Samstag, 18. Juli 2015

Webereien

Im schwedischen Sommer bleibt manchmal einfach zu wenig Zeit zum Bloggen übrig, das heißt aber nicht, dass ich auch das Weben vernachlässigt hätte.


Der W 70 von Louet stand nun lange genug leer herum, jetzt habe ich ihm endlich wieder eine Kette verpasst.


Ob aus dem entstehenden Gewebe - Cottolin in ecru und rot in der Kette, ungebleichtes handgesponnenes Leinen im Schuss -  Läufer oder Handtücher werden, will ich erst später entscheiden.


Die Streifenfolge ist an ein Muster von Ann-Kristin Hallgren angelehnt, das ich dem Ordner Handarbetsbiblioteket gesehen habe.


Der Ordner aus den 70er oder 80er Jahren enthält eine Sammlung von einzelnen Webmusterblättern, die man sich offenbar nach und nach zusammenkaufen konnte. Heute zahlt man beim loppis für den ganzen Ordner keine zwei Euro.



Das Saldrällgewebe, das ich im letzten Herbst auf dem Rita-Webstuhl begonnen hatte, ist mittlerweile auch abgewebt.


Den letzten Rest der Kette habe ich noch für ein paar Farbversuche genutzt.


Die vier Platzdeckchen warten nun darauf, gesäumt zu werden.


Die Rita ist schon wieder aufgebäumt.


Blaues Baumwollgarn 16/2 mit Streifen aus dem gleichen Material in lindgrün und blaugrün.


Das Muster hat Marie Rolander entworfen, es ist in der Väv 3, 2003 auf Seite 37 zu finden. Die Handtücher sind dort rot mit schwarzen und weißen Streifen.


Es handelt sich um einfache Leinwandbindung mit Längsstreifen in Taqueté, es werden 6 Schäfte und 4 Tritte benötigt.
Mir gefällt der Effekt, dass durch dieses Muster die beiden Seiten des Stoffes verschieden aussehen, auf der einen liegen die hellen, auf der anderen die dunklen Streifen.


In der vävstuga webe ich gerade den Läufer Koltrast aus dem Blomkvist Katalog von 1997/98. 

Es ist ein Halbdräll, Baumwollkette und Leinenschuss. Ich verwende als Musterschuss Garne, die ich vor einiger Zeit beim loppis gekauft habe. Der rote Läufer ist 1,30 m lang geworden.


Der blau-grüne Läufer soll 1,80 lang werden.
Sobald die Kette verwebt ist, wollen wir den Webstuhl mit einer Damastausrüstung versehen. 
Ich habe den Eindruck, dass ich aber vorher noch einen dritten Läufer abweben muss...



Dienstag, 23. Juni 2015

Norwegen


Wir sind wieder zurück von einer 14-tägigen Urlaubsreise nach Norwegen, die aber in Schweden begann, da ich die Gelegenheit einer Fahrt Richtung Norden nutzen wollte, um in Sunne im Värmland bei Karin Myrehed ein paar Einkäufe zur Erweiterung meines Damastwebstuhls zu machen.


Da meine Damasteinrichtung ein Selbstbau ist, war es sehr interessant zwei Webstühle mit der Myrehed Dragrustning zu sehen, am linken Webstuhl war sogar die dragrustning in Kombination mit dem harnesktillsats montiert.


Beschwert mit 700 Gewichten à 60 g und diversen Kleinigkeiten ging die Fahrt weiter nach Norden,


über das schwedische Hochland


mit reichlich Rentierbegegnungen


schließlich ins norwegische Røros.


Røros  ist eine alte Bergstadt in der seit dem 17. Jahrhundert Kupfererz abgebaut wurde, viele alte Bauten sind dort noch heute erhalten. Erst 1977 wurde der Bergbau stillgelegt.



In der Altstadt liegt eine recht großes Husflid-Geschäft. Die Husflid-Vereinigung entspricht in etwa dem schwedischen Hemslöjd Zusammenschluss, es handelt sich in beiden Fällen um Interessensgemeinschaften zur Beförderung des Kunsthandwerks.


Hier habe ich ein interessantes Webbuch gefunden,
Åklær, å kle ei seng, å veve et åkle von Anne Grete Sandstad.
Es geht dabei um Bettdecken, die aus Fell und einem gewebten Stoff bestehen. Diese Art Decken waren nicht nur in Norwegen sondern auch in Nordschweden weit verbreitet.



Das Buch hat 191 Seiten und ist 2002 erschienen. Neben einem historischen Teil zeigt es zahlreiche Webmuster zum Nachweben.


Wir haben früher oft in Norwegen Urlaub gemacht und die Reise sollte auch noch einmal viele schöne Erinnerungen wachrufen.


Das hat nicht immer ganz so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben, die Passagiere von insgesamt drei Kreuzfahrtschiffen auf dem Geirangerfjord haben den kleinen Ort derart überflutet, dass wir nur noch, ohne überhaupt einmal anzuhalten, die Flucht ergriffen haben.


In den Tälern war der Frühsommer schon eingezogen,

Stabkirche von Lom
auf den Höhen aber sah es ganz anders aus.


