Sonntag, 26. April 2026

Aufrüstung eines einfachen Tischwebstuhls zum mechanischen Dobby - Webstuhl - Teil 3

 

 

 

Der Dobbyturm

Dobbyturm nenne ich die Baugruppe, die den Handhebel, die Schaftheber, das Messer und verschiedene Umlenkrollen für die Schnurverbindungen enthält. Der Turm sitzt in etwa mittig (die genaue Stellung muss vor dem Anschrauben ausprobiert werden) auf dem Schaftgehäuse.

 

 

So sieht das vordere Brett des Turms von innen aus, der große Ausschnitt dient als Führung für den Handhebel, im unteren Teil ist der Ausschnitt erweitert, hier kann der Hebel arretiert werden. Die gefräste Nut ist die vordere Führung für das Messer.


Die Bleistiftmarkierung bezeichnet die Stelle, an der eine Tasche für die Schraubenköpfe der Musterleisten ausgefräst werden muss, auch die Lagerböcke müssen dafür leicht versetzt werden, wie das Foto zeigt.


 

Hier ist die Vorderseite im zusammengebauten Zustand zu sehen. 

 


Die Rückseite des Dobbyturms, hat wieder die Nut für die Messerführung und einen rechteckigen Ausschnitt, in den das 3D-gedruckte Gelenk für den Handhebel eingepasst wird. Auch hier sieht man die Vorzeichnung für die für die einzufräsende Tasche, die Platz schafft, für den ungehinderten Durchlauf der Musterkette.

 

 
  
 
Maßzeichnung für Vorder-und Rückseite des Turms.
 
 
 

 
 
Unterhalb des Hebelgelenks wird später noch eine Schnurdurchführung zum Tritt eingebaut.
 
 

 
 
Bei der Schnurdurchführung handelt es sich um ein zusammengesetztes 3D-Druckteil. 
 
 
#5 Dobby16-U-Rolle.stl



Es werden am Webstuhl 2 Stück von diesem Typ gebraucht, der Durchmesser der Achsen beträgt 6 mm.
 
 
 


Die jeweiligen Schnüre werden damit durch ein Holzbauteil geführt und im hier gezeigten Fall auch umgelenkt.
 


Die oberen und unteren Verbindungshölzer werden mit Rollen bestückt, bei denen nach dem Zusammenkleben ein kleiner Ring stehen bleibt. Beim Anschrauben soll dieser Ring dem Holz zugewandt sein und durch seine kleinere Auflagefläche die Reibung zwischen Holz und Rolle verringern.

 

#6 Dobby16-RolleTurm.stl

 

Die 6 mm Holzschrauben, mit denen diese Rollen angeschraubt werden sind sog. Schaftschrauben, sie haben hinter dem Schraubenkopf einen Bereich ohne Gewinde. Dadurch können sich die Rollen wie auf einer glatten Achse drehen.

 
 


 

Am unteren Verbindungsholz des Turms sieht man rechts die zweite zusammengesetzte Schnurdurchführung, die für das Absenken des Messers benötigt wird.

 


Das Messer selbst ist aus dem gleichen Material wie die oberen Schaftleisten,  Flachstahl 12 x 5 mm. Im mittleren Bereich, in dem das Messer auf die Schaftheber trifft, hat mein Mann auf 16 cm dem Messer eine Fase gefeilt. Die genauen Angaben dazu sind der Zeichnung zu entnehmen.

 

 

Über die beiden oberen Rollen werden die Schnüre geführt, die den Handhebel und das Messer verbinden. Sie besetzen die äußeren Bohrungen des Messers und sind in der folgenden Zeichnung rot dargestellt.

Bei einigen Fotos die den Handhebel zeigen, fällt auf, dass mein Mann die Bohrungen für die Anbindungen der Schnur mittlerweile dahingehend geändert, dass die Befestigungen nicht mehr "innen", zur Heberseite hin, mit Schrauben befestigt werden.

Die beiden rot gezeichneten Schnüre werden nun, wie auf der Zeichnung zu sehen, durch Bohrungen auf die Unterseite des Handhebels geleitet und dort jeweils mit einem Doppelpfeilstecker befestigt. So ist es einfacher, evtl. notwendige Justierungen vorzunehmen.

