Mittwoch, 19. Dezember 2012

Bandweben mit dem Inkle Loom I

Bauanleitung und Aufzug der Kettfäden.


Schon immer wollte ich wissen, wie eigentlich ein Inkle Loom funktioniert. Leider kenne ich niemanden, der so ein Teil besitzt also habe ich mich entschlossen selbst einen zu bauen. Erfreulicherweise gefiel meinem Mann die Idee und er erklärte sich bereit die Schreinerarbeiten zu übernehmen.



Benötigt werden:
Ein stabverleimtes Buchenbrett aus dem Baumarkt, zwei Stangen Rundholz aus Buche, je 1 m lang mit 20 mm Durchmesser sowie ein 15 cm langes, dickeres Rundholz, unseres hat einen Durchmesser von 40 mm.
Eine Flügelmutter mit Unterlegscheibe und eine Stockschraube, das ist eine Schraube mit verschiedenen Gewinden an beiden Enden.




Da ich vergessen habe die Stockschraube zu fotografieren, habe ich gestern im Baumarkt schnell ein Foto  gemacht. Durch die Reflexe der Kunststoffverpackung ist das Bild etwas verwirrend aber ich denke man kann die beiden unterschiedlichen Teile erkennen, das offenere, vorn spitze Ende des Gewindes, das später in das dicke Rundholz geschraubt wird und das enge Maschinenschraubengewinde, das dann durch den Schlitz gesteckt wird und die Flügelmutter samt Unterlegscheibe aufnimmt, so dass sich das Spannungsholz festklemmen läßt.


 

Das Buchenbrett hatte die Maße 80 x 30 x 1,8 cm, die Zeichnung zeigt, dass 80 x 25 cm gereicht hätten, dieses Format war im Baumarkt aber nicht zu bekommen.




Das lange schmale Stück unten wird das Längsbrett, die beiden kurzen werden für die senkrechten Teile gebraucht und das Holz oben rechts ist das Grundbrett. Der Rest ist Verschnitt.



Zuerst werden alle Maße aus der Zeichnung übertragen, erst dann sollten die Ecken abgerundet werden. 
Die senkrechten Teile werden mit Überplattungen in das waagerechte Längsbrett eingepasst.



Den Längsschnitt hat mein Mann eingefräst, er läßt sich sicher auch sägen, das ist in Hartholz aber wohl etwas mühsam.



 Die Teile sind zusammengeleimt und die durchgehenden Bohrungen sind fertig



 Das Grundbrett ist montiert, geleimt und geschraubt




Die Rundhölzer, wurden eingepaßt und eingeleimt. In das dicke Rundholz, das zum Spannungsverstellen verschiebbar sein muss, ist das Holzgewinde der Stockschraube eingedreht worden.



Auf der Rückseite kann man die Flügelmutter erkennen.




Damit ist der Inkle Loom webbereit und die erste Kette kann aufgezogen werden.
Zuerst müssen die Litzen vorbereitet werden.
Das Video How to warp and Weave on the Schacht Inkle Loom  zeigt sehr schön wie das geht.
Als Material für die Litzen habe ich Teppichkettgarn (Kordonett) genommen und an meinem Inkle Loom die 4 senkrechten Rundhölzer als Lehre benutzt. Ich spanne das Garn einmal um sie herum und befestige es dann mit einem doppelten Knoten, beim ersten Knoten lege ich den Faden zweimal in die Knotenschlinge, dadurch wird er nicht locker, im Video kann man das gut sehen,



Die Enden des Knotens werden knapp abgeschnitten, damit sich später nichts verhakelt.  Auf diese Art und Weise habe ich  23 einzelne Schlingen hergestellt.




Jetzt kann das Aufbäumen beginnen.  Für meinen ersten Versuch habe ich nur die äußeren Hölzer genutzt. Wenn ich die Kette um alle Hölzer winde, erreiche ich bei diesem Gerät eine Kettlänge von gut 3 Metern.




Das Bespannen beginnt an dem dicken Rundholz auf der linken Seite. Es sollte in Mittelstellung stehen, damit man die Spannung nötigenfalls in jede Richtung nachjustieren kann. Ich habe den ersten Faden vorn im Schlitz angeknotet, dann über die  obersten Rundhölzer  außen entlang und unten zurück zum Spannungsholz gespannt, dort ein paar Mal darum gewickelt und die Litze angebracht. Dafür die vorbereitete  Schlinge doppeln, die Mitte über den Kettfaden und die Enden mit dem Knoten um das Litzenholz legen.




