Freitag, 28. März 2014

Versponnen

Mittlerweile habe ich die kleine Probe Filzwolle versponnen, die ich auf der Creativa gekauft habe.


Ich habe vorm Spinnen die verschiedenen Farblagen voneinander getrennt. So konnte ich den erwünschten Farbverlauf besser kontrollieren.


Früher steckten einige Firmen Beilaufgarn in ihre Sockengarn-Knäuel, damit konnte man Hacken und Spitze verstärken. Da ich aus Strumpfwolle oft Pullover und Jacken gestrickt habe, hat sich im Laufe der Zeit eine Menge bisher ungenutztes Beilaufgarn bei mir angesammelt.


Nun kam mir die Idee, ein paar Spulen davon zum Verzwirnen des Piiku-Garns zu benutzen.




Eine passende Lazy-Kate war schnell  aus einem Pappkarton und zwei Fahrradspeichen gebaut.




Jetzt suche ich nach einem Verwendungszweck für ca. 70 g etwas rustikaler, aber weicher Wolle.
 





Samstag, 22. März 2014

Creativa 2014

Donnerstag war ich zum ersten Mal auf der Creativa in Dortmund, zu fünft hatten wir uns auf den Weg gemacht. Da wir alle weben, war die Halle 6 mit dem Thema Forum Textile Handwerke, unser Hauptziel.


Hier fiel gleich der große Stand von Weben+ auf, an dem Webvorführungen stattfanden und die Besucher die verschiedensten Webgeräte selbst ausprobieren konnten. 
Die Geschichte von Weben+ begann 1999, als in Deutschland das Interesse am Weberhandwerk auf einem Tiefpunkt angelangt war. Inge und Michael Seelig richteten gemeinsam mit der Weberinnung Norddeutschland einen ersten Kongresss aus, der auf große Zustimmung traf und in eine Novellierung der Ausbildung für das Handweben mündete.
Auf dem 2. Kongress im Jahr 2001, der unter dem Namen Forum für Handweben lief, wurde der Verein Weben+ gegründet. Dieser bringt zweimal jährlich eine Mitgliederzeitung heraus, die auch Nichtmitglieder abonnieren können.


Genau gegenüber hatte Ulrike Helfrich vom Eiderstedter Garnkontor ihren Stand.


Der Sonderpreis für das Chenillegarn hat mich dort sofort zu meinem ersten Kauf verlockt.


Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass die Firma Zürcher Stalder auch auf der Messe vertreten war. Bei den Schweizern hatte ich mich immer mit merzerisiertem Baumwollgarn versorgt, aus dem ich gerne Schals webe. Mein Vorrat war mittlerweile knapp geworden und so konnte ich ihn mit neuen Farben wieder auffüllen.


Zwei Spulen Baumwollgarn fürs Brettchenweben habe ich auch noch mitgenommen. 
Den wunderschönen Baumwoll-Schlingenzwirn, den ich gerade in Schweden verwebe, hatten sie leider nicht dabei, also muss ich wohl eine Bestellung aufgeben und auf ein Päckchen aus der Schweiz warten.


Dieser sehr kleine aber voll funktionsfähige Miniwebstuhl war am Infostand des  
Textilen Zentrums Haslach in Österreich zu sehen. Wer dem Link folgt, findet dort u.a. ein reichhaltiges Kursprogramm.


Wer sich fürs Klöppeln oder Quilten interessiert, hätte sich in Halle 6 noch Vieles ansehen können, ich habe lieber einigen Mitgliedern der Handspinngilde e.V.  ein paar Minuten zugeguckt.


Eigentlich hatte ich erwartet, hier in der Nähe der Spinner und Spinnerinnen auch ein paar Spinnradhersteller anzutreffen, die ihre Modelle präsentieren oder vielleicht einen Stand mit Spindeln aller Art, zumindest ein großes Angebot an Fasern, aber von alledem gab es hier nichts.


Ein paar Stände mit Wolle zum Spinnen und Filzen fand ich dann doch noch versprengt verteilt
in Halle 4. 
Hier der Stand der Firma Piiku, die Wolle vom finnischen Landschaf verkauft, die auf dem eigenen Hof in Finnland gewaschen, gefärbt und kardiert wird.


Die als Vlies aufbereitete Wolle ist aber wohl hauptsächlich fürs Filzen gedacht. Bei meinem Spinnversuch gestern abend, brachte ich daraus jedenfalls nicht das von mir erwünschte Garn zustande, dafür waren noch zu viele kleine Knübblchen in meinen 50 g Vlies.



