Donnerstag, 12. September 2013

Theorie und Praxis

Mit dem Weben meiner Baumtüchern bin ich nicht viel weitergekommen, da wir schon seit fast zwei Wochen wieder in Schweden sind.
In der vävstuga hier in Virserum konnte ich mir aber meinen Ripsläufer abholen, er muss noch gesäumt werden und ist dann einsetzbar.




Mein nächstes Projekt in der vävstuga ist eine Tischdecke in droppdräll. Das Muster, "Majblommor",  stammt aus  Vävmagasinet, Heft 1/09.




Als ich mit dem Weben beginnen wollte, stellte ich fest, dass der Webstuhl so verschnürt ist, dass die Tritte der theoretischen Trittfolge entsprechen, also die gleiche Reihenfolge aufweisen, wie unten rechts im Aufbindeschema  der Webpatrone dargestellt. 




Eine derartige Tretabfolge bin ich überhaupt nicht gewöhnt. Ich habe 1980 in meinem Webkurs gelernt, diese theoretische Trittfolge, die beim Zeichnen der Webpatrone entsteht,  in eine sog. praktische zu übersetzen, die es möglich macht, alternierend mit rechtem und linkem Fuß zu treten.



Dies ist die Trittfolge, wie sie in der Webpatrone dargestellt ist. Man sieht, dass die Leinwandtritte rechts auf Tritt 1 und 2 nebeneinanderliegen und beide mit dem rechten Fuß bedient werden müssten, wenn man so aufschnürt. Dann folgen nebeneinanderliegend die vier Mustertritte, 3,4,5 und 6.



Wenn ich webe, trete ich nicht von rechts nach links sondern alternierend von außen nach innen. Außen rechts liegt nach wie vor Tritt 1, Tritt 2 aber ist nun der äußerste linke. Wenn ich jetzt Leinwandbindung webe, brauche ich nur abwechselnd die beiden äußeren Tritte bedienen und komme so in einen guten Webrhythmus.

Nun baue ich die Mustertritte 3, 4, 5 und 6 entsprechend in die Skizze ein und habe mein "praktisches" Aufbindeschema.



Wenn ich die Tritte nach obigem Schema verknüpfe, trete ich also für meinen Musterrapport 6 Mal Tritt 1 und 2 außen,  das ergibt 12 Schuss Leinenbindung. Dann folgen die Mustertritte in der Abfolge 3-4, 3-4, 5-6, 5-6, 3-4, 3-4, immer schön im Rechts-Links-Wechsel.  Danach werden wieder 6 Mal die einfachen Leinenbindungstritte 1 und 2 bedient.



Donnerstag, 5. September 2013

Baumtücher


Wahrscheinlich hat jeder seine Eigenarten beim Weben, bei mir ist es so, dass ich beim Aufbäumen meine Ketten durch das Fadenkreuz auf den Webstuhl ziehe.


Schon in Vorbereitung dafür, lege ich beim Schären eine lange Schlaufe vor dem Fadenkreuz an.


In diese Schlaufe kommt dann zuerst der Anlängerstab, den ich provisorisch am Ketttbaum befestige. Dann schiebe ich die erste Fadenkreuzlatte in die gleiche Schlaufe und lege die zweite hinter der Überkreuzung ein. Nachdem die Enden der Kreuzlatten gesichert sind, kann ich die Hilfsfäden lösen und die Kette in den Reedekamm einlegen, den ich vor den Kreuzlatten in den Webstuhl hänge.


Wie man sieht, arbeite ich dabei von rechts nach links, genauso mache ich es meistens auch beim Einfädeln in die Litzen und beim Blattstich, obwohl ich es eigentlich anders gelernt habe, mag ich so lieber arbeiten.



Die Kette ist im Reedekamm verteilt und der Metallstab, der die Fäden daran hindert aus dem Kamm zu entwischen, ist in die Augen der Ringschrauben eingelegt. 
Der Reedekamm hängt im hinteren Drittel des Webstuhls Richtung Warenbaum. Während mein "Weberknecht"  die Kette stramm hält, schiebe ich die Kreuzlatten langsam in Richtung Reedekamm, das klärt noch einmal die gesamte Fadenlage und durch die leichte Reibung bekomme ich eine sehr gleichmäßige Spannungsverteilung.
Ich bäume nun diesen Abschnitt der Kette auf den Warenbaum, wenn die Kreuzlatten an den Kettbaum gewandert sind, wiederhole ich einfach den Vorgang. Ich habe diese Methode auch schon mit sehr empfindlichen Ketten erfolgreich angewandt. Wenn die gesamte Kette gebäumt ist, brauche ich nur noch den Reedekamm entfernen, die Kreuzlatten liegen schon an der richtigen Stelle und der Litzeneinzug kann beginnen.