 

 
#7 Doppelpfeilstecker

 

Durch das Runterdrücken des Handhebels wird das Messer gehoben, kommt dabei unter die Haken der ausgewählten Schaftheber und hebt die entsprechenden Schäfte. 



 

 

 

Die inneren Bohrungen des Messers sind durch eine Zugschnur verbunden. Um diese ist eine weitere Texsolvösenschnur geschlungen.

 


 

 

Diese Schnur läuft unter der mitttleren Rolle durch, zur 2. Durchführungsrolle. Die beiden Schnüre sind in der Zeichnung blau dargestellt.


 





Die abgehende Schnur, das Bild zeigt, dass ich die Zugschnur nachspannen muss, läuft also unter der mittleren Rolle zur Durchführungsrolle im unteren Verbindungsstück und kommt auf der anderen Seite raus. Hier sollte sie mit einem starken Gummiband oder einer Feder verbunden werden. 

Wenn der Hebel und/oder der Fußtritt freigegeben werden, soll dadurch das Messser in seine untere Ausgangsposition zurückgeholt werden.

 





Bei uns ist die Schnur bisher  nur provisorisch mit einem 4-fach gefaltetem normalen Gummiband verbunden, das aber zu schwach ist, um die Rückstellung zu bewirken. Auf dem Bild unten, ist halbwegs erkennbar, dass das Gummiband in einer Ringschraube festgeknotet ist. Momentan schiebe ich den Hebel manuell in seine Höchststellung, bevor ich mit dem Wahlgriff die Dobbykette weiterdrehe. Wir müssen für diese Stelle noch eine passende Feder oder ein ausreichend starkes Gummiband zu finden.
 

 

Auf diesem Bild ist auch die Umleitung für die Trittanbindung zu sehen. Die dafür benötigte Schnur ist auf der Zeichnung, die ich hier noch einmal einsetzte, grün eingefärbt.

 

 


Das eine Ende der Texsolvschnur wird mit einem Doppelpfeilstecker als Stopper versehen und durch die seitliche Bohrung des Handhebels gesteckt, dann zur unteren Rolle weitergeleitet danach zur Durchführungsrolle, um unter dem Gelenk des Handhebels auszutreten. 

Auf dem Foto oben ist der weitere Weg zu sehen.:

Die Schnur läuft zur Rolle rechts am Schaftaufbau, biegt dann nach unten ab, zur rechts am Querbrett des Untergestells angebrachten Rolle und läuft von dort nach links zur nächsten Rolle, um dann unten am Querholz des Tritts mit einem Doppelpfeilstecker befestigt zu werden.

Für den Weg der Trittschnur sind also 1 Umlenkrolle und 3 weitere Rollen nötig, da letztere wieder auf Holz geschraubt werden, haben wir auch hier die Turm Rollen benutzt. Es werden also insgesamt 7 Stück gebraucht.

 


#6 Dobby16-RolleTurm.stl

 

Diese etwas kompliziert wirkende Führung funktioniert gut und beseitigt das Problem, der in der Mitte durch die Kette laufenden Trittschnur beim Louet Magic Dobby. Das Bild unten zeigt diese Schnur, die das Aufziehen der Kette doch sehr stört. Hier sieht man, dass die Schnur zur Schonung der Kette durch ein Plastikrohr gefädelt wird. 

Außerdem kann man auf dem Foto oben links, auch noch die lange Feder erkennen, die Louet beim Magic Dobby für die Rückholung des Messer einsetzt. 

 

 
Ich benutze mittlerweile beim Weben Handhebel und Fußtritt gleichzeitig, weil das den nötigen Kraftaufwand sehr stark verringert. Dabei kann aber der Handhebel auch kürzer sein als beim Magic Dobby, was mir wesentlich besser gefällt.

Das sind die Maße für den Handhebel, die Achse besteht aus einem 50 mm langen Stück 8 mm Rundstahl:

 
 
Der Fußtritt ist vorne mit angeschraubten, 3D-gedruckten Trittgelenken montiert. 
  


 

Die Maße des Tritts hängen von der Größe des Untergestells ab. Die Öffnung unserer Trittgelenke ist für Seitenhölzer von 18 mm gedacht, die Achsen haben auch 8 mm Durchmesser.

