Montag, 30. November 2020

Myrehed Damast-Film mit Textheft in deutscher Übersetzung

 

In den frühen 80ern entwickelte die Firma Glimåkra unterschiedliche Damastaufsätze, mit denen man ihre Webstühle erweitern konnte und bot Kurse für die Damastweberei an.

Einen dieser Kurse besuchte Karin Myrehed aus Sunne in Schweden. Karins Vater baute seit Mitte der 70er Jahre Webstühle und als Karin von ihrem Damastkurs in Glimåkra zurückkam, hatte sie einige Verbesserungsideen, die sie mit ihrem Vater besprach. 

Die Glimåkra-Damastaufsätze hatten anfangs als Gewicht für jeden Musterschaft statt der unteren Schaftleiste eine Metallstange und jeder Schaft war mit einen Kordeldreieck aufgehängt. Diese Vorrichtung ist eine etwas wackelige Angelegenheit, speziell bei schmalen Geweben. Die Musterschäfte kankeln leicht trotz der seitlichen Gitter und lassen sich nicht immer sauber ausheben.


Ich weiß, wovon ich rede, denn in unserer vävstuga in Virserum arbeiten wir noch mit einem solchen, frühen Damastaufsatz.

Eine wesentliche Verbesserung war die Myrehed-Erfindung der gebogenen Einzelgewichte, die man einfach unten in die Litzen jedes sog. Stichs einhängen kann. Die Litzen hängen jetzt nur noch auf den oberen Schaftleisten und jeder Stich hat sein eigenes Metallgewicht. Dazu kommt, dass die Schnüre zur Aufhängung der Schäfte anders geleitet werden und so die Kankelei verhindert wird.

 

Das Beste aber ist, dass man die Musterschäfte umsortieren kann, ohne eine neue Kette aufziehen zu müssen.

1988 veröffentlichte Robert Myrehed einen Instruktionsfilm auf VHS-Kasette, der zeigt, wie seine Tochter Karin den Myrehed Damastaufsatz am Webstuhl anbringt und wie sie den Webstuhl für das Weben mit dem Zampelwebstuhl vorbereitet.

 


 

2010 wurde der 28-minütige Film auf DVD überspielt und weiterhin als Instruktionsfilm verkauft, dazu gab es ein mehrseitiges Textheft, das die einzelnen gefilmten Arbeitsschritte genau beschrieb.

Vor einiger Zeit hat Karin Myrehed, die die Firma ihres Vaters weiterführt, den Film bei YouTube eingestellt und er ist auch auf der Website Myrehed Väv & Textil abrufbar.

 


 

Mit Hilfe dieses Films habe ich das Damastweben verstanden und gelernt  und er hat uns dabei geholfen eine eigene Damasteinrichtung zu bauen. 

Ganz besonders haben mir die genauen maßlichen Tipps beim Einrichten des Webstuhl gefallen.

Die Sprache in Film und Begleitheft ist natürlich schwedisch und daher nicht für jeden verständlich.

Da wir im deutschsprachigen Bereich aber kaum Literatur zum Damastweben habe, habe ich mit Erlaubnis von Karin Myrehed das Begleitheft ins Deutsche übersetzt.

Zusätzlich habe ich im Text zu den einzelnen Abschnitten die ungefähre Zeit in Minuten angegeben, damit es einfacher wird, bestimmte Stellen, die man noch einmal genauer sehen möchte, schnell aufzufinden. 

Ich hoffe, dass dadurch der Film für interessierte Weberinnen und Webern verständlicher  wird und die gleiche Hilfe bietet, wie seinerzeit mir.

Im Textheft wird auf ein sog. Anfängergewebe Bezug genommen, dessen Webpatrone auch zur Verfügung gestellt wurde, und das ich auch - wo nötig - übersetzt habe.

 


 
 
Die Übersetzung im PDF-format und die Webpatronen könnt ihr gern kostenlos bei mir per E-Mail anfordern, meine Adresse steht im Impressum.


