann. Ich setze eine Markierung an den Rand und webe dann Schuss für Schuss bis die Kettfäden in der tiefstmöglichen Stellung im unteren Kammbereich liegen.  Nun webe ich solange weiter, bis ich ab Markierung 10 cm Gewebe messen kann. 

Dann setze ich die Markierung  hoch und hänge den Kamm so tief,  dass ich seinen obersten Bereich nutzen kann, um nun hier Schuss für Schuss die maximal mögliche Stellung zu erreichen, usw...

 

 

Ich habe angewebt und jetzt zeigt sich, dass ich bei meiner Wickelprobe nur auf die Farbzusammenstellung geachtet habe, und nicht an die Form der Streifen bedacht habe.

 

 

Anfangs gefiel es mir nicht, dass die beiden hellgrünen Streifen durch die gewählte Farbabfolge dieselbe Abfolge der Wellenform hatten. 

 

 

Sie wirkten so wie ein Rahmen um die gelbgrüne Form in ihrer Mitte und es irritierte mich, dass diese Gruppe im Gewebebild immer den Blick auf sich zog.

 


Der Schal ist fertig, aber noch unbehandelt, er ist 40-43 cm breit und ohne Fransen 170 cm lang.

 

 

 

Nach der Handwäsche hat sich das, vor allem in den weiten Teilen, sehr lockere Gewebe durch den Wollschuss etwas verdichtet.  Der Schal ist in der Breite dabei aber nur leicht auf  39 - 41cm geschrumpft und er hat aber immer noch die gleiche Länge.   





Und am fertigen Schal gefällt mir jetzt diese leichte Irritation, die durch die sowohl gleichfarbigen als auch  gleichgeformten, hellgrünen Wellen auftritt, sehr gut, weil das Gesamtdesign dadurch in meinen Augen interessanter wird.

 


 

Es ist leichter, fast durchsichtiger, im Licht schimmernder und fließend fallender Schal geworden.

 


 


 

 

Wer ein Fächerkammgewebe ausprobieren möchte und Zugang zu einem 3D-Drucker hat, kann sich bei Thingiverse unsere 3D-Druckvorlagen für zwei unterschiedliche Fächerkämme herunterladen:

Einteilung 40/10 - https://www.thingiverse.com/thing:6501235

Einteilung 30/10 - https://www.thingiverse.com/thing:6741756 

 

 

 

 

 

Montag, 29. Juni 2026

Fächerkammweben - Mustertücher eine neue Facebookgruppe und ein tolles Buch von Winnie Poulsen

 
 
 
Nachdem ich in der letzten Zeit viel mit meinen Dobbywebstühlen beschäftigt war, hatte ich mir vorgenommen, in Virserum wieder ein Fächerkammgewebe zu machen.
 
 

 

Dafür benutze ich hier immer den Louet W70 Webstuhl, aber ich hatte völlig vergessen, dass ich den, kurz vor unserer Rückkehr nach Deutschland noch mit einer neuen Kette versehen hatte, um ein Probegewebe mit Log Cabin Variationen aus einer frühen Lektion von Jane Stafford´s Weaving School nachzuarbeiten. 

 

 

 

Ich hatte mir dafür kurzerhand 8/4 merzerisierte Baumwolle aus unserem örtlichen Ica-Supermarkt besorgt und das Gewebe im Herbst gerade erst angefangen. Die Kette war nicht sehr lang, aber ich hatte überhaupt keine Lust, daran weiterzuarbeiten, wohl auch, weil sich gerade bei Facebook eine neue Webgruppe zum Thema Onduléweben gebildet hatte.

 

 



Also beschloss ich, das begonnene Musterstück einfach abzuschließen, die Kettfäden aus dem Kamm und die Kammlade aus dem Webstuhl zu entfernen, meinen Kammrahmen mit 3 D gedruckten Fächerelementen zu bestücken und damit dann weiter zu weben.. 


 
 

Dafür war es nötig den Einzug im Mittelstück geringfügig zu verändern, um die Kettfäden an die 24er Teilung eines ganzen Fächers anzupassen. Außerdem habe ich für eine bessere Sichtbarkeit des Welleneffekts im rechten Bereich ein paar schwarze Kettfäden zugefügt. Dann habe ich einfach dieselben Muster noch mal gewebt.  

 

 

Hier ist das neue Aussehen der Abfolge  Dunkel-Dunkel-Hell  (oben), zum Vergleich nebeneinander abgebildet.

Außerdem sieht man welche Effekte bei den Flächen entstehen, die einfarbig weiß oder schwarz geschossen sind. 

