Freitag, 23. August 2024

Einfaches Streifenmuster mit 3D gedrucktem Fächerkamm

 

 

Im Juli habe ich einen gestreiften Schal mit dem Fächerkamm gewebt, bei dem sich gerade verlaufende und undulierende Streifen abwechselten.

Diese Art zu weben wird dadurch möglich, dass mein 3D - gedruckter Fächerkamm aus einzelnen, unterschiedlichen Kammelementen besteht. Die Fächerelemente mit den schrägen Stegen und unterschiedlich breite Kammelemente mit gerade verlaufenden Stegen kann ich in beliebiger Reihenfolge in einem Wechselrahmen anordnen.

 

 

So habe ich dieses Mal die orangefarbenen Fächerelemente mit den grauen geraden Elementen für das neue Projekt zusammengestellt.

 

 

Ich möchte einen Tischläufer mit einem durchgehenden feinen Streifenmuster weben. 

Meine Kette habe ich mit je 4 schwarzen und 4 naturfarbenen Fäden geschärt.

 

 

Die Einteilung des benutzten Kamms ist 40/10, da ich mit Cottolin 22/2 in Kette und Schuss arbeiten will, muss ich je 2 Fäden in ein Riet einziehen, um eine angemessene Dichte von         8 Fäden pro Zentimeter zu erreichen.

 

 

Bei Fächerkammgeweben fange ich mit dem Kammeinzug gerne in der Mitte an. So kann ich besser kontrollieren, ob die gewünschte Farbverteilung pro Kammelement tatsächlich eingehalten wird oder ob ich einen Fehler beim Schären gemacht habe.

 


 

Zu Beginn und am Ende des Gewebes für den ersten Läufer möchte ich geradlinig verlaufende Streifen weben. Dafür muss ich beim Anschlag des Gewebes genau die Mitte der Fächerelemente treffen, da diese nur dort die gleiche Einteilung wie die geraden Teile haben, nämlich 40/10.

Um mir das bei meinem handgeführten Kamm zu erleichtern, habe ich die Mitte der Fächerelemente mit einem Permanentmarker gekennzeichnet. Das war so hilfreich, dass ich allen meinen Fächerelementen eine solche Markierung auf beiden Seiten verpassen werde.

 

 

Im Vordergrund des Gewebes ist die gerade verlaufende Längsstreifung zu erkennen, nach        15 cm habe ich mit der Höhenveränderung des Kamms beim Anschlag begonnen und dabei alle 6 cm die Richtung geändert. 

Also nachdem ich 6 Zentimeter im unteren Bereich des Kammes gewebt hatte, folgten              6 Zentimeter im oberen Bereich. Der Kamm hängt an Texsolvschnüren und ich nutze nur zwei Höheneinstellungen beim Weben.

In der einen Stellung ist die Schnur auf die mittlere Ebene des Kamms eingestellt, das ist auch die neutrale Ruhestellung für die Kette, die ich nutze, wenn ich länger nicht webe. 

Mit dieser Schnurlänge kann ich aber auch durch sukkzessives Anheben des Kamms den Anschlag immer weiter in den unteren Bereich des Kamms bringen bis ich in der tiefstmöglichen Stellung bin. Mit etwas Übung geht da sehr gut "nach Gefühl". 

Wenn ich die gewünschte Länge, hier 6 cm, erreicht habe, setze ich eine Markierung an eine Webkante, verlängere die Schnur bis der Kamm so tief hängt, dass ich im oberen Bereich weben kann und senke ihn nun handgeführt bei jedem Schuss etwas ab, bis ich die höchstmögliche Stelle erreicht habe, dort webe ich weiter, bis ich wieder insgesamt 6 cm geschafft habe.

 

 

In der Mitte und an beiden Seiten ist der wellenförmige Verlauf der Streifen, als Effekt des Fächerkamms, deutlich zu erkennen.

 
 

 

Da all diese Gewebe auch Musterstücke sind, ziehe ich nur kurze Ketten von ca. 2,50 m auf, um schnell etwas Neues ausprobieren zu können. Nach dem ersten Läufer, bei dem ich durchgängig mit schwarzem Schussgarn gewebt hatte, war daher nur noch ein kurzes Stück übrig.


 

Diesen Kettrest habe ich mit dem hellen Schußfaden abgewebt. Um besser aussehende Webkanten zu bekommen habe ich vorher die schwarzen Fäden der ersten Streifen an den Seiten abgeschnitten.

 


Der gerade Streifenverlauf am Abfang des hellen Gewebes ist aus Platzgründen etwas kürzer gehalten.



Zu meiner Verwunderung gefiel mir das helle Gewebe schließlich besser als das dunklere.



Hättte ich das vorausgesehen, hätte ich die Größen- und Farbverhältnisse wahrscheinlich umgekehrt.



Andererseits passt der dunkle Läufer besser in die Farbgebung unseres Küchenbereichs.