Hilfreich sind vielleicht auch meine älteren Blogbeiträge zum Thema Damast:

Damastweben 1 - Bauplan für eine Zugeinrichtung

Damastweben 2 - Einrichten des Webstuhls

Die beiden Beiträge befassen sich, wie auch der Film, mit Zampelwebstühlen, also Webstühlen bei denen unterschiedlich mit Litzen bestückte Musterschäfte ausgehoben werden.

Beim Damastweben mit dem Harnischwebstuhl werden dagegen einzelne Litzengruppen gewichtet, die dann einzeln ausgehoben werden können. Diese Methode erlaubt ein freieres. Mustern. Auch dazu findet sich hier ein Blogbeitrag:

Damastweben - Bau eines einfachen Harnischaufsatzes


Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass es auch ein neues Buch zur Damastweberei gibt.

 



Anne E. Nygård, Damaskvev, Museumsforlaget, Trondheim 2018

Seit Januar  2020 gibt es das Buch auch auf englisch unter dem Titel: Weaving Damask

 

 

 

 




Samstag, 24. Oktober 2020

Waffelbindung

Schon wieder Handtücher -

aber ich hatte noch nie Waffelbindung gewebt, wollte sie schon lange mal ausprobieren, hatte dann wie üblich keine Lust, nur einen Probelappen zu erstellen.

 
 
Also habe ich eine 5 m lange Cottolinkette aufgezogen, 502 Fäden ungebleicht und beidseitig je 19 Fäden in blau. 

 
Bei 90 Fäden pro 10 cm (2 Fäden pro Riet in meinem 45er Kamm), ergab das rein rechnerisch eine Breite von 60 cm.

 
Nach dem Weben und dem Waschen zeigte sich, dass die Schrumpfung sowohl in Länge als auch in Breite ca. 10 % betrug.
 

 

Als Bindung habe ich mir ein Waffelmuster auf 4 Schäften und 5 Tritten ausgesucht, aber einen 6. Tritt zusätzlich aufgebunden, um die Säume in Leinwandbindung weben zu können.


Als Schussmaterial habe ich bei zwei Handtüchern auch Cottolin verwendet, bei den anderen Leinen.  

 

 

Da es sich um Reste vom Flohmarkt handelte, kannte ich nicht in allen Fällen, die Garnnummer, u.a. handelte es sich um Lintow 8 und Lintow 10.


 

Da speziell das dickere Leinen in den leinwandbindigen Saumbereichen in der Breite mehr Platz einnahm als die Waffelbindung, man sieht das auf den Bildern am Faltenwurf des türkisgrünen Handtuchs, habe ich bei den anderen Leinenhandtüchern den Saum mit Cottolin geschossen. Ein besseres Ergebnis hätte sicher Baumwolle 16/2 gegeben, die hatte ich aber nicht in passenden Farbe zur Verfügung.

 

Hier sind alle Handtücher zu sehen, das lilafarbene oben links ist etwas kürzer ausgefallen, weil die Kette nicht mehr hergab. Das pinkfarbene darunter ist größer, weil es als einziges noch nicht gewaschen ist.

 

Diese beiden Handtücher haben Cottolin in Kette und Schuss.


 

Die 4 anderen sind mit Leinen gewebt.




Links ein bereits gewaschenes Handtuch, das rechte Handtuch kommt roh vom Webstuhl und ist nur gesäumt. 

 

 

Optisch macht es in der Nahaufnahme keinen so großen Unterschied, wohl weil es schon allein durch das Nachlassen der Spannung ein gutes Stück geschrumpft ist.

 


Die Handtücher sind sehr schön griffig geworden und das Weben hat viel Spaß gemacht, auch weil es  sehr schnell vonstatten ging. Ich werde sicher noch öfter mit Waffelbindungen spielen.