 

#8 Dobby16-TrittGelenk.stl


Hier folgt eine Gesamtansicht der Vorderseite, deren Maßangaben im Blog kaum erkennbar sind. Auf Wunsch kann ich Interessenten per E-Mail die Abbildung im besser lesbaren Pdf- Format zusenden.

 
 
 
 

Auf dieser kleineren, aus der oberen Abbildung herauskopierten Detailzeichnung, sollten die wesentlichen Maße aber erkennbar sein. 
 

 

Hier noch eine Seitenansicht des Turms mit allen erforderlichen Rollen.

 

 

 

Im zusammengebauten Zustand des Turms sind diese Rollen kaum zu sehen, da sie von den Schafthebern verdeckt werden.

 

 

 

Die dunkle Struktur hinter dem Handhebel wird aus diesen 16 nebeneinander hängenden Schafthebern gebildet. 


 

                 Auf dem vergrößerten Ausschnitt ist die Anweisung zum Drucken leserlich:

 

Der Hilfssteg wird nach dem Drucken abgeschnitten.
 
 
 
 
 
 
Im unteren Bereich sind die Heber mit einem Haken ausgestattet (auf der Zeichnung links eingezeichnet). Darunter liegt nach rechts- und links weisend eine Art Knopf, über den jeweils eine Texsolvschnur geknöpft wird, nachdem sie durch das darunterliegende Loch gefädelt wurde. Diese Schnüre kommen von beiden Seiten der Schaftaufhängung an den Seitenteilen der Schäfte, wo die passssende Texsolvöse über den Schraubenkopf des Schaftseitenteils geknöpft ist.
 

 

#9 Dobby16-Schaftheber_8x.stl

Pro Schaft wird ein Heber gebraucht, in unserem Fall sind das also insgesamt 16 Stück.

Die Heber hängen nebeneinander auf einer 8 mm Welle, die zwischen Vorder- und Rückteil des Turms gelagert ist, das Langloch sorgt dafür, dass die Heber auf- und abbewegt werden  können.

 


 

Ein Teil des Reedekamms und einige Schaftheber

 

Wenn ein Stecker in der Dobbykette gegen einen Heber drückt, wird dieser leicht nach vorne geschoben und hängt dadurch über dem Messer. Ich denke, das kann man auf dem Bild unten ganz gut erkennen.

Wird das Messer durch Herunterdrücken des Hebels oder Treten des Tritts hochgehoben, werden diese Heber durch ihre, auf dem Messer aufliegenden Haken, mitgenommen und heben gleichzeitig die Schäfte, mit denen sie durch die an ihren Seitenteilen angeknöpfte Texsolvschnur verbunden sind. 

 


 

Die beiden folgenden Fotos zeigen die Befestigung der Walze, einmal von vorne gesehen, mit dem aufgesteckten Griff für die Dobbykette und dann von hinten nur mit der Lagerung.


 

Man kann auf beiden Bildern auch oberhalb der Walze die Bohrungen für die Welle der Schaftheber erkennen. 


 

 

Die folgenden 3D-gedruckten Teile werden nun gebraucht:

 

Der Lagerbock für den Handhebel:

Die benötigte Achse ist 50 mm lang und besteht aus 8 mm Rundstahl.
 

#10 Dobby16-LagerbockHebel.stl

 

Die beiden Lagerböcke für die Walze, die Achse aus Rundstahl ist 6 mm stark.

 

#11 Dobby16-LagerböckeWalze.stl

 

Die Walze mit 5er Teilung für den Transport der einzelnen Musterleisten zu den Schafthebern.

 

#12 Dobby16-Walze.stl

 

 Auch sie hat eine Achse aus 6 mm Rundstahl.

 


 
Rechts und links der Achse für die Schaftheber sind die Distanzstücke zu sehen, die die Schaftheber in der Mittte halten.
 
 
 
#13 Dobby16-HeberDistanz.stl

 
 
 

Desweiterren werden das Griffrad  

 

#14 Dobby16-Griffrad-Walze.stl

 

und eine Griffradrastung gebraucht, die dafür sorgt, dass sich die Walze immer nur um 72 Grad weiterdreht.

 

#15 Dobby16-GriffradRastung.stl

 

Diese Griffradrastung wird senkrecht mit 2 Schrauben an das Schaftgehäuse angeschraubt, so dass es zwischen den Lagerbock für die Walze und das Griffrad kommt.

