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Samstag, 3. Mai 2014

Abweben




Weil es jetzt bald nach Schweden geht und ich den kleinen Reisewebrahmen auch dort gern benutzen möchte, habe ich schnell den Schal fertiggemacht, den ich in Dänemark angefangen hatte. Ohne Kette lässt sich der Rahmen einfacher im vollgepackten Auto verstauen.


So locker verwebt, ist trotz der einfachen Leinwandbindung ein schön weichfallender Alpaka-Schal entstanden.


Auf meinem Normalo-Webstuhl hatte ich auch nur noch einen kleinen Kettrest.


Eigentlich wollte ich nach den beiden ersten Spültüchern eine neue Bindung ausprobieren, habe mich aber dann entschlossen, zu versuchen mindestens ein fehlerfreies Tuch mit der vorhandenen Bindung zu weben.


Den Rest der Kette habe ich dann einfach in Leinenbindung mit dem Rohleinen 16/2 abgewebt, das ich auch in der Kette hatte.


Dieses Gewebe kann ich gut als Gästehandtuch nutzen.






Donnerstag, 13. Februar 2014

Spültücher



Die ersten beiden Spültücher sind fertig. Die Kette ist damit noch nicht abgewebt, aber ich habe mich entschlossen, eine weitere Bindung auszuprobieren.


Ich habe wenig Erfahrung mit Strukturgeweben und hatte auch noch nie vorher Bronson Lace ausprobiert. Die Kette hatte nur 4 Fäden pro cm und den ersten Gewebeabschnitt habe ich viel zu dicht angeschlagen. Bei diesem dreischäftigen Gewebe sehen beide Seiten verschieden aus und ich hatte die Schäfte so angeknotet, dass die Rückseite meine Sichtseite war, das war keine besonders gute Idee, weil daher die Kontrolle über die Musterwirkung fehlte. Aber so ist es ja manchmal, wenn etwas sehr schnell gehen soll. Ich war vor allem sehr neugierig, zu erfahren, wie es sich mit dem Normalo-Webstuhl webt.


Auseinandergeschnitten und gesäumt kann man noch einmal den Unterschied sehen, das obere, zu dicht geschlagene Tuch, liegt hier mit der Rückseite nach oben, das untere mit der Vorderseite. Wer genau hinsieht, kann erkennen, dass ich bei diesem zwar richtiger angeschlagen habe, mich aber offenbar ungefähr in der Mitte "vertreten" habe und dadurch einen üblen Webfehler eingebaut habe.


Gewaschen kommt die Musterstruktur besser raus, das lockere Gewebe fühlt sich griffig an und scheint mir eigentlich gut für seinen Zweck geeignet. Das festere Gewebe würde sich eher als Handtuch eignen.

Das Weben mit dem Normalo war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. 
Der Webstuhl erzeugt ein Tieffach und die Facheinstellung war überhaupt kein Problem. Für die Fachbildung aber werden ja die Gummibänder gedehnt, dafür muss beim Treten jeweils ein Anfangswiderstand überwunden werden. Das ergibt eine leichte Verzögerung im Bewegungsablauf und es ist dadurch nicht der fließende Rhythmus beim Bedienen der Tritte möglich, wie ich ihn von meinen anderen Webstühlen gewöhnt bin. 
Bei diesem dreischäftigen Probegewebe, waren zwei Tritte mit nur einem Schaft verbunden, der dritte mit zwei Schäften, bei diesem merkte deutlich, dass ein größerer  Kraftaufwand beim Treten nötig war, weil nun zwei Gummibänder gedehnt werden mußten. Wenn bei anderen Bindungen mehrere Schäfte an einen Tritt gebunden sind, wird sich das natürlich noch verstärken
Mein zu fester Anschlag zu Beginn des Webens hatte sicher auch damit zu tun, dass ich eher die leicht schwingenden Hängeladen an meinen Glimåkra-Webstühlen gewöhnt bin und die Standlade des Normalo-Webstuhls zudem recht schwer ist. Um dichte Gewebe, wie z.B. Teppiche zu arbeiten, ist das aber sicher ein Vorteil.



Samstag, 8. Februar 2014

Der Normalo-Webstuhl

2009 wurde ich telefonisch gefragt, ob ich Interesse daran hätte, einen großen alten Webstuhl zu übernehmen, der in einem Raum aufbewahrt würde, der geräumt werden müsse. Zuerst war ich nicht interessiert, weil ich gerade erst meinen alten Eichenwebstuhl weggegeben hatte. Er hatte einfach zu viel Platz eingenommen.  Als ich das erzählte, hörte ich, dass es sich bei dem angebotenen Webstuhl um ein Modell aus den 80ern handelte, das machte mich denn doch neugierig und wir fuhren ins Nachbardorf, um den Webstuhl abzuholen.



