Dienstag, 19. März 2013

Ultimate Sweater Machine



An der USM, der Ultimate Sweater Machine scheiden sich die Geister, Schmähungen und wüste Schimpftiraden stehen Begeisterung und Lobeshymnen gegenüber.



Ich war einfach nur neugierig, wie eine so primitiv gebaute Maschine überhaupt funktioniert. Wenn etliche Strickerinnen damit zurecht kommen, kann ja eigentlich kein grundlegendes Problem bestehen.
Im Dezember letzten Jahres hatte ich Glück und konnte eine dieser Plastikmaschinen für kleines Geld ersteigern. Der beiliegenden Rechnung war zu entnehmen, dass die USM erst ein halbes Jahr alt war, die Verkäuferin war aber offensichtlich nicht mit der Maschine klargekommen. Zufälligerweise fand ich kurz nach dem Kauf ihre Bitten um Hilfe in einem einschlägigen Strickforum.
Dort war ich gelandet, weil auch ich das Gerät nicht dazu bringen konnte auch nur eine einzige Reihe fehlerfrei abzustricken.




Weder die beiliegende DVD noch die wirklich tollen Filme, Meet your Bond ,die Cheryl Brunette in den 80ern aufgenommen hat und die mittlerweile kostenfrei bei You Tube zu sehen sind, haben mir helfen können. In 9 Filmen erklärt Cheryl Brunette das Stricken Schritt für Schritt auf der älteren Incredible Knitting Machine, deren Handhabung sich aber von der USM nicht wesentlich unterscheidet.

Nach jedem Strickversuch und somit jeder neuen Enttäuschung stand meine USM erst mal ein paar Tage wieder rum, ich bin nicht unbedingt sehr geduldig, also von morgens bis abends hätte ich nicht frickeln mögen aber ich bin ziemlich hartnäckig, wenn es darum geht, ein Problem zu lösen. 
Bei Ravelry bin ich der Bond Gruppe beigetreten, um stundenlang zu lesen, wie vielen Leuten es genau wie mir erging, das Teil wollte nicht. Natürlich besteht die Gruppe auch aus Menschen, die laufend ihre Erfolge mit der wunderbaren Maschine präsentieren, und glücklicherweise sind auch sehr viele bereit, zu helfen, auch Cheryl ist in der Gruppe aktiv und versucht Probleme zu lösen.




Ich konnte einfach nicht begreifen, warum das Gerät in jeder Reihe etliche Maschen nicht abstrickte, das passierte immer an anderen Stellen, kaputte Nadeln waren also auszuschließen. Die Maschine ist so einfach gebaut, dass Fehler eigentlich offensichtlich sein müßten. In den Schlitten werden je nach Garnstärke unterschiedliche Kunststoffplatten, die Maschenweiten-Schablonen, eingelegt, diese haben entweder einseitig oder beidseitig Rippen. An den schrägen Rippen gleiten die Nadelfüße entlang, dort werden die Platten eingewachst, was am besten mit einer sehr kleinen Kerze funktioniert. Viele Raveller waren der Meinung, dass starkes Wachsen ihnen geholfen hätte, manche empfahlen Siliconspray zu verwenden - bei mir hat das alles nichts genutzt.



Dies sind  z.B. die Platten 1 und 4, je höher die Nummer, desto stärkeres Garn kann verstrickt werden.



Der Schlitten wird einfach aufgeklappt und die Schablone mit den entsprechenden Rippen nach unten eingelegt.



Im unteren Bild kann man erkennen, wie die Nadelfüße gelenkt werden.



Die USM unterscheidet sich von den anderen Bond-Strickern einmal dadurch, dass der Schlitten einen Abstreifer hat, die älteren Maschinen arbeiten mit einem Drahtbügel, zum anderen hat die USM so etwas Ähnliches wie eine gepolsterte Nadelsperrschiene.


Mit Hilfe einiger Nadeln kann man abschnittsweise die grüne Plastikleiste hochdrücken und entfernen. Darunter erscheint dann ein dünner Schaumstoffstreifen, der über den Nadeln liegt.
Da bei normalen Strickmaschinen meistens die Nadelsperrschiene für Fallmaschen und ähnliche Probleme verantwortlich ist, habe ich versucht sie mit einem dickeren Wollfaden aufzupolstern, auch das wieder ein Ravelry-Tipp. Die einzelnen Nadeln schlackerten jetzt zwar nicht mehr so locker rum, stricken ging aber trotzdem nicht. 
Im Bewußtsein, dass die Polsterung eine neuere Entwicklung ist, habe ich sie im nächsten Versuch ganz entfernt, das ging aber gar nicht, wenn die Nadeln keinerlei Reibung haben, rutschen sie einfach ungebremst nach vorne.




Schließlich habe ich alle Nadeln herausgenommen, einzeln gecheckt, gereinigt und schön poliert, danach das Nadelbett ausgebürstet, alles zurückgebaut.