Auf dem unteren Bild sieht man eine der beiden Unterlagen, die wir anbringen mussten, um die Lagerböcke an die Walze anzupassen. Dass das evtl. nötig werden kann wird u.a. im folgenden Montagetext, den mein Mann beigesteuert hat, genauer erklärt.

 


 

Die Seitenansicht zeigt den Lagerblock für die Walze mit dahinterliegender Ausgleichsunterlage, beides in die Stirnseite des vorderen Turmbretts geschraubt. In den Zwischenraum von Lagerbock und Griffrad ragt die federnde Rastung für die Musterwalze hinein, die an der Frontseite des Turms befestigt ist.

 



Zur Montage des Dobby Turms

Beim Zusammenbau des Dobby-Turms muss man die seitliche Positionierung auf den Brettern des Schaftgehäuses justieren können:
durch Toleranzen/Maßabweichungen der einzelnen Teile kann es sonst Probleme geben (z.B. hat das Leimholz teilweise nominell 18 mm Dicke, aber real ~17 mm); das Material für das "Messer" 4 mm Dicke  statt 5 mm u.s.w. 

Am besten ist, den Dobby-Turm provisorisch zusammenzubauen, mit dem oberen Querholz, der Welle für die Schaftheber, den Schafthebern, dem Messer (mit Zugschur), 
den Lagerböcken für die Walze (M4 Schrauben), und ihn dann auf dem Castle zu positionieren, wobei die Schaftheber mit Texsolv-Schnüren mit den entsprechenden Schäften verbunden sein sollten, also bereits belastet sind. Die seitliche Position sollte so sein, dass die unteren Enden der Schaftheber mittig über den inneren Rollen im Castle hängen. In dieser Lage prüfen, ob das "Messer" frei vor den Haken der Schaftheber passieren kann - falls nicht, den Turm seitlich verschieben.


Eine Musterleiste mit einigen Programm-Pins in die Walze einlegen und ggf. provisorisch sichern (Kabelbinder). Die Walze so drehen, dass die Programm-Pins die entsprechenden Schaftheber seitlich auslenken. Prüfen, ob das "Messer" diese Schaftheber sauber anhebt.    Ggf. müssen die Lagerböcke für die Walze angepasst werden, entweder durch Unterlagen (Shims, 3D-gedruckt) oder Verringerung der Lagerbockhöhe (neu drucken). Dann erst die Lage des Dobby-Turms markieren und Befestigungslöcher und Durchführungen für Texsolv-Seilzüge bohren (siehe auch die Zeichnungen).

 



Zur Befestigung des Griffrads (mit Rastung) auf der 6mm-Welle der Dobby-Walze: Man muss darauf achten, dass das Fünfeck auf der Innenseite des Griffrads und die fünfeckige Walze korrekt zueinander ausgerichtet sind und sich nicht verstellen können. Wir haben an der Position des Griffrads eine Querbohrung (Durchmesser 2 mm) in der Welle angebracht, in die ein Stück Fahrradspeiche eingesetzt wird, das in den Schlitz auf der Innenseite des Griffrads passt. (Das Griffrad kann in zwei Orientierungen aufgesteckt werden - nur eine davon ist richtig). Dann steckt man die Welle durch die Halterungen und die Walze, richtet alles korrekt aus und klebt dann die Walze auf die Welle (mit Epoxi-Kleber).
 
 
 
 
Jetzt komme ich zur Beschreibung der Dobbykette und ihrer Lagerung, hier zuerst eine Übersichtszeichnung,
 
 
 
 
 
 
 eine Detailzeichnung der Walze mit Musterleisten und Stecker: 

 



 und die Bemaßung der einzelnen Muster-oder Programmleisten:


Die Musterleisten  haben 16 Steckmöglichkeiten, um alle 16 Schäfte ansprechen zu können.

 

#16 Dobby16-MusterLeisten.stl

  
 
Zum Zusammensetzen der Musterleisten werden Verbindungsteile gebraucht.
 
 
 
#17 Dobby16-VerbinderLeisten_20x.stl

 
  
 Pro Musterleiste sind 4 Innensechskantschrauben M3x8 DIN 912 nötig. 
 
 
 

 
Hier sind einzelne Musterleisten schon mittels Verbindern und Schrauben zur Kette zusammengestellt. 
 
