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Montag, 21. Oktober 2019

Farbversuche

Anfang des Jahres hatte ich darüber berichtet, dass ich mich bei der JST Online Guild angemeldet habe und nun ist meine zweite Übungsaufgabe im Rahmen dieses Webkurses fertig geworden.
Im März hatte ich in einem Blogbeitrag ein Mustertuch zum Thema Farbverflechtung gezeigt und  dieses Mal habe ich einen der beiden vorgeschlagenen Colourgamps gewebt.


Jane Stafford verwendet für viele ihrer Gewebe Baumwolle 8/2. In Schweden aber wird für entsprechende Zwecke viel häufiger Cottolin eingesetzt und da ich im Laufe der Jahre auf den verschiedensten Flohmärkten immer wieder günstige Angebote dieses Baumwoll-Leinen-Garns in allen möglichen Farben ergattern konnte, habe ich die Mustertücher in diesem Material gewebt.


Die Kettfarben gelb, orange, rot, lila, blau und grün wurden je einmal uni und einmal im 1-1-Wechsel mit der folgenden Farbe eingezogen, dazwischen kam als Abgrenzung immer ein schmalerer weißer Streifen.

 

Für das erste Probestück habe ich die Farben in gleicher Reihenfolge im Schuss verwendet.


Cottolingarn ist durch seinen Leinenanteil meist ungleichmäßiger im Faden als Baumwollgarn 8/2, das gibt den Geweben eine etwas rauere Oberfläche und das wirkt sich auch ein bisschen auf den Farbeindruck aus. Die Mischfarben sind aber dennoch sehr gut zu sehen.


Beim zweiten Probestück habe ich die weißen Abgrenzungen im Schuss weggelassen und die unterschiedlichsten Farben aus meinem Garnvorrat eingeschossen.


Es macht wirklich Spaß, zu sehen, was für tolle Farbkombinationen entstehen.


Besonders interessant sind oft die Effekte in den Kettbereichen, die im 1-1 Farbwechsel eingezogen wurden.





Das dritte Musterstück habe ich mit "Meet and Separate" gewebt.


Wie so oft, weiß ich nicht, ob es für diese Technik einen deutschen Webausdruck gibt, gemeint ist das Arbeiten mit zwei Schussfäden,einer kommt von rechts, der andere von links.


Einer der Fäden wird eingeschossen, umschlingt den anderen und wird im gleichen Fach zurückgeschossen. Dabei wird der zweite Faden mit ins Gewebe gezogen und an erwünschter Stelle platziert. 


Auf diese Art und Weise kann man beide Seiten einer Kette farblich und grafisch unterschiedlich gestalten, z.B. einen Bereich der Kette mit Streifen versehen und den anderen ungestreift lassen oder auch verschiedene Streifenbreiten auf beiden Seiten einweben.


Durch diese Technik liegen aber automatisch doppelte Fäden in jedem Fach. Das bedeutet, dass der Schuss dicker wirkt, wenn man mit gleicher Fadenstärke in Kette und Schuss arbeitet. 
Das kann einen interessanten Effekt ergeben, aber auch unerwünscht sein.


In letzterem Fall besteht die Möglichkeit, einfach einen dünneren Faden für den Schuss nehmen.


Ich habe bei diesem Musterstück Baumwolle 16/2 in vielen verschiedenen Farben als Schuss eingesetzt. Durch den Baumwollschuss in der Cottolinkette wurde die Gewebeoberfläche außerdem auch etwas glatter und der Stoff hatte einen weicheren Fall als das reine Cottolingewebe.













Den letzten Kettrest habe ich dann mit rotem Leinengarn NeL 6 im Schuss abgewebt und so ist noch ein kleines Gästehandtuch entstanden.





Freitag, 8. Februar 2019

Weben lernen mit Jane Stafford


Für mich fing es damit an, dass ich irgendwo im Netz einen gewebten Schal gesehen hatte, der mir ausnehmend gut gefiel.


Ich folgte dem angegebenen Link und kam auf die Homepage von JST, 


Jane Stafford betreibt ihr Webstudio auf der kanadischen Insel Salt Spring Island.  
Neben ihrer Weberei und dem Verkauf von Webgeräten und Garnen, bietet sie Kurse für Webinteressierte an und sie gründete 2017 die  JST Online Guild.
 

Im Grunde handelt es sich bei der Online Guild um einen fortlaufenden Video-Webkurs. 
Für eine Jahresgebühr von zur Zeit 99 kanadischen Dollar, das sind ca. 65 €, stehen den Mitgliedern alle bisher veröffentlichten Filme und Informationen zur Verfügung. 
Ich kann mir also alle Webtipps, Umrechnungstabellen und Webanleitungen im PDF-Format herunterladen und alle gedrehten Videos, so oft ich will, online ansehen.
Jedes Jahr werden 10 neue Filme zu einem Hauptthema veröffentlicht.