 
Das ganze Nadelbett besteht aus einzelnen Abschnitten, die ineinandergeklickt sind, das kann man im oberen Bild gut erkennen. Daher ist es wichtig, dass die Maschine nicht auf einer unebenen Fläche steht, weil die Teile dann möglicherweise gegeneinander verkippen können. Deshalb müssen auch die grünen Nadelabdeckschienen sorgfältig wieder eingebaut werden, es sollten an den Stoßstellen keine Höhenunterschiede auftreten. Also habe ich sie alle schön fest wieder eingedrückt, aber das Stricken klappte trotzdem nicht. Diesmal blieb der Schlitten sogar schon mit seiner Außenseite an einzelnen Nadelfüßen hängen und ließ sich nicht weiterbewegen. 
Als ich versuchte die grüne Leiste noch fester runterzudrücken, fiel mir auf, dass durch diesen Druck auf dem vorderen Teil der Nadeln, die Nadelfüße sich noch weiter nach oben bewegten, also das glattte Gegenteil von dem, was ich beabsichtigte, bewirkt wurde.
Also habe ich alle grünen Leistenteile etwas höher gelupft.



Und dann ging es ratsch, ratsch, ratsch, mühelos lief der Schlitten über das Nadelbett, jede Masche wurde sauber abgestrickt und schließlich konnte ich mein erstes kleines Probestück abwerfen. Wahrscheinlich waren die Nadelabdeckschienen von vornherein zu tief eingebaut, was eine Fehlstellung der Nadeln verursachte.




Bei diesem Strickversuch hatte ich gleichzeitig auch einen anderen Anschlag probiert. Anstatt mit dem USM-Plastikanschlagkamm zu arbeiten, war ich einem weiteren Ravelry-Tipp gefolgt. Ich habe einen Wickelanschlag gemacht und danach einen Nylonfaden über die Nadeln gelegt.




Dann habe ich den Maschenkamm meiner Feinstrickmaschine über Maschen und Nylonfaden gehängt. Die USM hat einen Nadelabstand von 9 mm, der Feinstricker 4,5 mm, dadurch ist es möglich mit diesem Kamm zu arbeiten. Die erste Reihe habe ich Nadel für Nadel manuell abgestrickt, das erschien mir sicherer.



Aber danach konnte ich fehlerlos mein erstes kleines Gestrick fertigstellen. 
Die Seiten meines Strickteils habe ich, wie bei Cheryl Brunette gelernt, mit Krallengewichten gesichert und den leichten Anschlagkamm mit einem kleinen Gewicht beschwert.



Nach diesen beiden ersten Strickereien habe ich noch einmal versucht, den Bond-Anschlagkamm zu benutzen, und wieder gab es Probleme dem Schlitten. Ich vermute, dass der Plastikkamm mit seinen recht schweren Stangengewichten den gleichen negativen Effekt hat wie die zu tief eingesetzte Nadelabdeckschiene. Das Gewicht auf dem vorderen Teil der Nadeln läßt die Nadeln leicht nach unten kippen, dadurch stehen die Nadellfüße zu hoch und sie können nicht richtig von den Schablonen erfaßt werden. Im schlimmsten Fall stehen sie sogar so hoch, dass sie an das Gehäuse des Schlittens anstoßen und so die Bewegung vollständig blockieren.




Das fertige Stück habe ich an der Längskante zusammengenäht,
dann musste noch einen Pompon gebastelt werden



und mein erstes Projekt fertig.
Strickmaschinengraffiti


Gerade bei dem trüben Wetter, das wir momentan haben, machen die Leuchtfarben richtig gute Laune, zumindest unsere Briefträgerin war heute morgen ganz begeistert.



Dazu noch ein Buchtipp:


Mandy Moore & Leanne Prain, Strick Graffiti, Knaur-Verlag 2011, 192 inspirierende Seiten.





Das originelle Buch, das ich letztes Jahr von meiner Nichte zum Geburtstag bekommen habe, enthält nicht nur Ideen und Anleitungen um das Draußen zu dekorieren sondern auch Strickmuster für die richtige Kluft beim Taggen.




Kaum hatte unser Zaunpfahl sein wärmendes Mäntelchen, fing es schon wieder leicht zu schneien an.




Kommentare:

  1. Danke für den Tip! Unser Apfelbaum sieht so traurig aus. Ein Baumpullover wäre eine gute Idee:-)

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    1. Vielleicht im nächsten Winter,
      sollen wir nicht jetzt erst mal den Frühling ranlassen?

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  2. hej Marlies,
    danke für deine schöne Beschreibung mit diesem Gerät. Also so wie ich das verstehen ist das nichts für Anfänger bzw. für Kinder?
    Kannst du mir einen TIP geben, wo man so was bekommt und was das kostet, dann kannst du mir das ja im Sommer mal zeigen :-)
    Solchen Strickschmuck für alles Mögliche findet man hier in Nässjö auch und ich finde das auch sehr schön.

    lg Heike

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    1. Ich habe meine Maschine bei ebay ersteigert und habe insgesamt knapp 50 € bezahlt. Ich werde die USM im Sommer wohl mitbringen, dann kannst du sie gern mal ausprobieren.

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  3. Du hast ja Geduld! Euer Haus kann man jetzt noch leichter finden, wenn der Zaunpfahl so schön farbig winkt.

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  4. Hallo Marlies,

    nun weiß ich ja,wen ich bei Strickmaschinen-Problemen kontaktieren kann - sollte ich meine Maschine wieder unter dem Bett hervorholen. Allerdings könnte ich ja mal - bei dem Schneetreiben die letzten Tage - auch einen Anzug für meinen "festkäpp" stricken.

    Viele Schneegrüße aus Schweden

    Marianne

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    1. Liebe Marianne,
      was ist denn ein festkäpp?

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