 
 
 
Die grauen Leisten liegen auf dem Bild mit ihrer Unterseite nach oben, man erkennt die Seitenabschrägungen, die dafür sorgen, dass sie in die Transportwalze passen. 
Die weißen Leisten zeigen die Oberseite, in die die Stecker entsprechend der Vorgaben des Liftplans eingesetzt werden. Der schwarze Stecker ist von Louet, bei meinen Programmleisten passen diese in die Löcher, da aber nicht jeder Drucker gleich druckt, kann es sein, dass das nicht immer der Fall ist. 
 
#18 Dobby16-Musterpins.stl

 
  
Daher haben wir auch eigene Stecker gedruckt. Wir haben sie, wie alle anderen Teile auch, mit PLA gedruckt. Die Beinchen sind aber etwas empfindlich gegen Zusammendrücken. Ich hatte beim Weben bisher keinen Bruch, vielleicht ist es aber sinnvoll, sie mit einem anderen Material, wie z.B. PETG zu drucken.
 



Mein erstes Versuchsgewebe benötigte nur 8 Schäfte und hatte einen Muster-Rapport von 28 Schüssen. Zum einfacheren Aufbringen der Kette beginne ich gerne mit  2-3 Musterleisten ohne Stecker, totzdem ist die Dobbykette recht kurz geworden. 


 

Der Webstuhl hat 2 nebeneinanderliegende Bohrungen für die Aufnahme der Schraubbefestigung der Auslegerarme, deren Lage in der Zeichnung rot markiert ist. Für meine kleine Kette habe ich hier die vorderen Bohrungen benutzt.


#19 Dobby16-Arme.stl

 

 Die Langlöcher dienen der Anpassung an die Länge der Dobbykette.  


#20 Dobby16-GriffRad-Arm.stl

  

Festgeschraubt werden die Arme mit Griffrädern, denen nach dem Druck eine Mutter eingepresst wird. M8 Schlossschrauben halten dann die Arme in der gewünschten Stellung.

 

 

 

Die beiden Arme der Aufnahme für die Dobbykette werden im oberen Teil durch Metallstangen, 6 mm Rundstahl, zusammengehalten, dafür sind sie außen jeweils mit einem kleinen Splint gesichert. Sie tragen außerdem die Führungsräder, auf denen die Kette liegt und auch abrollen kann.  

 

#21 Dobby16-Musterkette-Guides.stl


Über die Metallstangen haben wir Kunststoffrohre geschoben, die die Abstände zwischen den Rädern festlegen, aber die Kette nicht berühren. Die hier verwendeten Kunststoffrohre sind Überreste einer Elektroinstallation und nicht selbst gedruckt.

 

 

Im oberen Bereich liegt die Dobbykette mit ihren Kunststoff-Flächen auf den Führungsrädern, den unteren Bereich aber, passiert sie mit ihrer Rückseite, dabei liegen die vorstehenden Schrauben auf den Rädern und dadurch sind die Längen der beiden Halter leicht unterschiedlich. 

Diese Zeichnung gibt dafür die Maße an:

 

 

Meine erste Dobbykette auf dem selbstgebauten Dobbywebstuhl war so kurz, dass sie sie unteren Räder gar nicht berührt hat. 

 

 

 

Bei längeren Ketten sieht das aber anders aus und wie das Foto von meinen Fraens Dobby-Webstuhl zeigt, kann es in zusätzlich nötig sein, ein Gewicht in die überhängende Kettte einzulegen, hier hat mir ein Bolzen mit Mutter geholfen die Kette stramm zu halten, Gewicht 132 g.

 

 

 

Das Holzgewicht mit Metallkern für den 24-schäftigen Louet Magic Dobby wiegt knapp 850g. 

 

 

 

Zum Schluss möchte ich noch auf unsere Spreizer verweisen, die ev. bei der sorgfältigen Einstellung der Schafthöhe notwendig werden könnten. Sie werden eingesetzt, wenn die Verkürzung um ein ganzes Loch in der Ösenschnur zu viel wäre. 

 
 
#22 Texsolv-SchnurSpreizer.stl
 
 
 
Das Foto zeigt die Anwendung der Louet-Spreizer auf einer Seite des Magic Dobby, selbstversändlich ist auch die gegenüberliegende Seite entsprechend bestückt.
 