 

Dienstag, 29. September 2020

Tea Towel Time - Teil 2

Gewebt

 




Gesäumt

 

Gewaschen

 

Getrocknet

 

Gebügelt


Hier kommen meine fertigen Handtücher, nach Jane Staffords Muster, deren Werdegang ich im Juli-Blog beschrieben habe. 

Oben zu sehen, sind die ersten beiden Handtücher, gewebt in Leinwandbindung. Für den Schuss habe ich die gleichen Farben benutzt wie für die Kette. Diese zwei Handtücher unterscheiden sich voneinander nur in der Flächenaufteilung.

Das nächste Handtuch ist in  2/2 Köper gewebt. Durch die Farbfolge im Schuss, die der Farbfolge der Kettstreifen entspricht, entsteht in den Ecken ein Farbverflechtungsmuster, der sog.Hahnentritt.

Beim nächsten Handtuch wurde die Trittfolge verändert und bei gleicher Farbfolge entstand so das Pinwheel-Muster in den vier Ecken.

In der Nahaufnahme kann man noch einmal deutlicher den Unterschied der beiden Farbverflechtungsmuster sehen. Gut zu sehen ist auch die Veränderung, die der Stoff durch das Waschen erfährt. Das linke Handtuch war bereits im Waschwasser und das Gewebe ist dadurch viel dichter geworden.

 

Bei diesem Handtich wechseln sich Streifen aus gleichseitigem Köper und Panamabindung ab und jeder Streifen hat seine eigene Schussfarbe. 

Bisher hatte ich mit 8 Schäften und 6 Tritten gewebt.

Dann habe ich die Schäfte neu angeknotet und alle 8 Tritte aufgebunden, um turned twill, ungleichseitigen Köper 3/1 + 1/3, weben zu können.


Für das erste Handtuch mit dieser Aufbindung wurden die Tritte durchgehend von 1 bis 8 getreten. Vorder- und Rückseite haben bei diesem Handtuch das gleiche Erscheinungsbild.

 

Das ändert sich dramatisch, wenn man, wie bei den folgenden Handtüchern, für den breiten Querstreifen die Tritte 1-4 bedient und nur für die schmalen Abgrenzungen die Tritte 5- 8 nutzt.


 

Die Kettfäden für die türkis-blauen Längsstreifen sind durch die Litzen der Schäfte 1 bis 4 gezogen und die schwarzen Ränder und der lindgrüne Mittelteil befinden sich auf den Schäften 5 bis 8.


 

Die blau-türkisfarbenen Streifen werden auf der einen Seite jeweils in Kettköper zu sehen sein, die Ränder und die Mitte dagegen in Schussköper, wie im oben abgebildeten Handtuch.

 

Auf der anderen Seite ist die Situation umgekehrt, die Längsstreifen erscheinen im Schussköper, Mitte und Ränder im Kettköper.
 
 
Diese Handtücher zu weben hat besonders viel Spaß gemacht, weil die Spielerei mit den Farben und die daraus resultierenden, unterschiedlichen Effekte auf Vorder- und Rückseite immer wieder für Überraschungen sorgten.

 
Das war sicher auch der Grund, dass ich den ganzen Rest der Kette für diesen Typ Handtuch genutzt habe.
 
 
Bei den Fotos der "doppelseitigen" Handtücher zeige ich hier immer erst die Seite, die beim Weben sichtbar war und dann die entsprechende Rückseite.


Zuletzt das Handtuch, das mir farblich am besten gefällt.

 
Leider ist ausgerechnet das etwas kürzer ausgefallen, weil die Kette nicht mehr für die volle Länge reichte.
 

