Sonntag, 3. November 2013

Loppisglück

Wahrscheinlich ist es gut, dass wir in ein paar Tagen wieder zurück nach Deutschland fahren, ich habe momentan einfach zuviel Loppisglück. Wenn das so weiterginge, wüßte ich bald kaum noch, wo ich meine Fundstücke alle unterbringen soll.



Am gleichen Tag, als ich meine Kaltmangel  kaufte, habe ich bei Stegen in Hultsfred auch noch ein Bund mit  9 Webkämmen für insgesamt 60 Kronen erstanden. Drei der Kämme sind 100 cm lang mit den Einteilungen 65, 75 und 110/10. Fünf Kämme haben die Einteilungen 50, 60, 80, 90, 100/10 bei einer Länge von 120 cm und der letzte ist 150 cm lang und hat 70 Schlitze pro 10 cm. Alle sind erstaunlich gut erhalten und kaum angerostet.

Bei meinem nächsten Besuch, ein paar Wochen später stieß ich auf einen großen Pappkarton, voll mit Webutensilien , zuoberst lagen diese beiden großen Holzbobinen mit 16/2 Baumwollgarn.


Als ich nach dem Preis fragte, sagte man mir, für 120 Kronen könne ich alles zusammen mitnehmen.


Ich sah zwei Garnwinden, Breithalter und Schiffchen im Karton und habe den Inhalt gar nicht weiter erforscht, sofort  bezahlt und alles mitgenommen.


Zu Hause habe ich die ganze Herrrlichkeit dann ausgepackt,  sieben Breithalter, der kleinste 25 - 33, der größte 70 - 110 cm lang.


Webnadeln und Teppichschiffchen



15 Pappspulen und insgesamt 17 Weberschützen in verschiedenen Größen. 
Besonders gefreut habe ich mich dabei über den kleinsten Schützen, ein nur 20 cm langes Minischiffchen.
So eines hatte ich mir vor langer Zeit einmal gekauft und es hatte sich als ungemein praktisch für meinen kleinen Therapiewebstuhl erwiesen. Da ich auch in Deutschland noch so ein Webgerät habe, stand ein zweites Minischiffchen seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste.




Ja, und letzte Woche hatten wir wieder in Hultsfred zu tun und natürlich schauten wir dann auch bei Stegen rein.
Als erstes stieß ich auf einen Korb mit Webgarnen, aus dem ich mir eine ca. 2 kg schwere Kone mit einem weißen Leineneffektgarn (45 Kronen) fischte und dann einen 
6 m langen Kettzopf aus Nialin (50 Kronen).




Ich bin wirklich gespannt, wie lang die Kette sein wird, wenn ich den Zopf auflöse. 
Und natürlich bin ich auch neugierig darauf, zu sehen, wie die Streifenverteilung aus weißem und naturbelassenem Garn im Webstuhl aussehen wird. 



Bei aller Freude, die solche Schnäppchen machen, schwingt bei mir aber auch immer ein bißchen Bedauern mit. Dieser Ausverkauf ist schließlich nur möglich, weil das Interesse am Weben ständig abnimmt. Selbst hier in Schweden, wo die heimische Handweberei eine lange, lange Tradition hat und es immer noch in vielen Orten vävstugor gibt, sind die Jüngeren offenbar nicht mehr für dieses Handwerk zu gewinnen, der hohe Altersdurchschnitt der Besucherinnen der Webtage in Glimåkra, hat das sehr deutlich gemacht.

Aber offenbar ist auch das Maschinenstricken out.
Als ich mit vollem Einkaufskorb ein paar Schritte weiterging, stolperte ich nach ein paar Schritten fast über eine auf dem Boden liegende Strickmaschine.
Auf dem Kofferdeckel einer Toyota K474 stand das passende Zusatzgerät K450 und in einer Pappkiste daneben lag alles, was dazugehörte.


Der Preis konnte eigentlich nicht stimmen, also habe ich erst einmal nachgefragt, mir wurde aber bestätigt, dass ich diese Doppelbett-Lochkartenmaschine für 40 Kronen kaufen könne.
Auch dieses Mal habe ich nur kurz den Inhalt des Kartons durchgesehen, für das bißchen Geld konnte man gar nichts falsch machen. Selbst wenn die Maschine nicht funktionieren würde, waren genug Teile, wie Gewichte, Anschlagkämme, Deckernadeln usw. dabei, die ich mit meinen anderen Strickern nutzen konnte.


Aber zu Hause angekommen, zeigte sich, dass alle nötigen Teile dabei waren und als ich neugierig nach kurzer, oberflächlicher Reinigung ein kleines Probegestrick am Einfachbett versuchte, tat die alte Toyota trotz völlig platter Nadelsperrschiene fast geräuschlos ihren Dienst. Ich kann im Moment das Zusatzbett nicht montieren, weil ich keinen Tisch in passender Breite habe, vermute aber, dass das Doppelbettstricken auch klappen würde, denn beide Nadelbetten sind in hervorragendem Zustand und die Schlitten und Abstreifer sehen so aus, als sei nicht oft mit der Maschine gestrickt worden.