 
 


 
Und hier noch der weiter oben schon abgebildedete Reedekamm. Das Teilstück hat eine Länge von 30 cm.
 

# 23 ReedekammNeu.stl


  
Unser Dobbywebstuhl ist ein Prototyp, das bedeutet, dass die drei dazu erschienenen  Blogbeiträge keine genaue Bauanleitung darstellen. 
Ich habe stellenweise schon im Text erwähnt, dass Fotos und Zeichnungen zum Teil nicht übereinstimmen, weil wir Details nachträglich geändert haben. 
Unter den 3D-gedruckten Bauteilen sind einige nicht neu konstruiert, sondern nur modifiziert worden, bei den Griffrädern z.B. gibt es noch Befestigungslöcher am Rand, die nicht benutzt werden, weil wir eine andere Art der Befestigung gewählt haben, als ursprünflgich vorgesehen war.  Bei einem ev. Nachbau können die Fotos und Zeichnungen aber hoffentlich dennoch hilfreich sein.
 
Ich habe das Dobbyweben durch das Arbeiten mit dem 3D-gedruckten Dobbywebstuhl von Fraens Engineering kennengelernt und ohne den Bau dieses kleinen Webstuhls wären wir sicher nicht auf die Idee gekommen einen eigenen 16-schäftigen Dobbywebstuhl zu bauen.
Einige der 3D gedruckten Bauteile sind Modifikationen von Fraens Webstuhl und ich möchte mich hier dafür bedanken, dass er auf meine Anfrage hin, der Weitergabe der entsprechenden Files zugestimmt hat.

Auf Anfragen per E-Mail (siehe Impressum), schicke ich Interessenten gerne die STL-Files zu, wenn sie einwilligen, diese nicht kommerziell zu nutzen.
 
 
 


Dieser Blogbeitrag wurde am 28.4.26 und 20.6.26 aktualisiert!


 
 
 




Sonntag, 29. März 2026

Aufrüstung eines einfachen Tischwebstuhls zum mechanischen Dobby-Webstuhl - Teil 2

 

 


 

  

2. Der Schaftaufbau

In diesem Beitrag geht es um die Schäfte und ihre Aufhängung in dem Gehäuse (engl. castle), das mittig in den geteilten Webrahmen eingebaut wurde, Ich nenne es den Schaftaufbau.

Zuerst zu den Schäften selbst. Es war interessant zu sehen, dass die Schaftleisten des Magic Louet Dobby- Webstuhls aus unterschiedlichen Materialien bestehen. Als obere Schaftleisten dienen Flacheisen, die genug Gewicht mitbringen um nach den Heben wieder in ihre Ausgangslage zurück zu fallen.

Die unteren Schaftleisten sind aber leichte Holzleisten, wohl damit das Gewicht insgesamt nicht zu hoch wird, wenn bei einem 24 schäftigen Muster ein Großteil der Schäfte gehoben werden soll.

 

 

 

Hier lagern die 16 Schäfte noch außerhalb des Webstuhls. Für die oberen Schaftleisten aus Metall, haben wir Flachstahl 12 x 5 mm als Stangenware gekauft und auf die passende Webbreite zugesägt. und danach mit Rostschutzfarbe versiegelt. Auch die Holzleisten unten, haben die Abmessung 12 x 5 mm.

(Das kleine Stück Metall, das auf den Schäften liegt, werden wir später beim Dobby als sog. Messer einsetzen.)



Wie üblich bei Tischwebstühlen handelt es sich um geschlossene Schaftrahmen, die Seitenstücke können gut gedruckt werden. Für die Schafthöhe muss natürlich die Litzengröße bekannt sein, wir haben, wie beim Magic Dobby, Texsolvlitzen 20,5 cm verwendet.

 

  

Schaftrahmen mit Seitenteilen


 

#

#1 Dobby16-Schaftseiten.stl

 

So sieht das Seitenteil im Slicer aus, in die rechteckigen Löcher werden die Schaftleisten gesteckt, rechts die Holzleiste und unter dem runden Loch links, das Flacheisen. In das Loch wird eine Schraube gedreht über deren Kopf Texsolvschnur geknöpft werden kann. 

Wir haben Innensechskantschrauben DIN 912 , M4 x 10 benutzt.

