Montag, 30. März 2020

Clasped Weft oder Meet and Separate


Schon Ende Dezember habe ich den Beginn dieses Gewebes gepostet.
Es sollte ein Schal in der Clasped-Weft-Technik entstehen, teils auch Meet and Separate genannt, nur ein deutsches Wort für diese Technik ist mir leider wieder einmal unbekannt. Die Schweden sagen Mötas och Skiljas dazu, vielleicht sollten wir die Technik auch einfach Treffen und Trennen nennen?
In Kette und Schuss hatte ich Baumwolle 16/2. In der Kette waren die Fäden doppelt in einen 60/10 Kamm eingezogen, Bedingt durch die Clasped-Weft-Technik liegt der Faden im Schuss schließlich auch doppelt.


Begonnen hatte ich mit schmalen Streifen auf der grünen Seite des Gewebes



Nach der halben Schallänge habe ich das Streifenmuster auf die türkisfarbene Seite verlegt und dabei auch die Streifenbreite verdoppelt.


Hier sieht man den Schussvorgang, während ich die breiten Streifen webe. Das aktive Schiffchen ist mit dem grünen Faden geladen und wird von der Uniseite aus, also von rechts nach links geworfen, umfängt am linken Rand den dunkel-türkisfarbenen Faden und wird im gleichen Fach zurückgeschossen. Ist der dunkle Streifen fertiggewebt, zieht man den hell-türkisfarbenen Faden ins Gewebe.


Um leichter die beiden Schussfarben der Streifenhälften aufnehmen zu können, habe ich die Garne aufgespult, auch in Schiffchen eingelegt und auf eine Ablage neben dem Webrahmen gelegt.


So kann der jeweilige Faden leicht und ohne sich zu verheddern vom aktiven Schiffchen  aufgenommen werden und leicht abrollen, während der Schuss der einfarbigen Seite ihn durchs Gewebe zieht.


Hier sieht man die Situation an der Trennlinie, während ich die schmalen Streifen gewebt habe.
Nun ist der aktive Schussfaden türkis und wird von links nach rechts geführt. Die Schiffchen mit den beiden Streifenfarben stehen auf der rechten Seite.


Nach dem Weben kommt wie immer erst das Fransenknoten.


So sieht es aus, als hätte ich zwei Schals gewebt :-) 


Aber hier wird klar, dass es sich um ein Teil handelt.


Dadurch dass ich den Mittelstreifen jeweils in der Farbe der Uniseite gewebt habe, ergeben sich dort unterschiedliche Farbeindrücke, das gefällt mir recht gut.



Der fertige Schal ist 30 cm breit und 176 cm lang.

Samstag, 29. Februar 2020

Das blaue Wunder


Obwohl Niedersachsens Hauptstadt nur 100 km von unserem Wohnort entfernt liegt, habe ich es erst ganz zum Schluss geschafft, mir die Wanderaustellung Das blaue Wunder in der Handwerksform Hannover anzusehen.


41 Handweberinnen, 3 Handweber und 4 soziale Webereien zeigten eine eindrucksvolle Fülle von Exponaten, gewebt in den verschiedensten Techniken, geeint durch die Farbe BLAU
Organisiert worden war die Ausstellung vom Verein Weben Plus
Leider waren die einzelnen Stücke schlecht zu fotografieren, da sie meist durch sehr helle, gerichtete Spots beleuchtet waren, die starke Schatten warfen. Ich kann dadurch nur einige wenige Fotos zeigen, die aber alle leider auch keine gute Qualität und Farbtreue aufweisen.


Dieses grafisch gestaltete Damastgewebe von Beate Stürmer zierte schon den Einladungsflyer.


Ausschnitt eines Gewebes von Anneliese Lauf.


 Die interessante Musterung des Kissens von Silke Schnau


 ist besser im Detailbild zu erkennen.


Doris Arendholz zeigte ein sehr dekoratives und spannend strukturiertes Gewebe aus Papiergarn.


Die verschiedensten Blautöne finden sich in Annette Borgwardts doppelgewebtem Kissen wieder.


Auch die subtilen Farbschattierungen der warmen, weichen Wolldecke von Kari Bottke 
sind am Besten in der Detailaufnahme zu sehen.


Von Cornelia Feyll stammen diese außerordentlich dekorativen, gewebten Mobilés.


Sehr gut gefielen mir die Ikatschals von Eva Götze und Wolfgang Weckwarth.


Besonders der rechte Schal, Fuzzy Blue, hat mich beeindruckt.
In der Arbeitsbeschreibung, die zu fast allen Geweben in einem ausgestellten Buch zusammengefasst war, das in der Ausstellung auslag, war dazu Folgendes zu lesen:

"Bordüre Kettikat.
Kette und Schuss sind in nur einem Färbegang gefärbt. 
Blauschattierungen entstehen durch Farbverflechtungen.
Mit nur einem Schussfaden gewebt, in dem das Muster für die gesamte Schallänge vor dem Fäben abgebunden wurde." 
Das Material ist 100 % Seide Grège.

In der Großaufnahme, die ich eigentlich nur gemacht hatte, um den Namen zuordnen zu können, kann man das Gewebe des Schals von Wolfgang Weckwarth etwas genauer sehen.


Der Schal war für mich das Highlight der Ausstellung aber direkt gefolgt von dem großartigen Bildgewebe von Luise Kröger, das das Thema der Ausstellung nun wirklich trifft.


Dieser kleine Einführungsfilm des Handwerforums Hannover  gibt noch mal einen Eindruck der Ausstellung, auch hier ist zu sehen, wie schwierig die Lichtverhältnisse für Fotografie und Film waren.