Allerdings funktioniert die Musternadelauswahl nicht, weder manuell, was über die blauen Tasten gesteuert würde, noch automatisch mit den beiliegenden Lochkarten mit 12er Rapport.
Aber das Internet ist ja phantastisch, eine schnelle Suchanfrage hat mich auf Kelbots Seite gebracht, die ihre Maschine schon mit Hilfe eines Service Manuals auseinandergenommen hat und aufschlussreiche Bilder dazu zeigt.
Die neue Maschine wird in Schweden bleiben, der Reparaturversuch wird also noch etwas auf sich warten lassen, dann aber sicher dokumentiert werden.

Übrigens, 10 schwedische Kronen entsprechen 1,14 Euro.



Kommentare:

  1. meine Güte Marlies, du hast wirklich in letzter Zeit sehr viele schöne "Schnäppchen" für dein Hobby gemacht.
    Aber es stimmt, daß kaum noch junge Leute weben und die Strickmaschine ist wohl auch out. Aber da gehöre ich auch dazu, denn die alte Maschine von meiner Mutter hatte ich auch billig verkauft, da ich lieber mit der Hand stricke. Für mich ist es einfach gemütlicher im Sessel oder Sofa zu sitzen und zu stricken und dann kann ich mein Strickzeug auch jederzeit mitnehmen :-)
    lg Heike

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    1. Ich kann dich gut verstehen, Handstricken hat etwas sehr Entspannendes, das kann ich vom Maschinenstricken nicht sagen, trotzdem macht es mir ungemein Spaß, auch wenn es oft genug stresst.
      LG
      maliz

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  2. Kann ich dich mal was fragen liebe Maliz. Ich steche gerade dein Gänseaugenköper. Beginne genauso wie du das aufgemalt hast. Ist das richtig das die Rapporte in der Breit unterschiedlich sind. Am Anfang sind es 4 und dann kommen 5 Schraägem in die ander Richtung. Verstehst du was ich meine????

    Hast du immer ein Glück ich finde sowas nie. Naja bei uns in Sachsen findet sich sowas vlt auch nicht.

    LG Bärbel

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    1. Ich hoffe, ich weiß was du meinst. Das Schema zeigt nur einen Ausschnitt, und den hätte ich besser anders gewählt. Die Rapporte sollen gleichgroß sein. ich habe jeweils 5 Schrägen pro Richtung eingezogen und dann gewechselt. du kannst dir überlegen, ob du jeweils am Rand des Gewebes einen größeren oder kleineren Rapport einziehst.
      Denk daran jeweils den letzten Faden nicht in die Litze einzuziehen sondern nur ins Ried (floating selvedge) sonst bindet der Schuss die Kette nicht immer ab. Ich drücke diesen Kettfaden mit dem Schiffchen beim Einschießen immer runter, auf der anderen Seite fliegt das Schiffchen dann unter dem letzten Faden durch. Wenn du nun beim folgenden Schuss von dieser Seite wieder durch Runterdrücken über dem Faden liegst, hast du jeweils die Kanten abgebunden.
      Falls noch etwas unklar ist, melde dich gern wieder.
      LG
      maliz

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    2. Vielen lieben Dank für Deine Hilfe. Manchmal hab ich ein brett vor dem Kopf. Das mit dem 1. Faden werde ich genauso machen.

      Liebe Grüße
      Bärbel

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  3. Oh WOW, you won the weaving lottery, didn't you?? What an outstanding find, best wishes on using your new equipment! I think that weaving is decreasing here in the States too. I've never tried using a knitting machine, but there was a neat article in Spin Off magazine on using one, dying the fabric, then unraveling it to knit up socks. Cool effects. Have fun playing with your new fiber toys ;-)
    Hello from Idaho,
    Judy

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    1. I think machineknitting is a little like weaving, in any case you have to do a lot of planning before you can start your project ;-)
      Thanks for your good wishes,
      maliz

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  4. Oh, so many weaving goods! And a great way to secure the pins in temples.
    I feel that here in Poland (as opposed to what you are writing about Sweden) weaving is just starting to gain many fans. It is good and I enjoy it.

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    1. Most of the temples came without the original cover for the pins.
      I cut new ones from a piece of dense foam rubber.
      Let´s hope that the new polish interest in weaving will infect people in other countries ;-)

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  5. hallo Marlies,einfach toll,was du für ein Glück mit dem Finden von Webutensilien hast.Die Loppis in Schweden haben eine Menge schöner Dinge.Wir haben in unserem Urlaub mehrere aufgesucht,einfach herrlich.
    Hier in Deutschland hatte ich einmal Glück,ein Glimakra standard 130cm für schlappe 30 Euronen zu ergattern.War ein absoluter Glücksfund.Nur fehlen mir leider die nötigen Kenntnisse zum Weben.Bisher war ich nur Stricker.Aber es macht mich neugierig und ich will unbedingt das weben erlernen.
    liebe Grüsse,Astrid

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    1. Weben macht Spaß, ich wünsche Dir viel Erfolg beim Lernen.
      LG
      maliz

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  6. Du hast echt ein Hammer-Glück! Viel Spaß beim Weben und viele Grüße, Petra

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    1. In Lotterien, die hier in Schweden sehr beliebt sind, ziehe ich immer Nieten aber bei meinen Loppiskäufen habe ich wirklich viel Glück.
      Ich wünsche dir eine schöne Woche!
      maliz

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  7. eine schöne Ausbeute, ich mag die Loppis auch sehr.

    LG Nicole

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    1. Ich werde sie auch sehr vermissen :-((
      LG
      maliz

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