Nach einigem Zögern, weil ich mich fragte, ob die Teilnahme für mich Sinn macht, da ich mir einbildete, mittlerweile doch eine verhältnismäßig erfahrene Weberin zu sein, bin ich Anfang Januar der Online Guild beigetreten und habe es noch keinen Tag bereut.



In diesem Video gibt Jane selbst einen kleinen Überblick über einige der Inhalte des ersten Kursjahres. Auf ihrer Homepage gibt es noch weitere Videos, in denen sie über die darauf folgenden Kurse spricht. 

Ich bin chronologisch vorgegangen und habe mir zuerst die Videos des ersten Jahres angesehen. Dabei ging es zunächst einmal um Grundlegendes, wie richte ich einen Webstuhl ein, was sollte ich beim Weben beachten. Es gibt viele Tipps und Tricks zu sauberen Webkanten und gleichmäßigem Anschlag, selbst zum Weben mit schwierigen Garnen wie z.B. Mohair in Kette und Schuss.


Dass es Janes Ziel ist, ihre Teilnehmerinnen zu ermuntern, nicht nur nach fertigen Rezepten, also Webanleitungen, zu weben, sondern eigene Ideen zu entwickeln und zu verwirklichen, ist schon in diesem ersten Jahreskurs ersichtlich.
Es werden verschiedene Garnmaterialien vorgestellt, über ihre unterschiedliche Anwendbarkeit je nach Fadendichte diskutiert, sowie Techniken zur Ermittlung der passenden Einstellung (engl. sett) vermittelt.



Aber dann kommt etwas dazu, dem ich bisher noch nie in dieser Form begegnet bin, weder in Lehrbüchern noch in Lehrvideos, Jane gibt ihren Schülerinnen alle möglichen und nötigen Mittel in die Hand, um eigene Gewebe zu designen.


Systematisch werden vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten vermittelt und erprobbar gemacht, die grafische Aufteilung einer Fläche, Strukturen und Farbfindung und dies alles am Anfang mit der einfachsten Bindung, der Leinwandbindung. 


Und so ist es folgerichtig, dass das 2. Kursjahr sich dem Thema Farbe verschrieben hatte und das laufende, 3. Jahr die unglaublich vielen gestalterischen Möglichkeiten der Leinwandbindung vertiefen wird.
Daher sehe ich auch eine Menge interessante Informationen fürs das eigenschöpferische Weben mit dem Gatterkamm-Webrahmen.


Es ist wirklich erhellend dabei zuzusehen, wie Jane auf einer Kette in 8/2 Baumwolle erst Handtücher webt, um dann durch einen geänderten Kammeinzug, teils anderen Schussgarnen und -farben, ein paar locker fallende Schals zaubert, die alle ihren eigenen Stil haben. 
Wer es gern extremer haben möchte: hier war die Kette zuerst für ein Ripsgewebe eingestellt. Durch sinnreiche Änderungen konnte auf gleicher Kette dann ein Schal entstehen.

8/4 cotton warp and 7 gauge bambu weft sett at 36 EPI for Repp Weave and then resleyed and opened up to 12 EPI/ 12 PPI in Plain Weave….two dramatically different fabrics from one yarn.
https://janestaffordtextiles.com/blog/weaving-architecture-step-1-of-the-design-process/

Ich habe mittlerweile den Stoff des ersten Kursjahres durchgearbeitet und habe mit Teil 2 begonnen, An Exploration of Colour and Design Principles
Hierzu gibt es sieben exemplarische Webanleitungen, die das Thema vertiefen. 


Ich bin gerade dabei den Colour & Weave Gamp zu weben, ein Mustertuch, zur Farbverflechtung und werde demnächst Weiteres darüber berichten.


Alle Bilder, dieses Beitrags sind von Jane Staffords Homepage, https://janestaffordtextiles.com/
Jane hat mir freundlicherweise erlaubt, sie für diesen  Blogbeitrag benutzen zu dürfen. 

Der Besuch der JST- Homepage ist ausgesprochen empfehlenswert.  Es gibt dort u.a. ein Forum, eine Helpline mit vielen, vielen Tipps und einen sehr interessanten Blog, der einige Inhalte der Onlinekurse aufnimmt. Alle diese Angebote richten sich an jeden Interessierten und nicht nur an zahlende Mitglieder der Guild.


Heutzutage erscheint es mir sinnvoll, noch klarzustellen, dass ich diese "Lobeshymne" geschrieben habe, weil ich durch die Online Guild  tatsächlich viel Neues gelernt habe,  jede Menge Inspiration bekommen habe und mich schon auf die nächsten Lernvideos freue, aber in keiner Form für diesen Beitrag bezahlt worden bin.