Sonntag, 28. Februar 2021

Aus Alt mach Neu: Webstuhl- Upcycling

 

Das ist der Webstuhl Anne von Glimåkra,  den ich vor ein paar Jahren gebraucht gekauft habe. Er hat 4 Schäfte, 6 Tritte und eine Webbreite von 90 cm und ist im Wesentlichen baugleich mit den bekannteren Göta-Webstühlen von Inga Askling.

Hier die Seitenansicht des klappbaren Webstuhls, der dafür gedacht war, ihn an einen Tisch oder einer Fensterbank festzuklemmen. Wir haben ihm einfach Hinterbeine verpasst, damit er unabhängig stehen konnte.

 

Ich habe noch zwei der kleineren Webstühle dieses Typs, jeweils mit 60 cm Webbreite, mit denen ich lieber webe. Bei dem großen hatte ich immer Probleme mit den Tritten, die für meine Füße zu nah aneinander lagen, also haben mein Mann und ich beschlossen, ihn einfach nach dem Muster des selbstgebauten Lotta-Webstuhls umzubauen.

Aus dem Wippenwebstuhl sollte also ein Kontermarschwebstuhl werden.


 

Genutzt haben wir für den Umbau nur den Rahmen mit den beiden Bäumen und ihren kräftigen Metallzahnrädern sowie die Kammlade. Da der Webrahmen hinten keinen Streichbaum hatte, haben wir einen solchen nach dem Vorbild des vorderen nachgebaut und angefügt. Auf den Bildern erkennt man auch gut die neuen Teile am helleren Holz. Anders als die 6-schäftige Lotta sollte dieser Webstuhl 8 Schäfte bekommen, die Seitenbretter und der Kasten für den Kontermarsch sind also etwas breiter.

 

 

Der Webstuhl kommt durch den neuen Streichbaum auf eine Gesamttiefe von 90 cm. Das Innenmaß des Rahmens war groß genug, dass statt der 90 cm, eine Webbreite von 100 cm möglich wurde. Das bedeutete aber, dass wir neue, längere Schaftlatten brauchten. 

Auch die unteren Seitenteile mussten in der Breite an die Aufnahme von 16 Querlatten für die 8 Schäfte angepasst werden, dazu habe ich mir 10 Tritte gewünscht.


So sieht der Neue nun zusammengebaut aus. Die Schaftlatten liegen noch auf dem Boden und warten darauf wieder mit 28er Litzen bestückt zu werden.

Als nächstes habe ich eine erste Kette vorbereitet.

Das Aufbäumen mit dem abnehmbaren Reedekamm ging reibungslos.


Dann kam der Litzeneinzug. Ich habe mir gleich als Erstes ein 8-schäftiges Gewebe ausgesucht.


 

Das Material ist Cottolin 22/2, die Einstellung 8 Fäden pro Zentimeter. In einen 40/10 Kamm habe ich hier 2 Fäden pro Riet eingezogen.

 


Die Schäfte sind schon mit den Querlatten verbunden, Hebungen und Senkungen sind leicht zu unterscheiden durch die verschiedenfarbenen Texsolvschnüre.



 
Die Klammerbolzen habe ich zur Markierung schon an ihre Plätze gesteckt in den Querlatten gesteckt.  Vierzig blaue und vierundzwanzig weiße Schnüre sind abgelängt und müssen noch an den Enden versiegelt werden, dann kann ich die Trittanbindung machen.



Der letzte Schritt wird nun sein, die Kette anzubinden und loszuweben. 

Dann werde ich wissen, ob der neue Webstuhl genausogut funktioniert, wie die kleinere Lotta oder ob Umbaumaßnahmen nötig werden.






Sonntag, 31. Januar 2021

Eine Kette - viele Muster.

Ausgehend von den Mustertüchern zum Thema Shadow Weave, gezeigt in meinem letzten Blogbeitrag, habe ich fünf Handtücher gewebt.

 

 

Die fünf unterschiedlich gemusterten Tücher sind alle auf der gleichen Kette, bei gleicher Aufbindung, nur durch Änderung der Farbfolge bzw. Stärke  des Schussgarns oder durch Änderung der Trittfolge entstanden

 

 

Das Handtuch oben links habe ich zuerst gewebt. Es zeigt die Kettfarben schwarz und mittelblau, die ich in diesem Fall auch im Schuss verwendet habe. 