Anders als viele Weberinnen, die ich kenne, habe ich meine Texsolvlitzen nicht aufgeschnitten. So kann ich bei den meisten Einzügen mit einer Hand die Litzen aller Schäfte in Arbeitsposition bringen und auch durch die gut sichtbaren oberen Schlaufen schnell kontrollieren, ob die richtigen Schäfte ausgewählt sind.



Meine Baumtücher webe ich in Leinwandbindung, Kette und Schuss sind aus ungebleichtem Nialin, nur in der Mitte habe ich 2 rote Fäden eingezogen, diese Markierung soll mir später beim Positionieren der Ketten helfen. 
Die Einstellung ist 100/10, 1 Faden Pro Litze, 2 Fäden im Riet.

Der Saum ist fertig, jetzt webe ich gerade die Schlitze, durch die ich später die Schnüre fädeln werde, die die Holzleiste der Baumtücher mit dem Anknüpfstab verbinden.
Genauso werde ich es noch einmal am Ende der Kette machen, dann brauche ich das fertige Gewebe nur an passender Stelle zu teilen, um zwei Baumtücher mit konfektionierten Schlitzen zu erhalten.



Mittwoch, 28. August 2013

Reedekämme

Anders als in Schweden ist es in Deutschland üblich, die Kette mit Hilfe eines Reedekamms aufzuziehen.
Da ich nun einen größeren Webstuhl habe und meine erste Kette für die Baumtücher die gesamte Webbreite einnehmen wird, reichte mein alter 1 m langer Kircher-Reedekamm nicht aus.


Ich bin zwar absolut überzeugt von der Reedekamm-Methode, der Kamm selbst hat mich aber in seiner Bauart nie überzeugt. Rechts und links wurde die Deckleiste ursprünglich mit einer Spezialschraube plus Flügelmutter geschlossen. Das Schraubenteil wurde unten seitlich eingehakt und dann oben jeweils durch ein Loch in der Leiste gefummelt, auf das Gewinde kam dann eine winzigkleine Flügelmutter. Ich fand das Ganze absolut unpraktisch und daher haben wir auch sofort Modifikationen vorgenommen. Nach dem Einlegen des Garns und dem Auflegen der Abdeckleiste schließe ich den Kamm einfach beidseitig mit Klettband.


Um den Redekamm in den Webstuhl hängen zu können, hat mein Mann aus dünnem Sperrholz eine praktische Aufhängevorrichtung gebastelt.
Aber immer noch finde ich die unnötig langen, Metallriete nicht sehr praktisch.



Die Bauart des später entwickelten Reedekamms von Glimåkra gefällt mir da wesentlich besser. Zwischen die kurzen abgerundeten Haken lässt sich das Garn viel besser einordnen. Aber ein neuer Reedekamm in 135 cm Länge ist nicht ganz billig und weil man für das viele Geld eine ganze Menge Garn kaufen kann, haben wir einfach einen Reedekamm selbst gebaut.



Auf einer Holzleiste mit den Maßen 140 x 3 x 1,5 cm wurde zuerst mit einem roten Strich die Mitte markiert und dann mit weißer Acrylfarbe eine 10 cm Einteilung vorgenommen, das soll mir helfen später schneller die Mittenposition meiner Ketten zu ermitteln, so muss ich nicht lange mit einem Maßband rumhampeln oder die einzelnen Riete zählen.




Dann hat mein Mann im Zentimeterabstand 10 mm lange Ringschrauben ins Holz gedreht. Die Ösen haben einen Außendurchmesser von 13,5 mm und waren damit klein genug um sich beim Einschrauben nicht gegenseitig zu behindern, der Innendurchmesser ist mit 
8 mm aber ausreichend groß um einen Metallstab durchziehen zu können, der dafür sorgt, dass die Fäden im Reedekamm beiben. In die äußersten Schrauben kann ich Texsolvlitze einziehen und so den Kamm im Webstuhl aufhängen.