Beim Wandern durch Halle 4 fand ich dann noch zwei weitere Stände, die mich interessierten. 
Schöne Schnittmuster und passende Stoffe gab es bei Natur zum Anziehen



Dieser Jackenschnitt gefiel mir gut, den Stoff dazu will ich mir aber selber weben.


Und am Stand von Blauweißchen habe ich mir einen kleinen Druckmodel mit passender Farbe gekauft.


Die Messe für Gartenkultur und ländliche Lebensart in Halle 5 hat mich überhaupt nicht interessiert und die auch dort stattfindende Perlenexpo hat mich regelrecht erschlagen.


Perlen, Perlen, Perlen, aber für mich sah es so aus, als hätten die meisten Händler annähernd das Gleiche angeboten. 


Trotzdem bin ich an irgendeinem Stand schwach geworden und habe mir ein kleine Tüte mit zwei verschiedenen Perlensorten gefüllt. Bei den Perlen auf der linken Seite, gefiel mir das gelegentliche Aufblitzen der sonst matt wirkenden Oberflächen und bei einfachen grafischen Mustern, wie sie die schwarzweißen Perlen aufweisen, kann ich sowieso nur selten widerstehen.


Das Einzige, was mich auf der Perlenexpo wirklich in seinen Bann gezogen hat, waren die gehäkelten Schlauchketten, die Brigitte Iländer unter dem Namen Solidbeads anbot.
Man konnte fertige Ketten aber auch Anleitungen und  Materialpackungen kaufen.

Ich bin mir sicher, dass ich diese Technik bald einmal ausprobieren werde. Im Internet gibt es eine ganze Reihe interessanter Filme dazu.





Wir hatten einen wirklich schönen Tag, aber ich werde die Creativa nicht wieder besuchen, denn meine Interessensgebiete fand ich dort kaum wiedergespiegelt, dafür waren auf dieser Riesenmesse einfach zu wenig Anbieter beteiligt, die die Themen Weben und Spinnen abdecken.





Samstag, 15. März 2014

Erste Rahmengewebe


Früher habe ich die Ketten für meine Webrahmen ganz normal auf dem Schärbrett abgelängt, das Fadenkreuz abgebunden und dann durch den Gatterkamm gezogen.


Den ganzen Vorgang beschreibt Ursula Kircher sehr gut in ihrem 1979 erschienenen Buch, Weben auf Rahmen, das bei der Firma Holzkircher kostenlos heruntergeladen werden kann.


Meinen neuen Rahmen habe ich aber nach der schnelleren Methode aufgezogen, wie sie im Anleitungsvideo der Firma Ashford zu sehen ist.


Mein erstes Gewebe sollte ein Schal werden. 
Als Kette wollte ich das Kunstgarn von Hjertegarn verwenden, ein schönes, weiches, ungezwirntes Farbverlaufgarn.


Als Schussgarn habe ich Sivilla, ein Wolle-Seide Gemisch der finnischen Firma Wetterhoff ausgewählt.


Für die neue Aufbäum-Methode benötigt man einen Zapfen, der das Ablängen der Kettfäden ermöglicht. Er lässt sich sehr einfach selbst bauen. Mein Mann hat dafür ein Stück Besenstiel in ein Reststück Buchenholz geleimt und dieses Grundbrett mit einer Zwinge versehen.



Nun wird der Webrahmen auf einen Tisch gestellt und der Fadenanfang am Anlängerstab des Kettbaums festgeknotet, danach wird jeweils eine Doppelschlinge durch die Schlitze des Gatterkamms gezogen und um Zapfen gelegt, der in Kettlängen-Entfernung festgeschraubt ist. 
Sind alle Kettfäden durchgezogen, schneidet man die Schlinge am Kettzapfen auf und bäumt die Kette durch den Gatterkamm, der so auch als Reedekamm wirkt. Ich habe dabei einen Bogen Packpapier mit aufgerollt, damit die Kettlagen sich nicht verhakeln.


 

Es stecken jetzt jeweils zwei Fäden in jedem Schlitz, einer davon wird herausgezogen und in das daneben liegende Loch gefädelt. Bei meinem Kamm ging das sehr gut mit meinem alten Litzenstecher.


Nachdem die Fäden an den Anlängerstab am Warenbaum geknotet sind, kann losgewebt werden.


Leider gestaltete sich das Weben als sehr schwierig. Das hatte zum Glück nichts mit der Konstruktion des Rahmens zu tun, ich hatte nur ein völlig ungeeignetes Kettgarn gewählt.


