Dienstag, 30. November 2021

Erste Schritte mit dem Singer Doppelbettstricker 600 und der Memo II

 

 

Im Oktober wurde unserer Vävstuga in Virserum ein Glimåkra Webstuhl mit reichlich Zubehör als Geschenk angeboten, er musste nur von einem Hof in der Nähe von Vimmerby abgeholt werden, wo er bisher in einer Scheune stand, die nun anderweitig genutzt werden sollte.

In solchen Fällen machen  mein Mann und ich oft die Transporte, weil unser VW-Bus auch für große Webstühle ausreichend Platz bietet.

Als schon alles im Auto verstaut war, fragte mich die Vorbesitzerin, ob ich gerne stricken würde und ob ich ihre  Strickmaschine haben wolle, sie wäre froh, auch die in guten Händen zu wissen.

Sie zeigte mir dann eine Singer Doppelbettmaschine und ich konnte einfach nicht nein sagen, eine Singer war für mich völlig neu und damit natürlich extrem spannend.

Seit Anfang des Monats sind wir wieder in Deutschland und ich habe angefangen, alles Mögliche über Singer Strickmaschinen in Erfahrung zu bringen.

 


 

Meiner Maschine lag alles Zubehör bei und zum Glück fehlte auch nicht die Anleitung, so konnte ich schnell sehen, dass ich Besitzerin einer Singer Doppelbettmaschine 2110 geworden war.

Die meisten und gleichzeitig hilfreichsten Informationen zu diesen Strickmaschinen fand ich ziemlich schnell bei Patrick Madden auf seiner Webseite Superba Knitting

Hier lernte ich, dass die Maschinen unter dem Namen Superba in Frankreich hergestellt wurden und unter verschiedenen Markennamen in Europa (Superba, Singer und Phildar) und USA (White) verkauft wurden.

Aus den späten 80ern habe ich noch Prospekte der gägngigen Strickmaschinenhersteller, weil ich mich damals gerne eine kaufen wollte. Tatsächlich habe ich mir dann aber nur eine einfache Pfaff Knitomatic geleistet, mehr war finanziell nicht drin, wir hatten gerade gebaut :-)



Auf dieser Prospektseite sieht man oben mein Modell aus Schweden, es ist der einfache Stricker ohne Bemusterungscomputer. 1.298 DM sollte das gute Stück seinerzeit in einem Göttinger Fachgeschäft kosten.

Auf Patrick Maddens Webseite habe ich einiges über die ganze Modellreihe gelernt und dabei auch über die beiden anderen Maschinen, die damals angeboten wurden, das Modell 600 mit der eingebauten Memo  II und das sog. Top Modell 2320, das man mit der Singer-Memo-Matic I zur Computerstrickmaschine aufrüsten konnte.

Außer einem Musterlappen hatte ich noch nichts auf meiner neuen Maschine gestrickt, als ich unbedingt wissen wollte, wie wohl die Memo II funktionierte. Dieses Modell faszinierte mich mehr als die Memo Matic I, über die ich gelesen hatte, dass einige Teile ihres Innenlebens die Zeit nicht so gut überdauert hatten und es nicht so einfach sei Blanco-Musterfolien zu bekommen.

Eigentlich ist es kaum zu glauben, aber kurz nachdem ich in einer Strickmaschinen-Facebook-Gruppe bekannt gegeben hatte, dass ich nach einer Singer 600 mit Memo II suche, bekam ich von einer Webfreundin eine solche Maschine geschenkt.

 


 

Jetzt hatte ich also zwei Stricker und es musste erst mal ein neues Möbel für die Memo II gebaut werden. Mit zwei älteren Schubladenschränkchen, die umgewidmet wurden und einem Brett aus dem Baumarkt war das schnell erledigt.

 

 

Die 2110 steht momentan auf dem Schrank, der meine alte Knittax beherbergt.