Aufstieg zum Dalsnibba


bei immer schlechter werdendem Wetter.


Jotunheimen Hochstraße


die Seen tauen langsam vom Rand her auf und sind nur dadurch überhaupt erst als solche zu erkennen.


So früh im Jahr waren wir noch nie in Norwegen gewesen, aber Mitte Juni hatten wir nicht mehr mit soviel Schnee gerechnet, wie hier zum Beispiel am Aurlandsfjord.


Auch auf mittlerer Höhe fangen die Bäume erst langsam an sich zu begrünen.


Auf unseren bisherigen Norwegenreisen haben wir nie in der alten Hafenstadt Bergen halt gemacht, ihr Ruf als regenreichste Stadt des Landes hatte uns immer abgeschreckt.


In diesem nassen und kalten Juni aber hatten wir ausgerechnet dort schönes sonniges Wetter.

Tyska Bryggan, Innenhof



Nach dem Stadtbesuch haben wir den Abend auf einem Campingplatz an der Westküste verbracht,


um danach wieder ins Landesinnere zurück zu fahren.


Fischzucht am Hardangerfjord


Uvdal mit alten Gebäuden und Stabbur, einem alten norwegischen Speicher zum Aufbewahren von Lebensmitteln.


Die meisten der vielen, vielen Tunnels in Norwegen sind recht dunkel und man sieht den roh behauenen Fels, aber auf der Hardanger Hochstraße tauchten wir zwischendurch kurz ins Blaue ein.


Über das Numedal ging es langsam zurück nach Schweden ins Dalsland, einem beliebten Paddelrevier.


Hier die Schleuse von Gustavfors, die wir bisher hauptsächlich vom Kajak aus kannten.


Bei strömendem Regen habe ich dann noch ein paar Fotos von den Felszeichnungen in Tanum gemacht. Ich möchte gerne einige davon als Damastmuster verwenden.



Und der Regen ließ den ganzen Tag nicht nach, so dass die ganzen schönen Aussichten an der schwedischen Westküste, wie hier Fjällbacka, nebelverhangen wirkten.



Da nicht mit besserem Wetter zu rechnen war, haben wir die Reise etwas abgekürzt und sind ohne großen Aufenthalt quer durchs Land Richtung Ostküste nach Hause gefahren. Die Entscheidung war tatsächlich nicht falsch, seit Mittsommer sind wir wieder zu Hause aber Sommerwetter ist nicht in Sicht. 
Es regnet und regnet und regnet - aber beim Weben stört das nicht weiter :-))


Samstag, 6. Juni 2015

Vävrally

Um zwei Wochen verspätet kommt hier endlich ein kurzer Bericht von der Vävrally, die einen ganzen Bus voll Weberinnen aus dem südöstlichen Småland nach Västergötland, ins sogenannte garnriket, das Garnreich, gebracht hat.
Organisiert war die Tour wieder von den Sydostvävarna, unserer Regionalgruppe der Riksförening för Handvävning.



Erste Station war das Garnhuset i Kinna, das heutzutage in Fritsla zu finden ist.


Reichlich mit Garnen eingedeckt ging es sofort weiter zu Kasthall in Kinna, einer großen Teppichfabrik mit einem Fabrikverkauf, in dem man neben ausgehenden Kollektionen zu Sonderpreisen Restgarne kaufen kann.
Letzteres war für uns Weber natürlich besonders interessant.


 Mit Wollgarnen in allen möglichen Farben


und Leinenkettgarnen füllten sich die großen Einkaufstüten, alles zu überaus günstigen Kilopreisen.



Dritte und letzte Station war Berits Vävstuga in Hajom.


schon von außen konnte man sehen, was sich mit Webstühlen so alles anstellen lässt.


Innen gab es neben verschiedenen Webmaterialien und neuem und gebrauchtem Webzubehör auch einen Loppis vom Roten Kreuz, bei dem ich günstig ein altes Webbuch von Gertud Ingers, über die Leinenweberei, kaufen konnte.



Im oberen Stockwerk liegt ein recht großer Websaal, leider waren zum Zeitpunkt unseres Besuches nur wenige Webstühle in Betrieb.


Und hier meine Beute: 
Im Hintergrund links, Leinengarne von Kasthall, die großen Spulen in rosa und rot sind gewachstes Leinengarn aus Berits Vävstuga, auf den Kreuzspulen sind Leinengarne 16/1 und Lintow 6, Baumwolle 30/2, Baumwolleffektgarn und rechts im Bild Sammetgarn vom Garnhuset i Kinna.
Der große Strang Leinengarn im Vordergrund ist etwas ganz Besonderes. 
Die ganze lange Busfahrt war sehr unterhaltsam von den Organisatorinnen der Reise, u.a. Anna-Clara, Monika und Eva-Lena gestaltet worden. Dazu gehörte natürlich auch, wie typisch in Schweden, eine Lotterie mit vielen tollen Preisen und ich habe gleich zwei Gewinne gezogen: den großen Strang Hemodlat Lin und eine Kerze mit Leinenduft.