 

  

 

Der nächste Vergleich zeigt beim linken Mustertuch ein Log Cabin Muster mit 3D-Eindruck, der dadurch zustande kommt, dass die Stellen der Einrahmung der Quadrate so gewählt sind, dass hell und dunkel wie Licht und Schatten wirken. Bei dem Ondulé-Probestück habe ich diese Einteilung nicht beachtet.

 


Und noch einmal ein etwas größerer Ausschnitt aus dem Wellen-Probestück. 

Das Log Cabin Muster werde ich wohl in irgeneiner Weise bei meinem nächsten Fächerkammgewebe einsetzten.

 



 

Die am Anfang erwähnte Facebookgruppe nennt sich Ondulé Weavers, sie wurde Mitte Mai von Jean Halford-Thompson gegründet. Einigen von euch ist Jean sicher bekannt durch ihr Facebook-Konto JHT Textiles.

 

Bild: Jean Halford-Thompson

 

 

Und nun noch eine Buchempfehlung, auch für Interessenten des Fächerkammwebens. 

Zu diesem Thema gibt es bisher ja kaum Literatur, das Buch Ondulé Textiles von Norma Smayda und Gretchen White habe ich schon in einem früheren Blogbeitrag zum Fächerkammweben vorgestellt.

Seit August 2025 ist das Buch Winnies Vävar  auf dem Markt. Es ist eine Gemeinschaftsproduktion von Tina Ignell, ihrem Mann Bengt Arne Ignell und der dänischen Weberin Winnie Poulsen, erschienen im Verlag TB IGNELL AB, Linköping, und in schwedischer Sprache verfasst.

Schon der Buchumschlag zeigt flächendeckend ein Fächerkammgewebe:

 


Auf 175 Seiten schreibt Winnie Poulsen über ihre Art zu weben, gibt Tipps und veröffenlicht zahlreiche Webanleitungen, darunter viele Fächerkammgewebe.

Das Inhaltsverzeichnis gibt einen guten Überblick, über die ganze Palette der Gewebe, die  hier beschrieben werden:

 

 

Mit Rot habe ich die Inhalte gekennzeichnet, die sich allein mit dem Onduléweben beschäftigen. 

Auf Seite 100 beginnt das große Kapitel über das Weben mit dem "solfjädersked" mit einer Webanleitung eines ikatgemusterten Gewebes, danach beschreibt Winnie auf zwei Seiten sehr genau ihre spezielle Art des Fächerkammwebens und schließlich folgen 16 weitere Anleitungen für Projekte in dieser Technik.

 

Bild aus dem Buch Winnies Vävar, Winnie Poulsen, 2025


Abgesehen davon, ist das Buch voll von phantastischen Geweben in Winnie Poulsens typischem Design und alle Gewebe sind mit Anleitungen versehen, können nachgewebt werden. 

 

 


Zum Schluss möchte ich noch zwei Fotos zeigen, die ich 2022 auf der schwedischen Webmesse in Halmstad gemacht habe, das erste zeigt die recht originelle Höhenverstellung der Kammlade, die Winnie Poulsen dort beim Fächerkammweben an ihrem Webstuhl benutzte. 

Winnie webt nach eigenen Angaben ohne kleinere Zwischenschritte nur in der höchsten und in der niedrigsten Stellung. 

Das Bild zeigt die Kammlade des Webstuhls gerade an ihrer höchsten Stelle und somit liegt die Kette im unteren Bereich des Kammes.  Der obere Stecker kann immer an Ort und Stelle bleiben. Wenn der untere herausgezogen wird, sinkt die Kammlade nach unten und das bewirkt dass die Kette nun im oberen Bereich des Kamms erscheint, diese Situation ist auf dem folgenden Bild zu sehen.

 





 
 

Sonntag, 25. Februar 2024

Neues vom Fächerkamm

 

Vor einem guten Jahr habe ich auf meinem Louet W 70 Webstuhl das erste Mal mit Caras 3D gedrucktem Fächerkamm gearbeitet.

Die einzelnen fächerförmigen Elemente des Kamms, hatte Cara in einen Holzrahmen montiert, den ich mit Texsolvschnüren anstelle des normalen Kamms in den Webstuhl gehängt habe.       Der Kamm hat die Einteilung 40/10, bezogen auf die Mittellage und mein erstes Gewebe war ein Schal. 


Danach folgte ein Cottolin - Läufer, bei dem ich durch doppelten Einzug im Kamm auf 8 Fäden pro Zentimeter kam.