 

 

Das Material ist Cotttolin 22/2, das Muster ist im Mustertuch 1 des vorhergehenden Blogbeitrags über Shadow Weave wiederzufinden. Dort ist auch die Patrone abgebildet, die ich benutzt habe. 

An den Webkanten habe ich je 12 schwarze Fäden geradedurch, aber rechts und links in gegenläufiger Richtung eingezogen. Den Hauptteil bildet der Spitzköper + "Schatten", wie er auf der linken Seite der Patrone zu sehen ist. Hier wurde alternierend 1 Faden schwarz,  1 Faden blau eingezogen.

Das abgebildete Muster entsteht, wenn man in der gleichen Abfolge, wie der Einzug es vorgibt, die Tritte bedient und auch hier, beginnend mit dem schwarzen Faden, alternierend Schwarz und Blau schießt, so wie es im unteren Teil der Patrone zu sehen ist.

 

 

Vorder- und Rückseite erscheinen bei diesem Handtuch leicht unterschiedlich.

 


Für das zweite Handtuch habe ich andere Farben gewählt und deren Reihenfolge von  dunkel - hell in  hell - dunkel geändert.


 
Dadurch entsteht das Muster, das im oberen Teil der Patrone zu sehen ist.


 
 Auch hier ergeben sich differierende Musterseiten.


 

Bei meinem  3. Handtuch liegt der Unterschied beim Schuss nicht im Farbkontrast sondern in der Stärke des Garns. Das helle Grün ist Cottolin 22/2 , das helle Türkis Baumwolle 8/4, dieser Faden ist also etwa doppelt so dick wie das Cottolin.

 


Begonnen habe ich mit dem dickeren Garn.

 

 

Und hier sieht man die beiden Musterseiten, die sich dadurch ergeben haben.



Auch im nächsten Fall habe ich wieder mit einem dicken und einem dünnen Faden gearbeitet.

 


Die pinkfarbene Baumwolle 8/4 und das dünnere orangefarbene Garn wurden im Wechsel geschossen. Der dunklere lilafarbene Cottolinfaden ist nur im Saum verwendet worden.



Im Unterschied zu den anderen Handtücher habe ich aber hier die Trittreihenfolge geändert und ohne Wendung, nur geradedurch  1-3, 2-4, 3-1, 4-2  getreten. Das Muster dieses Handtuchs erscheint auf beiden Seiten gleich.


 
Bei meinem letzten Handtuch habe ich insgesamt mit mehreren Farben, aber jeden Streifen jeweils nur mit einer Farbe gewebt.
 

 
Der Saum ist wieder in lila gehalten, es wiederholen sich Strreifen in einem hellen Türkis, die Abgrenzungen zum nächsten Farbfeld sind rotlila, die anderen Farben kommen jeweils nur in einem Streifen vor. 


 

Die Trittfolge ist auch hier wieder eine andere, es wurde ein einfacher Spitzköper gewebt: 1-2-3-4-3-2-1

 

Ich habe bedauert, keine längere Kette aufgezogen zu haben, denn die Farb- und Musterspielerei hätte ich gut und gern noch länger weitermachen wollen.

 


Meiner Ansicht nach wird oft unterschätzt, welcher Musterreichtum mit nur 4 Schäften und 4 Tritten möglich ist und hinzu kommt, dass es erstaunlich ist, wie viele unterschiedliche Ergebnisse mit einer einzigen Kette erzielt werden können.

 

 

 

 


Donnerstag, 31. Dezember 2020

Shadow Weave

Köperbindungen waren 2020 das Hauptthema  in  Jane Staffords Online Guild, und dazu gehörte auch Shadow Weave in der, von der berühmten amerikanischen Weberin Mary Meigs Atwater, erfundenen Variante.

 


 

Nach Atwaters Schema kann man sich entsprechende Bindungen leicht selbst entwickeln. Eine sehr gute Anleitung dazu, findet ihr im Internet unter dem folgenden Titel:

Designing Shadow Weave - the Atwater System - Pioneerweavers valley.org 

Mit einfachem 4-schäftigem Köper, kann man sich die Bindung folgendermaßen entwickeln: Jede Einheit eines "Schattengewebes" ist durch 2 Fäden mit gegensätzlichen Charakteristiken geformt, z.B. hell und dunkel. Es gibt unterschiedliche Arten, diese beiden Partner zusammenzustellen. eine sehr einfache Möglichkeit ist es, sich die vier beteiligten Schäfte in zwei Reihen vorzustellen:  

 
 Schaft 1 wird nun Schaft 3 zugeordnet, Schaft 2  dem Schaft 4,

Schaft 3 dem Schaft 1 und Schaft 4 dem Schaft 2.