 
 
 
 
 
 
 

Sonntag, 30. August 2020

Das beste Handtuch der Welt

In der aktuellen Nummer (2/2020) der schwedischen Webzeitschrift VÄV gibt es auf  den Seiten 54/55 eine Webanleitung für världens bästa handduk, das beste Handtuch der Welt :)

 


Mit 4 Schäften und nur 3 Tritten, kann man mit Leinwandbindung und einem Mustertritt auf einfache Weise auf einer einfarbigen Kette erstaunlich unterschiedliche Handtücher herstellen. Längsgestreift, quergestreift, mit Bordüren verziert, vieles ist möglich.

Ich habe mich wieder einmal auf schlichte grafische Muster beschränkt. 

 

Die Kette ist recht dicht sie ist aus ungebleichter Baumwolle 16/2 mit je 2 Fäden pro Litze und 4 Fäden in einem 40/10er Kamm und kommt so auf 16 Fäden pro Zentimeter.

 Laut Anleitung wird auch mit 16/2 Baumwolle, doppelt gespult, geschossen.


Beim ersten Handtuch habe ich das auch genauso gemacht.

 

Da ich aber viel mehr Cottolin als Baumwolle in meinem Vorrat habe, sind die anderen Handtücher mit Cottolinschuss gewebt. Weil der Cottolinfaden dicker ist und eher 8/2 Baumwolle entspricht, habe ich ihn nicht doppelt gespult verwendet sondern die leinwandbindigen Schüsse mit einfachem Faden gewebt und beim Mustertritt zwei Schüsse ins selbe Fach geworfen.

Ich webe die Handtücher auf meinem Louet W70, der seit letztem Jahr mit Tritten in Direktanbindung ausgerüstet ist. Dadurch kann ich nicht mit nur 3 Tritten arbeiten, sondern muss alle 4 benutzen und für jede Fachöffnung zwei Tritte gleichzeitig treten. Es ergibt sich aber so ein sehr angenehmer Tritt-Rhythmus.

Nach den ersten fünf  Handtüchern wollte ich gern sehen, wie das Gewebe nach der Wäsche aussieht, auch um zu entscheiden, ob ich weiterhin mit Cottolin weben möchte.

Im Anschluss an das letzte Handtuch habe ich ein Stück in Leinwandbindung geschossen, einen Anlängerstab eingelegt, noch ein paar Schüsse gemacht, dann als zusätzliche Sicherung, einen Streifen Tesafilm auf das Gewebe vor die Schnittkante geklebt und schließlich die Kette durchtrennt.

Nach dem Anbinden an den alten Anlängerstab kann ich nun weiterweben.

Vorm Zerschneiden habe ich das Gewebe mit Zickzackstichen gesichert und die einzelnen Handtücher mit der Nähmaschine gesäumt.


Dabei auch einfache Aufhänger eingenäht, die ich zuvor mit einem zweckentfremdeten Haartwister vom Flohmarkt gezwirbelt hatte.

Aprospos Flohmarkt, ich hatte wieder einmal großes Loppisglück hier in Schweden. Den kleinen Tisch-Schärbaum, an dem die ungewaschenen Handtücher hängen, habe ich vor ein paar Tagen für umgerechnet ca. 15 € erstanden.

Nach dem Waschen und Bügeln zeigt sich, dass die Handtücher tatsächlich ein ganzes Stück eingelaufen sind.


 Das erste Handtuch ist mit doppeltem Baumwollschuss gewebt, alle anderen mit Cottolin im Schuss.



 

Die Cottolinhandtücher sind etwas dicker und fester im Griff und das gefällt mir besser. Durch den Leinenanteil im Cottolin sind sie wahrscheinlich auch etwas saugfähiger.

 

Dieses Handtuch erinnert mich sehr an die 50er/60er Jahre. 

Die anderen wirken da schon etwas zeitloser.






Zum Schluss noch einmal alle fünf zusammen:




An den Handtüchern, aus dem vorigen Blogpost habe ich noch nicht wieder gearbeitet.

 

Das schöne Sommerwetter der vergangenen Wochen habe ich erst einmal ausgenutzt, um endlich mit dem Anstrich unseres Hauses weiterzukommen.