Dass es nicht so einfach werden würde, mit einem ungezwirnten Garn in der Kette zu arbeiten, war mir klar gewesen, ich hatte das Garn aber doch etwas belastbarer eingeschätzt. Da ich gerne Längsstreifen haben wollte, wäre es als Schussmaterial aber nicht in Frage gekommen.


In der Nahaufnahme kann man ganz gut sehen, wie sich die Reibung im Kamm auswirkte, das Garn faserte regelrecht auf, die feinen Fasern verhedderten sich mit anderen Kettfäden, so dass kein sauberes Fach entstand und fehlerfreies Weben kaum noch möglich war und nachdem die ersten Kettrisse auftraten, habe ich die Qual für mich und das Garn beendet und aufgegeben. 


Sicher hätte ich noch die Möglichkeit gehabt, mit einer Schlichte zu arbeiten, um die Fäden zu glätten, aber irgendwie hat es mir widerstrebt, ein wunderschönes Schussgarn in eine Kette zu zwingen und der Webanfang hätte sich auch optisch dramatisch vom Restgewebe unterschieden. 



So habe ich also eine kleine Probe gewebt und dabei mal wieder gelernt, dass nicht immer alles nach Wunsch geht. Das kleine Gewebestück ist sehr leicht und hat einen sehr schönen Fall. Mit dem glatten Sivilla in der Kette und Kunstgarn im Schuss werde ich sicher noch einmal etwas weben.



Ich habe dann meinen Wollvorrat durchsucht und Material für einen weiteren Schalversuch gefunden.


Ein altes Knäuel bunter Sockenwolle, das ich irgendwann einmal sehr billig bekommen habe, schien mir als Musterfarbe geeignet.


Auch die Außenränder und der Schuss sind aus Sockengarn, Meilenweit Merino von Lana Grossa, in rötlichem Lila. Mit einem Blau-Lila habe ich die gemusterten Streifen voneinander abgesetzt. Ich webe auch auf dem Rahmen mit einem Weberschiffchen, ein flaches Damastschiffchen funktioniert wunderbar und das Weben geht viel schneller als mit den einfachen Webnadeln.


Die ganze letzte Woche hatte ich Glück mit dem Wetter, so dass der kleine Rahmen seinen Hauptzweck erfüllen konnte, nämlich das Draußenweben zu ermöglichen.


Mit der neuen Kette lief das Weben wunderbar. Der Webrahmen ist lang genug, dass man hinten Leseleisten einlegen kann, das unterstützt noch einmal eine saubere Fachbildung, weil verdrehte Fäden so keinen Ärger machen können.


Den ganzen Schal konnte ich draußen im Sonnenschein sitzend, abweben.


Um die Kette so weit wie möglich nutzen zu können, habe ich kurz vorm Webende die Geleseleisten herausgenommen und durch einen Baumwollfaden ersetzt. Dieses Fadenkreuz (im wahrsten Sinne des Wortes), nimmt wesentlich weniger Platz weg.


Die Fransen sind gedreht, jetzt muss der Schal nur noch gewaschen werden.


Sockenwolle ist ja meist so ausgerüstet, dass sie nicht verfilzt und problemlos in der Waschmaschine gewaschen werden kann. Daher hat sich nach der Wäsche am Erscheinungsbild auch nicht viel geändert.




Samstag, 8. März 2014

Bauplan für einen Webrahmen mit Gatterkamm

In der 9. oder 10. Klasse, so genau weiß ich das nicht mehr, haben wir im Handarbeitsunterricht an Kircher Webrahmen gewebt. Damals war ich an einer Mädchenrealschule in Wuppertal, es sollte ein Wollstoff gewebt werden, aus dem wir uns nach Fertigstellung einen engen Rock nähen sollten. 
Wir webten mit einfachem Strickgarn, Nadelstärke etwa 3, ich vermute daher, dass wir einen 40/10 Gatterkamm hatten, die Rahmen waren wahrscheinlich 80 cm breit.
Ich schwärmte damals für Juliette Gréco und wollte keinen Rock sondern ein schmales, schwarzes, ärmelloses Etuikleid.
Die Lehrerin war einverstanden, ich durfte eine entsprechend längere Kette aufziehen, aber meine Mutter legte ihr Veto ein bei der Farbe schwarz. Ihrer Meinung nach war das nichts für ein junges Mädchen, der Kompromiss war dann dunkelgrün.
Ich habe den Stoff gewebt, das Kleid genäht und es nie getragen - dunkelgrün - du meine Güte...