 


Auf der Zeichnung sieht man unten einen Schaftrahmen. Rechts und links ist der Rahmen mit  je einer Texsolvschnur, die über die Schrauben geknöpft wird, aufgehängt. Die beiden Schnüre werden von da aus jeweils über 1 seitliche Rolle zu 1 mittleren, kleineren Rolle weitergeleitet, passieren diese von unten kommend  und werden dann über den rechten bzw. linken Knopf am unteren Teil des Dobbyhebers geknöpft. 


 

Für die Aufhängung der 16 Schäfte und die Verbindung zum Dobby, dem programmierbaren Schaftwähler, werden an den Seitenteilen  also auf jeder Seite 16 Schnurrollen, das bedeutet insgesamt 32 Schnurrollen in der größeren Ausführung gebraucht, sie sind auf einer Achse aus 6 mm Rundstahl, oder eloxierten Aluminium aufgereiht. 

 

#2 Dobby16-Rolle-GrossAussen.stl

 

Eine der jeweils 16 größeren Rollen pro Seite:

Alle unsere Rollen bestehen aus 2 Teilen, die mit einem Epoxykleber zusammengeklebt werden müssen, z.B. UHU Plus.

 


#3 Dobby16-RolleKlein_16x.stl

In der Mitte des Aufbaus für die Schäfte sind 2 nebeneinanderliegende 6 mm Achsen mit je 16 etwas kleineren Rollen angebracht.

 

#4 Dobby16-RollenDistanz.stl

Zwischen alle Rollen auf den 4 Achsen werden noch Distanzscheiben gesetzt, es werden also insgesamt 60 Stück gebraucht.

 


Auf den beiden Bildern ist die hintere, obere Abdeckung abgenommen, um die Anordnung der Röllchen gut sehen zu können.

Vor die 4 Längskanten des Schaftaufbaus sind, leicht nach innen überstehend, schmale Holzleisten anggeleimt, damit die Schäfte nicht nach vorne oder hinten herausfallen können.

Die Schaftseitenteile sind 9,5 mm breit, als Platzbedarf pro Schaft sind 10 mm vorgesehen, so dass bei 16 Schäften das Innenmaß des Gehäuses 160 mm beträgt.



 

Die Schäfte sind noch nicht aufgehängt, sondern stehen auf jeder Seite auf einer kleinen Leiste, die herausnehmbar ist, damit man die Schäfte zum Bestücken mit Litzen bequem nach unten aus dem Schaftkasten rausholen kann. 



Ich stecke die Gewindestangen der Leisten einfach von innen in Löcher des Schaftgehäuses. Man könnte bei Bedarf von außen eine Flügelmutter aufschrauben, um ein Herausfallen der Auflageleisten zu verhindern. Die aufgehängten Schäfte sollen später knapp über diesen Auflagen schweben. 

 

Aufrüstung eines einfachen Tischwebstuhls zum mechanischen Dobby-Webstuhl - Teil 1

Aufrüstung eines einfachen Tischwebstuhls zum mechanischen Dobby-Webstuhl - Teil 3 








Dienstag, 10. März 2026

Aufrüstung eines einfachen Tischwebstuhls zum mechanischen Dobby-Webstuhl - Teil 1

 

Das Jahr 2025 stand für mich im Zeichen des Dobbywebens. Meinen ersten Dobby-Webstuhl habe ich im Januar 2025 einweihen können. 

Mein Mann hatte mir den kleinen 3D Webstuhl nach Plänen von Fraens Engineering gedruckt, das habe ich hier dokumentiert und in meinem Februarbeitrag kann man mein erstes Gewebe sehen.

 

Schon der erste Webversuch auf diesem kleinen Teil, hat mir gezeigt, dass mich diese Technik fasziniert und ich habe sofort Erkundungen über käufliche Dobby-Webstühle angestellt.

Nur zwei Monate später hatte ich die Gelegenheit, einen gebrauchten Louet Magic Dobby mit  70 cm Webbreite und 24 Schäften zu kaufen.

 

 

 

Da wir das Sommerhalbjahr in Schweden verbringen und ich mir mittlerweile nicht mehr gut vorstellen konnte, ohne einen Dobbywebstuhl zu sein, beschlossen wir, für mein schwedisches Webstudio einen etwas kleineren, 16-schäftigen Dobby selber zu bauen. 