Will man die Patrone entwickeln, geht das am einfachsten, wenn man z.B. beim Einzug geradedurch, jeweils ein Kästchen freilässt

 
und dann die Lücken mit dem entsprechenden Partner ausfüllt.



An der Patrone für den geraden Einzug ( schwarz und pink)  und den Spitzköper (schwarz und orange), der Köperanbindung und der Trittfolge, hier Tromp as writ, kann man den Effekt dann sehen.



Jane Stafford hat einen Entwurf für mehrere Sampler erarbeitet, durch die eine große Anzahl der möglichen Muster-, Struktur- und Farbkombinationen beim Weben erfahrbar gemacht wird und die nach Fertigstellung wirklich eine hervorragende Musterbibliothek bilden.


 


Meine Kette entspricht in etwa den von Jane vorgeschlagenen Farben, statt Baumwolle 8/2 habe ich wieder mit Cottolin gearbeitet, weil ich davon noch größere Mengen in meinem Vorrat habe. 

Gewebt habe ich mit 7 Fäden pro cm. Zu jedem farbigen Faden wird alternierend ein schwarzer eingezogen und jeder Farbblock bekommt seinen eigenen Einzug. Die Trennlinien bestehen aus 4 schwarzen Kettfäden.

 

Sample # 1

 

Am unteren Rand des ersten Mustertuches kann man ganz gut die verschiedenen Einzüge erkennen.

Rechts, der pink-schwarze Streifen ist geradedurch eingezogen, dann folgen ein einfacher, ein unregelmäßig gemusterter und ein verlängerter Spitzeinzug. 

Das erste Probestück ist Tromp As Writ (TAW) gewebt, d.h. die Trittfolge entspicht dem Einzug. Auch die Schussfarbe entspricht jeweils der Kettfarbe des betreffenden Einzugs.

Bemerkenswert ist hier nun der große Unterschied, der durch die Farbreihenfolge entsteht. Webt man schwarz-pink im Wechsel und tritt dabei 1 -2 -3 -4, sieht man die entsprechende Musterbildung in allen vier nebeneinanderliegenden Feldern.

Kehrt man den Farbwechsel um, webt also in der Reihenfolge pink - schwarz, ergibt sich ein völlig anderes Muster in allen vier Feldern. 

Entsprechendes gilt natürlich für die weiteren Trittfolgen, die sich aus den Einzügen ergeben und jeweils mit ihrer Kettfarbe im Schuss gewebt wurden. 

 

Sample # 2


 

Beim Mustertuch 2 wurde jeweills das Schwarz im Schuss mit einer dunkleren Farbe aus der gleichen Farbfamilie ersetzt, die Schussfolge war hier jeweils dunkel - hell.


Sample # 3

 

Im Mustertuch 3 ist einer der Fäden wieder schwarz, es wurde hier immer mit der Kombination  Farbe - Schwarz begonnen und das gleiche Muster dann noch einmal mit der umgekehrten Farbfolge gewebt. Dieses Probestück beginnt unten mit einem Bogenköper, dann wurde die Steigungszahl von Spitzköper und Rosengang geändert und zum Schluss normal Rosengang gewebt.

 

Sample # 4

 

 Sample 4 wurde ohne Hell-Dunkel-Farbwechsel mit unterschiedlichen Mustern gewebt.

 

Sample # 5

 

Das Sample 5 ist noch einmal TAW gewebt, hier wurde das schwarze Cottolin aber durch einen dickeren Faden, Baumwolle 8/4, ersetzt. Ich habe einfach Farben genommen, die ich in diesem Material in meinem Vorrat hatte: grün, lila, hellblau und dunkelblau.

Dieses letzte Mustertuch weist dadurch eine völlig andere Struktur auf und unterscheidet sich schon dadurch erheblich vom Sample 1, das ja mit der gleichen Trittfolge gewebt wurde.

Sehr viel Spaß macht es, jetzt mit Hilfe von kleinen Papprähmchen Muster zu isolieren oder zusammenzustellen, und sich die verschiedensten Projekte dafür auszudenken.

 

Dazu folgen jetzt einige Beispiele

 















 

Ich wünsche Euch allen ein Gutes Neues Jahr!