 


 

Nachdem ich mich  tagelang nur mit der Theorie der Singer Maschinen beschäftigt hatte, wollte ich dann endlich auch mal zum Stricken kommen und habe mir als erstes Socken vorgenommen. Da ich keinen langen Rippenschaft haben wollte, hatte ich ganz schöne Probleme mit der Gewichtung des Gestricks. Nach dem Stricken der 20 Reihen für mein 1re-1li-Bündchen, musste ich den Anschlagkamm wegnehmen, weil ich sonst das Gestrick nicht zum Schlauchstricken hätte zusammenführen können. Das Anhängen von Gewichten erwies sich aber an dem kurzen Bündchen als recht schwierig.

Beim 2. Socken bin ich dann darauf gekommen, mir mit einer Stricknadel und einem Gewicht zu helfen

Die erste Socke klappte dann eigentlich ganz gut, nur die Löcher an der Ferse sind mir zu groß, aber es scheint ja verschiedene Methoden zu geben, diese zu verhindern.


 

Dafür gefällt mir die anatomisch geformte Fußspitze sehr gut, die ich mir bei Karinsocke abgeguckt habe, bei maschinengestrickten Socken werde ich diese Form wohl beibehalten.


 
Da mir bei Stricken der Ferse der 2. Socke aber dann ein paar Maschen von den Nadeln gesprungen sind, die ich nicht wirklich gut wieder hochhäkeln konnte, habe ich beschlossen beide Socken wieder aufzuribbeln und nochmal neu damit anzufangen.

Damit das Anstricken von Socken und Probegetricken demnächst einfacher wird, habe ich wiederum bei Karinsocke einen guten Tipp gefunden, ein selbstgestricktes Anschlagpatch für kurze Sockenbündchen.

Und so sieht meins aus, es ist 60 Maschen breit und oben steckt mittig ein Maschenmarkierer.

Es hat sich gleich bewährt beim Anschlagen eines Mustergestricks, bei dem ich nun erstmalig die Memo II ausprobieren wollte.

 

In den kleinen eingebauten Mustercomputer schiebt man von rechts, ein auf Pergamentpapier aufgedrucktes oder gezeichnetes Muster ein. Mit einem kleinen Stift drückt man dann im Programmiermodus durch die Löcher des Pads auf der Oberfläche bis man als Speicherbestätigung hört einen Piepton hört.

 


Die Maschinen, die elektronisch arbeiten können haben am hinteren Bett zwei Stellschrauben, die sog. Anschläge und dazwischen einen Kontaktgleiter (engl. Cursor).

Auf dem Bild oben sind der linke Anschlag und rechts daneben der Kontaktgleiter zu sehen, der den elektronischen Impuls zu zwei Kontakten am hinteren Schlitten übermittelt.

 


 

Einer dieser Kontakte ist ganz links am Schlitten auf diesem Bild zu erkennen, das den Stricker von hinten zeigt.

Theoretisch ist das alles schön und gut, praktisch ist aber mein erster Versuch schon bei der ersten Reihe gescheitert. Ich wollte ein Fangmuster stricken, hatte aber wahrscheinlich den Abzug nicht gut eingestellt, ob ich nun zu wenige oder zu viele Gewichte benutzt habe weiß ich einfach noch nicht. Jedenfalls zeigten die Nadeln nur Wolldurcheinander, an ein Weiterstricken war nicht zu denken.

Ich dachte es sei vielleicht unproblematischer ein einfaches Norwegermuster zu stricken. Dafür muss allerdings ein anderer Garnführer angebracht werden, was ich bisher vermieden hatte.

 

 

Das ging dann aber einfacher als erwartet.



Probleme machte dafür wieder das Stricken, mit dem gewünschten Muster hatte das Ergebnis nun wirklich nur annähernd zu tun.

 


 



Was da nun schiefgelaufen ist, weiß ich noch nicht, da werden wohl noch einige Programmierversuche und Teststrickereien notwendig werden. 

 


 

Bis dahin kann ich hoffentlich noch einige Zeit ein paar Außenstrickereien bewundern, die erfreulicherweise vor ein paar Tagen plötzlich in unserem Dorf aufgetaucht sind.

 



 

 

 

 

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