 


 

Den Bau dieses Webstuhls möchte ich in diesem und den nächsten Blogbeiträgen beschreiben.

 


Der 3D gedruckte Webstuhl war wie eine Einführung in die Technik des Webens mit Schaftmaschine gewesen und offenbar bautechnisch an die Funktion des Louet-Webstuhls angelehnt.

Die Bauweise des Louet Magic Dobby, an den auch wir uns bei unserem Modell anlehnen, ist eigentlich sehr einfach gestaltet.

Ich werde die Baubeschreibung in 3 Kapitel teilen, die nacheinander in diesem und den  nächsten Blogbeiträgen, das Grundgestell, den Aufbau für die Schäfte und den Dobbyturm behandeln werden.

1. Das Grundgestell umfasst den eigentlichen Webrahmen mit Kett- und Warenbaum,            Spannvorrichtung, Anschlaglade und Standfuß.

2. Der Schaftaufbau wird die Schäfte und ihre Aufhängung behandeln.

3. Der Dobbyturm sitzt in etwa mittig auf dem Schaftaufbau, enthält den mechanischen Schaftaushebemechanismus sowie die Halterung für die Kette der Programmierleisten.



Das Grundgestell  

Der Rahmen des Louet Magic Dobby Webstuhls sah für mich so aus, als wäre der alte Louet W70 Tischwebstuhl aus den 80er Jahren in der Mitte einfach geteilt worden, um Platz zu schaffen für die größere Anzahl Schäfte.


 

W70 Tischwebstuhl mit Trittzusatz

 

Tatsächlich stammt der Magic Dobby auch aus den 80er Jahren, ich habe in alten Heften der amerikanischen Zeitschrift Handwoven ab 1985, Annoncen der Firma Louet gefunden, in der dieser Webstuhl als Neuheit angekündigt wurde.

 

Louet Magic Dobby

Das hat mich auf die Idee gebracht, auch bei diesem Webstuhlbau  wieder für den Grundrahmen einen vorhandenen Webstuhl zu nutzen. Genau das hatten wir ja schon beim Bau der Lotta-Kontermarschwebstühle in 60 und 100 cm Webbreite gemacht.

 

Bohus Webstuhl, 35 cm Webbreite

 

In diesem Fall haben wir einen Bohus Therapiewebstuhl benutzt. Dabei handelt es sich um schwedische 2-schäftige Tischwebstühle, die in Krankenhäusern und Altenheimen zur Rehabilitation eingesetzt wurden. Das obere Bild zeigt einen älteres Modell mit 35 cm Webbreite. 

Ich hatte aber auch noch einen 60 cm breiten, etwas moderneren Bohus-Webstuhl, bei dem wir den einfachen Schafthebemechanismus ausgebaut haben, um den Rahmen dann in der Mitte auseinander zu sägen.

Wie auf den Bildern zu sehen ist, liegt der hintere Streichbaum bei den Bohus Webstühlen höher als der vordere. Da mir das nicht gefiel, haben wir später noch das hintere Endstück mit den Querstangen abgeschraubt und niedriger wieder angesetzt.


Bohus Webstuhl,  60 cm Webbreite

Streichbäume, Kett- und Warenbäume sowie Sperrklinken und sogar eine Standlade waren damit also schon vorhanden. 

 


 

Es musste nun noch eine Aufnahme für die 16 Schäfte zwischen dem vorderen und dem hinteren Teil des alten Webstuhls montiert werden. An diese neuen Seitenteile haben wir das Fußgestell geschraubt, so dass man es für einen einfacheren Transport schnell entfernen kann.

 


 

Wir haben später am vorderen Endstück des Rahmens noch die untere Querstange entfernt. So  konnte der Webstuhl trotz des recht hohen Rahmens möglichst niedrig bleiben, aber ich kann dennoch bequem den Tritt bedienen.

Die neuen Teile aus stabverleimter Buche habe ich mit Hartwachs versiegelt. 



Der nächste Blogbeitrag beschäftigt sich mit den Schäften und ihrer Aufhängung: 

Aufrüstung eines einfachen Tischwebstuhls zum mechanischen Dobby -Webstuhl - Teil 2 

Aufrüstung eines einfachen Tischwebstuhls zum mechanischen Dobby - Webstuhl -Teil 3