Ich war die ganze Zeit sehr stolz auf meine Erfindung, bis ich bei meinem letzten Besuch bei Anna Warsow in Osterode einen kleinen Musterwebstuhl sah.




Jetzt frage ich mich die ganze Zeit, ob ich diesen Webstuhl mit seinem eingebauten Reedekamm wirklich nie zuvor gesehen habe oder ob sich da irgendwann mal irgendetwas in mein Unterbewusstsein eingebrannt hat und ich mich unbeabsichtigt eines Plagiats schuldig gemacht habe.


Nachtrag:
Falls jemand von euch einen solchen Kamm nachbauen will, im Baumarkt sind die Schrauben in kleinen Mengen im Blisterpack abgepackt und sehr teuer. Im Internet sind sie im größeren Gebinde wesentlich günstiger zu bekommen.





Freitag, 23. August 2013

Foxterrier


Für die Stickutmaning August  bei Ravelry habe ich mich für den Wire-haired Fox Terrier entschieden.



Sally Muir und Joanna Osborne schreiben in ihrem  Buch Knit Your Own Dog, über diese Rasse:

"Clever and lively, fox Teriers are bred to chase foxes into their burrows; the dogs´ short tails are allegedly for pulling them out again. They will not tolerate nonsense from life forms whom they consider below themselves in importance, so be carefull with children. Fox Terriers are also great escapers and need a lot of stimulation or will tend to naughtiness if bored. Famous Fox Terriers include Asta from The Thin Man films, the child´s pull-along version on wheels and, of course, Tin Tin´s chum, Snowy."




Für mich war es aber wohl ausschlaggebend, dass ich ein ähnliches Exemplar
namens Emil, persönlich kenne.




Das Stricken der elf kleinen bis kleinsten Einzelteile war überhaupt kein Problem und schnell erledigt.




Da ich aber zu den Leuten gehöre, die nicht unbedingt so gerne die einzelnen Strickteile zusammennähen, wird das wohl mein einziger Hund bleiben.



Beim Ausstopfen mit Schafwolle stellte sich heraus, dass es besser gewesen wäre, mit etwas dickerem Garn als Strumpfwolle zu stricken. So war das Gestrick etwas zu locker und nicht besonders formhaltig.


Dennoch bin ich ganz zufrieden mit dem Ergebnis.






Samstag, 17. August 2013

Litzenwäsche


Mit zwei großen Webstühlen im Gepäck sind wir vor einigen Tagen wieder in Deutschland angekommen.
Nachdem ich über blocket.se erst einen Glimåkra Standard mit 120 cm Webbreite erstanden hatte, der meinen Glimåkra Ideal ersetzen sollte, war mir ja ein paar Wochen später ein weiterer großer Glimåkra Webstuhl mit einer Webbreite von 135 cm geschenkt worden.


Eigentlich hatte ich gedacht, dass die Webecke in unserem Wohnraum maximal einen 120er Webstuhl verkraftet, da ein breiterer aber natürlich mehr Möglichkeiten bietet, haben wir den 135er einfach einmal aufgebaut  - und siehe da, er fügt sich wunderbar ein.
Tatsächlich wirkt er sogar weniger raumgreifend, weil er durch seine größere Breite mehr Durchblick erlaubt, als der kleinere Ideal.

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Ich habe meinen Ideal 1980 gekauft, der Standard stammt wohl aus der gleichen Zeit, in der es noch kein Texolv gab.


Für meinen Webstuhl habe ich damals Litzen aus gewachster Baumwolle mit Metallauge gekauft. Später konnte ich diese Litzen gut für den alten Eichenwebstuhl gebrauchen. Gunillas Webstuhl ist mit einfachen Baumwolllitzen ausgestattet.


 Verschnürt wurde seinerzeit mit Hanfschnur, einige Reste in verschiedenen Stärken lagen noch in der Tüte mit Kleinteilen, die zum Webstuhl gehörten.


Da ich ab und an Rips gewebt habe, war mein Ideal mit ausreichend Texsolv-Litzen versehen, so dass die Menge auch für den breiteren Webstuhl ausreichend ist.


Aber im Laufe der Jahre waren die Litzen ganz schön eingestaubt, wirkten grau und dreckig, auch wenn das auf dem Foto nicht so genau zu erkennen ist.
Nach der Litzenwäsche mit etwas Spülmittel in lauwarmem Wasser, erstrahlen sie wieder in hellstem Weiß.