 


Im Herbst habe ich auf dem Louet W 70 in Schweden wieder einen Schal aus Sockenwolle begonnen, der noch etwas darauf warten muss, fertig gestellt zu werden.



Bengt, der Mann einer schwedischen Webfreundin, hatte die Idee, die einzelnen Elemente für den Fächerkamm so zu modifizieren, dass sie sich besser zusammensetzen lassen.


 

Statt der fächerförmigen Einzelteile drucken wir nun Rechtecke mit je einem halben Fächer und Schwalbenschwanz-Verbindungen, zum besseren Zusammenhalt. 

Dadurch sind auch ungewöhnliche Zusammenstellungen möglich, wie bei diesem kleinen Kamm, der aus 3 Probestücken besteht.




Die neue Form macht es zudem möglich die Fächerteile mit Rechteck - Elementen zu verbinden, die parallel verlaufende Schlize haben, um so sog. Hybridkämme zu schaffen.

 


Um unterschiedliche Kammteile kombinieren zu können, hat mein Mann mir einen hölzernen Wechselrahmen gebaut.          

Hier habe ich schon die Anordnung für mein nächstes Projekt zusammengesetzt, 

Dieses Kammstück wird dann in die Nuten der Holzleisten gesetzt, die mit Hilfe von Gewindestangen und Muttern zusammengehalten werden.

 

 

Beim ersten Webversuch mit dem neuen Fächerkamm, habe ich mich von Material, Muster und Farben der Handtücher, die ich im vorhergegangenen Beitrag gezeigt habe, inspirieren lassen. 

 


Für das neue Gewebe habe ich aber nur hellblau und dunkelblau in der Kette verwendet.


 

Die Fächerkammelemente sind ganz klassisch angeordnet, aber an den Webkanten habe ich  die dunkelblauen Fäden in Elemente mit parallel laufenden Schlitzen eingezogen, um einen geraden Randabschluss zu bekommen.

Der Kamm hängt, wie schon bei meinem Louet 70 in Virserum, an Texsolvschnüren.  Diese liegen bei dem kleinen Glimåkra Webstuhl einfach in den Kerbenblöcken für die Kammlade.


 

Die 2,80 m kurze Versuchskette hat immerhin für zwei Läufer gereicht, die ich in Leinwandbindung gewebt habe.

Die Höhe des Kammes habe ich nicht kontinuierlich geändert, sondern den Fächerkamm nur alle 6 cm von der höchst möglichen Stellung in die niedrigste gebracht. Gleichzeitig habe ich farblich anderes Schussgarn verwebt. 

 


 

Die kurzen Wellen kamen fast automatisch zustande. In den ersten Schussreihen muss man an einigen Stellen ein bisschen nachhelfen, damit sich der Faden glatt anlegt. Dafür benutze ich eine einfache Gabel. Ich finde, dass diese Methode trotz der anfänglichen Handarbeit schneller geht, als das Reihenzählen und dauernde Umstecken der Texsolv-Pfeilstecker. 

Aber jeder Fächerkammweber hat seine eigene Methode :-)

 


Im Detailbild kann man gut das einfache Farbeffektmuster eerkennen, das durch den Einzug von jeweils einem hellblauen und einem dunkelblauen Kettfaden entsteht.


 

Auch beim zweiten Läufer habe ich die Höhe des Kamms beim Anschlagen alle 6 cm geändert aber seltener einen Farbwechsel vorgenommen.

 


Leider blieb dann nur noch ein kleiner Kettrest übrig, den ich in Köperbindung abgewebt habe.


 

Dieses kleine Musterstück finde ich interessant genug, um bei einem der nächsten Gewebe mit Köperbindung zu experimentieren.



Für diejenigen, die Lust bekommen haben, das Weben mit dem Fächerkamm auszuprobieren und nicht direkt einen teuren Fächerkamm kaufen möchten oder können, habe ich bei Thingiverse die notwendigen Dateien zum 3D Drucken der verschiedenen Kamm - Elemente eingestellt.

Für den abgebildeten, einfachen Holzrahmens sind nur 2 Leisten mit jeweils passender Nut zur Aufnahme der Kamm - Elemente, sowie 2 Gewindestangen mit passenden Mutern nötig.

Mein Fächerkamm ist ein sog. Remix von Caras Fächerkamm. die beiden unterscheiden sich dadurch, dass Caras Kamm so konzipiert ist, dass er in die Weblade eingesetzt werden kann. Die einzelnen Elemente werden dafür mit Verbindern und Schrauben zusammengehalten. 

Beim Weben wird dann die ganze Weblade gehoben oder gesenkt.