Der zweite Faden wird unterhalb des ersten oberen Rundholzes geführt, nimmt danach aber den gleichen Weg, bekommt aber keine Litze sondern bleibt frei. Nun geht es von vorn an wieder los.
Bei Farbwechseln verknotet man einfach den alten mit dem neuen Faden am Spannungsholz. 
Zum Schluss wird der Anfangsfaden, den ich vorne im Schlitz befestigt hatte, gelöst und mit dem letzten Faden zusammengeknotet.



Im nächsten Post werde ich das Weben beschreiben.

Nachtrag vom 10.7.2015:
Maker Mauz hat den Inkle Loom leicht verändert nachgebaut und darüber ein Video veröffentlicht:

https://youtu.be/PwGaCFDHHxA


Donnerstag, 13. Dezember 2012

Webpause

Nach gut 25 Jahren hat unsere alte Küche ausgedient, auch der Fußboden ist an an vielen Stellen abgenutzt und soll erneuert werden.



Da bei uns die Küche in den Wohnraum integriert ist, bedeutet das eine Totalrenovierung. Um nicht alles vollständig leerräumen zu müssen  - wohin auch damit ? - gehen wir partieweise vor.




Im ersten Renovierungsschritt war gleich mein Webstuhl betroffen, er steht jetzt zusammengedrängt  mit all den anderen Sachen mitten im Raum und zum Weben ist kein Platz mehr da.




Dafür konnte ich ihn mir mal aus einer ungewöhnlichen Perspektive angucken.





Stricken ist da ja viel flexibler.




Aus einem 100g - Knäuel dicker Strumpfwolle, Lana Grossa Meilenweit, 8-fach, will ich ein paar Kurzsocken stricken.




Es ist lange her, dass ich mit dickeren Nadeln, hier Stärke 4, gearbeitet habe. Ich muss mich tatsächlich erst wieder daran gewöhnen, auch die Länge der Nadeln macht mir Schwierigkeiten, ich stricke wesentlich lieber mit den kurzen 15 cm langen Nadelspielen.



Samstag, 8. Dezember 2012

Angewebt

Aus meinem frisch erworbenen Leinenvorrat, Bockens Lingarn 16/2, habe ich mir drei Rottöne für den Schuss ausgesucht.






Die Kissen sollen rechteckig werden, ca. 50 cm breit und 40 cm hoch. 
Jeweils eine Kissenseite will ich uni in einer der drei Farben weben, die andere längsgestreift mit den zwei verbliebenen Tönen.




Die gestreifte Seite für das erste Kissen ist schon fertig, mit dem einfarbigen Teil habe ich hier gerade begonnen.




Dünne Schussgarne spule ich gern mit dem Spinnrad, seit mein Mann mir ein sehr praktisches Gerät gebaut hat, das ich anstelle des Spinnflügels einsetzen kann.




So geht es wesentlich schneller als mit dem kleinen Spulrad und die Wicklung wird auch gleichmäßiger, da man den Faden gut führen kann.
Das Gerät eignet sich auch für dickere Garnspulen. Vorn am Dorn ist ein Gewinde eingeschnitten, auf das ich eine Aufnahme für größere Spulen schrauben kann.




Ich setze also große Spulen hinten auf den Ansatz des Metallteils und schraube das vordere Teil dagegen, dadurch entsteht eine Klemmung und ich kann mein Garn aufspulen.



Praktisch ist das nicht nur für handgesponnenes Garn sondern auch, wenn man mit mehreren Fäden schären möchte und nicht genug Garnspulen hat, so kann man seinen Garnvorrat vorher umverteilen.





Mittwoch, 5. Dezember 2012

Eingezogen

Endlich habe ich Zeit gefunden, die aufgebäumte Kette für meine Sofakissen in die Litzen und das Blatt einzuziehen.




In diesem Fall arbeite ich mit 4 Schäften und es kommt je 1 Faden in jede Litze.







Die Webpatrone zeigt das spätere Gewebebild des ungleichseitigen Köpers, der Schuss soll stärker hervortreten als die Kette.
Im unteren Teil der Abbildung sind die 4 Schäfte dargestellt, man kann sehen, dass jedem Schaft der Reihe nach ein Faden zugeteilt wird, dem  1. - 2. - 3.- 4. und dann geht es wieder von vorne los.
Auf der rechten Seite ist die Tretreihenfolge zu sehen und das kleine Quadrat zeigt die Aufbindung, die nötig ist um das gewünschte Muster zu weben.