Texolvschnur hatte ich nicht mehr in ausreichender Menge, daher wurde ein Einkauf  bei Anna Warsow in Osterode nötig.
Dort habe ich mir gleich auch noch das Garn für mein erstes Projekt auf dem "neuen" Webstuhl besorgt, 2 Konen ungebleichtes Nialin.


Daraus will ich als erstes Baumtücher weben. Eigentlich webt man diese Baumtücher, auch Schürzen genannt, aus reinem Leinen. Da mir das aber schon vor Jahren für diesen Zweck zu teuer war, habe ich damals für meinen Ideal, die Baumtücher aus 16/2 Baumwolle gewebt und sie haben sich über die Jahre sehr gut bewährt.



Ich denke, dass nun für den großen Webstuhl ein Baumwoll-Leinen-Mischgewebe seinen Zweck erfüllen wird.
Natürlich verführt ein wohlsortiertes Garnlager zu weiteren Einkäufen.


Aus diesem Wollgarn will ich mir eine Jacke weben.


Beim Stricken von Verlaufgarnen bin ich oft nicht so zufrieden, weil mich die Musterung enttäuscht, hier konnte ich die Farbverteilung an einem Musterstück sehen. 
Das Knäuel reicht für ein paar Socken.


Außerdem wollte ich schon immer einmal Papiergarn verweben.



Donnerstag, 8. August 2013

Stickutmaning August



Mein Balade Schal für die Strickherausforderung Juni/Juli ist gerade noch rechtzeitig fertiggeworden.




Es gab einfach zu viel anderes zu tun. Das stabile Sommerwetter im Juli habe ich hauptsächlich dafür genutzt, Schritt für Schritt unseren Hausanstrich zu erneuern. 
Fertig geworden bin ich zwar nicht aber ein Anfang ist gemacht. 


 
Die Querverbretterung der beiden Giebelseiten des Haupthauses ist  mittlerweile nach dem Abkratzen der lose sitzenden Farbe grundgeölt und im oberen Teil einmal, im unteren Teil schon zweimal mit Leinölfarbe gestrichen.  Auf den Bildern sieht man die Westfassade, vorher und nachher.


Vielleicht gibt es im September ja auch noch ein paar schöne Tage, so dass ich mit der Malerei noch etwas weiter komme.


Vorher aber muss ich mit der Strickherausforderung für August beginnen.
Die Aufgabenstellung ähnelt der Märzaufgabe,  als wir in einer Farbe stricken sollten, die uns eigentlich nicht gefiel. Dieses Mal geht es darum, etwas zu stricken, von dem man selber gedacht hätte, dass man so etwas wohl niemals machen wird. Dabei kann es sich wiederum um die falsche Farbe, ein Muster oder ein spezielles Strickstück handeln.

Nach längerer Überlegung habe ich mich entschlossen einen Hund zu stricken.


Vor zwei Jahren habe ich mir das Buch Knit Your Own Dog gekauft, weil ich es witzig fand, nachstricken wollte ich eigentlich nichts, sowas ist mir einfach viel zu pingelig - also eine wahre Herausforderung.


Jetzt muss ich mich nur noch überlegen, welcher der Hunde bei mir einziehen soll.






Samstag, 13. Juli 2013

Webstuhl zum Nulltarif





Im Juni hatte ich von meinem Webstuhlkauf berichtet, einen Glimåkra Standard mit 120 cm Webbreite und viel Zubehör hatte ich für 1000 Kronen erstanden, also etwas mehr als 100 €. Der Webstuhl war mit 4 Schäften und 6 Tritten ausgerüstet, ich möchte aber gern mit 10 Schäften weben können. Die fehlenden Tritte allein hätten schon 620 Kronen gekostet und mit den noch benötigten Schaftleisten wäre ich auf wesentlich mehr als 1000 Kronen gekommen. Daher habe ich weiterhin Annoncen studiert, um eventuell noch einen günstigen Webstuhl dazu zu kaufen und so u.a. die Möglichkeit zu haben, die Schaftanzahl zu komplettieren. Da die Seitenteile bei allen Standardwebstühlen gleich lang sind, sind auch die Tritte für diese Webstühle, unabhängig von ihrer Webbreite nutzbar.
Darum war ich natürlich sofort interessiert, als ich in einer Anzeige las, dass ein Glimåkra Webstuhl mit 150 cm Webbreite verschenkt werden sollte.