Als ich Jahre später, während ich an der Kölner Uni an meiner Diplomarbeit schrieb, an der dortigen PH ein paar Semester Textilgestaltung studierte, interessierten mich besonders die Webkurse. Während wir in der Schule immerhin mit Webrahmen ausgestattet gewesen waren, gab es an der PH aber keinerlei Webgerätschaften, die Kurse waren rein theoretisch, Bindungsproben wurden auf Bierdeckeln gewebt gestopft.

Kaum verdiente ich mein erstes Geld, habe ich Holz gekauft, dazu einen 60 cm Gatterkamm von Kircher und mir einen Webrahmen gebaut. Ein fertiger Webrahmen war mir einfach zu teuer und es erschien mir nicht so schwierig sowas selber zu machen. Mein Eigenbau funktionierte wunderbar, dennoch habe ich damals nur eine einzige Stola darauf gewebt, danach stand der Rahmen jahrelang in der Ecke, denn das Weben hatte mich gepackt und ich kaufte mir nach einem einwöchigen Webkurs meinen ersten Webstuhl, einen Glimåkra Ideal mit Kontermarsch, 8 Schäften und 10 Tritten, Webbrete 100 cm.

Viel später habe ich meinen Rahmen eine Zeitlang für Bildweberei genutzt und im Laufe der Zeit noch einen 80er Webrahmen von Kircher und einen 100er Eitorfer-Webrahmen geschenkt bekommen, der überwiegende Teil meiner Webereien ist aber auf meinen Schaft-Webstühlen entstanden.

Doch plötzlich hatte ich Lust darauf, wieder mit einem Webrahmen zu arbeiten. 
Die Vorstellung, so ein Teil ohne Probleme draußen nutzen zu können oder im Urlaub dabei zu haben, hat mich irgendwie gereizt. Dafür sollte der Rahmen aber wirklich klein und handlich sein, für größere Arbeiten würde ich sowieso die Webstühle nutzen, aber ab und an ein Schal oder mal eine Gewebeprobe, das stellte ich mir reizvoll vor. 
40 cm Webbreite sollte es sein und dieses Mal musste ich noch nicht einmal selber bauen, die ganze Arbeit hat mein Mann übernommen.

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Alles begann mit einem einfachen Regalbrett, 80 x 20 cm.


Die feinen Bleistiftlinien auf dem Brett sind kaum zu erkennen, aber aus der Zeichnung kann man die platzsparende Anordnung der Bauteile gut sehen.


 

Die beiden Seitenteile sind nun durch die Streichriegel verbunden. Die Leiste am Boden haben wir erst ganz zum Schluss festgeschraubt, sie soll später dazu dienen, den Rahmen mit einer Schraubzwinge am Tisch zu befestigen.



Der ganze Webrahmen ist aus Holz gebaut, das von anderen Projekten übriggeblieben war. Für die Streichbäume, sowie Kett-und Warenbaum fanden wir Buchenrundholz mit einem Durchmesser von 22 mm in unserem Vorrat.




 

Auf der rechten Seite des Rahmens ist für den Drehgriff ein kleines Rundholz durch die Achse der Bäume gesteckt und mit einer kleinen Schraube befestigt worden.




Auf der linken Seite sind die Klinkenräder angebracht, sie sind aus 10 mm starkem Sperrholz gesägt.



Um die Konstruktion der Klinkenräder zu erklären, hat mein Mann in eine Zeichnung gemacht.




Hier sind jetzt die Sperrhaken angebracht, sie sind auch aus Sperrholz gesägt, und die Aufnahmen für den Gatterkamm.

 


Ich habe zwei 40 cm lange Gatterkämme mit der Einteilung 30/10 und  40/10 gekauft. Beide sind von Ashford hergestellt und recht preiswert im Handel zu bekommen.



Die Rastung für den Kamm ist auf ein dünnes Sperrholzbrettchen geklebt. Wie der Zeichnung zu entnehmen ist, werden zwei Rastungshölzer ausgesägt und zwei Sperrholzbrettchen, beim Aufkleben sollte darauf geachtet werden, die Teile spiegelbildlich zusammenzusetzen.



Wer andere Kämme benutzen möchte, kann sich anhand der Zeichnung ausrechnen, wie die Rastung für die Kämme gebaut werden muss. Zum Warenbaum hin sind die beiden Stellungen für das Oberfach und das Unterfach angebracht. Die Neutrallage ist in Richtung Kettbaum gerichtet.



Nun fehlten nur noch die Anlängerschnüre und die erste Kette konnte aufgezogen werden.