Zuhause angekommen, haben wir ihn dann erst einmal provisorisch auf der Terasse aufgestellt, mit Hilfe von Gurten, da fast alle Schrauben fehlten.
Ich hatte so ein Modell noch nie gesehen und da er keinerlei Kennzeichnung aufwies, hatte ich auch keine Ahnung, um was für ein Webgerät es sich da handelte.


Besonders merkwürdig fand ich den Schafthebemechanismus, der irgendwie mit Gummibändern zu funktioniern schien, die aussahen wie besonders dicke Einmachgummis.
Wegen der blau gestrichenen Metallteile und weil er offenbar aus Birke war, hatte ich allerdings den leisen Verdacht, es könnte ich um einen finnischen Webstuhl handeln.
Bei nächster Gelegenheit habe ich die finnische Weberin Anna Warsow gefragt, ob sie diesem merkwürdigen Webstuhl schon einmal begegnet sei, was allerdings nicht der Fall war. Anna fragte aber in Finnland nach und hörte dort, dass es sich um den Normalo-Webstuhl handelt, der in Loimaa, westlich von Turku seit Anfang der 50er Jahre hergestellt und immer noch verkauft wird. Die Website der Firma ist unter www.saunalahti.fi/normalo zu finden.


Anna besorgte mir dann aus Finnland eine Bedienungsanleitung, neue Schafthalter, was mir die Mühe ersparte, die alten zu entrosten und - am wichtigsten - neue Gummibänder. Die alten Gummis waren bröselig und nicht mehr zu gebrauchen, außerdem gab es nur vier Stück obwohl es sich um einen 8-schäftigen Webstuhl handelte. 




Die Schafthalter hatten sich in Form und Material im Laufe der Jahre nicht verändert.


Die Gummibänder werden aber mittlerweile aus anderem Material hergestellt.
Der Webstuhl hat dann auch bei mir ein paar Jahre ungenutzt im Abstellraum gestanden und erst jetzt, nach gründlicher Renovierung, in meinem neuen Webkeller seinen Platz gefunden.



Zuerst habe ich alle angerosteten Stellen weggeschliffen und dann neu angestrichen.


Bei der Gelegenheit, habe ich auch die Haken mit blauer Farbe versehen, ich finde, das sieht einfach netter aus.


Technisch gesehen handelt es sich bei dem Webstuhl wohl um eine Art Jack-Loom. Für die Schaftbewegung sind gelenkig verbundene Hölzer zuständig. An ihren Haken werden die beiden Seiten durch die Gummibänder zusammengehalten, die Hölzer knicken im Gelenk dadurch nach unten ab und dies bewirkt, dass die gesamte Kette in Ruhelage im Hochfach liegt. Bedient man einen Tritt, entsteht ein Unterfach. Das Gummi strafft sich, die Hölzer knicken in der Mitte nach oben und die angebundenen Schäfte werden dadurch nach unten gezogen.






Die Anbindung der Schäfte an die Tritte erfolgt direkt, ohne jede Umlenkung über Querlatten.

Ich war mir ja sicher, diesen Webstuhl noch nie gesehen zu haben, und war darum sehr überrascht, als mir vor kurzem ein alter Prospekt der Textilwerkstatt Hannover wieder in die Hände fiel.


Unter der Rubrik Platzsparende Webstühle gab es ein Foto des Normalo und im unteren Bild rechts ist er auch noch einmal angeschnitten zu sehen. Er wurde als platzsparend, leicht zu bedienen und preiswert beworben. Da ich in den 80ern in der Textilwerkstatt Garne und Webzubehör gekauft habe, ist mir der Webstuhl dort sicher auch schon in den Ausstelllungsräumen begegnet und es war auch nicht mehr so merkwürdig, dass er plötzlich in unserer Gegend auftauchte.


Ich habe das kleine Bild aus dem Katalog noch einmal vergrößert, hier sieht man die höhenverstellbare Standlade und  man kann gut den asymetrischen Bau erkennen. Der Normalo wurde mit 8 Schäften und 8 Tritten geliefert, in Webbreiten von 80 bis 120 cm.


Mein Webstuhl hat eine mögliche Webbreite von einem Meter, so breit sollte mein erstes Probestück aber nicht werden.


Ich habe mich mit 34 cm begnügt und will Spüllappen weben. Um sie möglichst saugfähig zu machen habe ich mich für ein Muster mit etwas Textur in der Mitte entschieden.


Ich webe Bronson Lace mit drei Schäften. In Kette und Schuss habe ich ungebleichtes Leinengarn 16/2 und blaues Leinengarn 8/1, letzteres doppelt genommen.