Da ich mehr Fäden als nötig in der alten Kette hatte und ich nicht unnötig Schussgarn verschwenden will, habe ich rechts und links je 100 Fäden im Fadenkreuz abgebunden. Diese schmalen Ketten kann ich dann noch einmal für ein anderes Gewebe oder auch ein Band verwenden.
Meine aktuelle Webbreite beträgt jetzt knapp 42 cm.




Nach dem Litzeneinzug werden die Fäden in das Blatt eingezogen, bei einem 60er Blatt und einer Einstellung von 120/10, also 12 Fäden pro cm, kommen jeweils  2 Fäden in 1 Riet.










Jetzt knote ich die Fäden erst einmal provisorisch an den Warenbaum, dann folgt die Verschnürung.




Gemeint ist damit das Anbinden der Schäfte an die Kontermarschlatten und dieser an die Tritte. Die Kette wird jetzt endgültig angeknotet und es kann angewebt werden.






Samstag, 1. Dezember 2012

Im Garnparadies





Um Schussgarn für meine Kissen zu kaufen war ich in dieser Woche in Osterode im Garnlager von Anna Warsow.
Anna ist Webmeisterin und betreibt seit Jahren den Internetshop GARNE & MEHR, in dem sie alles rund ums Weben anbietet.  Die Garne, Webstühle und das Webzubehör kommen hauptsächlich aus Skandinavien und Anna Warsows finnischer Heimat.


 


Mittwochs von 14.00 bis 18.00 Uhr und nach Absprache ist der Shop für Besucher geöffnet und da ich nicht weit weg wohne, habe ich die Gelegenheit ergriffen, mir mein Garn direkt vor Ort auszusuchen.




Die Webwerkstatt mit dem Garnlager ist in einem großen hellen Raum im Obergeschoss des ehemaligen Imperial Rundfunk und Fernsehwerks zu finden, einem eindrucksvollen Gebäude, in dem heute eine Reihe verschiedener Firmen ansässig ist.




In diesen Regalen lagert Trikot aus Recyclingbaumwolle für die Teppichweberei.




Anna Warsow ist Autorin des Buches Weben mit Papiergarn, und ihr Lager ist natürlich reich bestückt mit diesem tollen Material.




Sowohl in Strängen als auch im Kleingebinde.




Bisher habe ich Papiergarn noch nicht verwebt, aber diese Sets aus dem Buch stehen auf meiner Projektliste.




Wolle in den verschiedensten Qualitäten.




Baumwolle, Leinengarne, Nialin.




An bestimmten Wochenenden finden in der Webwerkstatt Kurse zum Weben, Stricken und Basteln mit Papiergarn statt.




Dieses Filzgarn Fantti Lanka gehört zu meinen Favoriten, es ist mit und ohne schwarzen Kern erhältlich. 




Ich habe einen Ring, dem man durch kleine Abschnitte des Garns immer wieder ein anderes Aussehen geben kann. In diesem Fall steckt ein Stück "Haribo-Filz", Lakufantti-Lanka darin.




Irgendwann will ich auch diese Kissen nachweben.




Zuhause angekommen habe ich erst einmal die Beute dieses Besuchs ausgebreitet. 
1,5 kg Bockens Lingarn 16/2. 
Die Garne in den Rottönen sind für meine Kissen, aus den blauen und grünen Garnen will ich einen Leinen-Schal stricken.





Aprospos Stricken:  viele Webgarne kann man wunderbar verstricken, das finnische Wollgarn Pirkkalanka ist schön weich und in 2 Stärken zu haben, das dünnere hat eine Lauflänge von 400 m / 100 g und das dickere 175 m / 100 g,
die gezeigten Farben sind für beide Stärken erhältlich.



Ich habe mir die Farbkarte mitgebracht, weil ich aus diesem Material Marianne Isagers Pullover Kuba aus dem Buch Out of Africa stricken möchte. 
Als großen Vorteil der Webgarne empfinde ich die Tatsache, dass sich anders als bei den einschlägigen Firmen, die Strickgarne herstellen, die Farbpalette nicht jede Saison ändert und dass man daher über große Zeiträume Zugriff auf die angebotenen Farben hat.