 











Donnerstag, 30. Januar 2020

Variationen



Ich bin ein großer Fan von Farbverflechtungsmustern und mag das einfache Log Cabin Muster besonders gerne. Über den Schal, der im oberen Bild zu sehen ist, habe ich in einem älteren Blogbeitrag geschrieben, dort findet ihr auch die Webpatrone.


Im Sommer habe ich einen Schal gewebt, bei dem das Log Cabin Muster nur aus den
zwei entgegengesetzten Blöcken gebildet wird, also einem längsgestreiften und einem quergestreiften Block.


Jetzt wollte ich eine Dreiteilung ausprobieren. 



Die Blöcke sollten jeweils durch einen kontrastfarbigen Streifen abgegrenzt werden, der gleichzeitig dazu diente den Blockwechsel zu ermöglichen.


Wegen des laufenden Farbwechsels in der Kette, 1 hell - 1 dunkel, fand ich es praktischer, den Webrahmen mit Hilfe eines Reedekamms aufzubäumen, um erst danach die Fäden durch den Gatterkamm zu ziehen.
 

Mit den älteren Webrahmen, die es oft preiswert über Ebay-Kleinanzeigen zu kaufen gibt, kann man sehr gut arbeiten, sie haben nur einen kleinen Nachteil. Die Löcher der Gatterkämme sind recht klein und nicht so komfartabel ausgestaltet, wie bei den modernen Rahmen z.B. von Ashford, Schacht oder Kromski. 
Durch die Schlitze kommt man gut mit einem Blattstecher, oder wie oben zu sehen einem Litzenstecher. Für die Löcher benutze ich mittlerweile eine Haarverlängerungsschlaufe, das funktioniert wirklich gut. Ich kannte so ein Gerät gar nicht und weiß auch leider nicht mehr, woher ich diesen tollen Tipp habe.


Die eine Hälfte des Schals habe ich auch hier wieder ohne Querunterteilungen gewebt.


Beide hellgrau/mittellgrau Schals sind aus dem gleichen Material gearbeitet, 4-fädiger Sockenwolle mit 25 % Bambusanteil, in Kette und Schuss. Nach dem Waschen und Bügeln mit einem feuchten Tuch sind sie sehr angenehm im Griff und haben einen tollen Fall.




Mir gefällt auch diese neue Variante gut.







Dienstag, 31. Dezember 2019

Mit doppeltem Faden

Bisher habe ich auf Webrahmen nur mit Wolle gewebt, in der Kette hatte ich meistens vier- oder sechs-fädige Sockenwolle, die ich mit vier oder drei Fäden pro Zentimeter verarbeitet habe. Für feinere Garne dagegen, habe ich bisher immer meine Webstühle genutzt.


Doch kürzlich habe ich mir für meinen selbstgebauten Webrahmen einen neuen Gatterkamm gekauft, der die Einteilung 60/10 hat. In meinem Fundus habe ich jede Menge Baumwollgarn Nm 16/2 und ich habe mir vier Farben daraus ausgesucht, um einen leichten Schal zu weben.


Die Idee war, den Schal in der Clasped-Weft-Technik zu weben. Hierbei liegen doppelte Schüsse im gleichen Fach. Schussfaden A wird von einer Seite aus eingegeben, umschlingt den Schussfaden B auf der anderen Gewebeseite und wird im gleichen Fach zurückgeführt. Hierbei zieht er den Faden B eine beliebige Strecke mit, so dass sich eine Quermusterung ergibt.


Häufig werden in dieser Technik solche Zacken gewebt, wie sie hier zu sehen sind.


Weil der Schussfaden doppelt im Fach zu liegen kommt, habe ich auch die Kettfäden gleich doppelt eingezogen, um so ein ausgeglichenes Gewebe zu bekommen und um dadurch auch eine Garnstärke zu haben, die mit 6 Fäden pro Zentimeter ein stabiles Gewebe ergibt.


Nach dem Anweben habe ich die ersten beiden Schüsse zur Randbefestigung mit einem einfachem Schussgarnfaden umstochen.


Ich möchte die eine Hälfte des Schals uni und die andere gestreift abweben. Von der Schalmitte an sollen die Streifen auf der türkisfarbenen Seite liegen und die hellgrüne einfarbig bleiben.




Der Farbstreifen in der Mitte erleichtert den Farbwechsel und soll etwas von der Ungenauigkeit ablenken, die dabei leicht entsteht.


Hätte ich mehr Geduld würde der Farbübergang sicher schöner, aber das Weben geht mir auch so schon langsam genug...



Samstag, 30. November 2019

Gestricktes

Außer Socken, hatte ich schon lange nichts mehr gestrickt, als ich im letzten Herbst, bei einer Lotterie unserer Vävstuga in Virserum, ein Gewinnlos zog.


Ich konnte mich über 100 g einfädige, naturbelassene Ökowolle von Gotlandsschafen freuen, die in Hässlid, am Rande Virserums gehalten werden.  Dazu gab es die Anleitung für ein Dreieckstuch mit einem traditionellen Spitzenmuster.


Mit dem Stricken angefangen habe ich gleich am nächsten Tag, bin aber nicht so fleißig dabeigeblieben, so dass ich erst kürzlich so weit war, dass ich endlich abketten konnte.


Wenn ich etwas sehr locker abketten will, nehme ich immer gern eine besonders dicke Nadel zu Hilfe.


Als nächster Schritt folgte das Waschen und Spannen des Getricks.


Endlich konnte man die Größe des Tuchs erkennen


und auch das Muster trat nun deutlicher hervor.


Es ist ein wunderbar leichtes aber sehr gut wärmendes Tuch entstanden.


Schön, dass es genau passend für diese Jahreszeit fertig geworden ist.