Wieder führte uns die Fahrt ans Meer, diesmal in den Süden in die ca.160 km entfernte Stadt Karlskrona.


Nach einem Picknick am Badestrand, wo wir über lange Zeit ein gar nicht scheues Blässhuhn bei der Futtersuche beobachten konnten, trafen wir am frühen Nachmittag Gunilla, die ihren Webstuhl aus Platzgründen abgeben wollte.





Im Vorwort des Bindungslehrebuchs Varp och inslag von Marianne Eriksson, Gunnel Gustavsson und Kerstin Lovallius ist zu lesen, dass die Schweden auf eine lange ungebrochene Webtradition zurückblicken können. Hier wurde das Handweben nicht aufgegeben, als sich Mitte des 19. Jahrhunderts die Industriealisierung mit aller Macht durchsetzte. Durch die Hemslöjdbewegung und Ausbildungsmöglichkeiten im Rahmen von Gymnasium und Studienzirkeln war das Handweben weit verbreitet.. Sogar heute noch gibt es die vielen vävstugor, und  viele WeberInnen, die im Riksföreningen för Handvävning  engagiert sind.
Aber auch in Schweden hat die Weberei in den 80er Jahren einen besonderen Boom erlebt.
In dieser Zeit existierten etliche Webstuhlfabriken, Material gab es bei zahlreichen Händlern zu kaufen, jeder Hemslöjdladen führte Webgarne und Zubehörteile, überall wurden Kurse angeboten und viele der Webinteressierten kauften sich Webstühle, oft genug besonders große, um damit alle Möglichkeiten zu haben. Wer eine große Leinentischdecke weben möchte, braucht natürlich schon einen Webstuhl mit 150 cm Webbreite. Aber nicht jeder kam allein zurecht mit dem neuen Hobby, mancher hatte einfach nicht genug Zeit und auf vielen Webstühlen ist sicher nicht allzu oft gewebt worden. Irgendwann ebbte der Boom ab und etliche Webstühle wanderten in die Keller oder auf die Dachböden.
  

Gunillas Webstuhl war auf dem Dachboden des Vaters gelandet. Nach dessen Tod mußte nun die Wohnung geräumt werden und da sich große Webstühle momentan fast nicht verkaufen lassen, bot sie ihn als Geschenk an. Nur die Webbank wollte sie gern behalten.
 

So hat sich also der "Holzhaufen" im Kaminzimmer verdoppelt.
Während man dem Webstuhl aus Onsala ansieht, dass er eifrig benutzt worden ist, sieht  der Zweite aus wie neu, es sind noch nicht einmal die Abdrücke der Anlängerschnüre an den Bäumen zu erkennen. Er ist mit 10 Schäften und 10 Tritten ausgestattet, ist natürlich wieder kein Kontermarschwebstuhl aber es sind sog. Drälltrissor dabei, die es ermöglichen  10-schäftig zu weben.



Die Rädchen an den Schaftaufhängungen sind anders als bei den heutigen Webstühlen alle noch aus Holz gefertigt.



Und außer einem weiteren Spulrad und fünf handgefertigten Schiffchen gab es noch 4 Kämme dazu.


Alle Kämme sind dank der Aufbewahrung auf dem trockenen Dachboden völlig rostfrei.


Vielleicht hat ja auch das Einwickeln in Zeitungspapier geholfen, dass die Kämme so gut erhalten sind, auf jeden Fall konnte man durch diese spezielle Verpackung sehen, dass der Webstuhl seit mehr als 30 Jahren, nämlich seit Mittwoch, dem 20. Januar 1982,  nicht mehr in Benutzung gewesen ist.




Zwei der Kämme, mit der Einteilung 30/10 und 50/10 sind 135 cm lang, der Kamm mit der Einteilung 65/10 misst 110 cm und ein 80/10 Kamm 120 cm. Ich fand es seltsam, dass bei einem Webstuhl mit einer Webbreite von 150 cm kein entsprechend langer Kamm dabei war. Das brachte mich auf die Idee, die Bäume einmal nachzumessen und siehe da - es handelte sich gar nicht um einen riesigen 150er Webstuhl sondern einen absolut neuwertigen Glimåkra Standard mit 135 cm Webbreite - meinem Traummaß!

Was für ein Geschenk!