Sonntag, 11. November 2012

Tenntrådsbroderi

Seit ich sie vor vielen, vielen Jahren das erste Mal in Lappland gesehen hatte, wollte ich eines dieser, traditionell von den Samen gefertigten, mit Zinndraht bestickten Armbänder haben.  Als Studentin konnte ich mir keins leisten und später konnte ich mich nie entscheiden, welches Muster ich denn haben wollte. 






Zufällig bin ich im Sommer in Schweden auf ein Buch gestoßen, das die Technik dieses alten samischen Kunsthandwerks beschreibt, das  ich mir sofort - zusammen mit einem Materialsatz für ein kleines Anfängerarmband - bei Gällivare Textil  bestellt habe.




Der Materialsatz besteht aus: 

einem Streifen Rentierleder und 
einem Stück Vlieseline als Einlage, 
einem Knopf aus Rentierhorn und 
einem dünnes Lederbändchen, mit dessen Hilfe der Knopf befestigt wird,
einer gedrehten Kordel aus Rentierleder für die Öse 
und dem tenntråd, einem dünnen Draht, der mit versilbertem Zinndraht umwendelt ist und ungefähr so aussieht, wie die Baßseiten einer Gitarre,

außerdem dem nötigen Arbeitsmaterial:
einer sehr feinen Nähnadel für den ebenfalls sehr feinen Kunststofffaden, mit dem der Draht auf dem Leder befestigt wird 
und einer Ledernadel mit einer scharfen dreikantigen Spitze, die man für das Nähen mit dem künstlichen sentråd, einem  nicht länger mehr aus echten Sehnen bestehenden Faden, braucht.
 




Auch eine genaue Anleitung wurde mitgeliefert, so dass ich das Buch eigentlich nicht benötigt hätte, das schwerpunktmäßig  Anleitungen und Schnittmuster für Taschen, Portemonnaies, Schlüssselringe usw. enthält.




Die Herstellung des Armbands beginnt damit, dass man den mitgelieferten Draht in drei Doppelstränge aufteilt und in diesem Fall einen einfachen flachen Zopf flechtet.





Dann wird das Leder, auf dessen Rückseite vorher die Vlieseline festgeklebt wurde, etwas unterhalb der Schmalkanten knapp eingeschnitten, so dass der Schlitz gerade groß genug ist, dass die Enden des flachen Zopfes hindurch passen.





Innen klebt man die überstehenden Enden leicht fest und dann beginnt auf der Oberseite die Näharbeit mit dem feinen Faden. Um jeden der äußeren Flechtenbogen wird genäht, dabei soll der Faden so angezogen werden, dass er innerhalb der Umwendelung des Drahtes verschwindet. Bei dieser Arbeit ist ein Fingerhut unverzichtbar.





Danach werden Knopf und die Schlaufe angenäht, hierfür braucht man die stärkere Ledernadel und den sentråd, der sich etwas klebrig anfühlt, weil er wohl stark eingewachst ist. Der mitgelieferte Faden wird viergeteilt bevor man mit ihm arbeitet. 




Dieser Faden wird  auch benutzt, um das Armband mit überwendlichen Stichen zu schließen.






Kommentare:

  1. Gefällt mir sehr gut! Vielleich werde auch ich einen solchen Materialsatz bestellen.
    LG
    Clarissa

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    1. Ich kann ich das nur empfehlen, ich werde mir im nächsten Sommer die Materialien einzeln bestellen und wohl noch ein paar weitere Armbänder fabrizieren.
      LG
      maliz

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  2. Was für eine Arbeit. Wenn man bedenkt das sie früher ja nicht tolles wrkzeug hatten wie wir heute.
    Das sieht ganz fein aus gefällt mir sehr sehr gut.

    LG Bärbel

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    1. Und es ist nicht nur das Werkzeug, heute ist die Arbeit so einfach, weil man das Leder und die verschiedenen Fäden nicht mehr selber herstellen muss und man den umwendelten Zinndaht glücklicherweise schon als Halbfabrikat beziehen kann.
      LG
      maliz

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  3. Das ist ja megaspannend und das Armband ist so toll geworden! Die Versuchung ist sehr gross ..... das zu bestellen!
    Liebe Grüsse
    Berni

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    1. Die Bastelei hat unheimlich viel Spaß gemacht, und ich denke auch, für ein erstes Teil ist es schon ganz gut geworden.
      LG
      maliz

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  4. hej Marlies,
    das ist ja richtig toll geworden, aber welch eine Arbeit
    lg Heike

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    1. Es war gar nicht so viel Arbeit, da das ganze Material ja vorbereitet war. Nur beim Annähen des Zopfes hatte ich keinen Fingerhut und ohne den war es nicht so einfach die dünne Nadel durch das zähe Leder zu zwingen.
      LG
      maliz

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