Auf jeden Fall bin ich sehr zufrieden mit diesem einfachen und schlichten Muster.






In meinem Blogbeitrag Neues vom Fächerkamm gibt es weitere Informationen und den Link zu den Druckerfiles meines 3D-gedruckten Fächerkamms.

 

 

 

 

Freitag, 26. Juli 2024

Topflappen

 

Im Herbst möchte ich in unserer vävstuga in Virserum das Weben mit meinem 3D gedruckten Fächerkamm demonstrieren.

In Deutschland hatte ich festgestellt, dass sich dafür mein Mini-Glimåkra Webstuhl, Webbreite 60 cm, sehr gut eignet.

 


 

Auch in der vävstuga haben wir einige dieser kleinen Webstühle und auf einem davon war   eine kleine Restkette für Topflappen übrig geblieben.

 


 

Viele von uns hatten sich schon Topflappen gewebt aber nun bestand offensichtlich kein großes Interesse mehr, vielleicht lag es auch daran, dass beim Litzeneinzug irgendetwas schiefgelaufen war.  Jedenfalls entsprachen die gewebten Ergebnisse nicht ganz der Abbildung des gewünschten Musters aus dem VÄV Magasinet  3 - 2002, S. 32.

Also beschloss ich, die Kettfäden neu in die Litzen einzuziehen und auch die Verschnürung  zu ändern, so dass ich alle 3 Muster aus der Webzeitschrift ausprobieren konnte, dann die Topflappen abzuweben, um danach mit meinem Fächerkammgewebe beginnen zu können.

Um auch noch die Farbverteilung der Kette zu ändern, bei der zwei gleichfarbige Streifen nebeneinander lagen, hätte ich den ganzen Kettrest abwickeln und umverteilen müssen, das war mir dann aber doch zu mühsam für ein paar kleine Topflappen.

 

 

Das erste Muster dieses Ripsgewebes ergibt einen Karoeffekt, bei dem die Blöcke, die jeweils die Ober- oder Unterseite der Kette zeigen, nebeneinander liegen. Dieses Muster erfordert nur 2 Tritte.

 


 Beim zweiten Muster sind diese Blöcke versetzt, für diesen Effekt sind alle 4 Tritte nötig.



Das Gleiche gilt für das dritte Muster, bei dem die breiten Längsstreifen nur durch schmale Querstreifen der jeweils andersfarbigen Kettseite unterteilt sind.

 

 

Insgesamt hat die Kette immerhin noch für 5 Topflappen gereicht. 

Direkt danach habe ich den Webstuhl für das Fächerkamm-Weben eingerichtet und angewebt.

 


Im September will ich dann einen Wollschal im Rosengangmuster weben.





 

Freitag, 12. Juli 2024

Fächerkamm : Schwarz-weißer Streifenschal

 

 

Baumwolle 8/2 habe ich bisher selten benutzt. In der Fadenstärke ist sie vergleichbar mit Cottolin, durch den fehlenden Leinenanteil aber etwas weicher im Griff, das ist hier von Vorteil, da ich einen Schal weben möchte.

 

 

Der Schal soll nur ca 30 cm breit werden, damit die einzelnen Elemente des 3D gedruckten Fächerkamms in ihrem Wechselrahmen nicht verrutschen, habe ich trotzdem die ganzen 60 cm mit Elementen ausgefüllt.

 

 

In die Mitte habe ich zwei Fächerkammelemente gesetzt, die zusammen einen ganzen und zwei halbe Fächer ergeben, rechts und links schließen sich gerade Rietelemente an.

In meinem Blogbeitrag, Neues vom Fächerkamm, gibt es genauere Informationen zum Aussehen des Wechselrahmens und der einzelnen 3D gedruckten Kammelemente.

 

 

Die Gestaltungsidee war, zwischen zwei gerade verlaufende Längsstreifenblöcke einen   undulierenden Streifenblock zu setzen.



 Alle drei Streifenbereiche sind gleich breit, 5 x 4 helle Fäden und 4 x 4 dunkle = 36 Fäden.

 

 

Ich arbeite hier mit einem 30/10 Kamm, also einem Fächerkamm, der 3 Fäden pro Zentimeter in der Mittellage hat. Die Fächerelemente sind 6 cm breit, das bedeutet, dass mir 18 Schlitze für den Fächer zur Verfügung stehen, die ich also jeweils mit zwei Kettfäden bestückt habe.

 


Das bedeutet, mein Schal hat die Einstellung 60/10. Mit Baumwolle 8/2 in der Kette ergibt das natürlich ein recht lockeres Gewebe, aber hoffentlich einen gut fallenden Schal. Um diesen Effekt noch zu verstärken habe ich als Schuss Bamboo 2/8 von Maurice Brassard eingesetzt.

 

 

Ich hatte je eine Rolle mit schwarzem und sehr hellgrauem Garn zur Verfügung und habe einen Farbwechsel in der Hälfte des Schals vorgenommen.



Dieses Viskosegarn, das es jetzt erfreulicherweise wieder in Deutschland bei Wallmonte zu kaufen gibt, hat einen seidenartigen Glanz und ist sehr glatt. Daher sollte das Weben dieses Schals gleichzeitig ein Test für die Stabilität des Fächerkamm - Effekts sein.


 

Auf dem Webstuhl hatte ich diesbezüglich schnell meine Bedenken, denn sobald die Kette fest gespannt wurde, verschoben sich, speziell in den sehr locker gewebten Bereichen, die  Schussfäden.



Nach Abschneiden des Gewebes vom Webstuhl, ging es erst einmal wieder ans Fransendrehen.



Und schon kurz nach Fertigstellung der Fransen, hatte sich das Gewebe so weit entspannt, dass die schlimmsten Verschiebungen gar nicht mehr so stark hervortraten. Vor der Handwäsche habe ich den Schal noch ein paar Mal längs und quer gedehnt und später im noch feuchten Zustand gebügelt.



 

Ich denke, die kleinen Unregelmäßigkeiten, die man nun noch sieht sind halt typisch für Gewebe mit einem handgeführten Fächerkamm. Dennoch stören mich etwas die sichtbar schlechten Webkanten der grauen Schalhälfte. Hier hätte ich beim Weben aufmerksamer sein müssen.




Die Druckfiles für den 30/10 Fächerkamm habe ich auf Thingiverse hochgeladen.


 

Samstag, 22. Juni 2024

Turned Taqueté mit 8 Schäften

 

2016 habe ich zum ersten Mal Handtücher in Turned Taqueté gewebt. 4-schäftig, mit einem Karomuster. Das Gewebe und die Möglichkeiten der Farbvariationen auf einer Kette gefielen mir so gut, dass ich später noch mehrmals dieses 4 schäftige Muster gewebt habe, erst mit kleinen Rechtecken, wie auf dem Bild, später mit größeren Rechtecken in Rottönen.

 


Letztes Jahr habe ich dann ein Muster von Susan Poague nachgearbeitet, das sie in der Zeitschrift Handwoven, May-June 2019,  veröffentlicht hat.

Mit 8 Schäften und 7 Tritten ist es nach dieser Anleitung möglich, ein Muster mit großen Punkten zu weben.

 

 

Alle Taqueté Gewebe, die ich bisher gewebt habe waren ideal, um Restgarne zu verbrauchen. Das neue 8-schäftige Muster machte da keine Ausnahme. Wieder habe ich meine grünen und blauen Cottolinreste rausgesucht und als Grundfarbe Cottolin in Ecru benutzt.                           Auch Susan Poague hat in ihrem Artikel diese Farbskala verwendet.

 


Ich hatte in Schweden gerade einen klemmbaren Schärbaum mit 2 m Umfang geschenkt bekommen, den ich gleich ausprobieren konnte und so war die Kette schnell gemacht.

 


 

Nach dem Aufbäumen folgte der Litzeneinzug



  und danach das Blattstechen.

 

 

Mein erstes Handtuch habe ich mit Cottolin in einem kalten Hellblauton geschossen.


 

Die Tritte des Webstuhls habe ich mit ihren Nummern markiert, da mich die benötigte, ungleiche Anzahl von 7 Tritten beim Weben etwas durcheinanderbrachte.


 

 

Das Muster ist nicht auf beiden Seiten gleich. So wie ich den Webstuhl eingerichtet habe, zeigt die Oberseite des Gewebes farbige Streifen mit hellen Punkten, die Unterseite, die oben auf dem Bild zu sehen ist, hat farbige Punkte auf hellem Grund.

 

 

Als Schuss für das zweite Handtuch habe ich ein Türkisgrün ausgewählt, beim Übergang zur neuen Farbe ist der Unterschied ganz gut zu sehen.

 

 

Da ich das Gewebe im letzten Herbst angefangen habe, stand unsere Rückreise nach Deutschland kurz bevor und die Zeit reichte nicht mehr, die ganze Kette abzuweben. Weil ich aber neugierig auf das Aussehen des Gewebes nach dem Waschen war, habe ich die ersten beiden Handtücher abgeschnitten.

 

 

Den Rest der Kette werde ich bei Gelegenheit wieder anknoten und mit weiteren Schussfarben die verbliebenen Handtücher abweben. 

 

 

Weil ich gerne kurze Ketten mache, um schnell wieder etwas Neues ausprobieren zu können, werden das wohl nur noch zwei, bestenfalls drei Handtücher sein. Ich weiß es nicht genau, weil ich wieder einmal vergessen habe die Kettlänge in das Buch mit meinen Webnotizen einzutragen.



Die ersten beiden Handtücher sind gesäumt, gewaschen und gebügelt und die Bilder zeigen Vorder- und Rückseite.



 

Ich freue mich schon auf das Weben der neuen Farbkombinationen, vorher muss ich aber noch ein paar andere Projekte fertig machen.